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Unternehmen Irrsinn: Wenn die Berater kommen
Corbis

Chefs schätzen und Mitarbeiter fürchten sie: Unternehmensberater sollen Pannen richten und Firmen auf den rechten Weg bringen. Warum dürfen Manager, die nichts gebacken kriegen, sich teuer retten lassen, aber jeder talentfreie Bäcker wird gefeuert? Karrierecoach wundert sich.

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irgendwer_bln 18.10.2012, 09:17
1. So isses!

Zitat von sysop
Chefs schätzen und Mitarbeiter fürchten sie: Unternehmensberater sollen Pannen richten und Firmen auf den rechten Weg bringen. Warum dürfen Manager, die nichts gebacken kriegen, sich teuer retten lassen, aber jeder talentfreie Bäcker wird gefeuert? Karrierecoach Martin Wehrle wundert sich.
Kann ich nur bestätigen...
Man spart nicht nur an der falschen Stelle.
Der Fehler wird - von der Chefetage - grundsätzlich woanders gesucht!

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jerry67 18.10.2012, 09:24
2. Wie wahr ...

Die geschilderten Zustände kann ich nur bestätigen. Bei einem meiner vorherigen Arbeitgebern war die Firma nach Marktantieilverlusten signifikant ins Trudeln geraten. In den Jahren der Konsolidierung gaben sich bei uns die Berater die Klinke in die Hand: Roland Berger, Boston Consulting, GCG. Am faszinierendsten für uns Mitarbeiter war der wiederkehrende Ansatz: "Wir machen was. Egal was. Hauptsache anders als vorher". Erst wurde die Organisation von horizontal (= Technologieschichten) auf vertikal (=Marktsegmente) umgebaut, später dann wieder zurück und noch später dann wieder hin.

Lustig auch die Personen, die da auf einmal im Gebäude unterwegs waren. Blutjunge BWL-Absolventen ohne jede Industrie- und Branchenerfahrung die gestandenen Profis erzählen wollten, wie sie zu arbeiten haben. Für eine Truppe hatte sich im Unternehmen schnell der Begriff "Boygroup" etabliert, denn außer wohlklingenden Tönen und schickem Outfit kam nicht viel.

Besser wurde es erst, als die Consultingkasper weg waren und durch halbwegs markt- und fachkundiges Management des Neueigentümers ersetzt wurden. Die haben zwar auch etliche unpopuläre und tw. auch harte und/oder falsche Entscheidungen getroffen aber das Unternehmen letztendlich wieder konkurrenzfähig und profitabel gemacht.

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Thomas McKean 18.10.2012, 09:34
3. Laaaaannngweilig

Wieso gibt es eigentlich wöchentlich einen "super originellen" Beitrag über Unternehmensberater? Ewig werden jedes Mal die selben Klisches immer und immer wieder aufgewärmt.
Dieses Mal ist aber die offensichtliche BWL Kompetenz des Autors hervorzuheben.
„Goldene Regel für Berater: Niemals ist der Umsatz eines Unternehmens zu gering (denn er wird von Managern verantwortet), immer sind die Personalkosten zu hoch (denn sie werden von Mitarbeitern verursacht).“

Genau: Die Mitarbeiter stellen sich bekanntlich selber ein, da kann das Management nix für :-)

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tirle 18.10.2012, 09:39
4. optional

Das schöne ist doch, dass Manager welche auf ganzer Linie versagt und ein Unternehmen ruiniert haben, heute als erfolgreiche Berater tätig sind. Toll das sowas geht nur warum haben wir noch so viel Arbeitslose und nicht mehr Berater. Das Prinzip bleibt... Geld für nichts!

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leon01hard 18.10.2012, 09:45
5. Es ist nicht alles Gold was glänzt

Als jemand, der jahrelang in dieser Branche gearbeitet hat, muss man einfach sagen, dass gute Berater sicherlich Ihre Berechtigung haben und auch schon viel Gutes getan haben. Wie immer gibt es natürlich auch hier eine Menge schwarze Schafe, auf die die hier geschilderten Vorurteile absolut zutreffen. Es fängt schon mit dieser "Geheimsprache", diesem verblödeten MBA Jumbo-Jumbo an. Meistens ohne jeden Gehalt und nur zum Zwecke des Beeindruckens.

Viele Begriffe wie process efficiency und cost improvement heißen nichts anderes als Leute zu feuern. Dies sind die größten Hebel und demonstrieren den schnell hochgerechneten "Erfolg" der Consultants. Und alle speilen mit, in der Hoffnung der Demonstration seiner Unentbehrlichkeit den Eintrag auf dieser Liste zu vermeiden.

Ich kann nur raten: Blicken Sie hinter diese Kulisse, was sind das für Leute, welche Erfahrung haben sie und WER macht nachher wirklich die Arbeit.

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Erdbeertoni 18.10.2012, 09:46
6. Man stelle sich vor....

den Damen und Herren Berater würden nicht pauschal vergütet, wie in der Branche üblich, sondern am Erfolg ihrer Tätigkeit beteiligt. Voraussetzung ist natürlich ein messbares Ergebnis nach einer definierten Frist.
Oh mist, diese blöden Tagträume plagen mich schon lange;-)

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fruchtfit 18.10.2012, 09:50
7. Wer glaubt

Unternehmensberater könnten Unternehmen beraten, glaubt auch, Zitronenfalter würden Zitronen falten.

Die Beratung besteht doch meist darin, ein 0815 Modell aus der BWL über ein x beliebiges Problem drüberzustülpen, ob es passt oder nicht. Meistens passt es nicht. Z.B. dann nicht, wenn ausschließlich auf Kostensenkung gesetzt wird bei einem Unternehmen, das seinen Wettbewerbsvorteil im qualitativen Bereich seiner Produkte hat(te) und eine Premiumstrategie verfolgt. Ein externer kann hier eben keine Beratung leisten, wenn er die Branche nur flüchtig kennt.

Und für das Management ist es ein Armutszeugnis, wenn es einfachstes Handwerkszeug des Kaufmanns nicht selbst anwenden kann bzw. will. Denn häufig werden die Unternehmensbräter ja gerade deshalb geholt, um keine Verantwortung für unangenehme Entscheidungen übernehmen zu müssen. Dann waren es die bösen Berater, die mal kurz zum Schlachten vorbeigekommen sind und danach ja auch wieder verschwinden. Hat man sich die Hände nicht selbst schmutzig gemacht.

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xcver 18.10.2012, 09:56
8. Leider sehr war

Leider ist es in der Tat so. Ein enormer Großteil der Beratungsindustrie arbeitet nur mit Schall & Rauch. Da kommt wenig substantielles bei herum und oftmals dient das Ergebnis nur zum Selbstzweck oder um eine grad aktuelle Business-Mode umzusetzen. Wenn denn mal wieder eine andere Firmenstruktur oder irgendein anderes Merkmal "In" ist.

Das man ab einer gewissen Ebene nicht mehr richtig fallen kann zeigen auch die massenhaften CEO's die nach katastrophalem Job in kürzester Zeit einen anderen Top-Posten bekommen (siehe zB Leo Apotheker) natürlich mit Top-Abfindungen und Einstellungsprämien.

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cabeza_cuadrada 18.10.2012, 09:58
9.

Warum wird an einen Manager nicht derselbe Maßstab wie an einen Bäcker gelegt? Warum darf er kläglich versagen und dennoch im Amt bleiben?

Vielleicht weil der Job des Managers 1000mal komplexer ist als der des Bäckers. Und richtig, eine Strategie kann auch mal scheitern. In der heutigen gesellschaft zählt nur der maximale Erfolg. Stellt sich dieser nicht ein, gilt der Manager als gescheitert. Ist er immer selber daran Schuld? Sicher nicht... aber er übernimmt die Verantwortung! Vergleichen Sie den Top Manager doch einfach mit unserem Bundestrainer. Er hat selber nicht gespielt, muss aber die Verantwortung übernehmen und wird im Zweifelsfall entlassen. Aber diese Zusammenhänge begreift der Stammtischpöbel natürlich nicht. Er könnte das ja alles besser....Manager, Bundestrainer oder Bundeskanzler.

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