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Volkskrankheit: "Burnout ist eine Ausweichdiagnose"

Ausgebrannt, erschöpft, am Ende: Burnout gilt als Massenleiden der modernen Arbeitswelt. Der Psychiater Ulrich Hegerl warnt vor dem Modewort: Stress im Job*ist oft*nicht die Ursache - und eine Auszeit*kann alles noch viel schlimmer machen.

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sappelkopp 24.11.2011, 07:39
1. Eine theoretische Diskussion...

...die wohl kaum den Kranken hilft.
Aber was für ein Widerspruch: Heute werden diese Depressionen eher erkannt, statt auf chronische Leiden geschoben zu werden. Aber gleichzeitig ist Burnout heute eine Ausweichdiagnose. Da hat einer nicht zu Ende gedacht!

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chris345 24.11.2011, 07:41
2. Mal neue Bücher kaufen?

Zitat von
Aber in psychiatrischen Fachbüchern sucht man den Begriff Burnout bis heute vergeblich.
In meinem Buch steht der Begriff. In der ICD-10 auch, wenn auch nicht als eigenständige Erkrankung. Burnout als Depression abzutun greift zu kurz.

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ReneMeinhardt 24.11.2011, 07:42
3. Endlich jemand, der Klartext spricht

Stress ist nämlich noch nie Ursache von irgendwelchen Krankheiten gewesen. Schade nur, dass sich der Interviewte nicht über die Wahren Ursachen von Depressionen auslässt.

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onkelbobo 24.11.2011, 07:47
4. Differenzierung ist eine Intelligenzleistung.

Zitat von sysop
Ausgebrannt, erschöpft, am Ende: Burnout gilt als Massenleiden der modernen Arbeitswelt. Der Psychiater Ulrich Hegerl warnt vor dem Modewort: Stress im Job*ist oft*nicht die Ursache - und eine Auszeit*kann alles noch viel schlimmer machen.
Tschuldigung Herr Psychiater, aber Differenzierung ist eine Intelligenzleistung, die Sie sich selber versagen!

Auch verwechseln Sie offensichtlich Ursache und Wirkung und fabrizieren einen erstaunlichen Umkehrschluss!

Wo doch verschiedene Ursachen, z.B. Doppelverplanung als menschliche Resource, nicht verarbeitete Konflikte in der Kindheit, sexuelle Störungen oder meinetwegen der Glaube an das Gute im Menschen zu Depression führen können, sagen Sie: Differenzierung ist überflüssig, die Depression muss behandelt werden.

Burnout wird heute klar als Symtomkomplex verstanden, der klar mit Arbeit (Zur Erinnerung: Haushalt ist auch Arbeit) verbunden wird. Will man Betroffenen helfen, kann man sie anleiten, sich der Situation bewusst zu werden und ihnen helfen zu lernen, adequat mit der Situation umzugehen.

Die Pille, die alles kuriert, gibt's nun mal nicht. Und Symtombekämpfung ist per se keine Lösung in Hinsicht der Ursachen!

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Leser161 24.11.2011, 07:49
5. Eine Sache noch

Aus dem Interview:
"Wäre Burnout oder Depression eine Folge beruflicher Überforderung, dann sollten ja vor allem Personen im Hochleistungsbereich betroffen sein, Sportler zum Beispiel, und weniger Rentner, Studenten oder Arbeitslose. Aber wir beobachten eher das Gegenteil."

Diese Annahme setzt vorraus, dass alle Menschen gleich leistungsfähig sind. Möglich wäre aber auch das nur besonders leistungsfähige Menschen im Hochleistungsbereich tätig sind (Es wird ja nicht jeder Frischling gleich Topmanager).
Ausserdem wird ausser acht gelassen, dass das Problem ja oft nicht die absolute Leistung ist, sondern das Verhältnis aus Motivation und Leistung. Sprich für einen "fetten Bonus" ackert man gerne mal 24/7 durch. Auf Minijobbasis hingegen unbezahlte Überstunden schieben zu müssen ist meist nicht so erfüllend.

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horstma 24.11.2011, 08:19
6. Widerspruch

Ich wundere mich sehr über die Einlassungen dieses Psychiaters. Gerade das Wort "Depression", aus dem Lateinischen stammend und übersetzt ein Gefühl der Niedergeschlagenheit bezeichnend, sorgt in der Öffentlichkeit für falsche Vorstellungen. Eine Depression bedeutet nicht immer eine von aussen erkennbare Niedergeschlagenheit und Traurigkeit, wie allgemein angenommen. Eine Depression kann sogar gegenteilige Symptome hervorrufen. Das Wort "Burnout" ist das viel präziser; es ist klar, daß es sich um einen Erschöpfungszustand handelt. Manchmal als Folge einer Depression, manchmal nicht. Es wäre dumm, auch noch diesen Zustand unter dem schwammigen Begriff "Depression" einzuordnen. Es ist jetzt schon so, daß viel zu viele Symptome unter den Begriff "Depression" fallen, weil nicht genügend differenziert wird. "Burnout" auch noch? Wenn das so weitergeht, fällt irgendwann auch ein Schlüsselbeinbruch unter den Begriff "Depression".

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kat7 24.11.2011, 08:37
7. Ahja

Zitat von dermeiminger
Faulheit gab es schon immer. Früher wurde sie bestraft, heute werden die armen Leute noch bemitleidet, und sie werden noch dafür belohnt, dass sie keine Leistung erbringen, ihren Arbeitsplatz blockieren für tatsächlich engagierte Arbeitskräfte und der Wirtschaft aus purem Egoismus und der fehlenden Einsicht, dass eben nicht jeder Millionär werden kann, immensen Schaden zufügen.
Und um so eine Hetzerei zu posten haben sie extra einen Account erstellt?
Bei der Burnout Diskussion ist meiner Meinung nach der gleiche Grund wie bei der H4, Rentner usw Debatte; sie dient um Bevölkerungsteile gegeneinander auszuspielen/aufzuhetzen und mit sich selbst zu beschäftigen. Teile und herrsche ebend, wir gehn sicher nicht in der breiten Masse auf die Strassen um unsere Regerung zu verjagen, wir hetzen lieber gegen Simulanten, Hartz4ler, Rentner usw...

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eboadam 24.11.2011, 08:38
8. Hier irrt der Forist

Zitat von ReneMeinhardt
Stress ist nämlich noch nie Ursache von irgendwelchen Krankheiten gewesen.
Stress ist anerkannter Ausloeser von Krankheiten wie Neurodermitis oder Magengeschwueren, um nur mal zwei zu nennen.
Zudem sollte er mal definieren, was er unter Stress versteht.
Ich teile die Skepsis zur Diskussion des "Burnouts als Volkskrankheit" - Magengeschwuere wurden in der Vergangenheit als "Managerkrankheit" angesehen und galten sogar als eine Art Statussymbol fuer Leute, "die es geschafft haben".

Diese Zeiten sind dankenswerterweise vorbei - auch die Diskussion ueber den Burnout wird sich versachlichen.

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Schreiberin 24.11.2011, 08:39
9. .

Zitat von dermeiminger
Vor kurzem sah es so aus, als ob endlich Schluss mit diesem Burnout-Unfug sei, als seriöse Experten dankenswerterweise den Mund aufgemacht und das ausgesprochen haben, was kein großes Geheimnis ist: Burnout ist eine moderne, schicke Faulheitsentschuldigung! Dass nun ein anderer Experte wieder .......
Zwei Jahre in 12-Stunden-Schichten in der Intensivpflege gearbeitet, Wegezeit von insgesamt 4 h täglich, dazualleinerziehend mit 2 Kindern - faul?

Sie sind faul im Kopf, that's all!

Inzwischen bin ich nicht mehr bereit, so zu arbeiten, jetzt habe ich eine Stelle ohne Nachtschicht, nur noch eine angemessene Zahl Wochenenddienste, keine 12-Stundendienste mehr, bloß die Fahrzeit ist nicht weniger geworden, weil die harte Pflegearbeit mit beatmeten Patienten, ALS, Wachkoma etc. nicht so gut bezahlt wird, dass ich mir ein Auto oder eine Wohnung in der Innenstadt leisten könnte.

Nach über einem Jahr bin ich G.s.D. wieder gesund, meine Arbeit macht mir Freude. Ob das Burn out heißt oder Depression, ist mir Banane, die Ursache bei mir war definitiv Überlastung (zwischen zwei Diensten war ich ganze 8 Stunden zu Hause). Leute wie mich habe ich in dem Jahr viele kennengelernt, überdurchschnittlich viele davon kamen auch aus der Pflege, die hatten sich alle! krankgeschuftet.

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