Forum: Karriere
Zwischenruf: Wir Rabenväter
Corbis

Arbeit und Familie zu vereinbaren - das ist kein reines Mütter-Problem. Väter verzweifeln daran genauso, meinen Marc Brost und Heinrich Wefing. Weil berufliche Zwänge so viel zerstören: Sie machen müde, ruppig, stumm. Und sie töten die Liebe.

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geando 25.06.2015, 15:54
10. Drang nach mehr

Das grosse Problem ist nicht etwa ein objektiv materieller Druck, der die Menschen zu Stress und Arbeit antreibt. Materiell gesehen, geht es den Menschen in der "ersten Welt" besser als je zuvor. Nein, dieser fast unerklärliche Drang nach immer mehr scheint fast von innen zu kommen, viele scheinen die Fähigkeit zur Zufriedenheit verloren zu haben. Der Materialismus ist scheinbar ein Virus, der den Menschen befällt und ihn antreibt zur Produktivität bis zur Selbstaufgabe. Bei allen materiellen Problemen die die Generationen vor uns hatten, war doch vielleicht die Fähigkeit zur Akzeptanz dessen was man hat (oder was man nicht hat) wesentlich grösser. Das hat die Menschen letztlich zufriedener gemacht. Man kann diese Gelassenheit, trotz materiellen Mangels, durchaus noch in einigen ärmeren Ländern der Welt bestaunen, auch wenn dort nun immer mehr die Konsumgier Einzug hält. Natürlich sollte man auch kein Loblied auf die Armut singen, solange man selber vor vollen Tellern hockt- aber die Richtung, in die sich die Gesellschaft der "ersten Welt" entwickelt ist jedenfalls fragwürdig.

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japhet 25.06.2015, 15:56
11. Hört auf Eure Frauen ...

... hat Michbeck74 (#4) uns anderen Ehemännern und Familienvätern zugerufen. Nur - was, wenn diese Frau auch sagt, dass man das Geld brauchen würde, wenn es keine angemessene Beschäftigung in Teilzeit oder noch nicht einmal im Tagespendelbereich gibt? Was, wenn schon für die Fahrt zur Arbeuit täglich mehrere Stunden draufgehen? Da macht schwenker1970 (#2) es sich doch etwas leicht: "Jeder hat es selbst in der Hand Nein zu sagen. Nein zu mehr Arbeit, nein zu ständigen Überstunden, nein zur ständigen Erreichbarkeit!" Was, wenn dieses "Nein" bedeutet, ggf. gar keine Arbeit zu haben? Dieser Rat mag zu Beamten oder sonstigen, unkündbar im öffentlichen Dienst Beschäftigte passen, versagt aber bei einer Vielzahl anderer Beschäftigungsverhältnisse. In der freien Wirtschaft hat man kaum eine Chance, weder Frau noch Mann, nach mehreren Jahren Abwesenheit wegen Kindererziehung wieder an gleicher Stelle der "Karriereleiter" einzusteigen. Dem Studienrat am Gymnasium wird die Stelle freigehalten und er erhält noch Lob.
Da halte ich es fast schon eher mit Bondurant (#1), der an viel schlimmere Zeiten erinnert, als Eltern und bevorzugt Väter eine 48-Stunden-Woche hatten oder noch mehr Stunden, in der Väter sogar nicht nur Wochenendpendler waren, sondern nur monatsweise nach Hause kommen konnten, weil sie nur in der Ferne überhaupt eine Arbeit fanden.

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acyonyx 25.06.2015, 16:02
12. Vereinbarkeit

Das Wort Vereinbarkeit ist völlig fehl am Platze!
Man kann Familie und Beruf garnicht "vereinbaren".
Es ist logischer Weise immer ein "entweder - oder". Beide benötigen Zeit und Aufmerksamkeit und wir sind alle nur einmal da.
Deshalb wäre es am sinnvollsten den Leuten zu ermöglichen, die beiden Dinge NACHEINANDER durchzuziehen und nicht GLEICHZEITIG.
Dann kann man jeweils 100% geben und es wird was draus.
Jeder weiß, daß im Job der Unterschied zwischen 80% Leistung und 100% die entscheidenden 20% sind.
Das ist in der Kindererziehung übrigens auch so. Kinder bekommen das vollumfänglich mit, ob man sie will oder auch nur zu 20% wegorganisiert.
Der Status Quo sind menschen die völlig überfordert sind, Körperlich und emotional. Ständig ein schlechtes gewissen haben: Ich könnte mehr arbeiten, besser sein, ich könnte mich mehr um meine Kinder kümmern, die schauen immer so traurig, wenn ich zur Arbeit gehe.....
Aber vielleicht will das die Industrie und der Staat so. Unsichere Menschen sind besser zu beeinflussen und geben in Verhandlungen schneller nach...

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LUAP 25.06.2015, 16:02
13. Jammern auf ganz hohem Niveau....

... das ist das einzige was mir hierzu einfällt. Als Vater von drei Kindern, allesamt geboren vor der neu geschaffenen Elternzeit, kann ich nur bestätigen, daß der Spagat zw Familie und Job mehr als schwierig ist. Dennoch ist die sicherlich einmal gut gemeinte Elternzeit für beide abgerutscht in einen verängerten Urlaub, den ganz viele der Kollegen machen. Wo man dann mit Frau und Kind im Wohnmobil durch die USA reist. Den erwünschten Effekt auf die Geburtenrate ist mehr als ausgeblieben, im Gegenteil es werden immer weniger Kinder In D geboren. Ich denke, wenn man Kinder haben will, muss man sich bewusst entscheiden, wie man sein Leben strukturiert. Es geht halt nicht alles. Viel Geld, super Job und dann noch gaaanz viel Zeit für die Familie. Das gibt es allenfalls im Film

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bunterepublik 25.06.2015, 16:03
14. Richtig und Falsch

Der Artikel ist gut, man findet sich wieder; aber: er betrifft nur eine kleine Menge der Arbeitnehmer.

Ein Facharbeiter, der ab und an Überstunden macht, die fürstlich entlohnt werden, darf sich in diesem Artikel nicht wiederfinden.

Aber der leitende Angestellte, der Freiberufler, der Selbständige, das mittlere Management, dessen Überstunden mit dem Gehalt vollkommen abgegolten sind, die dürfen sich in diesem Artikel wiederfinden...
NUR: Wasch mir den Pelz (gutes Gehalt), mach mich nicht nass (Zeitaufwand und Stress), geht eben in einer gehoberen Position nicht.....Daher: Wer es nicht erträgt oder tatsächlich seinen Kindern gutes tun will: Downgraden....es geht auch ohne 5-Sterne-Club-Urlaub und 5er BMW.

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gott777 25.06.2015, 16:03
15. Erkenne mich wieder

Leider erkenne ich mich in dem Text wieder. Seit dem unser Kleiner da ist (der wirklich Sonne in unser Leben bringt), bleibt der Rest der Beziehung auf der Strecke. Wenn ich von Arbeit nach Hause komme ist gleich Fütterungszeit, dann Baden und ab ins Bett. Im Prinzip könnte ich mich gleich daneben legen, da ich seit 6 Uhr ununterbrochen auf den Beinen bin, doch man will ja noch die Zeit für sich nutzen. Doch für mehr als Smartphonegetippe oder Fernsehen reicht die Kraft und Zeit nicht mehr. Ging man früher am Abend noch raus spazieren oder eine Runde mit dem Rad, ist man froh noch Kraft zum Müll rausbringen zu haben. Und raus geht ja eh nicht, man muss ja beim Kind bleiben. Und die Gesprächsthemen sind wirklich wie beschrieben meist nur noch Terminplanungen. Doch was bleibt? Weniger Arbeiten? Das Geld reicht eh kaum um für das Alter vorzusorgen und einen "normalen" Standard halten zu können. Wie wird das erst, wenn der Kleine auch geldwerte Wünsche hat. Fällt also weg. Ich nehme mir jeden Morgen vor "heute abend bist Du ganz und gar für deine Frau da", doch meist bin ich froh einfach nur stumpf noch rumsitzen und nicht mehr denken zu müssen. Und wenn ich dann doch die Energie habe, sehe ich spätestens beim Blick in die Augen meiner Frau, dass sie auch keine Energie mehr hat und nur noch ihre Ruhe will. Mich würde nicht wundern, wenn hier auf die untere Mittelschicht (zu der ich mich mal zähle) eine Generation Burn-out zukommt.

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tonhalle 25.06.2015, 16:05
16. unumwunden, so ist es

Das habe ich auch ähnlich durchlebt, gescheiterte Ehe, Scheidungskind, Immobilie. Dann ein Karriereknick und Harz 4 am Horizont. Es ist gut gegangen und durch Zufall bin ich in den öffentlichen Dienst gekommen. Hier ist es zeitlich entspannt, ich hätte theoretisch die Zeit für die nicht mehr existente Familie, aber um welchen Preis? 30% weniger Gehalt und "Kollegen", die für die freien Wirtschaft einfach unzureichend qualifiziert sind.

Was sind also die Alternativen? Ca. 8 h/Tag in einem mittelmäßig bezahlten Job, der frustriert, wenn man mal über den Tellerrand geschaut hat, oder wieder 11-12h/Tag für mehr Geld, bei mehr Risiko und einem Job der (hoffentlich meist) Spaß macht?
Der Neoliberalismus wird uns künftig die Entscheidung abnehmen. Ich für meinen Teil versuche nebenberuflich Geld und interessante berufliche Inhalte zu bekommen, ohne mich bei der Freizeit so sehr einzuschränken, dass ich als Sunshinedaddy (Alle zwei Wochen mein Scheidungskind) Verzicht kommunizieren muss.
Um mein Kind tut es mir leid. Ohne Studium, Auslandserfahrung und überdurchschnittlich guter Rhetorik, wird es nicht mal diese Wahl haben!

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hermanngaul 25.06.2015, 16:07
17. aber aber

Wenn die Herren vorprogrammiert vielleicht ehrlich wären und zugeben würden, dass sie dieses Rumgefuchtel nicht aus reinem Altruismus oder echter finanzieller Not treiben, sondern weil sie halt tolle Karrieren und ein großes Haus und großes Auto haben wollen. Ich arbeite 50% und meine Frau 75%. Aber uns entgeht natürlich das optimale ökonomische Outcome. So what?

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thomas.deppermann 25.06.2015, 16:09
18. bischen dünne

ich muß zugeben, dass ich mich in dem Artikel auch wiedergefunden habe. Das Ganze gerät aber zu kurz: wo ist der Ausblick - was kann man ändern...
"du hat immer die Wahl..."

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artbond 25.06.2015, 16:13
19. Prios

Naja, so "schlimm" es auch sein mag, die Sklaverei ist doch abgeschafft. Was fehlt ist die Einsicht, dass man eben nicht alles haben kann und jede Entscheidung die man trifft Konsequenzen hat. Wenn ich Zeit mit meinen Kindern verbringen will muss ich eben weniger arbeiten, dann muss ich aber auch die beruflichen Konsequenzen akzeptieren. Sollte aber kein Problem sein, wenn die Familie und die Kinder ah so wichtig sind. Bei Leuten in prekären Verhältnissen ist das eine andere Sache, aber bei Akademikern in gut bezahlten Bürojobs grenzen solche Aussagen schon an Heuchelei.

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