Forum: Kultur
68er-Ikonen Getty und Winkelmann: Zwei Mal Exzess, bitte!

Jung, ephebenhaft, unwiderstehlich: Gisela Getty und Jutta Winkelmann waren die Sirenen der 68er-Revolte - jetzt haben sie ihre Memoiren geschrieben. Ein teuflischer Cocktail aus Drogendelirien, Gangster-Irrsinn und Sex in Künstlerbetten. Matthias Matussek ließ sich berauschen.

sam clemens 10.03.2008, 19:59
1. Relevanz

Mir fällt diese behauptete Deutungshoheit über 68 gehörig auf die Nerven - DIE Sirenen der 68er, Uschi Obermaier hatte "Sex mit dem Leben" und die unsägliche Kommune 1. 68 war ganz sicher mehr als ein paar durchgedrehte Wohlstandskinder, die den Fotografen was zum Gucken gaben. Diese Schlüssellochperspektive ist richtig schlecht!

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weltbekannt 10.03.2008, 20:15
2. wie lange noch

wie lange muss man hier eigentlich noch die eitlen selbstgefälligkeiten des herrn matussek lesen?

pseudo-betroffenheits-ekkletizismus, der dem leser nicht einmal den hinweis auf einen vorläufer des buches, nämlich den film von christa ritter und rainer langhans "schneeweiß rosenrot" über die zwillinge gönnt.
wenn schon keine fakten, dann wären doch wenigstens die kochrezepte für die vegetarischen gerichte, die herr matussek genießen durfte, eine bereicherung gewesen.

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thomas noller 10.03.2008, 21:36
3. seufz

War es wirklich notwendig, noch einmal zu belegen, dass die nostalgisch-endhormonelle Sehnsucht alternder Herren nach 'der guten alten Zeit' nichts als essayistischen Flachsinn hervorbringt?

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rwadel 10.03.2008, 21:40
4. Keine Ikonen

Die beiden Frauen waren niemals "Ikonen" der 68er sondern ganz gewöhnliche Groupies, die sich immer mal wieder an die Presse verkauften.

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Ernst Robert 11.03.2008, 01:04
5. Hier wie Da

Zitat von rwadel
Die beiden Frauen waren niemals "Ikonen" der 68er sondern ganz gewöhnliche Groupies, die sich immer mal wieder an die Presse verkauften.
So etwa ist auch meine sehr diffuse Erinnerung an diese witzigen Fräuleins.

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jellicoe 11.03.2008, 04:48
6. Naja...

Zitat von rwadel
Die beiden Frauen waren niemals "Ikonen" der 68er sondern ganz gewöhnliche Groupies, die sich immer mal wieder an die Presse verkauften.
In diesem Fall aber eher Matussek als Groupie.

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Andreadeia 11.03.2008, 09:41
7. Sirenen der 68er? Ganz gewöhnliche Partygirls

Zitat von jellicoe
In diesem Fall aber eher Matussek als Groupie.
Ausgerechnet Matussek, der doch ansonsten die Frauen gerne als Gatten- und familienversorgendes Heimchen am Herd haben möchte. ts, ts ...
Aber wie alle Scheinheiligen delektiert er sich doch gerne am "Verruchten".
Wobei diese Zwillinge doch nichts anderes als Partytussen waren, die sich berühmte und reiche Typen gekrallt haben. Was soll daran außergewöhnlich sein? Es waren halt Partygirls.

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rio_riester 11.03.2008, 10:44
8. Bewertung der Rezension

Hallo Leute,

mir gefällt die Rezension von Herrn Matussek gut. Sie ist geschrieben mit viel Elan, Sympathie, Emphase, mit einem Willen zur vision. Vielleicht sagt uns diese Rezension mehr über den Gemütszustand eines alten Journalisten - sei's drum. Ich lese sowas mit Wohlwollen.

Daß uns Herr Matussek mehr Beschwörungen als Tatsachen serviert, scheint mir entschuldbar. Denn vermutlich ist der größte Teil dieses Lebensberichtes der Schwestern Winkelmann frei erfunden. Der Unterschied ist nur der: die einen erfinden vollgekokste Mafiosi, die auf dem Klo zusammenbrechen - die anderen erfinden Massenvernichtungswaffen im Irak.

Ganz recht: die Schwestern Winkelmann waren "Groupies". Etwas weniger freundlich ausgedrückt: sie waren Nutten und Kleinkriminelle. Aber sie haben über Jahrzehnte dieses Vagabunden-Dasein gemeistert: eine enorme finanzielle und logistische Leistung. Wer von uns kleinkarrierten Angestellten hätte so ein Leben auch nur zwei Jahre lang bewältigt? Ich bestimmt nicht.

Und was mir an Herrn Matusseks Rezension gefällt: daß er dieses Leben nicht als eine einzige Verschwendung von Zeit, Talent und Energie abwertet, sondern es beschreibt als waghalsigen Versuch, bürgerliche Lebensformen (Ausbildung - Beruf - Familie - Rente - usw.) zu vermeiden: zu überwinden zugunsten eines ekstatischen, "echten" Lebens.

Vielleicht ist dies bloß das Wunschdenken eines alten Mannes. Denn vermutlich war das Leben der Schwestern Winkelmann die meiste Zeit einfach nur armselig. Aber zumindest ich leiste mir diese Illusion eines wilden ursprünglichen Lebens jenseits aller bürgerlichen Besorgungen und Besorgnisse. Was bleibt einem anderes übrig?

Wer könnte es bestreiten: Herr Matussek schreibt nicht wie Heinrich Heine, auch nicht wie Kurt Tucholsky, schon gar nicht wie Karl Kraus. Er ist halt nur ein Journalist. Und doch würde ich mir wünschen, daß seine Texte mit etwas mehr Wohlwollen gelesen und bewertet würden. Wenn ich die deutsche Journaillen-Landschaft betrachte, dann macht Herr Matussek keine so schlechte Figur: viele seiner Texte können hier gut bestehen.
Richtig ist auch: Man kann an Herrn Matusseks Rezension vieles kritisieren. Und doch frage ich mich: Wie hätte wohl ein Peter Hahne über diesen Lebensbericht der Schwestern Winkelmann geschrieben und geurteilt? Was hätte wohl ein Paul Nolte über diesen Bericht zu vermelden?

Nee, da ist mir so ein Text von Matussek doch lieber. Viel lieber.
Darum sage ich: Besten Dank für diese Rezension.

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