Forum: Kultur
AfD und die Medien: "Über Taten berichten - nicht über Worte"
NDR/ Wolfgang Borrs

Politiker und Demoskopen behaupten, die Medien hätten die AfD groß gemacht. Aber soll man etwa nicht über sie berichten? Es kommt auf das "Wie" an, sagt Henriette Löwisch, Leiterin der Deutschen Journalistenschule.

Seite 7 von 10
CrocodileDandy 26.09.2017, 12:00
60. Jagd nach Klicks und Werbekunden

Ein neutraler Bericht über die Einzelleistungen von AFD Abgeordneten (war er pünktlich, stört er nur etc.) ist natürlich nur halb so spannend wie die Aufregung über Gaulands jeweilige Aussagen, die immer neue Tabus überschreiten. Da es bei einem Online Medium aber auch um Klicks, Verweildauer und Werbeeinnahmen geht, wird man letztendlich immer reißerische Artikel bringen müssen. Hab bislang noch keine Lösung sehen können, es ist nur schade, dass gerade die Öffentlich Rechtlichen mit in diesen Wettbewerb einsteigen und ebenfalls eher Quote suchen statt Sachlichkeit.

Beitrag melden
Echt jetzt 26.09.2017, 12:01
61. Empörungsfalle

Die AfD operiert immer nach dem gleichen Schema: es wird ein echtes oder gefühltes Problem angesprochen und mit einer bewussten Provokation verbunden. Politik und Medien arbeiten sich dann empört an der Provokation ab, doch beim Wähler festigt sich der Eindruck, dass das eigentliche Problem unter den Teppich gekehrt wird. Dem Bürger mit seinen konkreten Existenzängsten ist es nämlich herzlich egal ob da irgendjemand ein Nazi-Wort benutzt hat, der will wissen, was wegen der inneren Sicherheit unternommen wird.

Beitrag melden
Medienkritiker 26.09.2017, 12:02
62. Das wird schwierig...

Zitat von Isegrim1949
Jetzt wird es Zeit die AfD abzuklopfen, bloßzustellen und nachzuweisen , dass ihre Vertreter nur heiße Luft verbreiten.......oder anzuerkennen in welchem Bereich sie richtig liegt. (Ich denke an den Vorschlag zur Rente- Grundrente plus Arbeitsjahre)
Man hat in den Landtagssitzungen gesehen, dass sämtliche von der AFD eingebrachten Anträge abgelehnt wurden. Dieses Verhalten dürfte sich auch im Bundestag fortsetzen, denn es wird nicht differenziert zwischen unsinnigen und sinnvollen Beiträgen. Die Brandmarkung der AFD als rechtspopulistische Partei verbietet das Nachdenken in den etablierten Parteien...

Beitrag melden
Boris Arnheim 26.09.2017, 12:06
63.

Zitat von David K.
Wenn die Medien mit der AfD "normal" umgingen, dann würde es sich auch rasch wieder erledigen. Frau Löwisch hat ja in weiten Teilen recht, auch wenn man merkt, dass sie klar durch das US-Politiksystem geprägt ist, aber sie sollte einfach den AfD-Umgang auf ALLE Parteien erweitern. Also: Medien sollten zu ALLEN Parteien berichten, wie professionell/unprofessionell sie arbeiten. Denn so, wie es Frau Löwisch anregt, würde nur dazu führen, dass die AfD eine Sonderbehandlung erhält und sie wird sich entsprechend erneut als Opfer darstellen können.
Da ist viel dran. Bei den meisten Artikeln über die AfD hat man den Eindruck als seien sie mit Schaum vor dem Mund geschrieben worden. Das wirkt nicht nur unprofessionell sondern bisweilen unfreiwillig komisch. Das war schon so als Lucke noch Parteichef war, da waren das schon die "Eurohasser" die "Europa zerstören" wollen usw. Seit dem hat es laut Medien mindesten drei "Rechtsrucks" pro Woche gegeben, da müsste die AfD heute schon rechts von der NSDAP stehen. Vielleicht wäre es auch hilfreich wenn man aufhören würde die Aussagen von AfD-Politikern immer bewusst missverstehen zu wollen. Höckes "Denkmal der Schande" ist da so ein Beispiel. Ich gebe gern zu das Höcke das bewusst zweideutig formuliert und mit dieser Zweideutigkeit gespielt hat. Nach den Regeln der der deutschen Sprache war aber möglich das Höcke das Denkmal selbst als Schande bezeichnet hat oder aber er den Holocaust damit meinte. Komischerweise gibt es in der veröffentlichten Meinung immer nur eine Interpretation dazu. Entweder ist das bewusst böswillig oder unsere Journalisten beherrschen die deutsche Sprache nicht gut genug. Jeder möge sich selbst aussuchen was ihm besser gefällt.
Ich glaube auch das Einprügeln auf die AfD schadet ihr nicht, vor allem weil von Politik über Medien, Kirchen, Gewerkschaften usw. praktisch jede gesellschaftliche Gruppe das tut. Das mag zum großen Teil aus Selbstschutz gemacht werden, niemand will in den Verdacht kommen nicht aktiv genug gegen "rechts" zu kämpfen. So was kann schließlich Karrieren beenden. Ich denke viele Andere fühlen sich aber an das Sprichwort erinnert: "Da wo alle einer Meinung sind, wird am meisten gelogen".

Beitrag melden
Japhyryder 26.09.2017, 12:07
64. AfD und die Medien

In den Schulen sollte sich schon früh mit dem Thema Medienkompetenz beschäftigt werden. Mir ist aufgefallen, dass in vielen Kommentarforen, zu Presse-Artikeln verschiedenster Art, oft nicht erkannt wird, ob es sich um eine Nachricht, einen Kommentar oder eine Reportage handelt. Auch die Subjektivität in der politischen Grundeinstellung der unterschiedlichen Printmedien zwischen einem eher konservativen, liberalen oder liinksliberalen Blatt, einer Tageszeitung, einem wöchentlich erscheinenden Magazin, einer Regional- oder überregionalen Zeitung wird von einigen Lesern zu wenig differenziert. Im Grunde genommen müßte schon in den Schulen beigebracht werden: Wie lese ich eine Zeitung? Wie bilde ich mir eine Meinung? Was ist eine Nachricht? Was ist ein Kommentar? Was ist eine Glosse? Was ist eine Überspitzung? Wie unterschiedlich berichten Medien zum gleichen Thema in verschiedenen Regionen? Wo ist der Unterschied zwischen Meinung und Manipulation? Wie erkenne ich Fake-News von tatsächlichen Berichterstattungen, die auf Fakten beruhen? Wie arbeitet eine Redaktion? Warum ist es wichtig, dass Medien frei und unabhängig arbeiten können? Wie kann ich mir zu einem Sachverhalt Hintergrundwissen aneignen? Warum ist es wichtig, unterschiedliche Medien zu nutzen? Wie verfasse ich möglicherweise selbst einen Kommentar, eine Nachricht, worauf muss ich achten, damit das, was ich mitteilen möchte, auch auf den Punkt kommt?

Beitrag melden
imo27 26.09.2017, 12:08
65.

Zitat von gruenerfg
Am ersten Tag nach der Wahle lädt Plasberg Leute wie Patzelt ein, um der Rechten und Pegida zu Wort zu verhelfen.
Sie wissen aber, dass die AfD die drittstärkste politische Kraft in Deutschland ist? Da ist sie nach meinem Eindruck eher unterrepräsentiert, aber ein Journalist könnte das ja mal sachlich untersuchen.

Beitrag melden
whataboutism 26.09.2017, 12:09
66. Argumente entkräften statt Strohmänner aufstellen

Wer die AfD besiegen will muss doch eigentlich nur: Sich ihre Argumente anhören, diese analysieren(ohne Diffamierung) ihnen aufzeigen wo sie falsch liegen bzw. zugeben, dass es auch Punkte gibt in denen sie richtig liegen. Die Bürger sehen Probleme und diese wurden leider von den Parteien nicht oder nur sehr schlecht behandelt. Wenn sich die etablierten Parteien wieder der Probleme der Bürger zuwenden, anfangen nationale Poititk der internationalen Politik vorzuziehen dann wird die AfD ganz von alleine weg gehen. Ich bin zum einen enttäuscht, dass die AfD es in den Bundestag geschafft hat da es viele Gestalten in der Partei gibt die man wahrlich den rechten Rand zuschieben könnte aber zum anderen muss man sich nicht wundern wenn die anderen rechten Parteien wie CDU/CSU und FDP über die letzten jahre immer weiter nacht links gewandert sind. Die Leute im rechten Wählerspektrum hatten nahezu keine Optionen mehr denn die beiden anderen rechten Parteien (eine davon hat die Probleme überhaupt erst geschaffen und die andere vertritt leider nicht die Wirtschaftlichen Interessen eines otto normal Bürgers) waren leider nicht länger vertreter ihrer Interessen. In deutschland gibt es nun wieder das komplette Politische Spektrum vertreten, man mag sagen über die AfD was man will aber Demokratie lebt eben von der Diskussion durch Argumente und wenn die Argumente der AfD schlecht sind wird sich das bei der nächsten Wahl von ganz alleine geklärt haben. An die etablierten Parteien, bitte sucht den Diskurs mit der AfD, analysiert ihre Argumente, nehmt gute an und zerschmettert die schlechten. Nehmt euch selbst der Probleme an und ignoriert sie nicht, dann gehen die AfD von ganz alleine wieder weg

Beitrag melden
marianne.weber 26.09.2017, 12:13
67.

Mindestens den ersten im Artikel genannten Vorschlag finde ich eigentlich sehr gut. Natürlich kann man nicht einfach nicht berichten, aber zu differenzieren zwischen was wird da provozierend rumgeschrien und was wird tatsächlich GEMACHT ist ein guter Ansatz.

Beitrag melden
Knackeule 26.09.2017, 12:15
68. Medien nicht schuld

Am Wahlerfolg der AfD ist nicht in erster Linie die Berichterstattung der Medien schuld. Die machen nur ihren Job. Die AfD ist deshalb so erfolgreich, weil sie als einzige Partei von Anfang an die Probleme der von Merkel verursachten illegalen Massen-Einwanderung thematisiert hat, während alle anderen Parteien erst Merkel massiv darin unterstützten und dann - als die Probleme durch Ereignisse wie die Kölner Sylvesternacht und den Berliner Terroranschlag nicht mehr verleugnet werden konnten - das Thema kleinreden oder totschweigen wollten.

Beitrag melden
tiger56 26.09.2017, 12:22
69. Stimmt!!! über Taten

berichten nicht über Worte. Wäre der Fokus mehr auf inhaltliche Erfolge/Misserfolge der Parteien gelegt worden, wäre der Aufstieg dieser rechtslastigen Partei vermutlich weniger hoch ausgefallen. Mir fehlte das inhaltliche Trennende bei der Berichterstattung über die Groko. Was dann als Kompromiss herauskam, wurde m. E. zu wenig differenziert berichtet.

Beitrag melden
Seite 7 von 10
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!