Forum: Kultur
AfD und die Medien: "Über Taten berichten - nicht über Worte"
NDR/ Wolfgang Borrs

Politiker und Demoskopen behaupten, die Medien hätten die AfD groß gemacht. Aber soll man etwa nicht über sie berichten? Es kommt auf das "Wie" an, sagt Henriette Löwisch, Leiterin der Deutschen Journalistenschule.

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smokiebrandy 26.09.2017, 10:51
10. Wahlerfolg der AfD dem Umgang der Medien geschuldet?

Es gibt in weiten Teilen der Bevölkerung einen latenten Rassismus. Vorbehalte gegen Menschen mit anderer Hautfarbe und anderer Kultur...darüber muss man nicht streiten.
In den letzten zwei Jahren wurde dieser latente Rassismus gezielt von der AfD gefördert und salonfähig gemacht.Dazu benötigte man keine großen Medien, sondern bediente sich solcher Plattformen wie Facebook und Whatsapp. Das Verherrlichen von Naziideologie und den "Leistungen unserer Großväter" wird von den Anhängern nicht mehr als verwerflich empfunden.
Ja , man hätte vielleicht weniger intensiv über die AfD berichten können...aber ob sie deshalb weniger erfolgreich wäre? Die AfD spricht wie auch die Nazis damals nicht die gute Seite im Menschen an, nicht seine charakterlichen Stärken , sondern das Gegenteil. Die einfachen Lösungen werden propagiert...es werden Schuldige gezeigt und das zieht beim einfachen Volk.

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curiosus_ 26.09.2017, 10:52
11. Zustimmung

Zitat von Henriette Löwisch
Weil sie Journalisten als Teil des Establishments betrachten, des mächtigen, aber täppischen Goliath. Sie selbst stilisieren sich zum David. Wenn sie den Goliath so piesacken können, dass er vor Wut und Entsetzen aufheult und sich empört, dann sind sie in den Augen ihrer Anhänger die Helden, egal wie abscheulich ihre Sprüche objektiv sind. Und je länger sie das auskosten können, von Talkshow zu Schlagzeile zu Talkshow, desto besser. So funktioniert Populismus.
Und genau so lief es beider AfD:

Hätte die AfD 2013 die 5%-Hürde übersprungen wäre heute die gemäßigte Lucke-AfD im Parlament. Das Bekämpfen mit allen (unfairen) Mitteln hat dazu geführt, dass eine andere AfD eingezogen ist. Und die heute Gemäßigten (wie Frauke Petry, die damals eher zum "ungemäßigten" Rand der AfD gehörte) nun das Handtuch werfen.

Das ist ja aus Sicht der AfD-Gegner das tragische: Dadurch, dass man sich nicht sachlich mit dem Gegner auseinandersetzt sondern ihn unfair diskreditiert und in die Schmuddelecke schiebt, am besten in die "Nazi"-Schublade einsortiert, wird dieser natürlich immer aggressiver und extremer. Ein menschlich völlig normales Verhalten, das kennt jeder bereits aus dem Kindergarten. Wird man nicht ernst genommen sondern unter der Gürtellinie angegriffen, lächerlich gemacht oder verunglimpft kocht die Wut hoch. Nichts anderes passiert derzeit in den ostdeutschen Bundesländern. Und natürlich "sind sie in den Augen ihrer Anhänger die Helden, egal wie abscheulich ihre Sprüche objektiv sind". Wer Wind säht wird Sturm ernten, nichts anderes passiert hier.

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huberwin 26.09.2017, 10:57
12. Für jedes Redaktionsbüro

bitte das Gedicht die Sprüche des Konfuzius von Friedrich Schiller an die Pinwand heften!

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hasselblad 26.09.2017, 11:00
13.

Die Medien haben sich leider zu sehr an dem Nazikram abgearbeitet, den die Pfeifen der AfD permanent von sich geben, und sich deutlich zu wenig um die tatsächlichen Inhalte gekümmert. Wenn man sich mit denen befasst kommt man sehr schnell dahinter, dass die AfD nichts, aber auch gar nichts Konstruktives zur Zukunft des Landes beizutragen hat und letztlich eine Ein-Themen-Partei ist, die es aber perfide geschafft hat, in den Köpfen diverser Wähler das Wohl und Wehe der Bundesrepublik mit diesem einzigen Thema zu verknüpfen. Dass sich relevante Fragen aus komplexen Herausforderungen wie Klima, Energie, Mobilität, Sozialsysteme und europäischer Integration nicht nur mit rückwärtsgewandter Leitkultur und „Deutschland den Deutschen“ beantworten lassen sollte jedem klar sein, der zumindest noch ein Resthirn hat - und daran sollten die seriösen Parteien und die Medien die AfD regelmäßig messen, anstatt über jedes provokant hingehaltene Nazi-Stöckchen zu springen. Die AfD und deren Wähler immer wieder und wieder als in der Sache nicht satisfaktionsfähig entlarven muss die Aufgabe der nächsten vier Jahre sein, damit die inkompetenten Deutschtümler so schnell wie möglich wieder in dem brauen Loch verschwinden, aus dem sie gekrochen sind. „Grenzen zu“ mag das globalgalaktische Allheilmittel gegen die Fremden-, Renten,- Zukunfts- und allgemeine Lebensangst der intellektuellen Unterschicht sein, ist aber keine Lösung für die tatsächlichen Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft aktuell steht. Darüber darf auch eine amtlich ermittelte Idiotenquote von 13% nicht hinwegtäuschen - als rechtsextreme Parias können die AfDlinge im Bundestag vielleicht schlechte Stimmung verbreiten, aber weder eigene Themen durchbringen noch andere Themen verhindern.

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furzgurk 26.09.2017, 11:02
14. Die mediale Aufklärung erfolgte zu spät!

Es hätte direkt, schnell und einfach geschildert werden müssen, wer die AfD ist, welche Ziele sie hat und wie sie diese umsetzen will. Und das immer wiederholt, damit auch der kürzlich Wahlberechtigte versteht, was diese Partei im Schilde führt und das deren Politik nicht im Sinne von dessen Wählerschaft ist. Der einzig gemeinsame Nenner ist doch meistens, dass man weniger Fremde im Land haben will. Dem hätte man medial schon früh entgegenwirken müssen und nicht, wie in einigen Berichten hier, erst kurz vor der Wahl.

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flux71 26.09.2017, 11:04
15.

SPON muss die Empörungsspirale der AfD ja nicht mitdrehen.

Der Vorteil daran, dass diese Partei jetzt im Bundestag ist, ist die Chance auf eine Versachlichung dessen, was sie so von sich gibt. Die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss etwa, die lediglich darauf abzielt, die Empörung weiter zu treiben und in die ganz persönliche Haftbarmachung Frau Merkels zu drängeln, ist einfach nur absurd. Weidel in einem halben Jahr nochmal zu fragen "Was ist jetzt eigentlich aus dem Untersuchungsausschuss geworden?" kann man sich ja schonmal vornehmen.

Dass ich heute aber lesen muss, dass die AfD nach dem Verzicht von Frau Petry Katerstimmung hat... Das kann man sich getrost sparen. Sollen sie doch selbst damit klar kommen. Es geht hier doch um eine neue Regierung, nicht darum, wie wohl sich eine Unpartei fühlt.

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latrodectus67 26.09.2017, 11:05
16. Cas Mudde

Aus dem guardian: "Populists tend to ask the right questions but give the wrong answers" und "You fight populists not by ignoring them, demonising them or adopting their agendas, but by clearly addressing all the issues - including the ones they care about - on the basis of your own ideology. By making a positive, clear and convincing ideological case."

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morrisfan 26.09.2017, 11:05
17.

Da können sich jetzt die Journalisten hinstellen, wo sie wollen. Fakt ist, über die blöde AfD wurde zumindest gefühlt mehr geschrieben, als über alle anderen Parteien zusammen. Natürlich selten positives, das gab es ja auch kaum. Aber der AfD wurde damit eine Bedeutung zugeschrieben, die sie nicht hatte und weil sie eben das Schmuddelkind ist und keiner mit ihr regieren will, auch bleiben wird.
Der Grund: clickbait. Jeder Artikel über die AfD gehörte bei SPON und ZON zu den meistdiskutiertesten.

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rgw_ch 26.09.2017, 11:07
18. In der Ruhe...

...liegt die Kraft. Es wäre schön, wenn die Qualitätsmedien jetzt nicht dasselbe machen, wie bei Trump: Jeden Tag drei Leitartikel und zwei Kommentare über irgendwelche Skandälchen, die den Blick auf das, was man eigentlich wissen will, völlig verstellen.
Also meine ernst gemeinte Bitte an Spiegel&Co: Hyperventilieren Sie nicht. Überschlafen Sie jeden Skandal erst mal, bevor Sie ihn auf die Einstiegsseite hieven. Berichten Sie über das, was getan wird, und nicht über das, was geredet wird, von wem auch immer. Berichten Sie weniger über Ihre Befürchtungen, was eintreten könnte, als über das, was tatsächlich eingetreten ist.

Dann haben Sie auch eine Chance, die Politik auf eine rationale Ebene zurückzuführen, was letztlich auch gegen Auswüchse helfen wird. Und zwar mehr, als das hochtourige Skandalisieren der letzten Monate. Das führt nur dazu, dass man Ihre Artikel nicht mehr ernst nimmt.

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Wolly 26.09.2017, 11:09
19. Werbung ist Werbung

Für die AFD und andere Popullisten ist jede Art von Bericht WERBUNG.
Und soviel Werbung wie die AFD bekommen hat und immer noch bekommt, hat keine andere Partei bekommen.
Den Erhofften Effekt den die Medien damit bezweckt haben, Wähler aufzuklären oder/und damit zu beeinflussen, hat sich im Gegenteil gekehrt.
Denn das merken die Menschen ganz schnell ob einseitig berichtet wird und dann hat man wieder den gegenteiligen Effekt.
Ich wünsche mir eine Sachbezogene mit Argumenten geführte Diskussion gegenüber der AFD ohne Polemik, dann möchte ich die AFD mal sehen wo Ihre Argumente bleiben.

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