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Unternehmen in Düsseldorf: Wo Überstunden ein No-Go sind
Oliver Tjaden

Keine Chefs, keine Meetings und alle zwei Wochen ein freier Tag für eigene Projekte: Das Unternehmen Sipgate ist der Traum vieler Arbeitnehmer. Kann das funktionieren? Ein Hausbesuch.

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Mr Gaga 17.05.2019, 11:09
10. Ich lach...

mich schlapp. Überstunden verboten, aber wenn das Ziel nicht erreicht wird, gibts Ärger... Und wenn die Mitarbeiter sich beim Termin verschätzt haben - selbst Schuld. Wer gibt eigentlich vor, dass man stehen soll beim Meeting? Haben sich das alle gemeinsam ausgedacht. Ich glaube, hier gibt es sehr wohl einen Chef, der sagt, wo es langgeht, der läuft nur mit ner komfortablen Tarnkappe durch die Gegend.

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optimist2030 17.05.2019, 11:20
11. Klingt gut

Klingt erstmal gut. Das es keinen Chef gibt, ist nicht real. Einer muss zu mindestens mal gesagt haben, das es keine Chefs gibt. Irgendjemand muss auch die Richtung vorgeben.
Aber bei aller Liebe, Gesellschaftlich in größerem Stil lässt sich so eine Arbeitsweise nicht umsetzen, bei allem Charme.
Wer länger unter solch einer Konstillation arbeitet ist wirklich für den Arbeitsmarkt verloren, den nicht Anpassungsfähig im tatsächlichen Leben. Was überhaupt nicht rüberkommt, wie wird der Einzelne bezahlt?
Schön das es sowas gibt, aber Zukunftsträchtig ist das wahrscheinlich nicht.

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MartinS. 17.05.2019, 11:37
12. ...

Zitat von spon.teh-ir
Leider geht das nur solange gut, wie man eigenverantwortliche, engagierte und intelligente Leute um sich hat. Sobald die Firma etwas wächst kommen, kommen wieder die Prinzipienreiter, Arbeitsverweigerer, Karrieristen (meistens in allen dreien spätpupertäre Absolventen der BWL, Jura oder Sozialwissenschaften).
So ist das nunmal - nicht Jedermann kann sich auch in jegliches Gefüge eingliedern. Dann ist es eben auch unausweichlich, dass es zu den Situationen kommt, wie sie auch beschrieben werden, dass man in Einzelfällen eben auch jemandem kündigen muss.
(was aber prinzipiell jetzt auch nichts anderes ist, als bei einer regulären Arbeitssituation... auch da solls ja angeblich ab und zu mal verhaltensbedingte Kündigungen geben)

Der Nachsatz ist dumm und einfach nur blankes Verbreiten von Vorurteilen/Spekulationen. Das hätte man sich sparen können.... all diese schönen Eigenschaften kenne ich durchaus auch von langjährig erfahrenen Mitarbeitern, die in praktisch allen Bereichen arbeiten.... Produktion, R&D, Arbeitsvorbereitung, Controlling.... und ja, auch bei uns im Engineering.
Aber scheinbar trägt es zum Wohlbefinden bei, wenn man ein paar Vorurteile pflegen kann

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mainzer2 17.05.2019, 11:42
13. Informelle Hierarchie

Im ersten Moment hört sich die Organisation sehr verlockend an...aber es gibt einige Themen, die im Artikel unbeachtet blieben.
1. Der GF ist weiterhin in der Lage, jederzeit die Orga zu ändern - ergo: es gibt sehr wohl eine Hierarchie
2. Wie der eine Kollege schon sagt - bei den unangenehmen Entscheidungen wäre es dann doch gut, jemanden zu haben, der diese Entscheidungen trifft - "schöne" Beschreibung von Vorgesetztenfunktion = die Arschlochnummer; dieses Vakuum der Hierarchie fühlt sich dann informell - wenn es dazu keine Struktur gibt, und es setzen sich nicht unbedingt die Besten durch...
3. Wer entscheidet denn in den Teams, ob eine Entscheidung gegenüber einem Mitglied fair war/ist - gibt es dafür Regeln/Spielregeln? Agilität geht in immer in 2 Richtungen - hier hört sich das nicht so an...
4. Die Größe des Unternehmens lässt (gerade noch) eine solche Organisation zu, ab einer bestimmten Größe müssen die Strukturen angepasst werden, sonst ist der Überblick in den Projekten nicht mehr zu verfolgen
5. Beispiele dieser Art sind immer sehr schick - aber sicher nicht umzusetzen auf jede Branche und Industrie - es ist sehr of das sogenannte "Hipster"-Umfeld, sehr selten ein Maschinenbauer oder sonstige verarbeitenden Industrie

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James Blönd 17.05.2019, 11:59
14. Amöben

Zitat von optimist2030
Klingt erstmal gut. Das es keinen Chef gibt, ist nicht real. Einer muss zu mindestens mal gesagt haben, das es keine Chefs gibt. Irgendjemand muss auch die Richtung vorgeben. Aber bei aller Liebe, Gesellschaftlich in größerem Stil lässt sich so eine Arbeitsweise nicht umsetzen, bei allem Charme. Wer länger unter solch einer Konstillation arbeitet ist wirklich für den Arbeitsmarkt verloren, den nicht Anpassungsfähig im tatsächlichen Leben. Was überhaupt nicht rüberkommt, wie wird der Einzelne bezahlt? Schön das es sowas gibt, aber Zukunftsträchtig ist das wahrscheinlich nicht.
Mir ist bewusst, dass es besonders in Deutschland für viele mehr oder weniger unverstellbar ist, in bzw. für ein Unternehmen zu arbeiten UND dabei gleichzeitig glücklich und zufrieden zu sein. Denn dann gibt es gar nichts mehr, worüber man meckern kann (außer, falls vorhanden, über den Partner natürlich und das schlechte Wetter).

Hier die Unternehmenskultur von Gore-tex einmal etwas ausführlicher dargelegt, hätte man aber eigentlich auch selber googeln können:

https://www.business-wissen.de/artikel/gleichgestellt-die-organisation-bei-gore-tex-ist-ein-lockeres-netzwerk/

Soweit ich das verstanden, haben die Düsseldorfer je nach dem einen 'indirekten' Teamleiter, finde ich auch sehr spannend. Dass es am Ende des Tages hilfreich ist, wenn einer den Hut auf hat, ist auch meine Erfahrung. Aber offensichtlich brauchen die Düsseldorfer dafür nicht eine Funktionsbeschreibung, sondern lassen es sich von selbst entwickeln. Dazu gehört eine gewisse Grundausstattung an Sozialkompetenz, guten Willen und vor allem: Empathie (äquivalent zu Menschlichkeit).

Schöne Grüße von einer Werbeamöbe, einem Titel, den mir freundlicherweise ein Dr.-Ing. der Fahrzeugtechnik im vollen Ernst verliehen hat.

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JoachimZ. 17.05.2019, 12:08
15.

Zitat von Freundschafter
Wäre toll wenn die an ihrem freien Tag mal eine Softphone App entwickeln würden. Um Sipgate vom Computer aus zu nutzen, muss man auf fehlerhafte (und extra kostenpflichtige) Fremdprodukte zurückgreifen!
Äh...definitiv nein!
Ich nutze Sipgate sehr gut von meinem Rechner aus und das mit einem OpenSource-Produkt.

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Hirschkuh 48 17.05.2019, 12:21
16. Und wie ist das mit der Haftung?

Ist doch Augenwischerei - der Geschäftsführer ist trotzdem verantwortlich. Es geht ja nicht die Firma komplett in den Knast, wenn was schief geht und der 'nur Angestellte' eh nicht. Manager werden nicht für Leistung bezahlt, sondern für die Übernahme von Verantwortung. Ich denke nicht, dass dieses Konzept zum Beispiel auf einen Fertigungsbetrieb übertragbar ist.

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MartinS. 17.05.2019, 13:23
17. ...

Zitat von Hirschkuh 48
Ist doch Augenwischerei - der Geschäftsführer ist trotzdem verantwortlich. Es geht ja nicht die Firma komplett in den Knast, wenn was schief geht und der 'nur Angestellte' eh nicht. Manager werden nicht für Leistung bezahlt, sondern für die Übernahme von Verantwortung. Ich denke nicht, dass dieses Konzept zum Beispiel auf einen Fertigungsbetrieb übertragbar ist.
Ach Gottchen.... wenn man sich nur ordentlich anstrengt, dann findet man immer irgendwas, was scheinbar doch gar nicht stimmen kann.
NATÜRLICH gibt es einen, der der oberste Zampano ist, mit dessen Namen der Laden eingetragen ist, und der auch für das Unterzeichnen des einen oder anderen Stück Papiers verantwortlich ist.
Eigentlich kann man aber ziemlich deutlich aus dem Artikel herauslesen, dass es hier nicht um die rechtliche Basis der Firma geht, sondern dass einfach nur die interne Hierarchie und Führungskultur beschrieben werden. Es hat auch jeder weiterhin seine Aufgaben und Verantwortungen.... da ändert sich deshalb gerade mal nichts dran.
Und das funktioniert durchaus auch mit Fertigungsbetrieben. Ist doch vollkommen latte. Der limitierende Faktor ist wahrscheinlich eher die Größe eines Unternehmens. Ein selbstorganisierendes System das umfassend auf Eigenverantwortung baut, wird mit einer steigenden Anzahl von Beteiligten eben immer komplexer. Der Mensch als solcher neigt aus irgendeinem Grund dazu, sich gerade in Gruppen auch gerne mal zum Arschloch (man verzeihe mir bitte den Ausdruck) zu entwickeln.
So ein System verkraftet nicht viele Quertreiber... mit mehr Mitarbeitern läuft das schnell aus dem Ruder.

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enfield 17.05.2019, 13:42
18. achwas!

Zitat von Hirschkuh 48
Ist doch Augenwischerei - der Geschäftsführer ist trotzdem verantwortlich. Es geht ja nicht die Firma komplett in den Knast, wenn was schief geht und der 'nur Angestellte' eh nicht. Manager werden nicht für Leistung bezahlt, sondern für die Übernahme von Verantwortung. Ich denke nicht, dass dieses Konzept zum Beispiel auf einen Fertigungsbetrieb übertragbar ist.
1) Ja, formal ist der/sind die Geschäftsfüher verantwortlich, daran ändern doch interne Strukturen nix.
2) Bis ein GF "in den Knast geht" - oder auch für irgendwas verantwortliche Mitarbeiter (was durchaus auch vorkommt, unabhängig von der Hierarchiestufe) muss schon eine ganze Menge passieren bzw. "verbrochen" werden.
3) Dass "Manager" nicht für Leistung sondern Übernahme von Verantwortung bezahlt werden würden ist nicht mehr als eine Sch***hausparole, von denen die es nicht bessser wissen, sich mit diesem Gedanken aber erst wohl fühlen können.
4) Natürlich ist diese Konzept auf jede Art von Betrieb übertragbar. Die Frage ist, ob das tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist, bzw. wer das wirklich will.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, mehr als einen Versuch ist es definitiv wert, in diese Richtung zu denken. Vielleicht muss man aber auch mal nen bisserl die Stringenz rausnehmen - überall - ich denke auch dass das letztendlich der "Trick" ist aber das ist eben auch die größte Herausforderung.

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Reg Schuh 17.05.2019, 15:04
19.

Zuvordert ein Gedanke: Die ganzen Artikel, Gepräche, Ideen, Diskussionen über flexible Arbeitszeiten usw., die immer wieder "die Arbeit" modernieiseren wollen, funktionieren natürlich überhaupt nicht, wenn in der Produktion oder in anderen zeitrelevanten Arbeitsstätten Menschen gebraucht werden. Überwiegend lassen sich solche Ideen mit Entwicklungsberufen, allgemeiner gesagt vielleicht grundsätzlich bei irgendwelchen Kreativarbeiten angehen. Sehr viele Menschen im Lande verdienen ihre Brötchen anders und werden vermutlich immer wieder neidvoll auf solche Artikel schielen.

Wenn man in einem Entwicklungs-Beruf dann wegen Überstundenverbot einen Termin nicht halten kann - tja... genau so entstehen diese Selbstausbeutungsmechanismen. Man kann ja dann noch zuhause was machen. Und.... Zählt das Nachdenken zuhause auch als Arbeit? Wer finanziert die Bio-Kantine, die man umsonst genießen kann? Natürlich das Geld, das durch Aufträge reinkommt, und dann vielleicht auch mit Terminen behaftet ist.
Das Team entscheidet über Neueinstellungen? Dann muß das Team selbst auch komplett ein Bewerbungsgespräch durchführen - oder manche Mitarbeiter nicken nur noch ab.
Entscheidet das Team auch über eine Geschäftsstrategie? Falls ja, dann ist das quasi eine Kommune - aber aus gutem Grund gibt es sowas wie eine Arbeitsteilung in der menschlichen Gesellschaft: Manche können besser kochen, manche können besser Telefonsoftware entwickeln, und manche können besser strategische Entscheidungen treffen. Und wenn man sich an die Fähigkeiten hält, hat man - schwupps - wieder eine Hierarchie.
Und es gibt diverse andere Mechanismen, die zeigen, daßdas beschriebene Modell nur in kleine Firmen gelingen kann, und selbst da befürchte ich, daß das nur solange hält, wie ein Boom-Produkt ... boomt, und sobald das rum ist, muß plötzlich das Team entscheiden, wer am ehesten sich beruflich neu orientieren kann, oder wer am wenigsten sich Kurzarbeit leisten kann. Hm.
Der wesentliche kranke Punkt an den herkömmlichen Systemen ist in meinen Augen, daß (neben Vetternwirtschaft und Ellbogenkultur) systematisch Menschen durch die Hierarchie hindurch auf Stellen geschoben werden, auf denen sie nicht gut sind, nur weil damit ein "Karrieresprung" mehr Prestige und Geld und wasauchimmer bedeutet.

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