Forum: Karriere
Urteil des Europäischen Gerichtshofs: EU-Staaten müssen Arbeitgeber zur Arbeitszeiter
Geert Vanden Wijngaer/ AP

Die Deutsche Bank hat vor dem Europäischen Gerichtshof verloren: Arbeitgeber in der EU sind verpflichtet, die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter zu erfassen.

Seite 22 von 49
hup 14.05.2019, 12:19
210. Byebye flexible Arbeit und Vertrauen, welcome Überwachung

Das einzige was das bringt ist, dass es für die Arbeitnehmer wieder nach hinten losgehen wird. Damit wird nichts verbessert, nur verschlechtert - und das in Zeiten in denen wir ohnehin darüber reden, dass man mit Arbeitsmodellen aus dem 19. Jahrhundert Europa wirschaftlich in den Boden rammen wird im 21. Jh.

Anstatt das *generell* und *Flächendeckend* zu fordern hätten die Richter mehr Augenmaß beweisen müssen und das zum Bestandteil betrieblicher Vereinbarungen zu machen. In Arbeitsmodellen wo genaue Zeiterfassung *Sinn macht*, also z.B. in der Produktion, im öffentlichen Dienst (Krankenhaus, Polizei, ...) oder im direkten Service (Einzelhandel, Paketdienst, etc.), da kann man das machen, und dort wo das keinen Sinn macht sollte man es lassen - also z.B. bei Beratern oder anderen hochqualifizierten Jobs, die sich nicht in dieses Arbeitszeitschema pressen lassen. Nicht überall wird nach Zeit geleistet, sondern Ergebnis- oder Lieferobjektorientiert (Kreativjobs, Beratung, etc.).

Das wird wieder in Bürokratie und dann in mehr Gängelung von Arbeitnehmern enden - ganz sicher wird es nicht alles für alle besser machen.

Die Gerichte sind manchmal völlig realitätsbefreit und urteilen rein technokratisch entlang ihren Richtlinien. Das bringt so nichts.
Nur dort, wo es offensichtliche Missstände gibt soll und muss geregelt werden, dort wo man das nicht braucht sind übergestülpte, verpflichtende Regeln nur schädlich und bremsend.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
a.weishaupt 14.05.2019, 12:19
211. Zeiterfassung finde ich belastend

Ich möchte als Arbeitnehmer nicht, dass jemand mit der Stoppuhr hinter mir steht! Manchmal habe ich spät abends oder am Wochenende gute Ideen .. mit einer Zeiterfassung ist mir das viel zu strikt eingegrenzt. Vielleicht ist sowas für Fließbandarbeiter von Vorteil, nicht aber für Wissensarbeiter.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bstendig 14.05.2019, 12:19
212. Also es gibt hervorragende Erfassungs-Systeme

bereits ab etwa 5 Euro pro Monat und Mitrarbeiter. Das ist nicht die Welt, selbst ein KMU kann sich das leisten.

Wenn ich mir die vielen Kommentare ansehe von wegen mehr Bürokratie und blöde EU etc. wird deutlich, dass das überfällig ist.

Letztendlich hat auch der Arbeitgeber etwas davon - es sei denn er will schummeln und seine Mitarbeiter ausbeuten. Ganz ehrlich - da würde ich als erstes installieren lassen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Voth 14.05.2019, 12:19
213.

Und glaubt die EU alles regulieren zu müssen und nationale Regelungen auszuhebeln.

Gut dass die Wahlen kommen - wird sich zumindest die Parlamentszusammensetzung erheblich ändern

Beitrag melden Antworten / Zitieren
frank-xps 14.05.2019, 12:22
214. Sapere aude

Zitat von bluraypower
Ich möchte nur an die Arbeitnehmer in der Gastronomie und Branchen verweisen, die teilweise 50 Stunden und mehr ohne diese Mehrleistung bezahlt werden. Auch im Einzelhandel und in der Baubranche sind unbezahlte Überstunden Gang und Gebe und wird sogar erwartet. Jetzt hat diese Ausbeutung endlich ein Ende und Überstunden können nachgewiesen werden da der Arbeitgeber das protokollieren muss. Gutes Urteil!
Im Sozialismus, sie wissen diese Linke Utopie welche schon zwei Diktaturen auf deutschem Boden errichtete nannte man Gratisarbeit Subbotnik und war gut. Das sich die sozialistischen Staaten in besonderer Weise um die einfachen arbeitenden Menschen verdient gemacht hat, kann niemand ernsthaft behaupten. am ende müssen die Kosten für all die Bürokratie von den Arbeitern mit erwirtschaftet werden. denn eines steht fest kein EU Bürokrat wird von seinem Maximal steuerbefreiten Apanagen auch nur einen Cent dafür abgeben. Zahlen sollen den Wahn immer andere das kennen wir schon. Im übrigen die Kunden sind es welche als Konsumenten Kauf Entscheidungen treffen, da sind die dann auch ganz knallhart kapitalistisch und egoistisch. Sapere aude

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mojo2xs 14.05.2019, 12:22
215. Gutes Urteil

Die Firmen schauen auf die Maximierung des Profits und erwarten von den Mitarbeitern ihre eigenen Befindlichkeiten zurück zu stellen um genau das zu erreichen. Da hab ich früher mitgemacht. Jetzt schaue ich lieber das ich meinen eigenen Vorteil gegenüber dem Arbeitgeber maximiere. Natürlich in einem fairen Rahmen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
JohannesMayborg 14.05.2019, 12:23
216. ein Trauerspiel

wiedermal die Arbeitswelt 1.0 zementiert … „nur wer im Büro rumhängt, arbeitet auch“ … gerade in kreativen Berufen total sinnvoll und wird den Standort EU weiter nach vorne boosten … NOT … ein Trauerspiel.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Hans-Dampf 14.05.2019, 12:24
217.

Es klingt ja ganz vernünftig, dass man mit dieser Methode versuchen will, gegen Überstunden vorzugehen. Hier frage ich mich allerdings: wie viele Unternehmen verlangen das von Angestellten?
Und da nicht jede Arbeit daraus besteht, morgens sich am Empfang einzustempeln und nach Dienstende wieder auszustempeln, wie geschieht die "systematische Erfassung" dann bei Außendienst-Mitarbeitern? Auch im wissenschaftlichen Bereich stelle ich mir dies schwer vor: Doktoranden haben i. d. R. eine halbe Stelle, für die sie bezahlt werden - sind aber meistens länger im Labor, öfters mehr als für eine ganze Stelle (also mehr als ca. 40h/Woche). Welche Konsequenz hat dann die Erfassung der Arbeitszeit? Muss der Doktorvater die Doktoranden nach 4h/Tag aus dem Labor werfen oder müssen sie sich austempeln und arbeiten trotzdem weiter?
Und wie läuft es mit einem 3-Mann-Fliesenlegerbetrieb? Wenn ein Geselle morgens Material holen geht und der Meister + Geselle schon vor Ort sind, wie funktioniert da das "systematiche Erfassen"? Soll der eine Geselle den Chef anrufen, dass er nun die Arbeit aufgenommen hat, weil er gerade im Baumarkt steht?
Hier sind noch einige Fragen offen, zu denen es hoffentlich auch Antworten gibt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
labuday 14.05.2019, 12:25
218. noch besser wäre, wenn in dieser Zeit auch greifbare

Zitat von lyoner
Wunderbar, die Unternehmen sind zur systematischen Arbeitszeiterfassung verpflichtet, in vielen Bereichen ist das sicher auch Usus, viel wichtiger wäre eine systematische Überprüfung, ob die erfassten Zeiten korrekt abgerechnet und vergütet werden!
Ergebnisse geliefert würden und wenn nicht, diese Zeit als Urlaubszeit anzurechnen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Daniel P. 14.05.2019, 12:25
219. Ich hätte es nicht besser formulieren können

Zitat von totalausfall
Wir leben nicht mehr 1960. Amüsant wie einige Foristen so tun, als müssten sie morgen zwei zusätzliche Buchhalterinnen einstellen und eine Lagerhalle für den Papierkram anmieten in ihrem 5-Mann Betrieb. Systematische Arbeitszeiterfassung geht heute ganz einfach, auch für Kleinunternehmen. Entsprechende Geräte und dazugehörige Software gibts für kleines Geld, der Aufwand zur Auswertung, Ausgabe, Überstellung etc. beschränkt sich auf wenige Mouseclicks. Die Vertrauensarbeitszeit gehört sowieso anders geregelt. Selber lange Zeit gemacht. In der momentanen Anwendung so mit das perfideste was es gibt, weil es auf einer psychologischen Ebene funktioniert, die vor allem junge, unerfahrerenere Leute mit Motivation und dem Drang sich zu profilieren, total überrumpelt. ->"Boss, Projekt fertig" ->"Toll. Wie liefs mit der Zeit? Haben Sie das alles richtig eingeschätzt? Überstunden?" -> "Klaaar, alles bestens!" *wir sind doch gut* ...sagten sie nach mehreren 60 Stunden Wochen. Und der Chef lacht, weil er meistens genau weiß wie es wirklich lief. Lästige Kontrollinstrumente wie zum Beispiel externe Machbarkeitsuntersuchung des Projekts, die vor Beginn aufzeigen würden, dass da 5 Leute nicht 40 Stunden / Woche sondern 60 Stunden / Woche dran sitzen um das zu bearbeiten, werden gerne bewusst ausgelassen, um oben geschilderte Situation herbei zu führen. Von daher ist es die allgemeingültige Arbeitszeiterfassung auf jeden Fall ein richtiger Schritt, wenn auch noch nicht DIE Lösung.
Vertrauensarbeitszeit wird in den seltensten Fällen fair gelebt. Sätze wie "Die regelmäßige Wochenarbeitszeit beträgt 40 Stunden. Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten." in Arbeitsverträgen, wie bspw. auch in Konzernen mit > 10K AN bei denen Vertrauensarbeitszeit für alle (Praktikant bis Vorstand) gilt, führen das Wesen einer (fairen) Vertrauensarbeitszeit ins Absurde.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 22 von 49