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Urteil: Referendarin darf in Berliner Bezirksamt Kopftuch tragen
DPA

Berliner Beamte dürfen bei der Arbeit keine religiösen Symbole tragen, es gilt die Trennung von Religion und Staat. Für eine muslimische Referendarin wird nun eine Ausnahme gemacht. Sie darf ihre Haare bedecken - aber nur hinter verschlossener Tür.

bonngoldbaer 10.06.2015, 11:41
1.

Trennung von Religion und Staat bedeutet für mich, dass JEDER immer und überall die Symbole seiner Religion tragen darf, ohne dass der Staat dies verbietet oder einschränkt.

Berlin hat da wohl ebenso großen Nachholbedarf wie Frankreich.

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agnost 10.06.2015, 11:59
2. Bitte auch auf Bundesebene

Der Staat - auch in Person seiner Bediensteten - sollte sich immer neutral gegenüber Philosophien verhalten. Insbesondere Glaube an höhere Mächte hat in einer öffentlichen Verwaltung, die sich selbst als höchste Autorität im Staat sieht, keinen Platz für öffentliche Darstellung. Jeder kann glauben oder eben nicht, was er will - aber zuhause und hinter geschlossener Tür.

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Dubitatora 13.06.2015, 13:08
3. Ja was denn nun?

"Für Frau Ulusoy ist das Kopftuch kein religiöses Symbol"
Ja was denn nun? Es ging doch um die deutlich sichtbare Benutzung religiöser Symbole im Staatsdienst?
Wenn Frau Ulusoy das Kopftuch nicht aus religiösen Gründen trägt, müsste sie sich ja sowieso der (wenn auch wahrscheinlich ungeschriebenen) Kleiderordnung in Ämtern anpassen. Also keine kurzen Hosen, durchsichtigen Blusen und keine riesigen Kopfbedeckungen usw.
In einem Bericht des Berliner Tagesspiegels vom 05.06.2015 war allerdings eine Aussage: "Natürlich trägt sie ihr Kopftuch im Namen Gottes".
Hier kann ich immer wieder nur betonen, dass eine Person, die den Staat repräsentiert, keine religiösen Symbole zeigen sollte. Es werden nicht der Islam, der Katholizismus, Protestantismus oder sonstige Konfessionsrichtungen repräsentiert sondern ein in der Gesetzgebung von Religionen unabhängiger freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat. Und das sollte nach außen hin auch so vermittelt werden.
Privat sollte natürlich jeder seine Religion ausüben dürfen.

Wenn sie das Kopftuch als eine Art Protest gegen die „Zurschaustellung weiblicher Reize" in der westlichen Welt trägt ("Mit mir nicht"), wie sie es sinngemäß in einem anderen Bericht darstellte, verhält sie sich unangemessen.
Solche Protestaktionen im Staatsdienst sind ebenfalls nicht angebracht.
Eine Protestaktion gegen eine Gesellschaft (und das im Zuge einer Anstellung im Staatsdienst) wäre wie eine Illoyalitätserklärung gegenüber des Staates.
Zumal das Kopftuch auch eine Geschlechtertrennung bedeutet. Frauen bedecken ihre Haare, Männer nicht.
Wenn dann auch noch wegen der Männer diese selbstauferlegte Verhüllung erfolgt (auch wenn es ein Protest sein soll), sehe ich es eher als "Einknicken" vor den Ansprüchen und den Verhaltensweisen der Männer (ihr Schlimmen!) und nicht als "Akt der Emanzipation", wie es Frau Ulusoy gerne darstellt.

Und die Ungleichbehandlung der Geschlechter ist gegen das Grundgesetz.

Außerdem ist das Kopftuch, wenn es denn von Frauen wie Betül Ulusoy als Freiheitssymbol gesehen werden soll, eine äußerst unglückliche Wahl. In vielen islamisch geprägten Ländern dieser Welt ist es ein Zwang, der bei Nichteinhaltung mit Gefängnis bestraft werden kann (sieh Iran).

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