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Vorstellungsgespräch: Müssen Frauen es sagen, wenn sie schwanger sind?
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Manche Arbeitgeber wollen über Bewerber alles wissen - mehr als erlaubt. Ein Klassiker der unzulässigen Neugier sind Fragen wie "Wollen Sie Kinder haben?" und "Sind Sie schwanger?" Dann gilt die Lizenz zum Lügen.

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joey55 19.11.2015, 09:52
30.

Zitat von §§-Reiter
Sehr geehrter Herr "Straussenblatt", wenn Sie die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingen hier nicht verstehen oder nicht ertragen können und mit einer vorausschauenden Personaldisposition überfordert sind, geben Sie doch Ihren Betrieb auf und gehen selber arbeiten. Dann können Sie die vermeintlichen "Privilegien" der Arbeitnehmer in vollen Zügen genießen ...
Das kann auch nur jemand schreiben, der noch nie selbständig war. Der Gesetzgeber verändert laufend Gesetze, Verordnungen etc zu ungunsten von Unternehmen, gerade im Bereich der KMU. Selbst auf kleine Bäckereien sind zwischen 600 und 700 Gesetzen anwendbar. Ein Handwerker, dessen Wunsch eigentlich nur in der Herstellung eines guten Produktes oder in der Erbringung einer guten Dienstleistung ist, schlägt sich die halbe Zeit mit Bürokratie rum.

Das mag einen Arbeitnehmer nicht interessieren, allerdings nur solange bis sein Arbeitgeber die Lust am Unternehmersein verliert. Und der Frust unter den Arbeitgebern nimmt täglich zu.

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joey55 19.11.2015, 09:55
31.

Zitat von tbl76
Die Probezeit gilt nicht für Schwangere! Dadurch wären Schwangere ja auch benachteiligt. Die Probezeit ist damit automatisch bestanden.
Nein, die Probezeit ist eben nicht "automatisch bestanden". Es gilt nur ein Kündigungsverbot. Dies ist gerade in solchen Fällen mehr als ärgerlich, wenn mit der Schwangerschaft auch gleich ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen wird.

Gerade solche Geschichten führen dazu, dass immer mehr Unternehmen zu befristeten Arbeitsverträgen greifen.

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taste-of-ink 19.11.2015, 10:02
32.

Das lustige daran ist, dass die arbeitsgerichtliche Rechtsprechung, die eigentlich Diskriminierungen wegen der Schwangerschaft verhindern will, genau das Gegenteil davon bewirkt. Wenn ich eine Stelle zur Schwangerschaftsvertretung ausschreibe, werde ich in jedem Fall einen Mann darauf setzen. Die Möglichkeiten, das diskriminierungsfrei und damit nach dem AGG unangreifbar umzusetzen, kann man sich von einem Arbeitsrechtsanwalt schnell erläutern lassen.
Ich kann Arbeitgeber jedenfalls in Bezug auf kurzfristigen Personalbedarf gut verstehen: da führt man ein aufwendiges Bewerbungsverfahren und bekommt kurz darauf mitgeteilt, die Mitarbeiterin sei (ebenfalls) schwanger und habe ein Tätigkeitsverbot erhalten. Da überlegt man es sich beim nächsten Mal doppelt, ob es wieder die Bewerberin im gebärfähigen Alter mit Verlobungsring am Finger sein muss. Insofern geht es weniger ums Geld (da wird ja vieles über Umlageverfahren etc. abgefangen), als vielmehr um den nie vermeidbaren Aufwand, jemand neuen (befristet) zu finden und einzuarbeiten. Gerade kleinere Betriebe sind damit schlicht überfordert.

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joey55 19.11.2015, 10:12
33.

Zitat von McErich
Wenn ich mir anschaue, welche Gedanken hier geäußert werden, bin ich schlichtweg fassungslos. @Straußenblatt: bei solch einer Argumentation und dem Bekenntnis, Frauen wegen der Gefahr des Schwangerwerdens nicht einzustellen, fehlen mir die.....
Nein, Unternehmer sind nicht kinderunfreundlich, jedoch führen unangenehme Erfahrungen (und das sind Schwangerschaften neuer Mitarbeiterinnen und damit die Wiederholung von Bewerbungsverfahren und Einarbeitungen) dazu, dass man sein Verhalten ändert. Das ist kein auf Unternehmer beschränktes Phänomen.

Der Schutz von werdenden oder jungen Müttern ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich aufgrund von Einzelfällen verschärft worden. Dies führt zu immer größeren Problemen auf Seiten der Arbeitgeber. Der Staat hat damit das Risiko, aber auch die Kosten, die mit der Beschäftigung junger Frauen vernüpft sind, für Arbeitgeber immer weiter erhöht. Folge davon ist, dass selbst Unternehmer, die äußerst familienfreundlich sind, immer öfter vor der Beschäftigung junger Frauen zurück schrecken.

Dieses Phänomen kann man übrigens bei allen besonders geschützten Personengruppen erkennen und ist nicht allein auf werdende Mütter beschränkt.

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tbl76 19.11.2015, 10:14
34.

Zitat von kumi-ori
Die Bundesregierung möchte gern mehr Kinder, um die Bilanz der Sozialkassen wieder ins Lot zu bringen. Aber wie es so ist, Schwangerschaften und frühkindliche Elternzeiten halten von der Erwerbsarbeit ab und produzieren somit Kosten. Frohen Mutes beschließt daher die Bundesregierung, man könne doch mit den Folgekosten von Schwangerschaft und Erziehungszeit .....
Was für Kosten sollen das denn sein, die der Staat nicht übernimmt? Mutterschutz und Elterngeld zahlt nicht der Arbeitgeber. Mutterschutz muss er nur zum Teil vorschießen. Der Arbeitgeber hat also keine Kosten.

Es geht hier eben nicht um Kosten sondern um Diskriminierung. Die Kinder von heute sind schließlich die potentieleln Kunden der AG von morgen. Oder wer soll sonst die tollen Produkte später kaufen?

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jonas_c 19.11.2015, 10:16
35. traurige Gestalten hier

Wer sich über Frauen beschwert, die schwanger werden, hat seine Menschlichkeit verloren. Und seinen Sinn für unser Grundgesetz. Die einzigen Länder wo solches Verhalten rechtlich möglich ist, sind in der Dritten Welt - dort hat man allerdings noch ein gesundes Verhältniss zu Familie und Kindern. Wer als Unternehmen nur mit kaputten kinderlosen Mitarbeitern Erfolg haben kann, sollte besser Konkurs anmelden. Eure Mitarbeiter sind keine Roboter und euer Unternehmen müsst ihr mal als Summe der Mitarbeiter sehen. Keine Geld-Maschine. Ihr seid das Krebssgeschwür und diese Schwangeren die Chemo. Wenn ihr dann nur noch Männer einstellt, hoffe ich inständig dass diese dann 12 Monate Elternzeit nehmen. Wenn die Zeiten hart sind ist das nicht auf dem Rücken eurer Mitmenschen auszutragen.

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Diskutierender 19.11.2015, 10:17
36. Na ja

Zitat von Schwabbelbacke
...anders! Die Interessen des Arbeitgebers stehen dem über den der Arbeitnehmern! Klingt Populistisch, trifft es aber wenn man die Lobby -Politik der letzten 25 Jahre in Deutschland sieht. Auf unzulässigen Fragen sollte .....!
Ich bin absolut kein Freund Deutscher Arbeitgeber. Dafür habe ich mich über deren Personalpolitik schon genug geärgert.

Allerdings sollten auch Sie hier hinterfragen, ob der Mutterschutz nicht in Einzelfällen zu weit geht. Der Mutterschutz ist für mich primär nicht diskutierbar. Das trifft insbesondere dann zu, wenn eine Person schon länger bei dem Arbeitgeber beschäftigt ist, und der Arbeitgeber hier auch auf Grund des schon längeren Beschäftigungsverhältnisses hier auch eine besondere Verantwortung trägt.
Allerdings geht der Mutterschutz klar zu weit, wenn z.B. bei einer Neueinstellung klar ist, dass die Arbeitskraft SOFORT benötigt wird, und dem Arbeitgeber dann hohe Kosten/Aufwand entstehen, wenn sich dann eine deratige Arbeitnehmerin gleich am ersten Tag schwanger meldet. Das nenne ich einen unzumutbaren Härtefall.

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tbl76 19.11.2015, 10:18
37.

Zitat von joey55
Nein, die Probezeit ist eben nicht "automatisch bestanden". Es gilt nur ein Kündigungsverbot. Dies ist gerade in solchen Fällen mehr als ärgerlich, wenn mit der Schwangerschaft auch gleich ein.....
Da haben sie Recht. Aber das Ergebnis ist das gleiche: Probezeit beeendet ohne das gekündigt wurde.

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tbl76 19.11.2015, 10:23
38.

Zitat von taste-of-ink
Das lustige daran ist, dass die arbeitsgerichtliche Rechtsprechung, die eigentlich Diskriminierungen wegen der Schwangerschaft verhindern will, genau das Gegenteil davon bewirkt. Wenn ich eine Stelle zur Schwangerschaftsvertretung ausschreibe, werde ich in jedem Fall einen Mann darauf setzen. Die Möglichkeiten, das diskriminierungsfrei und damit nach ......
Ich frage mich wie unsere Gesellschaft bald aussieht wenn alle AGs nur noch Männer einstellen wollen?

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tbl76 19.11.2015, 10:28
39.

Zitat von Diskutierender
Ich bin absolut kein Freund Deutscher Arbeitgeber. Dafür habe ich mich über deren Personalpolitik schon genug geärgert. Allerdings sollten auch Sie hier hinterfragen, ob der .....
Ach Gottchen! Was für hohe Kosten sollen das denn sein? Gehalt für Mutterschut/Beschäftigungsverbot und Elterngeld zahlt der Staat bzw die Krankenkasse. Und dem bischen Verwaltungsaufwand des AGs steht immerhin ein Kind und Kunde von morgen in unserer aussterbenden Gesellschaft gegenüber!

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