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Wichtigkeitslüge im Büro: Auf Sie kommt es gar nicht an
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Sie glauben, Sie seien auf der Arbeit unersetzlich? Fehlanzeige. Es läuft auch prima, wenn Sie weg sind. Und das ist gut so.

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geotie 11.03.2017, 20:04
20.

Zitat von stoffi
Wenn ich mal nicht da war, lief es nicht und viel blieb für mich liegen. Als ich dann in Rente war und einen früheren Kollegen traf, erzählte er mir, das nun alles drunter und drüber ging und vieles einfach nicht mehr gemacht wurde. Der Kunde ist der Leidtragende, der weiss es aber nicht.
Ich habe meinen Nachfolger vorher schon gut in die Materie eingeführt. Hat dann ganz gut geklappt und ich wurde nicht mehr nach dem Urlaub von der liegen gebliebene Arbeit erschlagen.

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solitaryway 11.03.2017, 22:20
21.

In Bezug auf meine Arbeit gebe ich dem Artikel recht. Als Zeitarbeiter im Produktionsbereich bin ich vollkommen ersetzbar. Dennoch verlangt mein "Chef" von uns Zeitarbeitern regelmässig 12 durchgehende Arbeitstage, während die Stammmitarbeiter freie Wahl haben, ob sie Mehrarbeit leisten wollen oder nicht. Die "Aufopferungsbereitschaft" wird quasi erzwungen. Zum Glück empfinde ich keine gefühlsduselige Bindung an meinen Job und kann mir währenddessen einen anderen Arbeitgeber suchen.

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gammoncrack 12.03.2017, 01:59
22. Grundsätzlich stimme ich der Aussage

"Jeder ist ersetzbar" zu. Allerdings habe ich schon in meinem Berufsleben Situationen erlebt, an der das nicht passte. Die Unersetzbarkeit einer Person ergibt sich manchmal aus fehlerhaften Strukturen innerhalb eines Unternehmens. Der Ausfall eines Programmierers zur falschen Zeit verursachte eklatante Probleme. Dieser Mensch war also in dem Moment unerseztbar. Das Grundübel war natürlich, dass das Unternehmen es versäumt hat, andere Programmierer in die fachlichen Belange einzubinden. Und genau solche Fehler führen dann dazu, dass sich Arbeitskräfte "unersetzbar" fühlen.

Es ist also die Aufgabe eines jedes Unternehmens derartige Zustände zu vermeiden.

Es ist schon witzig, dass derartiges eigentlich nie Führungskräfte betrifft. Die sind immer ersetzbar, da sie von Ihrer Mannschaft leben - und das hoffentlich auch wissen.

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shran 12.03.2017, 02:45
23.

Zitat von Paddel2
Der Artikel passt wie die Faust aufs Auge. Wer in großen Konzernen beschäftigt ist, kennt die typische Situation: Nachdem Kollege xy in mehreren ellenlangen Emails sein Thema an sie Kollegen herangetragen hat im Glauben, alle hätten sie gelesen, stellt er Termine ein, in denen er mit Puls 140 und weit aufgerissenen Augen seine Position über der aller anderen stellt. Ich sitze in diesen Runden gelassen drin. Man muss nur aufpassen, dass man zu dem Thema keine Aufträge bekommt und kann sich im Anschluss wieder gelassen seinen Kernthemen widmen.
:-) Mache ich auch so. Früher hatte ich mich da manchmal dummerweise beteiligt. Bin seitdem wesentlich entspannter, ja fast schon tiefenentspannt, in der Arbeit und habe mehr Zeit mich auf MEINE Themen zu konzentrieren.
Verlasse auch meistens den Ort wenn jemand beim Pausengequatsche wieder mit irgendeiner Jammer-/Wichtigtuer-/Fachkenntisprahler-/ oder Problemsimulierungs- Nummer ankommt.
Das hat persönliche Entspannung und Wohlbefinden nochmal ordentlich verbessert. Toll sind auch immer "wichtige" Leute die ein Projekt basteln wollen oder müssen, keinen Schimmer von der Materie haben um die es geht und dann Arbeitspakete verteilen. Früher hab ich da oftmals noch Kritik angebracht wenn ich da etwas als sinnlos oder falsch empfand. Inzwischen liefere ich da einfach mal etwas am Fristende ab, warte dann darauf dass erwartungsgemäß in ca. 2-3 Wochen nachdem ihnen klar geworden ist was für einen Unsinn sie gemacht haben dann nochmal ein ordentliches Arbeitspaket gestellt wird.
Auf die Art und Weise kann man seine Nerven und Emotionen sehr gut schonen.

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kariesgold 12.03.2017, 06:28
24. Die Welt dreht sich weiter, aber...

...sie ist nicht mehr die gleiche, sobald jemand ersetzt wird.
Ob nun Trump den Job von Obama übernimmt, plötzlich die Lieblings-Bedienung in der Kneipe ersetzt wird oder ob nun Bach oder Bohlen die Musik macht: Die Welt dreht sich weiter, aber sie ist einfach nicht mehr die gleiche.

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kunibertus 12.03.2017, 08:58
25. Die Friedhöfe sind

voll mit Leuten, die sich für unersetzbar gehalten haben. Es erleichtert das Leben ungemein und stärkt das Wohlbefinden, wenn man sich selbst nicht so wichtig nimmt. An meinem Wesen wird die Welt nun nicht genesen.

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stefan.albrecht@virgilio. 12.03.2017, 09:22
26. Zwei Seiten tragen zur Situation bei

Der Artikel beschreibt viele richtige Dinge (zumindest sind sie das aus meiner Sicht). Um diesem sich wichtig fühlen Druck zu entkommen, gibt es einen guten und zuverlässigen Weg: Mental Abstand von der augenblicklichen Stress Situation nehmen und sich vergegenwärtigen, dass man ja (woe es ja in den meisten Fällen ist), nicht von Anfang an im Unternehmen war, und dass dieses ja schon funktionierte, bevor man selbst eingestellt wurde...
Allerdings ist es leider auch von Unternehmensseite oft gewollt, dass sich Mitarbeiter unersetzlich fühlen, denn nur so kann man sie zuverlässig versklaven und wenn man dann noch eine echte Pfeife als Abteilungsleiter hat, die einen zwingen will, an all den Gehirnwäsche Seminaren vom Typ "weshalb kann ich stolz sein, Teil des Unternehmens zu sein" teilzunehmen, kann man nur noch flüchten. Aber dazu braucht es viel Kraft, vor allem wenn das Gehirn schon nach Seife riecht...

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stefan.albrecht@virgilio. 12.03.2017, 09:31
27. Sie übersehen etwas sehr wichtiges

Zitat von emthele
Der Artikel setzt auf ein schwarz-weiß-Denken zwischen der Idee, sich für das Geschehen der Welt unersetzbar halten, und absolut ersetzbar. Als Erklärung wird die Eintönigkeit der meisten Bürojobs genannt. Dabei muss klar sein, dass die Zielgruppe hier eindeutig auf Schicht-Berufen liegt, wie Werkstattarbeitern, Kellnern, vielleicht sogar Journalisten (immerhin hat es der Spiegel gebracht). Diese Berufsgruppen benötigen zwar erfahrene und eingearbeitete Mitarbeiter, diese sind aber tatsächlich ersetzbar. Urlaubsvertretungen sind in den meisten Berufen tatsächlich relativ leicht möglich. Aber lassen Sie mal aus einer regulären Firma einen Ingenieur plötzlich krank werden oder kündigen, der zuvor zum Kernteam eines Projekts gehörte oder das Projekt maßgeblich mitentwickelte. Wie soll der denn im Urlaub vertreten werden, außer der Beantwortung von emails? Dort fehlt tatsächlich Know-How, das zum Teil nur über monatelange Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters zu ersetzen ist - wenn man diesen denn findet. Abgesehen davon ist es schwer, gute Elektroingenieure oder Softwareentwickler zu finden. Nicht ohne Grund sind die Gehälter hier sehr hoch. Natürlich dreht sich die Welt auch in so einem Fall weiter, ganz besonders wenn es sich nur um Urlaub handelt. Aber es gibt einen Unterschied, ob ein Entwicklungsprojekt an einem oder wenigen Mitarbeitern "hängt" und diese dafür essentiell sind, oder ob das ganze Firmenwohl bereits von 1-2 Wochen Urlaub eines Mitarbeiters in Frage gestellt werden. Diesen Spielraum lässt der Autor besonders aus, was den Artikel zu einer recht mageren Kolumne degradiert. Im Endeffekt steht dort: "Jeder ist ersetzbar, merken Sie sich das, es erspart ihnen frusterzeugten Krebs im Alter". Nachdem ich mich jetzt aufgeregt habe, ist auch mein heutiger morgen schon erfüllt gewesen, danke Spiegel. Wenigstens steht der Artikel weit unten auf der Homepage.
Ich denke, dass Sie zwar tatsächliche Situationen gut abbilden, aber genau den Fehler begehen, den so viele "Unersetzbare" begehen: Die Unersetzbarkeit fällt nicht vom Himmel. Sie wird von den Unersetzbaren oft selbst verursacht. Denn die Ach So Wichtigen Projektleiter, sind oft 8 von den 16 Stunden am Tag damit beschäftigt, irgendwie vor sich hinzuwursteln und die anderen 8 Stunden verbringen sie damit, anderen keine nützlichen sondern nur unverständliche Informationen mitzuteilen, mit einem klaren Ziel: Unersetzbar zu bleiben. Dann wird natürlich gejammert, was das Zeug hält in der Art "Ich muss alles alleine machen", "mir fehlt Unterstützung". In Wirklichkeit sind die Leute aber selbst schuld und wollen vor allem eines: Sich selbst wichtig machen. Genau das, was der Artikel, richtigerweise, anprangert.

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stefan.albrecht@virgilio. 12.03.2017, 09:35
28. Vielleicht...

Zitat von silberwoelfin
freuen, wenn ich im gegenwärtigen Job endlich ersetzbar wäre und jemand da wäre, der das mit übernehmen kann, was ich tue. Ist leider nicht absehbar. Und das liegt nicht daran, dass ich die Arbeit an mich ziehe.
...liegt's daran, dass Sie lieber allein vor sich hinwursteln anstatt sich mit anderen ko struktiv auszutauschen? Besonders bei neuen Mitarbeitern hilft es oft mehr einen ganzen Nachmittag mit diesen zu sprechen und immer für sie ansprechbar zu sein, anstatt alleine die Aufgaben zu erledigen, die "die anderen nicht können".

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ansv 12.03.2017, 09:47
29.

Es gibt Dinge, die sind nicht so schwarz/weiß - aber hier liegt viel Wahrheit drin. Bei uns hat gerade ein erfahrener Leistungsträger gekündigt. Und, ja, es wird schwer sein ihn zu ersetzen, denn er ist gut ausgebildet, sehr erfahren, kompetent und ein wirklich sympathischer Mensch. Aber es wird nicht unmöglich sein. Und zwar schon deshalb, weil er nie "Herrschaftswissen" gehortet hat, wie das im Mittelstand oft üblich ist.

Ich selbst habe auch keine Urlaubsvertretung und mein Chef wird mich schon deshalb vermissen, weil er dann Dinge einfach selbst tun muss oder sie liegen bleiben. Und ein bisschen wird er mich als Person vermissen, weil wir ein gutes Team sind. Würde ich kündigen, würde er sich ärgern. Und dann? Würde er sich jemand Neues einstellen, mit dem er sicher ebenso gerne zusammenarbeitet. Der Arbeitsalltag würde sich verändern, manches vielleicht schlechter, manches aber vielleicht auch besser werden. Ja, genau so ist das Leben. Und seit ich das verstanden habe, bereitet mir kein Job mehr langfristig schlaflose Nächte.

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