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Zurückhaltung im Beruf: Introvertiert und Chef - das geht
Corbis

Wer nach ganz oben will, muss sich vor den richtigen Leuten aufplustern. Stimmt nicht ganz: Auch introvertierte Menschen machen Karriere und übernehmen Führungsaufgaben - wenn sie ihre vermeintlichen Schwächen für sich nutzen.

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Kiste 19.02.2014, 13:39
1. Kann ich bestätigen

Zitat von sysop
"Management by walking around" eine gute Methode
Jahrelang habe ich meine Mitarbeiter regelmäßig an ihren weit auseinanderliegenden Arbeitsplätzen aufgesucht, mir ihre Sorgen und Probleme angehört und geholfen. Die Arbeit klappte perfekt.
Dann kam eine neue Obercheffin, studierte Juristin, die wollte wöchentliche "Meetings", in denen wir als "Team" zusammenarbeiten.
Das Ende vom Lied: Alle MitarbeiterInnen sind heillos zerstritten und hassen sich gegenseitig. Das Arbeitsklima ist zerstört. Von Team kann keine Rede mehr sein.
Hätte sie doch bloß diesen Artikel vorher lesen können.

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karstenkk 19.02.2014, 13:52
2. Hochsensibilität und Intros

Vielen Dank für den Bericht,zum Glück kümmert sich SPIEGEL immer mal wieder um diese unterschätzten Menschen,welche jedoch für die Gesellschaft so wichtig sind.

Ursache für die Introvertiertheit ist die ausgeprägte Hochsensibilität. Solche Menschen nehmen sehr viel mehr Dinge wahr als " normale " Menschen,allerdings ist dann der "Arbeitsspeicher" rasch voll und es kommt zu Überreizungen,welche einen Rückzug erfordern. Von außen sieht es zwar nach einer Introversion aus,tätsächlich ist es eher ein Abkühlen oder eine kurze Erholung.
Zu dem Thema Hochsensibilität hat es einige schöne Internetseiten, bei Interesse einfach eine Suchmaschine des Vertrauens füttern.
Das normale Arbeitsleben in hektischen Großraumbüros ist eigentlich nichts für nichts für Hochsenisble, es sind eher Künstlertypen mit Kontakt "nach ganz oben", Therapeuten, Lehrer für Meditationstechniken etc. Oder auch als hochkompetente Berater in der zweiten Reihe,es ist ratsam immer einen solchen an der Seite zu haben. Sie sind meist sehr intelligent und feinfühlig mit einem Gespür für Betrug und Übervorteilung.

Ob unsere Kanzlerin,die ich sehr schätze, hochsensibel veranlagt ist,glaube ich eher nicht. Sie hat ein viel zu hohes Arbeitspensum in sehr exponierter Stellung,das schafft ein Hochsensibler nicht.

Typische Hochsensible waren Hildegard von Bingen oder Michael Jackson,vielleicht sogar auch Willy Brandt.

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brut_dargent 19.02.2014, 15:21
3. Tipps für Hochsensible

Selektive Wahrnehmung. Kann man sich antrainieren. Ist zwar manchmal etwas lästig für die Umgebung ('Hast Du mir wieder nicht zugehört ...?";), aber hilfreich, nicht überbelastet zu werden. Auch sind regelmäßiger Sport oder Spaziergänze ein sehr guter Ausgleich, um wieder runter zu kommen. Zudem ist es gut zu lernen, Grenzen zu setzen. Die einfachste lautet: nein.

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korox 19.02.2014, 15:42
4.

Als Introvertierter seh ich es nach wie vor kritisch, wieviele Stärken so einem allgemein unterstellt werden. Ich weiss zwar nicht, wie es bei anderen so ist, aber ich kann zumindest von mir sehr genau sagen, dass ich keine Führungsqualitäten habe. Langer Atem gehört auch nicht zu meinen "Qualitäten" und besonders tief verlaufen meine Gespräche auch nicht. Trotzdem brauch ich viel Ruhe vor anderen Menschen. Meines Erachtens gibt es auch nicht den typischen Introvertierten.

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sirhumphrey 19.02.2014, 16:18
5. Leider sind...

... Introvertierte auch überdurchschnittlich oft Zielscheibe von Mobbing-Übergriffen und schaffen es deshalb gar nicht erst, in Führungspositionen zu kommen. Der berufliche Selektionsprozess hat in vielen Fällen eher wenig mit den tatsächlichen Qualitäten des Personals zu tun, sondern mit Imagepflege, Vitamin B und Ellenbogeneinsatz der Kandidatinnen und Kandidaten. Wie sollen Introvertierte sich da durchsetzen? Die bloße Kompensation von Defiziten wird da wohl kaum weiterhelfen.

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RobinSeyin 19.02.2014, 16:26
6.

Zitat von sysop
Wer nach ganz oben will, muss sich vor den richtigen Leuten aufplustern. Stimmt nicht ganz: Auch introvertierte Menschen machen Karriere und übernehmen Führungsaufgaben - wenn sie ihre vermeintlichen Schwächen für sich nutzen.
Wer sich aufplustert ist zwangsläufig ein schlechter Chef, denn aufplustern heißt ja nichts anderes, als zu täuschen. Und man kann zwar Menschen täuschen, aber die Realität nicht.

Ein Chef, der durch diese Art dazu wird - was will er machen? Weiterhin aufgeplustert bleiben, weil ihm gar nichts anderes übrig bleibt, schließlich ist er nicht so groß/gut, wie er sich gab.

Durch seine mangende Kompetenz entstehen dann Fehler und die Arbeitnehmer dürfen es ausbügeln. Das kostet viel Zeit, viel Geld und am Ende gar die ganze Firma.

Toll...

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brut_dargent 19.02.2014, 16:44
7. @sirhumphrey

"... Introvertierte auch überdurchschnittlich oft Zielscheibe von Mobbing-Übergriffen ..." Zitat Ende - Ja, ist ja aber nicht ohne Grund. ich bin Introvertierter, hochbegabt, auch hochsensibel, was ich lange verdrängt habe. Die Leute haben einfach Schiss vor einem, weil man gut ist mit dem, was man macht. Also wird ruppig dagegengehalten, statt zu kooperieren. Mich interessieren Führungspositionen z.B. überhaupt nicht, da ich keinen Sinn für das ganze Adminstrative habe bzw. ich auch leicht davon überfordert werde (Steuererklärungsformulare können mich in den Wahnsinn treiben). Dabei sehe ich mich überhaupt nicht als Wettbewerber oder gar Konkurrent, sondern ich möchte einfach nur in Ruhe meinen Job machen dürfen. Dabei weiß ich ziemlich genau, was ich kann und worin ich nicht so gut bin, sprich, wo ich mir Unterstützung hole. Je nach Tagesform, bin ich auch sehr schnell. Umso wichtiger sind dann die Ruhephasen, wo man von Kollegen schnell kritisch angesehen wird, wenn man mal eine Weile aus dem Fenster schaut oder, noch schlimmer, während der regulären Arbeitszeit eine halbe Stunde raus geht an die frische Luft. Dieser Ausgleich ist aber zwingend nötig, da, so geht es mir zumindest, sonst die Gefahr droht, heißzulaufen. Insofern ist die Anwesenheitspflicht völliger Unsinn, weil ich das, wofür andere einen Tag brauchen, in einem halben erledigt kriege. Dafür muss man sich den Rest des Tages dann irgendwie durchquälen. Wenig schön. Einer der Hauptgründe, warum ich selbstständig bin.

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dwg 19.02.2014, 17:17
8.

Zitat von sysop
Wer nach ganz oben will, muss sich vor den richtigen Leuten aufplustern. Stimmt nicht ganz: Auch introvertierte Menschen machen Karriere und übernehmen Führungsaufgaben - wenn sie ihre vermeintlichen Schwächen für sich nutzen.
Ein guter Artikel, der die Situation prima beschreibt. Zudem bin ich großer Freund des "Management by walking around". Auch die Differenzierung hier in einigen Beiträgen in Richtung "hochsensibel" ist richtig und eher der Kern als lediglich introvertiert zu sein. Und ja, damit ist man durchaus auch als Führungskraft geeignet - das geht auch mit leisen Tönen und "das Gras wachsen hören" ist eine brauchbare Eigenschaft. Ein Artikel, der sich wohltuend von den sonst oft unterirdischen Beiträgen a la Lästerlexikon abhebt. Danke.

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mail-sms 19.02.2014, 17:41
9. Genug

Hängt dann doch vom Menschen ab wie gut er sich als Chef gibt. Übrigens Zurückhaltung heisst nicht gleich introvertiert. Es gibt so viele introvertierte Labertaschen, da möchte man sich nur verstecken vor ihnen. Das Wort ist sowieso zu einem Modewort verkommen. Die ursprüngliche Bedeutung, nämlich die abstrakte Wahrnehmung der Umwelt wie Jung es beschrieb kennt kaum einer. Einfach jeder Mensch der schüchtern ist wird als "Intro" abgetan. All die tausend Bücher und Ratgeber inklusive dieses Artikels sind so naiv amateurhaft, da möchte man sich vor diesen hausgezüchteten Soziologen genau-so verstecken. Bitte liest diesen Schrott nicht.

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