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Unternehmensjuristen: Klassenkampf in der Anwaltschaft
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Im Ernstfall müssen Firmenjuristen ihrem Arbeitgeber gehorchen. Kann ein Syndikusanwalt dann überhaupt ein richtiger Anwalt sein? Die Debatte spaltet die Juristenzunft. Es geht um Rente, Privilegien, Renommee.

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leser008 09.06.2015, 19:10
40. Versorgungswerkmitglied

Die Politik möchte die Syndikusanwälte zwingen, die Beiträge auf ihre z.T. wuchtigen 6-stelligen Gehälter in die Pleite-Rentenkasse einzuzahlen. Und es geht für die Syndici NUR um die Möglichkeit in die top aufgestellten Rechtsanwaltsversorgungswerke einzuzahlen. Das ist für Syndikusanwälte derart wichtig, dass teils der ganze Arbeitsvertrag drumherum gebaut wird. Das ganze Getue um Rechtsstatus und Privilegien interessiert doch niemand.
Ich freue mich jedenfalls schon auf meine Rente vom Versorgungswerk, die ordentlich sein wird.

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leser008 09.06.2015, 21:15
41. Versorgungswerkmitglied

Zitat von doedelheimer
Was ich noch nicht verstanden habe - warum wollen die RA in eigener Kanzlei nicht, daß die Syndikusanwälte ebenfalls ins Versorgungswerk blechen? Je mehr einzahlen, desto breiter kann investiert werden, desto geringer sind die Risiken... Bei den Ärzten ist es die gierige Politik, die gerne die gutverdienenden angestellten Ärzte für das Negativinvestiment RV zwangsverpflichten will, nicht etwas der "natürliche Feind", der Niedergelassene ;-)...
Natürlich wollen wir, dass die Syndici weiter mit einzahlen. Da kann kein niedergelassener Anwalt was gegen haben. Das nutzt allen. Warum man jetzt das Fass mit den Berufsständischen Regeln aufmacht, erschliesst sich nicht. Da gibts keine Notwendigkeit. Der Herr Filges von der Bundesrechtsanwaltskammer möchte halt, seit die von Bonn nach Berlin umgezogen sind, immer ganz wichtig in der vermeintlich grossen Politik mitmischen.

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fpo 10.06.2015, 15:11
42. Unverständnis!

Ich muss leider einigen meiner Vorredner zustimmen, dass der Artikel - und leider auch die Vielzahl der Kommentare - äußerst einseitig, unvollständig recherchiert (oder wiedergegeben) und mithin tendenziös ist.

Als Syndikus seit mehr als 7 Jahren (nach mehreren Jahren als "echter" wenn auch angestellter Rechtsanwalt) sehe ich mich in meinem Selbstverständnis. wie die meisten meiner Kollegen, als "echter Anwalt". Ich berate meine Mandanten, die nunmehr eben alle zum selben Unternehmen gehören, umfassend und nach Recht und Gesetz, natürlich mit dem Ziel, die Interessen meiner Mandanten weitestgehend in diesem Rahmen zu vertreten. Das ist beim "freien" Rechtsanwalt aber auch nicht anders.

Unser Ziel (d.h. das der Syndikusanwälte) ist auch nicht die völlige Gleichstellung mit externen Rechtsanwälten - ich brauche mein Unternehmen nicht vor Landgerichten oder OLGs vertreten, vor dem Amtsgericht darf ich das übrigens eh schon - auch mit einer Einschränkung des Attorney-client-privilege, wie vom EuGH bestimmt, können wir leben. Was wir nicht verstehen, ist, das mit einem Handstreich des BSG unsere komplette Altersversorgung umgeworfen wird, auf Grundlage derer und im Vertrauen auf die wir zB Finanzierungen eingegangen sind. In meinem Fall würde die Umstellung eine Rentenkürzung von voraussichtlich mehr als 1.000 EUR im Monat bedeuten.

Der Verweis auf eine sozialversicherungsrechtliche Lösung mag da auf den ersten Blick richtig aussehen - alleine, mit dieser Bundesregierung und insbesondere mit den zuständigen Personen, ist eine solche Lösung völlig unrealistisch, so dass allein der Weg über eine berufsständische Lösung in akzeptablem Zeitrahmen zu einer wirklichen Lösung zu kommen für die Syndikusanwälte, die jetzt seit fast einem Jahr in der Ungewissheit und Unsicherheit schweben. Ich gebe zu: zum Teil ist das Jammern auf hohem Niveau, aber wir haben zum Teil seit vielen Jahren hohe Beträge in die Versorgungswerke gezahlt in dem Vertrauen eine vernünftige Rente daraus zu erzielen. Dies wurde uns durch die Urteile des BSG von einem Tag auf den anderen gekappt. Hier wollen wir Klarheit und einen Vertrauensschutz, der den Namen verdient.

Der Artikel hat leider nicht dazu beigetragen, Verständnis auch für unsere Situation zu schaffen, sondern nur, uns Syndikusanwälte im schlechten Licht der willigen Befehlsempfänger darzustellen, die darüber hinaus auch noch den Hals nicht voll genug bekommen...Schade!

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Handschlag 12.06.2015, 14:33
43. Rechtsanwälte kämpfen in der Tat für ihre Mandanten

Ich verstehe die Anwaltsschelte nicht.Natürlich setzen sich die meisten Anwälte gut für die Interessen des Mandanten ein.

Es scheint aber die Meinung zu geben, dass das bitteschön umsonst gesehen soll. Warum wird der Wirt nicht gescholten, wenn er dem Gast für das Schnitzel Geld abnimmt oder der Künstler für sein Bild?

Wenn der Prozess gewonnen wird, war der Fall sowieso klar und den Anwalt hätte man sich sparen können. Wenn man verliert, ist der Anwalt schuld. Und enigt man sich irgendwo in der Mitte ist es auch nicht Recht, weil zum Vergleich die Kosten dazu kommen.

Zum Glück gibt es auch genug Mandanten, die verstehen, wieviel Arbeit und Herzblut nötig ist, um ein guter Anwalt zu sein.

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