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Überstunden: So schicken Sie Ihren Chef ins Gefängnis
Corbis

Ihr Chef beutet Sie aus? Dann wehren Sie sich! Bosse, die ihren Mitarbeiter zu viele Überstunden aufbrummen, müssen schlimmstenfalls in den Knast. Ein Überblick über Ihre Rechte.

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dipl.inge82 23.01.2015, 20:57
50.

Ich hab beim letzten Jobwechsel knapp 1000 Überstunden verpuffen lassen, angesammelt in 2 Jahren. Trotzdem besser ein Ende mit Schrecken, als...
Nur war es für mich auch relativ einfach bei der Geschäftsführung richtig auf die Kacke zu hauen und auf die Konsequenzen zu pfeifen. Die Kollegen mit Kindern in Schule oder Studium, dazu noch eine schöne Hypothek, sind in der strukturschwachen Gegend weniger offensiv. Was ich gut verstehen kann.

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ice945 23.01.2015, 21:03
51. Was für Arbeitszeiten???

Zitat von i_bank
sind eher etwas für Tarifmitarbeiter mit Weihnachtsgeld. In der Branche in der ich tätig bin sind 80-100 Wochenstunden absolut die Regel.
Solche Leute kenne ich auch... die sind dann auch immer ganz stolz darauf, wenn sie ihre faktorierbaren Stunden schon im August voll haben und von dort bis Neujahr alles nur noch Überstunden sind... Andere Menschen entscheiden sich da eher für einen Beruf der nebenbei ein Leben ermöglicht...

Übrigens, Tarifmitarbeiter mit Weihnachtsgeld haben auch nicht immer geregelte Arbeitszeiten, z.B. Ärzte. Da ist auch nichts mit 9 to 5, sondern der obligatorische 24h-Dienst oder auch gerne zwei Schichten ohne die 11 Stunden Ruhezeit dazwischen.

Selbst wir "faulen" Menschen im öffentlichen Dienst kommen leider auch nicht ohne unbezahlte Überstunden aus. Geld für mehr Personal ist halt leider nicht in den öffentlichen Kassen zu finden (das fließt nämlich leider immer in irgendwelche Prestigeprojekte...). Geschweige denn Geld für Überstunden.

Aber - wie schon in mehreren Beiträgen erwähnt - am Ende ist jeder für sich selbst verantwortlich. Natürlich spielen viele Überlegungen eine Rolle, gerade wenn man vielleicht noch der Alleinverdiener ist und drei Kinder hat. Die einen können es sich leisten auf direkte Konfrontation zu gehen und andere nicht. Das pauschal zu verurteilen wird der Realität vieler Arbeitnehmer einfach nicht gerecht.

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widower+2 23.01.2015, 21:03
52. Toller Hecht!

Zitat von i_bank
sind eher etwas für Tarifmitarbeiter mit Weihnachtsgeld. In der Branche in der ich tätig bin sind 80-100 Wochenstunden absolut die Regel.
Damit sind Sie und Ihre Branche das Problem und die Lösung kann eigentlich nur noch eine Zwangseinweisung in die Psychatrie wegen Eigengefährdung sein.

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numey 23.01.2015, 22:06
53.

Einige hier wundern sich nicht ganz zu Unrecht, wieso sich so viele nicht wehren. Ich habe mir das Spielchen über mehrere Jahre hinweg „von außen“ angeschaut, und schließlich, als ich selbst am Verzweifeln war, habe ich der Gewerbeaufsicht einen Tipp gegeben. Hier also ein paar Gründe, warum man sich manchmal nicht (sofort) wehrt.

1. Nicht jeder findet "einfach so" wieder einen Job. Vor allem ältere Arbeitnehmer fürchten, dass ein Aufbegehren praktisch postwendend in Hartz IV führen könnte.

2. Ist man in dem Hamsterrad gefangen, ist man außerhalb der Arbeit so groggy, dass man sich der Suche nach einem neuen Job nicht gewachsen fühlt, und auch de facto keine Zeit dafür hat, zu recherchieren, gute Bewerbungen zu schreiben, für Bewerbungsgespräche verfügbar zu sein.

3. Elternhaus und/oder Familie können eine große Rolle spielen. Wer immer wieder massiv eingetrichtert bekommt: "Sei froh, dass du überhaupt Arbeit hast/Andere Arbeitgeber sind auch nicht besser/NOCH schlimmer/Und bedenke, dann hast du wieder Probezeit", statt zum Jobwechsel motiviert zu werden, weil er ausgebeutet wird, der glaubt, es sei "guter Rat aus langjähriger Berufserfahrung", dass er lieber keinen Jobwechsel riskiert. Erst recht nicht, indem er erst kündigt, und dann sucht.

4. Loyalität. Aber nicht zum AG, sondern zu den Kollegen. Man hat das Gefühl, sie im Stich zu lassen, wenn man einfach heimgeht, während sie noch Überstunden leisten. Aus dem gleichen Grund geht man dann auch krank zur Arbeit.

5. Oft „steht die Existenz der Firma auf dem Spiel“. Wenn dieses Projekt nicht fristgerecht fertig wird, werden alle arbeitslos. Also werden Überstunden geleistet, um die eigene Existenz mit zu retten.


Teil 1/2

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numey 23.01.2015, 22:08
54.

Teil 2/2

6. Versprechungen: Gerade bei hohen, aber erst am Jahresende in Aussicht gestellten Bonuszahlungen kann der Chef leicht suggerieren, dass der Bonus mit jedem Projekt höher und höher wird – das will man sich nicht entgehen lassen, indem man vor Jahresende kündigt.
Aber auch baldiger Freizeitausgleich, Betriebsfeste, Lohnerhöhung, oder bei Projektabschluss schick essen gehen werden gern in Aussicht gestellt – nur um dann entweder „vergessen“, ewig „aus Zeitmangel“ verschoben oder in weitaus popeligerer Form umgesetzt zu werden (schick essen = der Chef wirft eine Tüte Würstl und Brezn auf den Tisch im Pausenraum). Oder es wird im Sommer ein gigantischer Bonus zu Weihnachten in Aussicht gestellt, wenn sich alle richtig ins Zeug legen und fristgerecht fertig werden. Im Dez. regt sich der Chef dann wegen irgendeiner Lappalie auf, und kürzt oder streicht den Bonus. Im nächsten Jahr das gleiche Spiel, nur diesmal ist es ein „Umsatzeinbruch“ oder „der Bauleiter hat so viele Mängel festgestellt, wir haben praktisch ins Minus gearbeitet“, so dass der Bonus „beim besten Willen nicht drin ist“ - aber im nächsten Sommer, da gibt’s dafür das Doppelte...

7. Verzögerungstaktiken: Es ist schwierig, eine Beschwerde zu formulieren, wenn einem gesagt wird, dass der Chef dem AN nur zu gern helfen möchte, aber leider ist immer gerade irgendwas Blödes passiert: Der Steuerberater hat die Unterlagen noch nicht fertig, die Sekretärin ist im Urlaub, Chef 1 braucht den Segen von Chef 2, Chef 2 kommt aber erst morgen wieder, und beim nächsten Nachhaken hat Chef 1 dann vergessen, Chef 2 zu fragen, jetzt ist es schlecht, er kommt sonst zu spät zu einem Termin etc. Natürlich bringt es rein gar nichts, für sein Anliegen einen Mitarbeiter-Termin zu vereinbaren, was man ja tun soll, wenn der Chef immer sagt, dass er keine Zeit hat. Denn den Termin hat der Chef natürlich wieder vergessen, doppelt verplant, hat die nötigen Unterlagen bis dahin noch nicht fertig (weil der blöde Steuerberater...), oder er kann die im Gespräch erbetene Entscheidung nicht treffen, weil er erst die Zustimmung des 2. Chefs...na...und immer so weiter. In unserem Fall war es eine Mischung aus geschickter Strategie und echter Unfähigkeit, Struktur ins Büro zu bringen.


10.Wunsch nach Anerkennung
Irgendwann, so meint der AN, muss der Tag kommen, in dem sich die ganze Quälerei auszahlt.
Es kann mitunter sehr lange dauern, bis der MA erkennt, dass das alles nur eine fiese Masche ist. Bis er überhaupt BEGREIFT, dass er strategisch ausgebeutet wird – und dann kann es eben noch eine ganze Weile dauern, bis man einen Weg findet, um halbwegs heile da raus zu kommen.

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Big_Jim 23.01.2015, 22:14
55. Papier ist geduldig...

Im Sicherheitsdienst gibt es bei uns eigentlich nur 9-13 Stunden Schichten und die oft jeweils 7-12 Tage am Stück und dann vielleicht zwei Tage frei. Das Problem ist, dass man ohne diese Monsterschichten aber nie über die Runden kommen kann denn bei 9 Euro/brutto die Stunde ist mit 160 Stunden im Monat wohl kaum eine Familie zu ernähren. Wie siehts also aus wenn die Mitarbeiter freiwillig mehr arbeiten?

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furbacchione 23.01.2015, 22:19
56. Ach was ...

... Es geht auch anders.
Bei uns ploppt rechtzeitig vor überschreiten der Obergrenze eine Info am PC auf und weist auf den drohenden Verstoß hin. Bei einem echten Verstoß erhält der Vorgesetzte einen Auftrag für ein Gespräch. Ausnahmen? Keine. Wir verarbeiten keine verderblichen Waren, wir haben uns an die Gesetze zu halten - so einfach ist das.

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macavaty 23.01.2015, 22:23
57. Ja, lasst euch nur verheizen.

Wenn ich so einige Kommentare hier lese, kann ich nur sagen: selbst schuld, wenn ihr nach ein paar Jahren einfach nur noch fertig seid. Aber ihr habt ja euren Job erhalten, toll.
Wer sich nicht gegen diese Ausbeutung wehrt, handelt unsolidarisch und schädigt die Gemeinschaft. Ich bin grundsätzlich bereit, zu jeder Tages- oder Nachtzeit in meinem Job (IT) zu arbeiten, wenn es wirklich nötig ist und Schaden abgewendet wird - aber wirklich nur dann. Die permanente Überlastung entfremdet vom sozialen Umfeld und tötet schließlich.

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tomrobert 23.01.2015, 22:33
58. Der wirtschaftlich Schwächer hat keine Chance!!

Da können die besten Gesetzt verabschiedet und sogar in den Arbeitsvertrag geschrieben werden, letztlich gewinnt der Arbeitnehmer auch den Rechtsstreit. Danach aber ist er arbeitslos und letztlich auf Harz IV Niveau. da das Arbeitslosengeld bald auf Harz IV herab gesenkt wurde.
Ja und was dann?
Die Leute pfeifen sogar auf den höheren Mindestlohn. Da schreibt der Chef die Stunden wie es ihm passt, und der Arbeitnehmer unterschreibt willig blind, weil er sonst arbeitslos ist.
Die einzige Möglichkeit einen Ausgleich zu schaffen wäre das Leistung unabhängige Grundeinkommen in einer Höhe, die es dem Arbeitnehmer erlaubt unabhängiger zu agieren.
Sonst bleibt er ewiger Lohnsklave für den Demokratie sich immer weiter entfernt.

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suhlerin 23.01.2015, 22:51
59. Hallo Dulefan

ja das mit dem Betriebsrat ist so eine Sache.Mein Mann hat eine Gründung initiiert und sein Chef hat das Spinnen angefangen. Wie ein Kind dem man das Spielzeug wegnehmen will.Hat beim AG eine außerord.Kündigung beantragt.Wie ein Irrer.Nun entscheidet das AG. Hier iszt es immer gut wenn man eine starke Gewerkschaft hinter sich weis. Aber trotzdem muss man für seine Rechte kämpfen. Denn:Wer die Freiheit zugunsten der Sicherheit aufgibt verliert am Ende beides.Man muss auch für seine Rechte eintreten und sie sich erstreiten.

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