Forum: Karriere
Von wegen Feierabend: Angestellte opfern fünf Stunden Freizeit für die Arbeit - jede
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Feierabend? Für viele Arbeitnehmer ist unklar, wann der eigentlich anfängt. Denn Angestellte verbringen schon heute wöchentlich mehr als fünf Stunden ihrer Freizeit mit Beruflichem.

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k.hohl 06.03.2018, 00:06
10. Und nun?

Wenn ich einen Job mit minutengenauen Arbeitszeiten haben wollte, würde ich am Fließband arbeiten und die Zeiten per Stechuhr erfassen lassen. Am Ende der Schicht würde also der Schraubenschlüssel sofort fallen gelassen.

So arbeite ich offiziell 38.5Std/Woche, laut TV im ÖD - habe aber Spaß bei der Arbeit*.
Meine kurzen Teepausen werden nicht per Stechuhr abgerechnet und auch die Mittagspause in der Kantine darf einmal 10 Minuten länger dauern - ohne Stechuhr.
Dafür habe ich seit 26 Jahren und 11 Monaten einen Job; einen sicheren Job.
Sehr, sehr gut bezahlt. Dank "Spartengewerkschaft".
Wie könnte ich damit unzufrieden sein und die Minuten zählen?
(Oder gar die Telefonrechnung beim Chef einreichen... Oder gegenüber "der Steuer" geltend machen. Die Allgemeinheit soll für meinen Job zahlen???)

Wer über die im Artikel erwähnten Stunden jammert, sie als Belastung empfindet - sollte sich ernsthaft Gedanken machen ob er/sie im richtigen Beruf arbeitet. Unzufriedenheit und Frust macht auf Dauer krank!

Auffallend ist übrigens auch die Statistik laut der "Karrierenetzwerks Xing" erfaßten Daten.
Ernsthafte Frage: Kennt jemand der Teilnehmer im Forum eine(n) Kollegen/Bekannten oder ein Familienmitglied mit "XING"-Konto - mit objektiver Qualifikation und entsprechender Karriere?
Oder gucken Personalchefs eher nach Xing-Mitgliedern, um die Frustrierten und Gescheiterten auszuschließen?

*Nein, damit möchte ich Fließbandarbeiter ausdrücklich nicht herabsetzen und / oder disqualifizieren. Ich habe selbst über viele Jahre im Wechselschichtdienst gearbeitet.

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geotie 06.03.2018, 00:08
11.

Unser Chef meinte, dass wir unsere Büroräume mal einen neuen Anstrich verpassen sollten. Ohne Bezahlung, versteht sich! Er meinte, dass das im Interesse aller steht. Ich habe ihn dann im Interesse meiner Familie zu Gartenarbeit bei mir eingeladen. Na, er wollte nicht, da habe ich halt auch abgesagt. Die meisten anderen Mitarbeiter ebenso.
Später, als eine Entlassungswelle durch unsere Firma schwappte, waren komischerweise wir nicht dabei. Vielleicht, weil er doch nicht so viele Ja-Sager haben wollte.

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le.toubib 06.03.2018, 00:42
12. Ganze FÜNF Stunden?

Putzig! Als Assistenzarzt in der Schweiz arbeitete ich täglich bis auf freitags mindestens 13 Stunde am Tag. Konnte aber durchaus auch länger werden. Dienste sind da übrigens nicht mitberechnet.

Das war ich jedoch schon gewohnt, in Stuttgart ging mein Arbeitstag von 08:00 bis 23:00 und das auch nur, weil ich ansonsten die letzte S-Bahn heim verpasst hätte und ich für den Fall des Verpassens mit einem Taxi auf Klinikkosten drohte!

Gut, hatte ich Bereitschaftsdienst, hätte ich mich auch vertragsgemäss mit einem Taxi zur Klinik und zurück fahren lassen dürfen - dafür, dass wir kein zweites Auto kaufen wollten, hatte mein Chefarzt wenigstens Verständnis ...

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tomduhli 06.03.2018, 00:49
13. was ist arbeit?

ist schon ein gedanke an ein problem auf der arbeit arbeitszeit? ist das lesen eines fachartikels arbeitszeit in dem "beruf", den man sich sicher auch aus interesse ausgesucht hat? investiere ich meine energie nur für meinen arbeitgeber oder auch für meine unabhängigkeit von ihm? ich fass es nicht, mit welch hinterwäldlerichen und klassendenkfixierenden annahmen definiert wird, was arbeit und was nichtarbeit ist.

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Actionscript 06.03.2018, 01:27
14. Hier kommt es auf den Beruf an.

Beispiel Wissenschaftler in der Forschung: Die Produktivität wird an Publikationen und wo auf der Publikation der Name steht, gemessen. Dazu ist Laborarbeit, Literatur lesen, Forschungsanträge schreiben und zu Veranstaltungen reisen und präsentieren notwendig. Die Arbeit kann zum Teil zu Hause oder ausserhalb der Arbeitsstätte verrichtet werden. Hier kann jedoch vom Chef enorm Druck gemacht werden, ohne dass man sich wehren kann besonders, wenn Stellen befristet sind und man ein Empfehlungsschreiben benötigt. Allerdings muss ich auch sagen, dass wer diesen Beruf wählt keine 40 Stunden Woche erwarten sollte, oder man hat seinen Beruf verfehlt. Ähnliches kann man sich jedoch auch in der freien Industrie vorstellen, wenn es um zeitlich begrenzte Projekte geht. Jedoch hier sind die Gehälter entsprechend höher.

Bei einer regulären Stelle sollte Arbeit ausserhalb der Arbeitszeit nur in wirklichen Notsituationen erlaubt sein. Auch scheint es mir hier besser zu sein, jegliche Arbeit nur am Arbeitsplatz zu verrichten und zu vereinbaren, ausserhalb der Arbeitszeit nicht mehr gestört zu werden. Wer an die Arbeit denkt, das ist Privatsache.

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holjanger 06.03.2018, 04:28
15. Passt doch

Ich denke, dass viele Arbeitnehmer dieselbe Zeit während der Arbeit privaten Dingen widmen.

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dasfred 06.03.2018, 04:38
16. Hier läuft was aus dem Ruder

Die Arbeit und alles was damit zusammenhängt muss so ausgestaltet sein, dass sie in der vertraglich festgelegten Zeit zu erledigen ist. Alles andere ist eine Art Akkordarbeit durch die Hintertür. Fortbildung im ausgeübten Beruf ist Teil der Arbeit, nur Fortbildung zum Aufstieg ist in der Freizeit akzeptabel. Wer die Arbeit in der bezahlten Zeit nicht schafft, ist entweder für den Job ungeeignet oder er wird vom Arbeitgeber bewusst überlastet. In beiden Fällen ist eine Korrektur erforderlich.

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funny-smartie 06.03.2018, 05:53
17. Stimmt zwar, allerdings ...

.... nutze ich auch mal "Leerlaufzeiten" auf der Arbeit für private Dinge. Im Grunde gleicht sich dies aus.

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dipl.inge83 06.03.2018, 06:42
18. Der durchschnittliche Neoliberalist

wird sagen: wer mehr erreichen will, muss sich eben auch mehr anstrengen. Mag stimmen. Dumm nur, dass es erfahrungsgemäß mittlerweile auch AN betrifft, die weder für Laubahnen in Führungsebenen in Frage kommen, und dies auch gar nicht anstreben. Ähnlich wie die Geschichte mit den abgegoltenen Überstunden, welche vom Management nun auch beim Sachbearbeiter angekommen ist. Ich bin froh jetzt in einem Unternehmen mit 5stelliger MA-Zahl arbeiten zu dürfen, in dem es nicht verwerflich ist pünktlich Feierabend zu machen. Im Mittelstand hatte ich bei den Themen Erreichbarkeit und Verfügbarkeit ganz schnell die Pistole auf der Brust.

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jozu2 06.03.2018, 06:42
19. Unehrliche Arbeitsverträge

Ich finde nichts dabei, zu Hause eine Fachzeitschrift zu lesen. Das ist Weiterbildung in dem Beruf, den ich mir selber ausgesucht habe. Aber Anrufe des Arbeitgebers zu Hause, Arbeitshandy ständig dabei oder Akten mit nach Hause nehmen ist Arbeit und gehört vergütet. Wenn eine Anwaltskanzlei 60 Wochen-Stunden Arbeit von ihrem Anwalt haben möchte, sollen sie nicht 45 Stunden und die übliche "kann auch mal länger werden, wird aber nicht vergütet"-Klausel in den Arbeitsvertrag schreiben. Wenn der Arbeitnehmer per Handy erreichbar sein soll, dann müssen Bereitschaftszeiten im Arbeitsvertrag stehen und eine Vergütung. Arbeitsverträge sind leider deutlich intransparenter als jedes andere Verbrauchergeschäft. Dabei sind Arbeitnehmer deutlich schützenswerter als jemand, der ein Auto auf Pump kauft. Ins Gesetz müsste vor allem eine Regelung zu Lasten der Arbeitgeber: keine Arbeit ohne Vergütung in Geld oder (Frei-)Zeit.

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