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Werbetour in Südostasien: Gesundheitsministerium will Pflegekräfte auf Philippinen an
Horst Rudel / imago images

Deutschland braucht mehr Pflegepersonal. Vertreter des Gesundheitsministeriums reisen nun auf die Philippinen, um Fachkräfte anzuwerben. Der zuständige Berufsverband sieht das kritisch.

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dodgerone 13.08.2019, 18:25
10.

Als gelernter Altenpfleger kann ich sagen: das geht schief. Es ist schon durch die aktuelle Zuwanderung in die Pflege eine Katastrophe. Aber in den Pflegeheimen ist es nicht machbar. Die Arbeit ist hart und anspruchsvoll. Noch dazu werden die Leute schlecht integriert und allein gelassen. Ich finde es eine Sauerei.

Ich bin wegen der Arbeitsbedingungen nach fast 20 Jahren Pflegeheim in die Gerontopsychiatrie "geflüchtet". Wir haben regelmässig Auszubildene (bzw. auch Anerkennungspraktikanten aus dem Ausland). Die lernen schnell, was man von ihnen erwartet. Für wie blöd hält die Politik eigentlich die Menschen?). Ich habe übrigens Kollegen aus dem Kosovo... die gehen auch nicht mehr in Pflegeheime...

Anstatt endlich mal ordentliche Bedingungen zu schaffen versucht man nur die Löcher zu stopfen... unfähig ist die Politik. Nix anderes. Menschen die nichts ausreichend Deutsch sprechen haben am hilfsbedürftigen Menschen nix zu suchen. Man muss die Leute erst richtig ausbilden und Sprache ist in der Altenpflege eines der wichtigsten Instrumente (gerade mit kognitiv defizitäten Menschen).

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Sandlöscher 13.08.2019, 18:28
11. Typisch deutsche

Abgreifermentalität. Nachdem man hier im Zuge der marktradikalen Ideologie nicht nur Pflege- und medizinische Berufe unter die Diktatur der BWLer gestellt hat und diese dermaßen unattraktiv gemacht hat, sucht man halt billige Arbeitskräfte im Ausland. Erst läuft Herr Spahn im Armenhaus Europas herum (Balkan & Kosovo) nun sucht man auf den Philippinen willige und billige Arbeitskräfte. Arme Länder sollen also den sog. „Fachkräftemangel“ der Deutschen decken. Asozialer geht es nimmer. Anstatt den Pflegeberuf in D wieder attraktiver zu gestalten ( Stichwort: Arbeitszeiten, gerechte Entlohnung, vernünftige Personalschlüssel uvm. und nicht zuletzt die gesellschaftliche ANERKENNUNG, versucht man sich weiter durchzumogeln. Ich als Angehöriger einer Pflegekraft weiß, wie mit den Leuten umgegangen wird. D ist dabei eine Berufsgrupoe nach der anderen in den Niedriglohnsektor und in das gesellschaftliche Abseits zu manövrieren. Speditionsgewerbe, Paketzusteller, Frisöre etc. lassen grüssen. Aktuell will auch niemand mehr in das Handwerk. Die Politik und die Wirtschaft haben die aktuelle und sich zukünftig verschärfende Situation, zu verantworten. Der sog. „Fachkräftemangel“ ist in D hausgemacht. Kluge und gute Fachkräfte aus dem Ausland machen um D eh ein großen Bogen. In vielen unserer Nachbarländer sind die Arbeitsbedingungen wesentlich attraktiver und hier sollte sich D Fragen, warum das wir nicht auch schaffen- am Geld allein kann es nicht liegen.

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diginatur 13.08.2019, 18:29
12. Es wiederholt sich...

Bloß nicht den Beruf im eigenen Land attraktiver machen, geschweige denn einen vernünftigen Lohn zahlen. Nein, man holt sich Kräfte ins Land, die diesen Lohn noch unterbieten und dabei noch lächeln.
Das ist für potenzielle Auszubildende aus dem eigenen Land ziemlich frustrierend und der Sache überhaupt nicht dienlich. Das Pflegesystem ist und bleibt eine unendliche Geschichte. Offensichtlich wartet man auf die Generation Pflegerobotor..., dann wird es noch kostengünstiger.

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ginorossi 13.08.2019, 18:29
13.

Es gibt einen sehr einfachen Ausweg aus diesem Mangel: den Pflegekräften anständige Arbeitsbedingungen (z.B. inklusive auch persönlicher Wertschätzung) bieten. Und dazu eine Bezahlung, die den teilweise extremen Belastungen entspreicht. Dabei geht es um adäquaten Ausgleich für Schichtarbeit (ständig wechselnd früh, spät nachts - was erwiesenermaßen erheblich gesundheitsschädlich ist, dazu ständig wieder Wochenendarbeit). So wird derzeit Arbeit an Samstagen gemäß Tarifvertrag-Länder mit einem Aufschlag imzweistelligen Cent-Bereich pro Stunde abgegolten, aber auch das erst ab 12.00 Uhr. Hinzu kommen ein heute axtrem hoher Streß, dabei aber Verantwortung für Gesundheit und Lebern (!) der Patieneten. Wer einmal in der Hektik die falsche Medikamentenschachtel greift, ist strafrechtlich dran, denn die Hunde beißen immer den Letzten. Eltern, die heute ihren Kindern nicht nachdrücklich davon abraten, einen Pflegeberuf zu ergreifen, handeln in meeinen Augen grob fahrlässig. - Die Ärzte haben in den letzten 20 Jahren ihre Arbeits- und Vergütungsbedingungen maßgeblich verbessert und werden weiterhin allerseits gebauchpinselt - warum sind Pfleger Menschen zweiter Klasse?

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großtroll 13.08.2019, 18:30
14.

Flickschusterei auf Kosten anderer Länder. Pflegeberufe attraktiv machen, wäre der richtige Ansatz. Ausländer ausbeuten ist keine Lösung. Wie sollen die hier leben? Kaserniert mit Gemeinschaftsverpflegung? Bei der zu erwartenden Bezahlung können auch Fachkräfte aus dem Ausland keine großen Sprünge machen. Vielleicht sind Menschen von den Philippinen besonders genügsam und anspruchslos? (Sarkasmus)

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nachdenk... 13.08.2019, 18:33
15.

Auf den Philippinen werden Pflegekräfte in hoher Zahl gezielt für den Gang ins Ausland sehr gut ausgebildet. Dort nimmt man den Leuten also nichts weg, anders als z.B. in Indien, wo es internen bedarf gibt. Der Bundesverband sollte sich fragen, wie es dazu kommen konnte, dass der Beruf so abgerockt ist, dass ihn hier wg Überlastung und Arbeitsbedingungen niemand mehr machen möchte. Die Zeitarbeitsfirmen wirken hier bereits als Korrektiv nach oben. Also muss man da wohl durch und ausbilden bzw. schulen und integrieren. Wenn die Konsulate noch mitziehen und ihre Visaanträge schneller als in 6 Monaten vergeben, kann daraus eine Win-win-Situation werden.

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Sendungsverfolger 13.08.2019, 18:37
16. Illusion

Zitat von Softship
Wie wäre es denn, den Pflegeberuf einfach besser (also leistungsgerecht) zu bezahlen? Dann finden sich bestimmt mehr Deutsche, die den Beruf ausüben würden. Als "dauerkranker" Mensch finde ich es sehr problematisch, von Menschen gepflegt zu werden, mit denen man nicht richtig kommunizieren kann - entweder weil die Sprachkenntnisse nicht ausreichend sind oder weil die Kultur eine andere ist.
Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass sich bei besserer Bezahlung oder besseren Bedingungen mehr (geeignetes) Personal für alle Berufsgruppen finden ließe. Nein, die Attraktivität ist da das Entscheidende.

Fragen Sie mal bei den Handwerksberufen wie Installateuren oder Elektrikern nach, wieviel geeignetes Personal Sie bekommen, obwohl dort die Bezahlung schon fast in Größenordnungen geht, die früher einem Hochschulabsolventen vorbehalten war.

Nee, das hat erst einmal mit der grundsätzlichen Bereitschaft zu tun, sich für solche Berufe zu entscheiden. Und Pflegeberufe sind in der westlichen Welt nun mal kulturell und gesellschaftlich alles andere als erstrebenswerte Berufe. Das hat nicht mal was damit zu tun, dass es keine Wertschätzung gäbe - nein, das liegt daran, dass das nur wenige aus persönlicher Einstellung und Interesse am Beruf machen wollen. Und so zynisch es auch klingt: In anderen Nationen und Kulturen ist das eben anders.

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Barfüsser 13.08.2019, 19:10
17. Ich versuche

immer wieder zu verstehen wie es sein kann, dass man bei 5-8 Millionen Arbeitslosen (je ach Statistik) täglich lesen muss, dass man händeringend nach Fachkräften sucht, nicht nur im Gesundheitswesen, genauso auch vom Handwerker bis zum Ingenieur.
Die Agentur für Arbeit und die Jobcenter sollten endlich einmal ihren Wahlspruch vom "Fördern und Fordern" knallhart umsetzen. In Arbeitslosen Foren lese ich ständig davon, dass Arbeitslose Jahrelang kaum einen Vermittlungsvorschlag bekommen, sondern einfach in Ruhe gelassen werden.
Zusätzlich sollte man Menschen aber auch so bezahlen, dass sie erheblich mehr haben, als mit Hartz IV. Arbeit muss sich wieder Lohnen!
Schließlich funktioniert das mit den hohen Löhnen in der Schweiz auch, die trotzdem ihre Produkte auf dem Weltmarkt erfolgreich verkauft.
Dass man bei den Unternehmen in der Vergangenheit jede Menge Ausbildungsplätze abgeschafft und Mitarbeiter in den Vorruhestand geschickt hat, dazu Menschen ab 40 kaum noch eingestellt hat weil schon zu Alt, das rächt sich nun außerdem noch zusätzlich.

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Sandlöscher 13.08.2019, 19:32
18. Typisch

deutsche Abgreifermentalität. Nach dem man in D eine Berufsgruppe nach der anderen im Zuge der marktradikalen Ideologie, erfolgreich in den Niedriglohnsektor gedrückt und in das gesellschaftliche Aus manövriert hat, sucht man halt billige und willige Arbeitskräfte im Ausland. D hat seinen sog. Fachkräftemangel selbst verursacht. Es ist asozial und unmoralisch arme Länder Fachkräfte ausbilden zu lassen und dann dort abzuwerben. Spahn hat ja auch schon im Armenhaus Europas ( Bosnien, Kosovo) heftig die Webetrommel geschlagen. Anstatt für eine angemessene Entlohnung, attraktivere Arbeitsbedingungen und höhere Personalschlüssel uvm. zu sorgen, meint D halt lieber die Arbeitnehmer woanders zu rekrutieren. Das wird nicht gelingen. Die desaströsen Arbeitsbedingungen in D haben sich längst im Ausland herumgesprochen. Gute Leute bevorzugen englischsprachige Länder, die Schweiz oder die skandinavischen Länder. Komischerweise bekommen diese ihre sozialen Angelegenheit besser geregelt bei gleichen demographischen Herausforderungen. Allein das Rentenniveau in der CH oder Österreich lassen Grüßen (80 Prozent). Hier soll der hochmotivierte Deutsche 40 Jahre für 48 Prozent Bruttorente arbeiten gehen und dann noch motiviert und begeistert sein. Langsam dämmert es selbst dem Naiven, dass hier einiges aus dem Ruder gelaufen ist. Speditionsgewerbe, Paketzusteller und Frisöre sind nur die Sperrspitze. Das Handwerk wird ebenfalls bald ausgeblutet sein. Vielleicht bauen dann auch Fremdarbeiter unsere modernen Heizungen ein (Ironie off).

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Softship 13.08.2019, 19:45
19.

Zitat von Sendungsverfolger
...Und Pflegeberufe sind in der westlichen Welt nun mal kulturell und gesellschaftlich alles andere als erstrebenswerte Berufe. ...
Die Verallgemeinerung lasse ich so nicht gelten. In den USA ist der Beruf "Nurse" sehr wohl erstrebenswert. Liegt aber auch daran, dass Nurses viel mehr Verantwortung tragen (dürfen) und nicht nur als Handlanger der Ärzte angesehen werden. Nurses dürfen in den USA Tätigkeiten ausüben, die in D normalerweise nur Ärzten vorbehalten sind. Aber in den USA wird der Beruf auch gut bezahlt, und auch die Arbeitszeiten (und die Schichtdienste) werden viel vernünftiger geregelt.

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