Forum: Kultur
Achtundsechzigerfressers: Sie sind wieder da
picture alliance/ Manfred Rehm

Sie waren post-faktisch lange vor post-truth. Und gerade verspüren sie wieder ein Hoch: Man findet sie in den verschiedensten Branchen und in den unterschiedlichsten Ausprägungen.

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PublicTender 13.05.2018, 18:24
30. Ach, Herr Diez...

"Sie wollen nicht sehen, dass es Zeit ist, Platz zu machen für andere Ideen und jüngere Menschen."

So oder so ähnlich schalmeit es in letzter Zeit immer häufiger vom linken Feldherrenhügel in Hamburg.

Ich (66er Jahrgang, Vater, hart arbeitend, Diesel-Fahrer, Fleischesser, 68er Fresser) sehe das mit einer gewissen Skepsis. Denn es heisst ja nichts anderes, als den Anderen aus der Debatte zu drängen. Ob aus Eitelkeit, Unwissen oder falsch interpretiertem Moralauftrag sei mal dahin gestellt.

Dumm nur für Leute wie Diez, Augstein oder Stokowski: Das alte konservative Pack darf noch wählen!

Aber daran arbeitet man im linken Lager bestimmt auch schon...

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burlei 13.05.2018, 18:28
31. Die 68er haben keine Verdienste an der Demokratie ...

... weil sie keine haben dürfen. Die Deutschen sind konservativ, genauer gesagt rechtskonservativ. Wenn es ginge, würden sie die Jahre der 68er Revolution verbieten, auslöschen, als nicht geschehen brandmarken. Dass Rechte und Deutschnationale jetzt Oberwasser bekommen, diese Brut wieder ungeniert ihre Phrasen verbreiten dürfen ist für den konservativen Deutschen nicht ganz so schlimm wie der Anspruch der 68er, etwas für die Demokratie in D geleistet zu haben. Wenn man diesen -wie der Autor sie nannte- 68erfressern nachweisen kann, dass sich die Demokratie in D erst durch die 68er entwickeln konnte, raus aus dem Gefängnis Adenauerscher Prägung, hin zu einer offenen und freien Gesellschaft wird für sie die Abschaffung dieser "linken" Demokratie durch Rechte und Deutschnationale zwar ein wenig unangenehm sein, er wird sich aber schon damit arrangieren können. Einfach im Gleichschritt mitmarschieren, hinter den lautstarken Brüllern hinterher. Hauptsache nicht "links".

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conocedor 13.05.2018, 20:13
32. Diezsche Rückzugsgefechte

Zitat von jan07
... Die '68er' waren nur die Folge dieser Veränderung, nicht ihre Ursache. 'Ihr hat nicht verändert, Ihr wurdet verändert, der wahre Revolutionär war Adenauer', sage ich immer, wenn ich Freunde aus dieser Generation ein wenig necken will. Abgesehen davon waren die Protagonisten der 68er-Unruhen alles andere als Anhänger einer Demokratie, wie wir sie heute verstehen. Mit dem demokratischen Rechtsstaat hatten sie nichts am Hut, was man auch an ihrer weiteren Entwicklung sehen kann. ... Darum: nicht die Achtundsechzigfresser sind das Problem, sondern viel mehr die Achtundsechzigverklärer.
Volle Zustimmung.
Ihren Satz mit Adenauer als Revolutionär, wenn auch einem vielleicht selbst ungewollten, muss man im übrigen gar nicht im Scherz erklären, es ist nämlich viel Wahres dran an dieser Aussage.

Westintegration, Wiederaufbau, Bildungsexpansion, das waren lange vor 68 Treibsätze für ein grundlegend neues Land, das an der Oberfläche noch lange restaurativ und rückwärtsgesonnen ausgesehen haben mag, es darunter aber schon bald nach dem Kriege nicht mehr war:
Ein Schlüsseldatum für den Beginn der tiefgreifendenden, unterströmenden Modernisierung und Umwälzung der westdeutschen Gesellschaft, sowohl wirtschaftlich, gesellschaftspolitisch als auch kulturell, war zudem ein Ereignis, das man damit auf den ersten Blick gar nicht in Zusammenhang bringt, die Währungsreform von 1948 nämlich.

Kurzum: Die "zweite Staatsgründung", also das demokratische, moderne Deutschland nach der angeblich klerikal-despotischen Adenauer-Zeit, die sich die 68er als ihr Verdienst bis heute ans Revers heften, ist Talmi.
Es war der Protest von Kindern des neuen Wohlstandes, die mit eben diesem nicht klarkamen. Der weitere und in gewissem Sinne konsequente Irrweg eines Teils dieser Leute ist beredt.

Dass die Republik eine schlechtere wäre, hätte es 68 nicht gegeben, ist eine gern erzählte Geschichte, auch von Herrn Diez. Nur überprüfen lässt sie sich leider nicht.

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Igelnatz 13.05.2018, 20:38
33. nun ja?!

Nehmen wir doch lieber die Zeitgeschichte möglichst so wie sie war und ohne Ideologie und unaufgeregt zur Kenntnis. Positive gesellschaftliche Veränderungen und aber auch ideologische Verblendung kann man wohl politisch neutral mit den Achtunsechzigern in Verbindung bringen - ganz unemotional!

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fat_bob_ger 13.05.2018, 21:04
34. Positiv an den 68er war

der Aufbruch zu mehr Demokratie, Mitsprache und die kulturelle "Befreiung" von den bleiernen 50er Jahren. Weniger gut ist die Selbstgerechtigkeit, die die Alt68 beim Marsch durch die Institutionen entwickelt haben. Nur wenige von ihnen sind im Bereich der Wirtschaft erfolgreich geworden, obwohl man anerkennen muss, dass sich der Führungsstil in Unternehmen positiv verändert hat. Bei einigen Themen liegen sie halt einfach falsch: Atomare Rüstung ist zwar teuer, aber wer sie hat gilt etwas in der Welt. Wir leben im Zeitalter der Nationalstaaten, vergleichbar mit der Zeit zwischen 1870 und 1900 und diese Phantasten haben bis heute nicht verstanden, wie Außenpoltik und Sicherheitspolitik funktionieren, wenn sich bestimmte große Spieler (USA, Russland, China) an keine Regeln halten. Also auch als Gegner der 68er muss ich ihnen manchen Fortschritt zugestehen. Einige "Errungenschaften" stehen heute zur Disposition, wie z. B. die informelle Selbstbestimmung und die Meinungsfreiheit, die momentan durch ein "Meinungsmanagement" ersetzt wird.

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ghp2 13.05.2018, 21:45
35.

Mein seliger Vater meinte mal - vor den 68ern war er eine Zumutung für sich selbst, für die Frauen und für seine Kinder. Für ihn war's eine Niederlage, dass er selbst nicht drauf gekommen ist.
Dummes Geschwätz konnte er nicht leiden, wenn man Glück hatte kommentierte er das mit "Ach, Gottchen". Ideologien waren für ihn ein Korsett, das der jeweilige braucht, um nicht auseinander zu fallen.
Aber er konnte auch ein Opportunist sein, kämpfen war nicht so sein Ding. Ob er jetzt mit Diez oder Fleischauer mehr Probleme hätte, keine Ahnung! Der einzige Politiker, den er immer gelobt hat war...........
Jürgen Trittin! Ja, echt!

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Der Sheldon 13.05.2018, 22:09
36. Hallo Herr Diez,

ich bin auch Alt68er (Jahrgang 1949), war als Schüler auf den Demos im Bonner Hofgarten etc. Ich habe nur irgendwann gelernt, dass meine Freunde, die damals dann ASTA-Chefs etc wurden, letztendlich irgendwann auch Spiesser wurden, einer wurden Mafia-Anwalt, ein anderer linker Psychiater, aber alle immer irgendwie so wie Sarah Wagenknecht oder das Brechmittel Dehm, so eher links und mehr in der Champagner- und Kaviar-Liga spielend. Ich konnte mich dann sehr schnell davon emanzipieren (hat, Herr Diez, auch gar nicht weh getan) und fühle mich sehr viel wohler: Lebe weniger verlogen und sehe die Alt768er eher als bemitleidenswerte Karikaturen, nicht wert, sie fressen zu wollen. Sind, als Personen, auch eher ungeniessbar. Also weg, vergessen wir sie, schadet eh´nicht.

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beautyqueen 13.05.2018, 22:13
37. Glauben Sie diesen Trash

Welchen Sie hier absondern, Dann mache ich mir über Ihre Psychische Verfassung ernsthafte Gedanken.
Es ist halt schlimm , wenn Ideologie vor Verstand kommt.
Teilweise waren die 68 verwöhnte Mittelstandskinder , vorzugsweise links, teilweise gescheiterte Existenten und teilweise Mörder , welche Ihre kranken Ideen und Morde
als Kampf gegen das böse System verklärten.
Was Bitteschön haben die 68 er denn an Leistung für diesen Staat gebracht, den Sie ha zerstörten wollten ???

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PJanik 13.05.2018, 22:20
38. Wenn die Mitte der Gesellschaft gegen die 1968-er rebelliert....

... dann könnte etwas faul an der Verklärung der 1968-er sein.

Könnte man ja mal drüber nachdenken.
Es ist wohlfeil sich Applaus vom eigenen Lager zu holen.
Schwieriger ist es Respekt von der Gegenseite zu bekommen.

Ich sehe mich als eher links der Mitte an, aber außer Schlagworten aus dem ideologischen Bauchladen war hier leider nicht viel zu lesen.

Durch Ignorieren und Beschimpfen gehen die Kritiker des Postmodernismus nicht weg.

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im_ernst_56 14.05.2018, 08:14
39. Kleiner Hinweis

Zitat von Der Sheldon
ich bin auch Alt68er (Jahrgang 1949), war als Schüler auf den Demos im Bonner Hofgarten etc. Ich habe nur irgendwann gelernt, dass meine Freunde, die damals dann ASTA-Chefs etc wurden, letztendlich irgendwann auch Spiesser wurden, einer wurden Mafia-Anwalt, ein anderer linker Psychiater, aber alle immer irgendwie so wie Sarah Wagenknecht oder das Brechmittel Dehm, so eher links und mehr in der Champagner- und Kaviar-Liga spielend. Ich konnte mich dann sehr schnell davon emanzipieren (hat, Herr Diez, auch gar nicht weh getan) und fühle mich sehr viel wohler: Lebe weniger verlogen und sehe die Alt768er eher als bemitleidenswerte Karikaturen, nicht wert, sie fressen zu wollen. Sind, als Personen, auch eher ungeniessbar. Also weg, vergessen wir sie, schadet eh´nicht.
Herr Diez ist kein Alt68er. Er wurde erst 1969 geboren, kennt also '68' nur aus Büchern, Fernsehdokumentione oder aus den begeisterten Erzählungen seiner Eltern und Verwandten. Aus irgendwelchen Gründen scheint '68' für ihn etwas Heiliges zu sein, das man nicht kritisch-differenziert betrachten darf. Die Irrtümer von '68' ,die RAF, die Begeisterung für Mao und den Sozialismus eines Ho Chi Minh, all das kommt bei ihm nicht vor.

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