Forum: Kultur
Abgehört - neue Musik: Hardcore-Verletzlichkeit

Die US-Trompeterin Jaimie Branch ist die neue Punk-Priesterin des Jazz. Außerdem: Big Thief entführen zum Kuscheln in die Ur-Höhle, Carla dal Forno flötet auf Berlin, Sufjan Stevens kann auch Ballett.

Seite 1 von 4
heisters 15.10.2019, 19:17
1. Jaimie, yeah

Ich könnte jetzt eine Lobhudelei auf Jaimie Branch halten - ich lasse es und verweise auf die im November laufende Tour, u.a. am 18.11.19 in Krefeld im Foyer des Stadttheaters. :-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Papazaca 15.10.2019, 19:38
2. "Abgehört." Eine musikalische Gewissensprüfung in 4 Akten

Viel schöner als die neue Scheibe von Big Thief ist die Besprechung. Vielleicht ist es besser, Kritiken zu lesen als die besprochene Musik hören? Ach, eine Frage: Sind Anja Rützel und Andreas Borcholte verwandt oder verschwägert, ich meine schreibmäßig? Oder vielleicht auch musikmäßig?

Ach ja, Carla dal Forno. Bei dem Namen kann man echt eifersüchtig werden. Besonders, wenn man Müller oder Schmidt heißt. Die Musik erdet dann aber sehr schnell. Eher langweilige Instrumentierung + Engels-Stimme. Wobei die Geflatter-Musik offen läßt, welcher Engel wohin flattert. Und wozu.

Von Jaimie Branch hätte ich jetzt viel erwartet. die Kritik hörte sich vielversprechend an, sprach von Ornette Coleman. Hmm... Aber was genau ist das jetzt? Die Vorstellung auf dem 13 Minutenstück ist eher fragmentarisch, da hatte ich mehr erwartet.

Kommen wir zu Sufjan Stevens: Warum der jetzt impressionistische Klavier Etüden a la Debussy spielen muß, erschließt sich mir nicht ganz. Wer diese Musik mag, sollte sich lieber Debussy-Aufnahmen von Arturo Benedetto Michelangeli kaufen, ein wahres Genie, leider schon gestorben.

Trotzdem, immer wieder schön, "abgehört" zu hören und besonders zu lesen. Aber das Glück, das musikalisch der Blitz einschlägt, hat man leider eher selten ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
superstrom 15.10.2019, 20:15
3.

Nur weil alle (völlig zurecht) das Big Thief Album toll finden, es doof zu finden ist so ein bisschen Schülerzeitungs Attitüde. Für mich ist es eine klare 9.5/10 und widerlegt die von mir bislang vehement vertretene These, dass Gitarrenmusik am Ende ist und nicht mehr imstande, etwas Neues hervorzubringen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
santosilver 16.10.2019, 07:31
4. Null interessant

Nicht eins der besprochenen Alben weckt mich Interesse und wie so oft sind die Texte viel zu lang. Und diese Vermädchigung der Musik geht mir sowas von auf die Nerven. Wie magisch zieht das Studentenkritik nach sich, ein Elend

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ambulans 16.10.2019, 08:14
5. einerseits -

andererseits - dieses "abgehört" zeigt wirklich zwei verschiedene gesichter. big thief und dal forno sind mir zu verhuscht/verhallt, diese kleines mädchen-stimmen nerven - aber, da: jaimie branch erinnert an die große zeit des britischen punk/jazz, etwa the pop group oder rip, rig & panic. sufjans kooperation mit andrews (kannte ich bisher nicht) ist natürlich impressionistisch, purer debussy - und gefällt sehr (woven hand hat ähnliches mal mit blush versucht). interessante mischung diesmal ... mfg, dr. ambulans (alle kassen)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Papazaca 16.10.2019, 10:29
6. Ist die Musik momentan nicht besser? Große Frage!

Moin Doc. Klar, nicht jede Plattenkritik kann uns neue Offenbarungen präsentieren.

Aber es ist schon auffällig, wenn uns bei "Abgehört"ziemlich oft Referenzen aus besseren Zeiten einfallen., ob Debussy im Original, Ornette Coleman, Rip Rig and Panic oder die Pop-Group.

Gut, wir leben nicht in einer der kreativsten Periode des Pop und Rock, wie in den Sechzigern, den Siebzigern und den Achtzigern. Und es wird heute viel mehr produziert. Da ist die Auswahl nicht leicht.

Da stelle ich mir schon die Frage, ob Andreas Borcholtes Wundertüte
uns wirklich das Beste vorstellt. Wenn es so sein sollte, macht mich der momentane Qualitätslevel der Rock- und Pop-Musik schon nachdenklich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ambulans 16.10.2019, 10:57
7. moin,

Zitat von Papazaca
Moin Doc. Klar, nicht jede Plattenkritik kann uns neue Offenbarungen präsentieren. Aber es ist schon auffällig, wenn uns bei "Abgehört"ziemlich oft Referenzen aus besseren Zeiten einfallen., ob Debussy im Original, Ornette Coleman, Rip Rig and Panic oder die Pop-Group. Gut, wir leben nicht in einer der kreativsten Periode des Pop und Rock, wie in den Sechzigern, den Siebzigern und den Achtzigern. Und es wird heute viel mehr produziert. Da ist die Auswahl nicht leicht. Da stelle ich mir schon die Frage, ob Andreas Borcholtes Wundertüte uns wirklich das Beste vorstellt. Wenn es so sein sollte, macht mich der momentane Qualitätslevel der Rock- und Pop-Musik schon nachdenklich.
gute frage - natürlich gibts tonnenweise gutes und auch noch besseres: überall, z.b. tito & tarantula, mehr als nur ein wenig beteiligt an einiger wirklich guter mucke aus dem heißen südwesten der USA (gun club, der denver clan hat auch was abbekommen, usw.). das ist eben alt.country (auch americana) - nicht zu verwechseln mit >alt.right. deshalb: immer augen und ohren offen halten! und, da wir musik-kritik mit etwas mehr hintergrund schätzen, fügen wirs doch bei gelegenheit einfach mit hinzu. mfg, dr. ambulans (alle kassen)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hard_frost 16.10.2019, 16:21
8. @ambulans

Zitat von ambulans
jaimie branch erinnert an die große zeit des britischen punk/jazz, etwa the pop group oder rip, rig & panic.
Rip Rig & Panic.. vielleicht, Pop Group .. nie im Leben. Wenn dann, eher ein bischen Lounge Lizards mit Lydia Lunch oder Pinski Zoo.. aber dieses 13 Minuten-Stück hat wirklich gar nichts von der Pop Group. Es fehlt das Expressionistische, das Manische und der Funk.

Was

zitat Papazaca : "Aber es ist schon auffällig, wenn uns bei "Abgehört"ziemlich oft Referenzen aus besseren Zeiten einfallen"

angeht.. vielleicht finden sich hier nur alte und zu sophisticatete Leute ein. Oder den Leuten fällt keine neue Musik mehr ein. Oder sie werden komplett ignoriert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kuechenchef 16.10.2019, 17:09
9. Das wird...

Zitat von Papazaca
Sind Anja Rützel und Andreas Borcholte verwandt oder verschwägert, ich meine schreibmäßig? Oder vielleicht auch musikmäßig?
...aber der Frau Rützel nicht gerecht. Selbst wenn sie wollte, könnte sie sich ja kaum bei anderen, zumal fremdsprachigen, Rezensionen, manchmal etwas sehr dreist, bedienen, weil es die zu ihrem Sujet schlicht und ergreifen und natürlich auch selbstredend nicht gibt.

@hard_frost
"vielleicht finden sich hier nur alte und zu sophisticatete Leute ein."

Ziemlich sicher sogar sind die Dauerinsassen hier genau der Typus, der ihnen selbst in den 70ern und 80ern mit dem ewigen "gab es schon mal, aber besser" auf die Nerven gegangen sind. Was aber vielleicht wirklich auch nur eine Frage des Alters ist, und nicht eine der Persönlichkeit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 4