Forum: Kultur
AfD und deutscher Film: Gegen die Kultur-Abwicklung
Georges Pauly/ Network Movie/ Wild Bunch Germany

Alles wie immer, wenn heute der Hessische Filmpreis verliehen wird? Hoffentlich nicht! Nach dem Rücktritt des HessenFilm-Chefs muss die Abwehr rechter Attacken auf die Kulturproduktion erst richtig beginnen.

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mallekalle 18.10.2019, 15:16
1.

Es ist schon erstaunlich heutzutage. Die Autoren beklagen hier Entwicklungen der letzten 25 Jahre. Und weil die Steuergeldverteilung nicht mehr ganz so entspannt abläuft, auch noch von GmbHs organisiert ( wer hat die wohl erschaffen?) machen die Autoren das an einem Mann fest, der mit der AfD ein Gespräch hatte. Dann wird gleich noch von Ultrarechten geschrieben, fertig ist der objektive Journalismus! Und es wird noch gefeiert. Und weiter gefordert. Ganz großes Kino!

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browserhead 18.10.2019, 15:22
2. Wehret den Anfängen! Aber, welchen denn?

Die Aufmachung des Artikel suggeriert, die AfD stünde mit eigenen Filmprojekten schon im Kinofoyer. Doch dann ist es nur die Prophezeiung eines Berliner Verleihers, dessen Unternehmen sich treffenderweise "Neue Visionen" nennt. Weiterer Beleg für die "Vision" ist dann das Treffen von H.J. Mendig mit AfD-Vertretern, über dessen Sinn man noch mehr spekulieren kann als über sein Ergebnis - außer dem Abschied Mendigs.
Wo steht denn nun die AfD-affine "Abwicklung der Kultur" - gar der "versifften Kultur - an? Von Rechtsrock-Festivals habe ich gehört, von Rechtsfilmfestivals oder einem Preis für Rechte Lyrik oder Völkische Skulptur noch nicht.
Von der angeblichen Gefahr des Films ist es für die Autoren nur ein Katzensprung zur Misere des Films, weil der politisch belanglos und/oder konsensorientiert ist. Solche Pauschalitäten werden an aktuellen Filmen wie "Ich war noch niemals in New York" und "Die Deutschstunde" festgemacht. Aber sind das denn jetzt Filme, die uns die AfD bescheren will? Zumindest "Die Deutschstunde" mit Sicherheit nicht! Ganz nebenbei heißt es dann, dass politischer Mainstream das Publikum vergrault. Ach? Das heißt bei "progressiven" Pamphleten, rennen die Leute den Kinos die Türen ein?
Kein Zweifel, die föderative Förderstruktur, die ohnehin längst von den TV-Sendern eigennützig usurpiert wurde, bringt überwiegend aalglatte Fernsehware (kurzzeitig) ins Kino ehe die Streifen dann als "Kinofilm" das TV-Programm veredeln sollen. Das Abklappern von Regionaleffekten macht die Produktion sicher nicht einfacher. Aber eine Zentralisierung der Förderung auf Berlin wäre politisch noch dominanter und würde ggfs. einer starken Bundes-AfD über Gremien-Teilhabe in die Karten spielen. Das Fördersystem in Deutschland mit den vielen Beteiligungen des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist übrigens grade ein Dorn im rechten Auge. Die AfD wird wissen warum, aber eine eigene rechte Filmlobby sehe ich jedenfalls nicht. Dass politisch engagierter, radikaler Film eine Versicherung gegen Kultur-Abwicklung ist aber auch nicht.

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stiller_genießer 18.10.2019, 16:26
3. Zuschauer?

Was heißt das nun für mich als Kinogänger? Der Mendig ist weg und endlich kommen wieder interessante deutsche Filme ins Kino. Oder: Hauptsache die Fördertöpfe sind für eine kleine Clique gut zugänglich. Das Interesse des Zuschauers (und Steuerzahlers) ist weiterhin nachrangig?

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compositeur 18.10.2019, 18:14
4. Die Kunstfreiheit ist ein Grundrecht...

unserer Verfassung, Art. 5 Absatz 3 Satz 1 GG genaugeneommen, Punkt. Der Zuschauer als Steuerzahler hat also, jenseits seiner "Macht" als Konsument, überhaupt nichts mitzureden. Und das ist elementar und richtig so.

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Pampuschka 18.10.2019, 18:19
5. Abwehr statt eigener Kreativität.

"Abwehr rechter Attacken auf die Kulturproduktion"

Wenn das eurer wichtigste Problem ist, ist es mit Eurer "linken" Schaffenskraft aber nicht weit her. Und wer "Kulturproduktion" sagt, weiss nicht, wovon er spricht. So in der Art: "Ich habe eine kleine Versfabrik".

Wie schon Reich-Ranicki sagte: Es gibt nur Kunst, wenn sie gut ist. Keine rechte oder keine linke Kunst. Das sind Bezeichnungen für Sitzordnungen. Politische Machwerke sind nur Agitation.

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whitewisent 18.10.2019, 18:23
6.

"Das Ergebnis sind knallig-banale Boulevardstoffe wie "Ich war noch niemals in New York", der recht unverblümt an die Revuefilme der Ufa anknüpft"

Ein interessanter Satz der Autoren. Wie kommt man im Jahr 2019 zu solch einer Einschätzung? Im TV laufen kaum noch derartige Filme bei den Großen, Die hierbei unverfängliche deutschsprachige Wikipedia zählt 25 deutschsprachige Revuefilme aus der Zeit vor und 22 aus der Zeit nach 1945 auf. Und die Verfilmung eines Musicals erstellt dazu noch den Bezug zu den US-amerikanischen Filmmusicals, die es seit 1927 gibt.

Vieleicht ist also auch diese Kritikartikel Teil des Problems, dass vor allem aus der Verkopferung in Deutschland besteht, die Trotz des Wissens um die Freiheit der Kunst und Meinung doch vor allem Produktionen erzeugen will, die Ansprüchen einer bestimmten Kulturelite, und nicht der breiten Konsumenten entspricht. Was sich auch bei den Filmpreisen der letzten Jahre durchzog, es kann scheinbar nicht gut sein, was Millionen Bürger lieben.

Die deutsche regionale Filmförderung sorgt vor allem dafür, dass Prodktionen nicht nur in Berlin, NRW und Bayern hergestellt werden, was naheliegend wäre, wenn man kaufmännisch verfahren würde. Hier kritisiert man am Ende sich dafür, das man hohe Ziele aufstellte, und sich der Markt daraus das Beste zog, das Geld. Erstaunlich ist dabei vor allem, das dazwischen immer noch Glanzlichter herauskommen, wenn man freien Drehbuchschreibern folgt. Wenn wie hier ein Musical und Erfolgsroman Vorlage ist, kann der Regisseur nur verlieren. Entweder hält er sich ans Werk, oder interpretiert es. Sicher, am Ende sind 50% der Kritiker gegen ihn.

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spon_4_me 18.10.2019, 19:45
7. Na ja

Kunst kommt eben von „Können“. Wenn sie von Wollen käme, hieße sie „Wonst“. Macht einfach gute Filme, der Rest findet sich. Oder macht nicht so gute Filme, dann müsst ihr eben den Narren am Hof des jeweils regierenden Königs mimen und Petitionen statt Drehbücher verfassen.

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ralf_maennchen 18.10.2019, 20:29
8.

Zitat von compositeur
unserer Verfassung, Art. 5 Absatz 3 Satz 1 GG genaugeneommen, Punkt. Der Zuschauer als Steuerzahler hat also, jenseits seiner "Macht" als Konsument, überhaupt nichts mitzureden. Und das ist elementar und richtig so.
Dann sollen diese sogenannten Künstler ihre mittelmäßigen Werke selbst bezahlen. In den letzten 15 Jahren ist in Dtl. kein einziger Film produziert worden , für den ich mir die Zeit nehmen würde ihn anzusehen. Warum soll der Steuerzahlen schlechte/mittelmäßige Werke bezahlen???

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nordlicht123321 18.10.2019, 20:54
9. Wie war das?

Eine Zensur findet nicht statt. Obwohl, das stand ja auch schon in einer anderen Verfassung einer deutschen Republik, welche es glücklicherweise seit 29 Jahren nicht mehr gibt.

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