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Von wegen Lebenssinn und Leidenschaft: Manifest für mehr Ehrlichkeit im Job
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Arbeit hat nichts mit Erfüllung oder Spaß zu tun. Und Firmen wollen auch nicht die Sinnsuche ihrer Mitarbeiter voranbringen - sondern Produktivität. Arbeitgeber, die das offen zugeben, hätten Respekt verdient.

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marty_gi 13.04.2017, 09:58
1. Beruf....

Schon allein das Wort "Beruf" in der deutschen Sprache ist irrefuehrend. Wer fuehlt sich denn heute noch wirklich "berufen" zu dem, was er macht, um Geld fuer seinen Lebensunterhalt zu bekommen.
Da geht es los mit der Unehrlichkeit.

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fatfrank 13.04.2017, 10:03
2. Die Nummern...

2 und 3 erodieren wohl im 21. Jahrhundert langsam. Zum Glück muss man sagen. Ein Teil von Nr. 8 ist ein schlechter Witz: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Selten so gelacht. Gruß an alle Frauen! Und mit der aufkommenden Erkenntnis, dass die Gesamtproduktivität schon für ein BGE ausreicht, stellt sich ohnehin die Frage: Wird Arbeit in Zukunft hauptsächlich als "Erwerbsarbeit" verstanden - oder gibt es noch andere Formen?

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keine-#-ahnung 13.04.2017, 10:21
3. Verdammte Axt!

Ausgerechnet auf SPON ... ich könnte bis zum letzten Komma alles unterschreiben. Insbesondere die Foristen, deren Job die Anforderung nach #4 nicht wirklich erfüllt, werden natürlich laut nach dem bedingungslosen Grundeinkommen barmen!

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isar56 13.04.2017, 10:23
4. Nachvollziehbar und ehrlich

... ja! Was fehlt ist die sogenannte Fürsorgepflicht der Arbeitgeber.
Ich engagiere mich gerne in meinem (sozialen) Beruf, trotz unangemessener Bezahlung.
Die Arbeitsbedingungen bezeichne ich als belastend (bei 33 Grad Hitze in den Räumen im Sommer, 11 qm "Kammer" in der ich mich gerade mal umdrehen kann, billige, lustlose Reinigungskräfte, die während vertraulichen Gesprächen mit belasteten Familien in den Raum kommen, um den Paperkorb zu leeren, hellhörige Bauweise, alles Inventar vom Billigsten, Sparzwang) .
Ich sehe mich als Dienstleister, der für sein Einkommen eine möglichst gute Arbeitsleistung, freundlich und respektvoll im Umgang mit Menschen, erbringt.
Der Arbeitgeber kommt jedoch m.E. nicht seiner Fürsorgepflicht nach. Ich erwarte keinen Luxus. Aber gute Arbeitsbedingungen sind Voraussetzung für gute Leistung .

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keine-#-ahnung 13.04.2017, 11:02
5. Unterhalten Sie sich ...

Zitat von isar56
... ja! Was fehlt ist die sogenannte Fürsorgepflicht der Arbeitgeber. Ich engagiere mich gerne in meinem (sozialen) Beruf, trotz unangemessener Bezahlung. Die Arbeitsbedingungen bezeichne ich als belastend (bei 33 Grad Hitze in den Räumen im Sommer, 11 qm "Kammer" in der ich mich gerade mal umdrehen kann, billige, lustlose Reinigungskräfte, die während vertraulichen Gesprächen mit belasteten Familien in den Raum kommen, um den Paperkorb zu leeren, hellhörige Bauweise, alles Inventar vom Billigsten, Sparzwang) . Ich sehe mich als Dienstleister, der für sein Einkommen eine möglichst gute Arbeitsleistung, freundlich und respektvoll im Umgang mit Menschen, erbringt. Der Arbeitgeber kommt jedoch m.E. nicht seiner Fürsorgepflicht nach. Ich erwarte keinen Luxus. Aber gute Arbeitsbedingungen sind Voraussetzung für gute Leistung .
... angelegentlich mal mit Jemanden, der Fachmann für "belastende Arbeitsbedingungen" und Arbeit überhaupt ist - tendenziell würde ich als Gesprächspartner einen Tiefbauarbeiter empfehlen.
Wenn man darauf verzichtet, sich für einen Job zu qualifizieren, der ein grösseres und besser ausgestattetes Büro garantiert, muss man nicht über unangemessene Bezahlung und fehlende Fürsorgepflichten eines Arbeitgebers sinnieren.
Wenn man sich als Dienstleister sieht, sollte man auch unter m.E. durchaus zumutbaren Bedingungen seinen Dienst leisten ...

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der-junge-scharwenka 13.04.2017, 11:13
6. Notwendige Distanz

Das ist, wie immer im Leben, richtig und nicht richtig. Es kommt auf den Einzelfall an. Richtig ist: eine handelsübliche Beschäftigung ist keine spannende Sache; sie ist keine Herausforderung, und sie sollte auch kein Lebensinhalt sein. Das ist übrigens - nur um einem etwaigen Abgleiten der Diskussion im Vorwege entgegenzutreten - keine Frage, bei der die Unterscheidung zwischen öffentlichem Dienst und sogenannter Freier Wirtschaft eine Rolle spielt. Ob ich als Finanzbeamter Steuerbescheide erlasse oder als kaufmännischer Angestellter Kundenaufträge abwickle, ist ziemlich egal: In beiden Fällen ist es totlangweilig. Wer seinen Job zum Lebensinhalt macht, der hat etwas grundlegend falsch verstanden. Man arbeitet, um zu leben - nicht umgekehrt. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, wird man aber wohl ein bisschen Lebenserfahrung mitbringen und zudem ein paar Jahre im Beruf gestanden haben müssen. Gerade Berufseinsteigern fehlt diese Distanz nicht selten komplett.

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Sibylle1969 13.04.2017, 11:14
7.

Leider hat sich das noch nicht bis zu den Firmen herumgesprochen. Da werden in Stellenanzeigen immer wieder Dinge wie hohe Motivation, Begeisterungsfähigkeit usw. verlangt, und wer im Vorstellungsgespräch dann nicht genug "passion" (englisch ausgesprochen) für den Job zeigt, der bekommt den Job erst gar nicht. Das habe ich so schon unzählige Male erlebt. Ein bisschen Schauspielkunst in Vorstellungsgespräch kann also nicht schaden. Denn wenn wir ehrlich sind, dann nutzt sich Begeisterung für einen Job auch schnell ab, nämlich spätestens nach ein paar Jahren oder wenn man im Alltag merkt, was in dieser Firma so alles suboptimal läuft. Im Übrigen empfehle ich die Lektüre des Buchs "Ich arbeite in einem Irrenhaus" von Martin Wehrle.

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Newspeak 13.04.2017, 11:16
8. ...

"8. Dafür werdet ihr bezahlt. Arbeit ist ein Tausch von Zeit gegen Geld. Wir bezahlen euch angemessen im Hier und Jetzt für die Arbeit, die ihr hier und jetzt leistet. Wir vergüten gleiche Arbeit mit gleichem Lohn. Wir erwarten nicht, dass ein Mensch mit einem Gehalt die Arbeit von dreien erledigt. Wir versprechen euch nicht den Sinn, wohl aber den Unterhalt eures Lebens. Wer Vollzeit arbeitet, muss vom Lohn für seine Arbeit leben können."

Selten so gelacht.

Diese "Ehrlichkeit" ist genauso verlogen, wie alles andere auch.

Es ist auch kein Tausch Zeit gegen Geld. Das Geld moechte ich sehen, das Lebenszeit ersetzt.

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halligalliwalli 13.04.2017, 11:18
9. Zu Nummer 5

Ein engagierter, leidenschaftlicher Mensch arbeitet in der Regel nun mal besser als einer der es nicht ist. Seine Arbeit mag sehr wohl an der Leistung gemessen sein, das heißt aber nicht, dass Leidenschaft nicht auch wichtig und erstrebenswert sind.

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