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Umfrage der Gewerkschaft: Flugbegleiter werden häufig sexuell belästigt
Frank Rumpenhorst/ DPA

Anzügliche Kommentare, unerwünschte körperliche Nähe: Viele Flugbegleiter haben nach SPIEGEL-Informationen schon sexuelle Belästigung erfahren. Die Kabinengewerkschaft UFO legt nun Zahlen für Deutschland vor.

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Gluehweintrinker 10.05.2019, 11:41
1. Es sollte verwundern, wenn es nicht so wäre.

Wer würde denn erwarten, dass es irgendeine Branche, Vereinigung oder Betrieb gäbe, in welcher/m keine sexuelle Belästigung statt fände, wenn es sogar in der "Heìligsten" aller Institutionen Gang und Gäbe ist?

Als Besatzungsmitglied halte ich mich zum Glück für psychisch ziemlich robust und dürfte wohl aufgrund meines Alters schon nicht mehr im Hauptfokus der potenziellen Belästiger stehen, jedoch weiß ich nur zu gut wie es sich anfühlt. Als ich noch bei einem Warenhauskonzern tätig war, klebte eine Kollegin permanent an mir, die sich ständig in und wiederholt in schwule Männer verliebte und nicht bemerkte, dass sie aifs falsche Pferd setzte. Höchst unangenehm waren die Liebesbezeugungen vor versammelter Mannschaft "Ich habe heute geträumt von dir". War das Coming Out vollbracht, saß sie in der Schmollecke, und dann begann mich die Geschäftsleitung zu mobben.

Eine bessere Umgebung als eine Fluggesellschaft gibt es nach meiner Ansicht für sexuelle Minderheiten nicht, auch wenn hier die Arbeit gegem sexuelle Belästigung natürlich wie überall eine permanente ist und sein muss. Bei der größten Airline in Deutschland sind längst sogenannte Guidelines für korrektes Verhalten am Arbeitsplatz implementiert.

Zur Umfrag: jedes Gewerkschaftsmitglied der UFO besitzt ein Mitglieds-Login. Leicht hätte man die Umfrage unter UFO-Mitgliedern durchführen können und so wäre es ausgeschlossen gewesen, dass sich Berufsfremde beteiligen.

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peterpahn 10.05.2019, 12:04
2. Alice Schwarzer nennt es "Lächel-Berufe", deren weibliche ....

Alice Schwarzer nennt es "Lächel-Berufe", deren weibliche Angehörige überproportional oft sexuell konnotierten Annäherungen ausgesetzt sind, also z.B. in Hotels und Restaurants. Wobei, ich denke, in anderen Branchen läuft es vielleicht bloß subtiler und geht dann weniger von Flug(Gästen) aus, sondern von Vorgesetzten.

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rosselfee1 10.05.2019, 12:19
3. überall....

Dort, wo räumliche Enge oder direkte Nähe zum Arbeitsbereich gehören, ist der Übergriff oder Anmache nicht weit.
Dieses Thema ist nun zum Glück kein Tabu mehr....und dennoch gibt es auch heute teils noch Menschen, die im Denken und Verhalten in den 1950er Jahren hängen.
Wer Übergriffe, gleich welcher Art, erlebt hat, muss es aussprechen. Familiengeheimnisse, die nie thematisiert wurden, machen Generationen blind und Taub für die Themen Gewalt und Übergriffe in allen Bereichen....
kann jeder, der therapeutisch mit den Themen zu tun hat(te) ein Buch darüber schreiben....
Öffentlichkeit herstellen schützt, das war schon immer so. Aber, leider gibts immer noch " Mittäter", die blockieren, sie der Fall NRW Kampingplatz... da dürften seltsame Gestalten gewirkt haben, dass Beweismaterial verschwand. Auch die Kategorie Profi gab und gibts leider immer....

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rosenblum64 10.05.2019, 12:51
4. Wirklich!????

Manchmal wundert man sich tatsächlich darüber, welche Schlagzeilen einen betroffen machen sollen. Flugpersonal wird sexuell belästigt? Wer ist davon überrascht? Mitglieder des kleinen aber feinen Clubs der extrem Flugverängstigten? Pathologische Zugfahrer? Meine Oma?
1. Die Fluglinien schneiden die Uniformen des weiblichen Personals so, dass die Flugbegleiterinnen sexualisiert werden. Je kürzer und geiler, desto besser.
2. Morgens und abends fliegen vor allem Männer zwischen Hamburg, Berlin, München und Köln hin und her, die alle im Anti-Quoten-und-Macho-Land Germany sozialisiert wurden. Die betrachten sich selbst als Kunden (obwohl die wenigsten ihre Flüge selbst zahlen), die sich am Freiwild Kabinenpersonal bedienen dürfen. Man will den anderen Typen ja imponieren.
3. Ehegattensplitting, Lehrerberuf, Elternzeit, Herdprämie, Religionsunterricht an Schulen... Deutschland ist ein rückständiges Land, das in Sachen Gleichstellung Jahrzehnte hinter Skandinavien, den Beneluxstaaten und sogar Irland hinterher hinkt. Frauen haben hier eben einen Status wie in Schweden des frühen 18. Jahrhundert.
4. Kinderstube ist gerade unter männlichen Geschäftsreisenden ein bewusstes No Go. Dafür sind die alle viel zu wichtig. Kein Danke, kein Bitte, kein höfliches Miteinander. Gute Erziehung und ein freundliches Wesen könnte ja als Schwäche ausgelegt werden. Dass man hier keinen Respekt gegenüber Frauen findet, kann einfach niemanden überraschen.

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Paule Paulson 10.05.2019, 13:14
5. Schlimme Sache, aber überraschend guter Artikel

Ich bin fast schon wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass wieder ausschließlich von armen Stewardessen die Rede ist, die von bösen Männern belästigt werden. Erfrischend, dass man deutlich macht, dass es männlichen Flugbegleitern kaum besser ergeht.

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exHotelmanager 10.05.2019, 13:30
6. mee too

Ich bin als Auszubildender in einem Hotel vor 45 Jahren von einer Stewardeß unter einem Vorwand in ihr Zimmer gelockt und massivst "sexuell belästigt" worden. Das ist kein Einzelfall, Kolleginnen und Kollegen erleben es auch heute noch so und haben keinerlei Möglichkeiten, sich wirksam zu wehren.

Ich hatte insoweit "Glück", weil es in keiner Weise unangenehm war. Das aber ist sicher im Hotel die Ausnahme.

Meinen MitarbeiterInnen hatte ich bei Einstellung stets nahegelegt, frühzeitig aus der Situation zu entkommen und mir umgehend Meldung zu machen - bei Gast- und Kollegenaktionen. Das ist aber nicht verbreitet und häufig nicht gewollt. Auch die Airlines verkaufen die "Erotik" des Kabinenpersonales mit - vor allem in der First. Auch in Privatkliniken findet man dies als Teil des Angebotes mehr oder minder unverholen.

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Jota.Nu 10.05.2019, 13:31
7. was soll's?

vor 20 Jahren habe ich als Studentenjob auf dem Vorfeld des Frankfurter-Flughafens gearbeitet und hatte als Lieferant von Essen an Flugzeuge tagtäglich mehrfach Kontakt mit den Flugbegleiterinnen. Und was soll ich sagen, deren Verhalten mir gegenüber ließ nur darauf schließen, dass sie diesen Beruf gewählt haben, WEIL sie dort ein flirt-intensiveres berufliches Umfeld vorgefunden haben. Die Frauen dort hatten (zumindest damals...) einen sehr selbstbewussten Umgang mit ihrer Sexualität, den sie auch ausgiebig ausgelebt haben.
Wenn ein Flirtversuch klappt, dann spricht nie jemand davon, wie schön das war. Sorry, aber jeder Mensch flirtet anders. Und wenn ich auf die Flirt-Signale des anderen nicht anspreche, dann muss ich doch nicht so tun, als wäre ich "sexuell belästigt" worden, nur weil ich genervt bin.
Wenn ein Flirtversuch eines Mannes oder einer Frau scheitert, dann ist das nicht gleich "sexuelle Belästigung" - Es ist und bleibt ein Flirt-versuch. Diese übertriebene Political Correctness in diesem Thema, meine Güte!
Machen wir uns mal ein wenig locker im Umgang den Dingen, die unsere Existenz erst möglich gemacht haben und auch (hoffentlich) dauerhaft sichern... .

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Paule Paulson 10.05.2019, 13:44
8. Leseverständnis...

Zitat von rosenblum64
1. Die Fluglinien schneiden die Uniformen des weiblichen Personals so... 3. Deutschland ist ein rückständiges Land, das in Sachen Gleichstellung... Frauen haben hier eben einen Status wie in Schweden des frühen 18. Jahrhundert. 4. Dass man hier keinen Respekt gegenüber Frauen findet, kann einfach niemanden überraschen.
Lesen Sie den Artikel bitte nochmal, dann stellen auch Sie vielleicht fest, dass er ihre verkrusteten Stereotypen eben nicht stützt. Sondern dass es männlichen Flugbegleitern kaum besser ergeht als ihren weiblichen Kollegen.

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mark.muc 10.05.2019, 14:45
9. Immerhin SPON hat hier die Männer nicht vergessen

Besinnt man sich bei SPON auf humanistisches Denken und verlässt die sexistische Denkweise? Ich würde es begrüßen. Anzumerken ist noch, dass die Schwelle, etwas als sexuellen Übergriff einzuordnen, bei Männern vermutlich höher liegt als bei Frauen. Eine angemessene Berücksichtigung dieses Effektes könnte zu einer Angleichung der Zahlen führen. Aber egal ob Männer oder Frauen: Jeder Übergriff ist widerlich.

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