Forum: Karriere
Wissenschaftler in Nöten: Jung, talentiert, frustriert

Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.

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sagichned 05.03.2012, 11:18
1.

Vor paar tagen hies es auf spon noch: deutschland hat zuwenige akademiker...Ich glaub so einen zustand nennt man schizophrenie...

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CarstenSchradin 05.03.2012, 11:19
2. und wie werden die wenigen festen Stellen vergeben?

Was der Spiegel über die Zukunftsaussichten schreibt, ist inzwischen gut bekannt, auch wenn viele Jungforscher davor die Augen schliessen.
Aber zu
"Wer nicht zu den wenigen Glücklichen gehört und einen Lehrstuhl auf Lebenszeit ergattert,..."
DA sollte der Spiegel mal nachboren und einen Titel darüber schreiben'

Wer sind denn "die Glücklichen", offensichtlich NICHT die Besten, sondern die mit den besten Verbindungen. "Korruption" und "Vetternwirtschaft" bestimmen, wen die Komissionen durchdrücken, unabhängig davon, ob er / sie der Beste ist. Und ein zweites X Chromosom ist EXTREM hilfreich!

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Xircusmaximus 05.03.2012, 11:24
3. Ja was denn nun, erst wird jahrelang lamentiert

dass angeblich Fachkräfte fehlen, danach wird lamentiert das massenhaft Fachkräfte auf der Strasse stehen.

Zitat von sysop
Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.
Auch akedamisches Proletariat ist nun einmal Proletariat. d.h. Verkäufer Ihrer Arbeitskraft. Und das was sich gestern noch als Leistungsträger verstand, muss realisieren, dass man nun genauso am Arsch sind, wie Jene auf denen man lange Zeit glaubte herab sehen zu können.

Nach der weltweiten Entwertung der Arbeit von Ungelernten und Facharbeitern, folgt nunmehr die Entwertung der akademischen Arbeit. Die Arbeitsgesellschaft ist am Ende und der Verkauf der Ware Arbeitskraft wird im 21zigsten Jh ungefähr so erfolgreich sein, wie der Verkauf von Postkutschen im 20zigsten.

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Klaschfr 05.03.2012, 11:26
4. Lesenswert

Zitat von sysop
Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.
Klare Beschreibung VON Situation und Problemen des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland. És wird seit Jahrzehnten nur geredet und an Marginalem herumgedoktort. Für eine Gesellschaft, die vom Wissen lebt, braucht es mehr als Bachelor- und Masterstudiengänge, Exzelenzzentren, ab und zu finanzielle Notspritzen und der Ruf nach Sponsoren. Und die Parteien haben ganz anderes im Kopf als die Förderung von Forschung und Lehre.

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schreckgespenst 05.03.2012, 11:30
5.

Zitat von sagichned
Vor paar tagen hies es auf spon noch: deutschland hat zuwenige akademiker...Ich glaub so einen zustand nennt man schizophrenie...
Den Unterschied zwischen der Gesamheit aller Akademiker und den wissenschaftlichen Mitarbeitern als deren Teilmenge ist Ihnen hoffentlich bewusst!?
Wissenschaftliche Mitarbeiter werden wirklich schlecht bezahlt, der Verdienst einer TV-L Stelle (Teilweise noch eine 3/4 Stelel) ist im Vergleich zu Stellen in der Wirtschaft ein Witz.
Gerade in Studienrichtungen, in denen Universitäten um die besten Köpfe mit der freien Wirtschaft konkurrieren müssen bleiben meistens nur die Zweitbesten an der Uni.

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crigs 05.03.2012, 11:31
6. Anwendung

[QUOTE "Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts"
Reine Forschung und angewandte Forschung sind so verschieden, wie es nur das Leben nur sein kann. Bitte jammern sie nicht und wenden sie an. Stoppen sie das Philosophieren. Sie sind intelligent und wissen, was zu tun ist.

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Jay's 05.03.2012, 11:40
7. Es hat sich also in den letzten 30 Jahren

nichts geaendert. Zu meiner Zeit da war es doch allbekannt, dass einige wenige Habilitierte mit den besten Beziehungen die Jobs bekamen. Da blieb einem doch fast schon nichts anderes mehr uebrig als auszuwandern. Und ich dachte schon, es haette sich da was zum Positiven getan.

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Hamberliner 05.03.2012, 11:41
8. seit den 90ern keine Besserung

Zitat von sysop
Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.
Damals in den 90ern hat es mich erwischt, damals noch aufgrund §57 HRG. Summa cum laude promoviert, dann nach wenigen lächerlichen Jahren Berufsverbot an der Uni. Weil sich mir auf einem ganz anderen Gebiet in der Industrie Chancen boten war alles, was ich entwickelt hatte, im Eimer und die vielen BMBF- und DFG-Gelder, die ich gekostet hatte, vergeudet. Ich stelle also fest, dass sich der Schwachsinn in neuem gesetzlichem Gewand bis heute erhalten hat. Die Position der Linken überrascht mich positiv - ich hatte den Eindruck, es sei linker Ideologie geschuldet gewesen, dass die Arbeitsplätze an der Uni wie so eine Art Pissoir zu betrachten seien, jeder darf es mal benutzen, aber bitte nur ganz kurz, andere wollen auch mal. Arbeit nicht primär für die besten, sondern für alle (und demzufolge befristet), dieser pseudo-gerechte sozialistische Gedanke schien dahinter zu stecken. Andere scheinen auch der falschen Vorstellung anzuhängen, der Status des Wissenschaftlichen Mitarbeiters sei gar kein Beruf, sondern Teil der Ausbildung, so eine Art verlängertes Studium, und müsse irgendwann einmal zuende sein und in der Industrie seine Fortsetzung finden, auch wenn in der Industrie bei den KMUs ohne staatliche Förderung gar keine ernst zu nehmende Forschung und Entwicklung stattfinden kann.

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uhuplus 05.03.2012, 11:42
9.

Zitat von schreckgespenst
Wissenschaftliche Mitarbeiter werden wirklich schlecht bezahlt, der Verdienst einer TV-L Stelle (Teilweise noch eine 3/4 Stelel) ist im Vergleich zu Stellen in der Wirtschaft ein Witz.
Dreiviertelstellen? schön, wenn es das gäbe - in meinem ehemaligen Umfeld gibt es nichts anderes als halbe Stellen und das mit einem Arbeitspensum, wofür eine volle Stelle eigentlich nicht ausreicht.
"Sie arbeiten die halbe Zeit für uns, die andere Hälfte für sich selbst und ihre Promotion" ist da die Argumentation derjenigen, die eine der begehrten Stellen auf Lebenszeit haben.
Jetzt bin ich in der Industrie, habe geregelten Feierabend, meine Arbeit ist interessant, wird geschätzt und das doppelte Netto gibts obendrein.
Also heißt die Lösung für alle: Schnell raus aus der Uni, draußen gibt es wen der besseres zu bieten hat.

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