Forum: Karriere
Wenn "New Work" krank macht: "Hierarchie kann auch entlasten"
Uwe Umstätter/ Westend61/ Getty Images

Macht es Menschen glücklicher, wenn sie ohne Chef arbeiten? Stephanie Porschen-Hueck erforscht Unternehmen, in denen Mitarbeiter das Sagen haben - und kennt die Schattenseiten.

Seite 1 von 2
Leser161 04.06.2019, 13:26
1. Hierarchie ist geil

Ich mach mein Job. Der Kollege macht sein Job. Da haben wir die Verantwortung und entscheiden. An Berührungspunkten reden wir. Wenn wir uneins sind fragen wir den Chef. Zusätzlich hält uns der Chef die Kunden vom Hals.

Meine Arbeit fühlt sich dadurch erfolgreicher und effizienter an, als in Unternehmen wo alles so flach ist, wo ich auch schon gearbeitet habe. Da red jeder rein, aber am Ende hat keiner die Verwantwortung.

Hierarchie bringt allen was.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
marty_gi 04.06.2019, 13:47
2. Theater

Egal ob neue oder alte Modelle - die sollten sich (inklusive der Forscherin hier) alle mal anschauen, wie ein Theaterstueck entsteht, das zu einem bestimmten Premierentermin auf die Buehne gebracht werden muss. Wie da jeder seinen eigenen Part eigenverantwortlich einstudieren muss bzw. zum Gesamtwerk beitraegt - denn es sind ja nicht nur Schauspieler, sondern auch Requisite, Buehnenbild, Licht, Ton, Schreinerei usw. Das ist alles sehr agil, war es schon immer und wird es immer sein. Und dennoch hat letztlich (nahezu) immer einer das letzte Wort, fast schon diktatorisch. Also eine perfekte Mischung aus Agil und Hirarchie. Und das funktioniert seit Jahrhunderten. Ist zwar auch nicht immer alles Gold, aber ziemlich effektiv. Wieso man da immer wieder an alten und neuen Modellen in der Arbeitswelt rumexperimentiert und -studiert wird mir ein Raetsel bleiben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
m82arcel 04.06.2019, 13:52
3.

Agiles Arbeiten und insbesondere Scrum bedeutet eigentlich nicht das Fehlen von Hierarchie. Richtig umgesetzt ist teilweise gar das Gegenteil der Fall.
Dass jeder tut, was er/sie will und wie lange er/sie will ist auf jeden Fall nicht das gleiche wie richtig umgesetztes agiles arbeiten.
Ich persönlich bevorzuge klare, aber eher flache Hierarchien, bei der nicht für jede winzige Entscheidung erst X fachfremde Abteilungen einbezogen werden müssen, aber es im großen und ganzen doch klare Vorgaben, Ziele und Termine gibt. Das ist aber eben auch agil möglich, sofern man Agilität nicht als Vorwand zur Einsparung jeglichen Projektmanagements missbraucht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Leckerschmecki 04.06.2019, 13:58
4. Agil ist mehr als Hierarchie

Agilität ist so viel mehr als die Frage wie viel Hierarchie es braucht. Am Ende merken immer mehr Unternehmen und Mitarbeiter, dass Arbeitweisen und Strukturen von gestern, heute immer weniger funktionieren - Stichwort VUCA.
Unternehmen und Mitarbeiter die sich nicht asap anpassen, werden immer schneller abgehängt werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
muunoy 04.06.2019, 15:06
5. Projektmanagementmethoden vs. Hierarchie

Zitat von m82arcel
Agiles Arbeiten und insbesondere Scrum bedeutet eigentlich nicht das Fehlen von Hierarchie. Richtig umgesetzt ist teilweise gar das Gegenteil der Fall.
Leider geraten hier die Begrifflichkeiten durch die Art der Interview-Führung durcheinander. Agile Projektmanagementmethoden bedeuten in der Tat nicht die Abwesenheit von Hierarchien. Insbes. in SCRUM gibt es schließlich den Product Owner und den SCRUM Master. Und was ist eigentlich Hierarchie? On top von allem steht ja zumeist der Endkunde, der in einem nach SCRUM geführten Projekt womöglich noch den Product Owner stellt (habe ich schon erlebt!). Dann wird es richtig stressig. Agile Projektmanagementmethoden verfolgen vereinfacht gesagt einen rekursiven Produktenwicklungsprozess (daher gibt es auch die Möglichkeit der im Interview angeführten Retrospektive). Das kann Vorteile haben, muss es aber nicht. In vielen Projekten ist das herkömmliche Wasserfallmodell agilen Projektmanagementmethoden überlegen. Insbes. in einem stark reguliertem Umfeld. Mit der Frage nach Hierarchie hat das zunächst einmal wenig zu tun. Ich arbeite freiberuflich im IT-Bereich. Häufig als Projektleiter oder auch als Interims-Manager. Ab und zu übernehme ich aber auch rein funktionale, fachliche Aufgaben bei meinen Kunden. In dem Fall verlange ich einen teilweise deutlich geringeren Stunden- oder Tagessatz, ganz einfach, weil Positionen mit Team- und Ergebnisverantwortung definitiv stressiger sind. Nicht unbedingt wegen der Arbeitsbelastung, sondern wegen des Drucks und dem Umgang mit schwierigen Mitarbeitern. Und die Arbeit im Team ist auch nur dann besonders schön, wenn man heterogene Teams hat, wo die diversen Team-Rollen gut ausgefüllt werden können. So brauche ich in sehr anspruchsvollen Projekten durchaus jemanden, der die Rolle des Clowns übernimmt (ja, ist wirklich besonders in der storming&norming Phase wichtig). Und wenn die meisten MA das Wort TEAM als Abkürzung für "Toll, ein anderer machts" interpretieren, macht es auch keinen Spaß. Da kann ein Projekt noch so agil sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Bellagio 04.06.2019, 15:23
6. Ein Gefühl werde ich nicht mehr los

Nämlich das, das die Protagonisten die hier im Karrierespiegel auftauchen, maximal davon entfernt sind eine Karriere jemals besichtigt zu haben. In jedem Interview steht hier das selbe: Jaja, ein schöner Job ist schön und wenn nicht stressig ist dann hat man Spaß und wird auch produktiver...Kein Schei.. Sherlock! Ja, aber wenns mal keinen Spaß macht und ich dabei schwitze? Ja, dann nennt man es gemeinhin auch Arbeit, aber sowas darf natürlich kein Dauerzustand sein blabla...Chefs die öfter ein Auge zudrücken sind beliebt, knallharte Diktatoren die nur die Shareholder-Value...echt mal Leute...schreibt bei euch schon der Computer die Artikel? Nein, denn der würde wohl irgendwann bemerken, das er sich ständig wiederholt

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wilam 04.06.2019, 21:11
7. Hierarchie

ist weder gut noch schlecht, sie ermöglichet die Steuerung von Gruppen. Agilität hat dieselbe Aufgabe, sie verlegt nur die Koordination nach unten. In der Evolution ist die H. durchgehend vertreten; man muss die Reihe der Arten schon bis zu den Fischen hinabsteigen, um sie allmähllich verschwimmen zu sehen. Sie ist im Tierreich einstufig, nur die Ränge sind mehrstufig.
Die mehrstufige Hierarchie war der Beginn der Zivilisation. Ohne sie war Vorrat und Bewässerung nicht möglich. Die Pyramiden waren einerseits der Abfall des gestiegenen Organisationsgrades, dokumentierten und festigten andererseits die Steuerungsmacht. Globalisierung ist nicht der weltweite Handel, sondern die Steuerung der WElt durch die Konzentrate der Abstrakta. usw usw(s. SOZFIBEL bei epubli.de/shop)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
glise 04.06.2019, 22:17
8. Nennen wir es nicht Hierachieen sondern

sondern Verantwortlichkeiten. Diese müssen klar geregelt sein, sonst wurtschtelt jeder irgendwo herum. Schlimmer noch, es bildet sich quasi selbständig eine gewissen Hackordnung heraus. Die Gescheithammeln suchen sich Ihren Verantwortungsbereich selbständig heraus und meinen dann die "gleichgestellten Mitarbeiter" herumkommandieren zu dürfen.

Statt einer statischen Hierachie bevorzuge ich eine demokratisch gewählte Hierachiestruktur die auch wechseln kann, so dass nicht Jahrzehnte der gleich unfähige Chef am Drücker sein. In der gleichen Abteilung können dann die Chefposten wechseln. Es wird sich schnell herausstellen wer am besten dafür geeignet ist. Dieser wird dann auch immer wieder gewählt

Beitrag melden Antworten / Zitieren
stefan211 04.06.2019, 22:39
9. Am besten ist ein Projektleiter, der genügend Freiraum lässt

Ich will in keinem Projekt ohne Projektleiter arbeiten (oder wie auch immer man die Führungsposition nennen will). Es braucht einfach jemanden, der einen Überblick hat, welche Themen anstehen. Er muss entscheiden können was wichtig ist und was eher warten kann. Er sollte einen Überblick haben wie die Auslastung der Mitarbeiter ist und damit wissen wem man am ehesten noch eine Aufgabe geben kann, die unerwartet hinzugekommen ist. Er sollte einen groben Zeitplan haben und darauf achten ob das Projekt noch auf Kurs ist oder der Abgabetermin gefährdet ist. Wenn man so einen Steuermann hat, der den Überblick über alles hat ohne dabei sich in kleinen Details zu verzetteln, dann kann agiles arbeiten hervorragend funktionieren. Der Vollständigkeit sei natürlich erwähnt, dass er auch eine Frau sein kann.

Dummer weise erlebt man im Laufe eines Arbeitsleben, dass jeder Fehler der gemacht werden kann auch gemacht wird und so hab ich sowohl erleben dürfen was passiert, wenn der Chef sagt „organisiert mal euch selbst“, woraufhin wichtige Aufgaben einfach liegen blieben. Aber auch ein Projekt mit 4 Projektleitern war dabei, bei dem tatsächlich jeder versucht hatte das Projekt in eine andere Richtung zu zerren. Und selbstverständlich hatte ich auch schon eine Führungskraft, die alles bestimmen und regeln wollte und den Mitarbeitern damit jegliche Möglichkeit nahm selbständig die beste Lösung umzusetzen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2