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Abschreiben bei Wikipedia: Zwei Historiker geraten in Plagiatssturm

Im renommierten Verlag C.H. Beck ist ein 400-Seiten-Historienschinken über große Seeschlachten erschienen. Die Autoren, zwei Historiker, haben dafür Wikipedia kräftig geplündert - und teilweise wortwörtlich abgeschrieben.

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fr2 23.04.2014, 19:31
1. Früher Brockhaus heute Wikipedia

"In dem historischen Werk seien ausschließlich technische Details aus dem Online-Lexikon übernommen worden".
Nichtsdestotrotz muss man die Quellen angeben. Sei es Brockhaus oder Wikipedia. Die Herren Autoren wären im umgedrehten Fallen bestimmt genauso ungehalten.

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horst.eidenmueller 23.04.2014, 19:33
2. Weihnachten

Bei dem Buch handelt es sich übrigens um das Weihnachtsgeschenk, das der Verlag an seine Autoren versendet hat.

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Hamberliner 23.04.2014, 19:38
3. Wie Wikipedia unsere Bildung gefährdet

Zitat von sysop
Im renommierten Verlag C.H. Beck ist ein 400-Seiten-Historienschinken über große Seeschlachten erschienen. Die Autoren, zwei Historiker, haben dafür Wikipedia kräftig geplündert - und teilweise wortwörtlich abgeschrieben.
Was für ein Schaden dadurch entsteht, dass Personen, die es besser wissen sollten, diesen Laien-Sandkasten ernst nehmen, hab ich auch schon erlebt. Ein Ex-Mitschüler von mir, heute Leiter eines Gymnasiums, wollte mir eine bestimmte Behauptung nicht glauben. Also ging er an den Rechner, guckte bei Wikipedia nach und meinte kleinlaut "Du hast Recht.". Danach verriet ich ihm, dass dieser Passus in der Wikipedia von mir stamme (damals, als ich noch so dumm war mir als Autor die Zeit stehlen zu lassen). Sein Gesichtsausdruck hätte gereicht für den Berliner Spruch "Mund zu, kommen Fliegen 'rein."

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townsville 23.04.2014, 19:44
4.

Solche Faelle gibt es haeufiger. Der Schweizer Autor Michael Kuehntopf hat beispielsweise eine ganze Reihe von Büchern zum Thema Judentum veroeffentlicht, die zu großen Teilen auf Wikipedia-Artikeln beruhen. Fast alle als Books on Demand verlegt, daher kein Aufsehen (kommt da dauernd vor), aber ist natuerlich frech, freie Ingalte zu kopieren - und dann eigenes Copyright daran geltend zu machen!

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tubaner 23.04.2014, 19:51
5.

Zitat von Hamberliner
Was für ein Schaden dadurch entsteht, dass Personen, die es besser wissen sollten, diesen Laien-Sandkasten ernst nehmen, hab ich auch schon erlebt. Ein Ex-Mitschüler von mir, heute Leiter eines Gymnasiums, wollte mir eine bestimmte Behauptung nicht glauben. Also ging er an den Rechner, guckte bei Wikipedia nach und meinte kleinlaut "Du hast Recht.". Danach verriet ich ihm, dass dieser Passus in der Wikipedia von mir stamme (damals, als ich noch so dumm war mir als Autor die Zeit stehlen zu lassen). Sein Gesichtsausdruck hätte gereicht für den Berliner Spruch "Mund zu, kommen Fliegen 'rein."
Schon interessant wie man sich selber als schlechtes Beispiel anführen und auch noch stolz darauf sein kann …

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killi 23.04.2014, 19:52
6. Aha

-sagt Rader. "Früher hat man dafür den Brockhaus benutzt, heute eben Wikipedia."- Jeder Schüler ab der Oberstufe weiss, dass man stets die Quellen angeben muss. Merkwürdig, ich dachte Buchverläge würden die Skripte welche sie bekommen, auch etwas genauer unter die Lupe nehmen... Es gibt ja Programme die das Internet nach identischen Sätzen absucht. So werden zumindest an den schweizer Gymnasien und Hochschulen die abgegebenen Arbeiten inspiziert.

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passover 23.04.2014, 19:56
7. Unterschiede?

Das Wikipedia anfälliger für solchen Schabernack ist, mag ich einsehen. Auch, das es inzwischen eine Tummelwiese bezahlter Schreiberlinge ist, gegen die die Admins, so überhaupt von denen gewünscht, nicht mehr ankommen.
Viel weitergehende Unterschiede sehe ich aber nicht zwischen dem Laien-Sandkasten und einer beliebigen Enzyklopädie. Es mag bei einer gedruckten Ausgabe mehr Wert auf Fehlerfreiheit gelegt werden, da er nicht mal eben schnell behoben werden kann. Aber arbeite(te)n bei Brockhaus oder Meyer absolute Koryphäen ihres Faches, die ihr Wissen in das Gesamtwerk einfließen ließen, oder waren es doch auch nur Schreiberlinge, die Wissen aus unterschiedlichsten Quellen zusammentrugen? Waren diese Werke nicht ebenso durch die Verlagseigentümer oder Lektoren ideologisch eingefärbte Produkte?

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snoook 23.04.2014, 20:02
8. Würden freie und öffentliche Organisationen...

... ihre Rechte genauso rigoros einklagen wie die Musik- und Filmindustrie, würde vermutlich gar nix mehr gehen in Kultur und Wirtschaft. So aber bleibt es einem einzelnen überlassen, sich aus dem Fenster zu lehnen. Die Öffentlichkeit kann allenfalls noch die Moralkeule schwingen, mehr wird wohl nicht passieren...

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Observer 23.04.2014, 20:11
9. Es ist schade,

dass die Presse jetzt schon unbedeutende Plagiate wie dieses hier aufgreifen muss, um Umsätze zu erzielen.

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