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Versicherungen: Vorsicht, auch Papas Makler denkt ans Geschäft
TMN

Der erste Job, das erste Geld - ein Vertreter klopft an die Tür: Hausrat-, Kranken-, Unfall-Versicherung gefällig? Hermann-Josef Tenhagen warnt Berufseinsteiger: Viele Makler wollen nur hohe Provisionen kassieren.

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eifrigerleser 21.07.2015, 17:10
30. Der Untergang

Falls jemand der "Allwissenden" von Ihnen diesen Kinofilm gesehen hat, dem sollten einige Parallelen zur heutigen Altersvorsorgesituation auffallen:

Ältere Menschen, die die Party ihres Lebens im Bunker feiern und ganz genau wissen, daß morgen Schluß ist! Und die nicht an ihre Kinder denken… naja… einige schon. (ja, ist ziemlich makaber!)

Was ist das für eine Einstellung? Warum nehmen sie den jungen Menschen die Hoffnung? Warum, wenn es Möglichkeiten zum Gegensteuern gibt? Warum, wenn der Staat zwar selber sagt, daß er nicht mehr alles leisten könne. Er gleichzeitig jedoch jeden, der privat etwas dagegen unternehmen möchte, massiv und großzügig unterstützt.
Mit diesem Fatalismus habe ich tagtäglich zu tun! Und ich kämpfe dagegen an! Jeden einzelnen Tag!

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johann.doov 21.07.2015, 17:59
31. Eine profitable Lüge

Zitat von eifrigerleser
Dieser Vertrag läuft immer noch… und er kann nicht eingehalten werden (siehe Demographie). Ich bin Baujahr 81 und von meiner Generation kenne ich leider viel zu wenige, es sollten sehr viel mehr in meinem Alter sein. Wir wissen ganz genau, was auf uns zukommen wird. Die Zahlen sind da. Und von mir zu erwarten, die Versäumnisse der Elterngeneration (nicht meiner Eltern!) aufzuholen heißt für mich, vier Kinder zu zeugen, die aber erst in 20 Jahren ihren Beitrag leisten können. Diese Kinder übten HEUTE da sein! Insofern gestaltet sich das mit dem Generationenvertrag schwierig!
Der Generationenvertrag ist zu Gunsten der Profite der Banken gekündigt worden. Es ist nämlich nicht wahr, das er nicht eingehalten werden könnte. Er kann heute eingehalten werden, "morgen" und Übermorgen auch noch.
Warum? Rentner essen kein Geld. Rentner essen Semmeln und Schnitzel (etc.), so wie alle anderen auch. Die Frage ist, ob es Semmeln und Schnitzel gibt. Ob die Semmeln und Schnitzel produziert werden können.
Derzeit sieht es nicht nach einer Semmelknappheit aus. Schnitzel gibt es immer noch reichlich.
Wird in Zukunft die Produktion zusammenbrechen?
Möglich ist das. Aber das hat dann wenig mit der Produktion an sich zu tun. Arbeitskräfte werden auch in Zukunft zu gewinnen sein, wenn man sich in Saxchen Einwanderung nicht allzu stur stellt.
Die Gefahr für die Produktion liegt in der Finanzwelt. Ein Währungszusammenbruch ist inzwischen ein realistisches Szenario.
Und diese Bedrohung des Euro (genauso beim USD und Renmimbi) liegt in einem Zuviel an Profit.
In unserem Falle sorgt eben die Kündigung des Generationenvertrags mit fallenden Rentenbeiträgen für ein mehr an Profit, das sich in steigenden Kapitalanlagen auswirkt. Genauso wirkt auch die Entzug von Geldmitteln aus dem Konsumkreislauf via "Riester" und anderer Kapitalanlagen dafür, dass noch mehr Kapital herumlungert und auf Zinsen geiert, die die reale Wirtschaft nicht mehr erbringen kann.
Auf eine Wiederaufnahme des Generationenvertrags, was letztendlich einfach Lohnerhöhung bedeutet, zu pochen, SICHERT diesem eigentlich unsinnigen Wirtschaftssystem einige weitere Jahre des Bestehens.
Wer nicht begreift, dass Sozialabgaben auch Lohn sind, nur eben an das Kollektiv der Arbeitenden und ihren Angehörigen ausgezahlt, der wird sich auf ewig veräppeln lassen müssen.
In den 80ern lagen die Kapitalrenditen bei deutlich unter 10 %, was für die Wirtschaft noch zuträglich war. Übermäßiger Profit sprengt aber das System.
Wir müssen da den Reset-Knopf drücken. Einerseits mit Währungsreform, andererseits aber auch mit einem deutlich höheren Lohnniveau.

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picard95 21.07.2015, 18:57
32. BU, Nein Danke.

Eine BU fand ich in meinem Beruf (Softwareentwicklung) damals recht unnütz. Wenn es mich so schwer erwischt dass ich nicht mehr am Bildschirm arbeiten kann ist das Leben eh vorbei.
Jetzt 18 Jahre später habe ich meine Meinung noch nicht geändert.

Eine private Haftpflichtversicherung, Hausrat, Glasbruch und die unvermeidliche Kfz-Versicherung müssen ausreichen. Dazu eine Verkehrsrechtsschutzversicherung, obwohl ich mir da auch nicht sicher bin die jemals zu benötigen.

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In Vino Veritas 21.07.2015, 19:36
33.

Zitat von galahad610
für ein hanebüchener Schwachsinn! bu´s sind ultimativ wichtig,und die prozeßquote liegt selbst bei den schlechtesten versicherern um die 2%. das Problem sind kunden die Sachen arglistig verschweigen und/oder "Berater" die sie dazu auffordern! aber:gute Versicherungen kosten nunmal Geld,und viele kunden(oder solche die gerne onlinerechner benutzen) wollen sich halt eine Beratung sparen...na,dann viel spaß!
Die Prozessquote richtet sich nach "Günstigkeit des Tarifs" und liegt sehr wohl bei mancher Versicherungen bei 50%.

Versicherungen sind Statistik und für ein gut oder schlecht zahlt man eben.

Übrigens, Finanzdienstleister, das ist keine Wissenschaft, sondern Verkauf. Dazu braucht man kein Studium. Das sollte man dann als Akademiker auch selber hinbekommen. Die Provisionen lege ich lieber gewinnbringend an oder verlebe sie selber, anstatt damit noch jmd. unabhängigen durchzufüttern. Bei Versicherungen kann man sich mal die Angebote anhören, um die Berater gegenseitig auszuspielen. Unfassbar, was da teilweise Provisionen aufgeschlagen werden (KFZ Versicherung ca. 900 Franken letztens). "Da ist nichts zu machen" - derweil der Kollege aus Zentrale sagt was anderes. Es drohen teilweise auch Strafen für Berater, wenn sie Kunden verlieren. Daher nur zu ... die Versicherungen geben sich nicht viel, aber die Provisionen schon.

Leute, die von anderen erwirtschaften Geld leben wollen, da ist immer Misstrauen empfohlen.

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eifrigerleser 21.07.2015, 22:26
34.

Wow! Aus Ihrer Wortwahl entnehme ich auf jeden Fall eine gewisse Verbitterung und auch eine gewisse Weltanschauung.

Zum Generationenvertrag: Siehe Statistik zur Demographie, Verhältnis zwischen Rentenbeitragszahlern und Rentnern (+ künftige Entwicklung)
Ja, er könnte eingehalten werden, wenn Deutschland entweder jedes Jahr eine große Menge Einwanderer aufnehmen würde oder jeder mindestens drei Kinder zeugte. Ein Ansatzpunkt wären die Flüchtlinge aus Syrien, die sollten alle einen deutschen Paß bekommen.

Die Rentenbeiträge sind seit 1998 Schröder sei dank (Ich habe ihn nicht gewählt, finde ihn aber heute toll!) tatsächlich gefallen. Sollte die aktuelle Beschäftigungssituation sich jedoch ändern, sieht das wieder ganz anders aus. Sie werden definitv wieder steigen (siehe Demographie).

Was die Kapitalanlagen angeht: Wer heutzutage auf Zinsen spart, ist selbstverständlich der Dumme. Deswegen investiere ich mein Geld als junger Mensch lieber in unsere Wirtschaft, da gibt es mehr Rendite. Und selbst wenn Deutschland nicht mehr existieren sollte: Siemens, BASF, VW… werden weiter leben.

Eine Lohnerhöhung stellt KEINE Lösung der Demographiefrage dar; sie geht an ihr vorbei. Auch weil bei Lohnerhöhung zeitversetzt die Preise steigen.

Ich dachte, daß die verwendete Terminologie aus längst vergangenen, dunklen, roten Zeiten obsolet wäre. Tatsächlich scheint es immer noch Ewig-gestrige zu geben, die sehr gerne von Profit, Kapital und Kollektiv sprechen. Ich heiße Sie trotzdem in der Bundesrepublik Deutschland willkommen!

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gustavsche 22.07.2015, 00:11
35. Wie ein Geier...

Als ich mein Studium beendete, hat sich auch der langjährige Allianzvertreter und "Versicherungsberater" meines Vaters bei mir gemeldet. Mein Vater war schon sehr redselig. Da ich in einer ganz anderen Stadt lebte, fand ich es schon etwas komisch, dass er einen Termin mit haben wollte. Wie stellt er sich das vor? Er pfeift, ich stehe bei Fuß? Wie ein Geier stürzte er sich auf mich.
Die von meinen Eltern abeschlossene Unfallversicherung ging auf mich über... dachte ich. Ich durfte nur die Beiträge zahlen; kündigen konnte ich nicht. Ich erinnere mich nicht mehr, dass ich jemals mein Einzugsermärchtigung gegeben haben. Jedenfalls habe ich meinen Vater das Kündigungsschreiben unterschreiben lassen... Der Rückkaufwert ging natürlich an mich.

Letztendlich blieb ich standhaft und habe bei diesem Vertreter nichts unterschrieben.
Auf meinen Bruder hat er sich auch gestürzt. Er ist natürlich in Finanzfragen genauso blöd wie sein Vater. Ohne Ausbildung eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, bei der es im BU-Falle dann 450 € gibt. Die Versicherung lieft bis zum 40. Lebensjahr, also lief ausgerechnet dann aus, wenn es für den Versicherten interessant und für den Versicherer riskant wird.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass dann so eine Police extra für meinen Bruder geschaffen wird. Sowas müssen die griffbereit im Koffer haben, d.h. der Nepp wird bei vielen anderen Kunden probiert und erfolgreich umgesetzt. Die merken doch nach wenigen Minuten, ob jemand Ahnung hat oder nicht. Und für die unterschiedlichen Opferprofile gibt's verschiedene Policen, also offensichtlichen Nepp bis hin zum geschickteren Nepp.

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derheavy 22.07.2015, 00:14
36.

Lieber Herr Tenhagen, hilft der Honorarberater dann auch später weiter? Wickelt er Schäden ab? Beantwortet er später Fragen? Hilft er dem oft in solchen Dingen nicht gut bewanderten Kunden später weiter? Sie legen immer den "Idealverbraucher" zu Grunde - den der alles ganz toll selber online erledigen kann - und super clever ist. Was ist aber mit dem "einfachen" Arbeiter oder Angestellten? Hier ist es in meinen Augen für diesen Kundentyp oft einfacher, wenn er nur eine Anlaufstelle hat, die sich dann kümmert. Und das darf dann auch mal ein paar Euro mehr kosten denke ich! Voraussetzung ist natürlich, dass faire Verträge vermittelt werden - dann finde ich Provisionen durchaus o.k.

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derheavy 22.07.2015, 00:18
37.

Grundsätzliches für Sie Herr Tenhagen: Auch dieses Thema ist ein bisschen wie Tante Emma. Wenn alle regionalen Finanzdienstleister (Sparkassen, Versicherungen, Raiffeisenbanken usw.) weg sind weil Sie ja Ihrer Meinung nach alle nix verdienen dürfen - dann wird um Hilfe gerufen, wer denn nun die Schwachen, nicht so cleveren, alten Menschen usw. versorgt - aber dann ist es zu spät..... einfach mal drüber nachdenken.

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gustavsche 22.07.2015, 00:21
38.

Zitat von fatherted98
...unsere Azubis sind im Internet zu Hause...die tippen schneller ins Handy als in die Schreibmaschine/PC. (leider)...auf jeden Fall wissen die ganz genau wo man Infos herbekommt...da braucht es keinen Berater ob nun auf Provisions oder Honorarbasis....im übrigen werden die meisten von den Eltern beraten...und mehr als eine private Haftpflicht und vielleicht ne Hausrat brauchts eh nicht...ich glaube nicht das Jugendliche da Probleme haben sich selbstständig zu informieren.
Das bezweilfe ich. Ich kenne nun auch junge Leute, die jünger sich als ich oder in meinen Alter. Im Internet zu Hause, aber nur weil man Google findet, heißt das nicht, dass man Google auch erfolgreich anwendet.

Eigentlich leben wir in sehr guten Zeiten, da kann sich jeder die relevanten Informationen beschaffen. Aber wenn es an sowas schon scheitert, wie man richtig lüftet... Einfach Google zu bemühen und ein wenig über Schimmelbildung lesen, ist wohl zu viel verlangt. Ein Kollege von mir brauchte fünf Jahre um zu kapieren, dass er seine Bude heizen muss, speziell das Bad. Und beim Lüften muss man das Stoßlüften praktizieren und kein Ankippen. Wände dürfen nicht auskühlen. Der hat's erst kapiert, als es in seiner Wohnung Schimmel gab. Er hätte nur bei Google nachlesen müssen.

Und mit den Versicherungen ist es wie mit essentiellen Haushaltstipps zum Lüften und zur Schimmelbildung. Als ich in meiner jetzigen Firma begann, waren die Kollegen drauf und dran, Riesterdinger abzuschließen. Einer hat's tatsächlich gemacht, aber wenigstens konnte ich zwei andere davon abhalten. Ich habe aber auch einen promovierten Kollegen, der eine betriebliche Altersvorsorge abschloss. Entgeltumwandlung nennt sich das, um Steuern zu sparen, aber das Netto wird ja auch geringer. Er spekuliert also auf ein richtig langes Leben. Er ist übergewichtig, er raucht, macht keinen Sport und trinkt regelmäßig Alkohol.

Bei einer Risikollebensversicherung würde er in einen höheren Tarif eingestuft werden. Ich glaube aber kaum, dass sie ihm Rabatt bei der Langlebigkeitsversicherung gewährten.

Google übernimmt nicht für uns das Denken.

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johann.doov 22.07.2015, 00:55
39. Habe ich Sie da richtig verstanden?

Zitat von eifrigerleser
(...) Ich dachte, daß die verwendete Terminologie aus längst vergangenen, dunklen, roten Zeiten obsolet wäre. Tatsächlich scheint es immer noch Ewig-gestrige zu geben, die sehr gerne von Profit, Kapital und Kollektiv sprechen. Ich heiße Sie trotzdem in der Bundesrepublik Deutschland willkommen!
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es (nach 1990) kein Kapital und keinen Profit mehr? Und das Mehrprodukt unserer Produktionskreisläufe wird nach Bedürftigkeit verteilt?

Was meint denn da die Deutsche Bank dazu?

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