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Verliebter Abteilungsleiter: Wie ein Banker mit Kundendaten baggern ging
dapd

Es muss ein schwerer Fall von Hormonsausen gewesen sein: Ein Banker verguckte sich in eine Kundin, fischte ihre Handynummer aus der Datenbank, baggerte nach Kräften. Was er als Flirt sah, empfand sie als schmierige Anmache. Reicht das für eine Kündigung? Mainzer Richter mussten entscheiden.

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acitapple 06.02.2012, 09:56
1.

Zitat von sysop
Es muss ein schwerer Fall von Hormonsausen gewesen sein: Ein Banker verguckte sich in eine Kundin, fischte ihre Handynummer aus der Datenbank, baggerte nach Kräften. Was er als Flirt sah, empfand sie als schmierige Anmache. Reicht das für eine Kündigung? Mainzer Richter mussten entscheiden.
peinlich, was manche geschlechtsgenossen so abziehen. und dann noch mit famile im hintergrund. was im artikel aber nicht steht, ist die redaktion der dame auf die sms und das persönliche ansprechen. kann mir schwer vorstellen, dass sie gar keine reaktion gezeigt hat und dann auf einmal zum vorstand gelaufen ist...

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own_brain_user 06.02.2012, 10:06
2. Der Missbrauch ...

... von Kundendaten in einer Weise, dass jemand gerade deshalb belästigt werden kann, weil er Kunde des Arbeitgebers ist, wiegt für mich deutlich schwerer als der Biss in ein Hackbrötchen oder die Rettung eines liegengelassenen Pfandbons zum eigenen Vorteil statt zu demjenigen des Arbeitgebers.
Aber vielleicht kommt es ja auch auf das Bundesland an. Ich könnte mir vorstellen, dass es andere Landesarbeitsgerichte gibt, die in bezug auf den Datenschutz sensibler urteilen (is ja nich so schlimm, war ja nur ne Telefonnummer ...).

Wenn ich Kontaktdaten meines Arbeitgebers so verwenden würde, müssten mich beim Ausspruch einer Kündigung erst andere auf die Idee bringen, dagegen zu klagen, ich käme da gar nicht drauf, dass das erfolgreich sein könnte. Erst recht, wenn es nur eine Änderungskündigung wäre.

Andersherum: Würde ein Angestellter eines Betriebs meine Kundendaten zu seinen Zwecken missbrauchen, würde ich ihm *und* seinem Laden ganz schön aufs Dach steigen.

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kein Ideologe 06.02.2012, 10:28
3. 4567890

erstaunlich. Ein Bankmitarbeiter verwendet Kundendaten für private Zwecke. Gut daß es nur um Kontakt geht, es hätte ja auch die Kreditkartennummer sein können. Wenn das kein Dienstvergehen ist, was dann? Griff in die Kasse? Auch da gibt es, zumindest bei geringfügigen Vergehen, auch gleich Solidaritätskomitees landesweit. Also ich würde als Vorgesetzter da auch ein erschüttertes Vertrauensverhältnis sehen.

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Saïph 06.02.2012, 10:34
4. Naja

Zitat von own_brain_user
... von Kundendaten in einer Weise, dass jemand gerade deshalb belästigt werden kann, weil er Kunde des Arbeitgebers ist, wiegt für mich deutlich schwerer als der Biss in ein Hackbrötchen oder die Rettung eines liegengelassenen Pfandbons zum eigenen Vorteil statt zu demjenigen des Arbeitgebers. Aber vielleicht kommt es ja auch auf das Bundesland an. Ich könnte mir vorstellen, dass es andere Landesarbeitsgerichte gibt, die in bezug auf den Datenschutz sensibler urteilen (is ja nich so schlimm, war ja nur ne Telefonnummer ...). Wenn ich Kontaktdaten meines Arbeitgebers so verwenden würde, müssten mich beim Ausspruch einer Kündigung erst andere auf die Idee bringen, dagegen zu klagen, ich käme da gar nicht drauf, dass das erfolgreich sein könnte. Erst recht, wenn es nur eine Änderungskündigung wäre. Andersherum: Würde ein Angestellter eines Betriebs meine Kundendaten zu seinen Zwecken missbrauchen, würde ich ihm *und* seinem Laden ganz schön aufs Dach steigen.
Man muss mal die Pferde im Stall lassen:

Immerhin hat er die Daten nur für sich selbst benutzt und nicht irgendwo veröffentlicht. Und er ist auch keine Gefahr für die Dame gewesen. Für solche Verfehlungen ist ja eben eine Abmahnung gedacht und auch völlig ausreichend als Warnschuss. Für den Pfandbon und das Brötchen gilt im Übrigen genau dasselbe.

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kfp 06.02.2012, 10:58
5. Zweierlei Maß...

Verstehe ich richtig: Wer Müll, alte Semmeln oder Bleistifte mit heim nimmt, darf wegen Diebstahl=Vertrauensbruch fristlos entlassen werden.
(Oder auch der Scherzkeks, der in den USA bei einer asiatischen Kundin "Frau Schlitzauge" auf die Rechnung geschrieben hatte, was sie nicht einmal wirklich gestört zu haben schien und worüber sie eigentlich nur ohne sich groß was dabei zu denken als kleine Schmunzel-Anekdote gebloggt hatte...) Wer dagegen in einer verantwortungsvollen Position vertrauliche Bankdaten mitgehen lässt und sowohl eine Kundin belästigt als auch den Ruf der Bank beschädigt, dem darf man nicht mal das Gehalt um ein paar (einstellige!) Prozent kürzen, damit er merkt, dass so etwas Konsequenzen hat und nicht nur mit einem Schulterklopfen "Ja, bei so einer Braut muss man ja einfach schwach werden " abgetan wird?

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acitapple 06.02.2012, 11:01
6.

Zitat von Saïph
Man muss mal die Pferde im Stall lassen: Immerhin hat er die Daten nur für sich selbst benutzt und nicht irgendwo veröffentlicht. Und er ist auch keine Gefahr für die Dame gewesen. Für solche Verfehlungen ist ja eben eine Abmahnung gedacht und auch völlig ausreichend als Warnschuss. Für den Pfandbon und das Brötchen gilt im Übrigen genau dasselbe.
naja, trotzdem hat der angestellte die nötigen pflichten und den respekt vor kundendaten missachtet, sowas wird i.d.r. als missbrauch von kundendaten gesehen und mit so einem akteneintrag, kann er noch sehr froh sein bei der bank bleiben zu können, denn woanders würde ihn niemand nehmen. mist bauen und dann noch klagen...

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spügel 06.02.2012, 11:36
7.

Zitat von sysop
Mainzer Richter mussten entscheiden.
Schon bitter, das der Richter hier "einen Schuss vor den Bug" angemessen findet - hier sollte aus meiner Sicht abschreckenderes für die Allgemeinheit Vorang haben.
Wie auch immer, in Hamburger Gerichten wäre es wieder zum Freispruch gekommen.

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Shayman 06.02.2012, 11:55
8. ....

Zitat von kfp
Verstehe ich richtig: Wer Müll, alte Semmeln oder Bleistifte mit heim nimmt, darf wegen Diebstahl=Vertrauensbruch fristlos entlassen werden. (Oder auch der Scherzkeks, der in den USA bei einer asiatischen Kundin "Frau Schlitzauge" auf die Rechnung geschrieben hatte, was sie nicht einmal wirklich gestört zu haben schien und worüber sie eigentlich nur ohne sich groß was dabei zu denken als kleine Schmunzel-Anekdote gebloggt hatte...) Wer dagegen in einer verantwortungsvollen Position vertrauliche Bankdaten mitgehen lässt und sowohl eine Kundin belästigt als auch den Ruf der Bank beschädigt, dem darf man nicht mal das Gehalt um ein paar (einstellige!) Prozent kürzen, damit er merkt, dass so etwas Konsequenzen hat und nicht nur mit einem Schulterklopfen "Ja, bei so einer Braut muss man ja einfach schwach werden " abgetan wird?
Die meisten Kündigungen wegen Bagatellen wurden in letzter Instanz aufgehoben. Müll, Strom, Brötchen, wenn wegen sowas eine Kündigung ausgesprochen wird, dann war etwas zuvor schon im Argen und man hat nur einen Grund gesucht oder der Laden war von Anfang an Banane.

Eine Kundin als "Schlitzauge" zu bezeichnen, ist aber in jedem Fall ein berechtigter Kündigungsgrund. Ob sich die Kundin darüber ärgert oder nicht ist zweitrangig, es ist eine klar rassistische Defamierung. Eine abwertenden Bezeichnung von Asiaten, soetwas ist schwerwiegend und sollte auch mit einer sofortigen Kündigung geahndet werden können. In den USA sind die Kündigungsgesetze sowieso viel lockerer, der vergleich hinkt also, denn dort kann man schon weitaus schneller vor die Tür gesetzt werden. Aber auch in Deutschland würde ich sofort eine Kündigung aussprechen wenn sich ein mitarbeiter derart gegenüber einem Kunden äussert.

Das Verhalten des Bankers war daneben. Aber hier liegt ein Einzelfall vor, der nicht sehr weit ging und auch mit einer Abmahnung ausreichend hätte geklärt werden können.

Ob sich der Bankangestellte damit aber einen Gefallen getan hat, anstatt die Strafversetzung hinzunehmen, ist fraglich. Die Strafversetzung hätte sein Vorankommen behindert, die gerichtliche Auseinandersetzung hat seine Karriere in dieser Branche aber sicherlich pulverisiert.

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feb1958 06.02.2012, 12:06
9. Völlig daneben....

Zitat von spügel
Schon bitter, das der Richter hier "einen Schuss vor den Bug" angemessen findet - hier sollte aus meiner Sicht abschreckenderes für die Allgemeinheit Vorang haben. Wie auch immer, in Hamburger Gerichten wäre es wieder zum Freispruch gekommen.
...liegt Ihr Post: "Abschreckung" gibts als Strafzumessungskriterium beim Strafgericht. Und den "Freispruch" gibts auch nur beim Strafgericht. Hier aber hatten Arbeitsrichter über eine Änderungskündigung zu befinden. Schon 'mal etwas von der Trennung zwischen Zivil- /Straf- / Verwaltungs- / Finanz- / und Sozialgerichten gehört??? Mannmannmann.

Auch als Bayer nervt mich Ihr Seitenhieb auf die Hamburger Justiz - die ist jedenfalls nicht so schlecht wie Sie sie machen wollen.

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