Forum: Karriere
Wissenschaftler in Nöten: Jung, talentiert, frustriert

Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.

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Dumme Fragen 05.03.2012, 13:58
60. Falsche Bemerkung:

Zitat von schnitti23
Und was will man mit einem Titel, außer seiner Eitelkeit zu schmeicheln? Ein Könner braucht keine Titel, wer Wissen hat, kann es auch ohne Titel verwenden.
Ohne Doktortitel können Sie bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft keine Anträge einreichen, ergo bekommen Sie keine Drittmittel, ergo können Sie nicht forschen!

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MasterMurks 05.03.2012, 14:02
61. MIssverhältnisse

Zitat von miwegmann
Als jemand, der seit 10 Jahren in der akademischen Wissenschaft arbeitet, kann ich Ihnen sagen, dass das was uns arbeitsrechtlich zugemutet wird, einzigartig ist für Akademiker in Deutschland. An Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gibt es ahufenweise unbefristete Stellen - für Laboranten, technische Assistenten, Verwaltungsmitarbeiter oder Techniker. Für wissenschaftliche Mitarbeiter nahezu nicht. Man muß sich tatsächlich fragen, warum man nach der 10. Klasse noch Abitur, Studium und Promotion gemacht hat, wenn man doch viel mehr (feste Stelle, geregelte Arbeitszeiten, Überstundenausgleich, uvm.) bekommt, wenn man doch einfach MTA geworden wäre.
Und genau das ist das Problem. Trefflich und auf den Punkt beschrieben. Da fragt man sich als Doktorand mit befristeter halber Stelle, der tatsächlich einen Mehrwert für die Hochschule produziert, immer wieder ernsthaft, warum die 18-jährige Laborantin einen unbefristeten Vollzeitvertrag mit nahezu dem doppelten Einkommen bekommt. Geregelter Feierabend und Urlaub inklusive. Sicher macht sie einen wichtigen und unersetzbaren Job, aber ihre Bezahlung steht in keinem Verhältnis zu der Bezahlung der eigentlichen Forscher. Natürlich verdiene ich irgendwann viel später mehr als sie, aber wenn sie den Kies nicht verprasst, sondern anlegt, kann sie in einem Alter in Rente gehen, in dem ich gerade anfange mein Haus abzubezahlen.
Und dann gibt's da noch die von Beamten und nahezu unkündbaren Angestellten besetzte Verwaltung, deren einziger Daseinszweck es ist, sich selbst Arbeit zu beschaffen...

Und da soll man als Wissenschaftler Spaß dran haben, nicht so schnell wie möglich (also nach der Promotion) wieder aus dem ineffizienten Ausbeuterverein namens Hochschule wieder rauszusein? Danke, aber ich bin weg und viele andere mit mir.

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derweise 05.03.2012, 14:03
62. Die Arbeiter werden wegrationalisiert!

Zitat von Spiegelleserin57
Wir brauchen auch Arbeiter, sonst funktioniert gar nichts mehr! Wie regiert ein König sein Land ohne Volk. Ohne die einfacheren Stellen wäre Deutschland schon längst zerstört, sie bilden die Basis für das Land. Was wären wir ohne z. B. die .....
Die Arbeiter werden wegrationalisiert. Das ist doch Gemüse, was Sie erzählen!

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schnitti23 05.03.2012, 14:03
63. Jetzt

[QUOTE=karlakopf;9765154] Zitat von miwegmann
So sieht´s aus! Als Promovierender in der Endphase blicke ich mit Neid auf unseren Techniker, der Haus, Ehefrau und Auto hat. Ich habe hingegen 4 Jahre auf halber .....
Jetzt würde mich wirklich interessieren, was den Menschen dazu treibt, zu promovieren.
Ist es der Titel, den man hinterher in seinem Ausweis tragen darf oder die altbackene Anrede als Herr/Frau Doktor, die das Selbstwertgefühl hebt?

Ich keine einen Pysiker ohne Titel und eine Pysikerin mit Titel.
Die ist aber noch recht jung und hat jahrelang geschuftet, nur um den Titel zu haben. Der Mann hat aber auch ohne Titel seinen Weg gemacht.
Wozu braucht Mensch einen Titel?
Stillt er die eigene Eitelkeit oder soll er als Türöffner dienen?
Wer wirklich was kann, braucht keine Titel.
Und ja, die Titelsucht würde ich auch als krank bezeichnen.

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leeca 05.03.2012, 14:03
64. naja...

Zitat von schnitti23
Und was will man mit einem Titel, außer seiner Eitelkeit zu schmeicheln? Ein Könner braucht keine Titel, wer Wissen hat, kann es auch ohne Titel verwenden. Es fehlt an Ehrlichkeit bei diesem Thema, denn den Dr. streben die allermeisten nur an, weil er ein Türöffner ist und der eigenen Eitelkeit dient. Es soll sogar Leute geben, die darauf bestehen, mit Herr Doktor angeredet zu werden. Niemand braucht Titel, sie sind Überbleibsel alter Zeiten und sollten komplett abgeschafft werden.
Es soll auch Leute geben, die während des Studiums von einem Professor angeboten bekommen, dass sie doch bleiben und noch promovieren könnten. Dazu bekämen sie regelmäßig Geld und müssten sich erstmal nicht darum kümmern, noch während der Abschlussklausuren einen Job in der freien Wirtschaft zu finden... ein sehr verlockendes Angebot!

Aber ja, es gibt auch heute noch Absolventen, die ihren Doktortitel sofort in sämtliche Ausweise, Kreditkarten, Führerschein und ähnliches eintragen lassen - aber es gibt halt auch diejenigen, denen man den Doktortitel 1. nicht ansieht und die 2. nicht drauf rumreiten...

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forumundthreadkritiker 05.03.2012, 14:04
65. Was für ein...

Zitat von schnitti23
Und was will man mit einem Titel, außer seiner Eitelkeit zu schmeicheln? Ein Könner braucht keine Titel, wer Wissen hat, kann es auch ohne Titel verwenden. .... Niemand braucht Titel, sie sind Überbleibsel alter Zeiten und sollten komplett abgeschafft werden.
... Unsinn. Früher hätte man Ihnen gesagt "gehen Sie doch nach drüben" ist schon klar, dass Ihnen der Sinn für Promotionen fehlt - ein dreifaches Hoch auf die Arbeiterklasse und die Solidarität Sie "Könner".

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biologe1980 05.03.2012, 14:04
66. ungeliebte Forschung

wie wahr wie wahr.....
Aus eigener Erfahrung kann ich dem Artikel zustimmen - die Perspektiven für junge Wissenschaftler sind in Deutschland verheerend. Eine universitäre Karriere anzustreben ist riskant und lässt sich mit Familienplanung etc. aus mangelnder Planungssicherheit nicht vereinbaren.
Mein Vertrag als PostDoc endet 2014 - die Chancen auf eine Festanstellung sind gleich Null. Insofern heißt es für mich dann wohl auch: "Goodbye Deutschland".
Passend zum Thema möchte ich auf folgenden Artikel aufmerksam machen:
http://www.laborjournal.de/rubric/ar...rennicke70.pdf
Zitat von sysop
Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.

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mensch0817 05.03.2012, 14:05
67. zu kurz gesprungen

Es ist zwar schön, eine solchen Artikel zu lesen, aber inhaltlich wurde hier meiner Meinung nach zu kurz gesprungen.

Im Artikel wird vorrangig auf die Möglichkeiten der Erlangung einer Professorenstelle eingegangen. Daß das schon rein zahlenmäßig nicht für jeden, auch nicht für jeden guten, Nachwuchsforscher realisierbar ist, wird jedem einleuchten. Aber das ist auch gar nicht die Frage. Was vor allem fehlt, ist die Reihe hinter den Professoren, der akademische Mittelbau, bei dem langsam, aber stetig, ein Kahlschlag betrieben wird. Gerade an Universitäten trägt jedoch der akademische Mittelbau einen guten Teil der Lehre, deren Qualität insgesamt sinken wird, wenn entweder der Professor selbst alle Lehrveranstaltungen bestreiten muß oder ständig wechselnde Doktoranden dies übernehmen. Die Vereinbarkeit von Lehre und Forschung hängt eben wesentlich vom Personalbestand der universitären Lehrstühle ab. Wird dort gespart, leidet eine der beiden Fraktionen. Und da man mit (Spitzen-)Forschung Geld, sprich Drittmittel, einwerben kann, mit Lehre jedoch nicht, weiß ich auch schon, welche Seite mehr leidet. Ein Hoch auf den Bildungsstandort Deutschland.

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Celegorm 05.03.2012, 14:12
68.

Zitat von schnitti23
Und was will man mit einem Titel, außer seiner Eitelkeit zu schmeicheln? Ein Könner braucht keine Titel, wer Wissen hat, kann es auch ohne Titel verwenden. Es fehlt an Ehrlichkeit bei diesem Thema, denn den Dr. streben die allermeisten nur an, weil er ein Türöffner ist und der eigenen Eitelkeit dient.
Sie verfehlen die Thematik, es geht hier nicht um Disziplinen und Personen, bei denen ein Doktortitel effektiv primär der Schaumschlägerei dient. Gerade in der Naturwissenschaft ist die Situation das ziemliche Gegenteil davon, dort ist generell ein Doktortitel ein fast essentieller Teil der Ausbildung. Weshalb damit auch schlecht der Eitelkeit gedient werden kann, unter Naturwissenschaflter sind praktisch alle PhDs, weswegen das auch niemand für besonders erwähnenswert hält.

Alles in allem ist Ihr Kommentar auch im Ansatz naiv: Wenn Sie blumige Phrase von "Wissen anwenden" von sich geben übersehen Sie schlicht, dass Aus- und Fortbildung inklusive der dazugehörigen Abschlüsse nunmal zentraler Bestandteil des gesamten Arbeitsmarktes sind. Sie können entsprechend auch sagen: "Ein Könner braucht kein Abitur/keinen Lehrabschluss/kein Diplom/etc., wer Wissen hat, kann es auch ohne Abitur/Lehrabschluss/Diplom/etc. verwenden."
Was per se nicht einmal falsch ist. Aber überzeugen Sie mal einen beliebigen Arbeitgeber davon, dass Ihre Fähigkeiten gleichwertig oder besser sind als jene der Mitbewerber mit dem nötigen Abschluss. Mal davon abgesehen, wenn Sie das Wissen haben und anwenden können, wieso holen Sie sich dann nicht den entsprechenden Abschluss? Sowas dürfte dann wohl maximal als mangelnder Ehrgeiz und damit Faulheit gewertet werden..

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Friedrich der Streitbare 05.03.2012, 14:12
69. Schwierig

Zitat von zehner2
Was in Deutschland vor allen Dingen fehlt sind unbefristete Stellen für "normale" Lehrkräfte. Für viele einführende Vorlesungen sind die Professoren nämlich 1.) hoffnungslos überqualifiziert 2.) didaktisch oft ungeeignet und 3.) viel zu teuer. Da vergeudet dann die international anerkannte Koryphäe 2-4 Semesterwochenstunden (SWS) von seinem Lehrdeputat von 8 SWS für Sachen wie "Einführung in die Mathematik für Naturwissenschaftler" oder so. Ein normaler Gymnasiallehrer könnte das wahrscheinlich besser und billiger. In England gibt es dafür die (unbefristeten) Reader und Lecturer.
Das ist auf jeden Fall schon einmal ein richtiger Ansatz. Auch die vielbeschworene Nähe zur Forschungsfront ist für derartige Grundvorlesungen des Typs "Einführung in ..." schlichtweg nicht erforderlich.

Ein anderes grundsätzliches Problem läßt sich aber auch nicht durch eine Vervielfachung der Professoren- oder sonstigen wissenschaftlichen Dauerstellen lösen. Ich meine damit die starke Attraktivität der Grundlagenforschung. Mit der beschriebenen Vervielfachung würde das Signal an die nächsten Anfänger gegeben: seht, man bekommt hinterher einen Arbeitsplatz. Also würden sich noch mehr in die Pipeline begeben und nach ein 10 Jahren stünde man wieder vor derselben Situation - zuviele Bewerber auf zu wenige Stellen.

Was garnicht geht ist der naive Vorschlag der Linken - nur noch unbefristete Stellen. Dann wären ruckzuck alle Stellen auf Dauer besetzt und die dann folgende Nachwuchsgeneration hätte überhaupt keine Chance auf eine Stelle.

Es war schon immer so, dass es mehr befristete Assistentenstellen als Professoren- und unbefristete Stellen gab. Jedem war also klar, dass ein deutliches Risiko mit der wissenschaftlichen Laufbahn verbunden war. Was mich interessieren würde: gibt es verlässliche Untersuchungen darüber, wie sich die Chancen eines wissenschaftlichen Anfängers im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte entwickelt haben ? Wären sie mehr oder minder gleichgeblieben, hätte ich mit der Situation kein Problem, denn es wäre dann auch meiner Startlage vergleichbar. Sollte sie sich aber massiv verschlechtert haben, sähe auch ich akuten Handlungsbedarf.

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