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Ahnenforschung: DNA-Esoterik zum Sonderpreis
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Man schickt seine Speichelprobe an ein Unternehmen und wird vermeintlich über die eigene Herkunft aufgeklärt. Doch was bringt die Erkenntnis, dass man von einer Dynastie von Apothekern oder Axtmörderinnen abstammt?

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dr.w 21.02.2018, 12:17
110. warum sollte ich

Zitat von jeze
Nich böse sein, aber das ist ein genauso rassistisches Statement wie zu fordern, dass sich die Gene nicht vermischen sollen. Es ist abstrakt betrachtet das exakt selbe Denkschema.
darüber böse sein? Jedem seine Meinung, auch wenn Sie meiner Meinung nach einem Denkfehler (oder vielleicht einem Mißverständnis) unterliegen - oder ich verstehe Sie einfach nicht. Wie liegt das gleiche Denkschema zu Grunde, wenn man darauf hinweist, daß eine Entwicklung Vermischung voraussetzt? Ich habe mit keinem Wort gesagt, daß Vermischung erzwungen werden muß, vielmehr ergibt sie sich von allein zum Wohle der Entwicklung des Ganzen. Nicht umsonst sind in der Regel z.B. die Gerüche so angelegt, daß sie die Menschen mit den unterschiedlichsten Gene paaren und nicht die, die am engsten miteinander verwandt sind. Ebensowenig habe ich allerdings gesagt, daß jeder unbedingt einen Partner aus dem entferntesten Winkel der Welt suchen sollte. Ich bin für jede weitere Aufklärung dankbar - und das meine ich ohne jede Ironie!

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Barath 21.02.2018, 12:18
111. ...

Zitat von Olaf
Das ist sicherlich legitim, aber sinnlos. Wenn man sich für ein Hobby begeistert, dann ist das eben so. Man begeistert sich für Fußball, Modellbau oder Kampfsport oder auch nicht. Viel zu erklären gibt es da eigentlich nicht. Warum auch? Ich muss mich doch bei niemanden für meine Interessen rechtfertigen.
Da haben sie schon recht.
Aber jedes Hobby ist auch in die eigene Lebenswelt eingebunden, und da kann es durchaus Ansätze für Kritik geben. Ich finde die Autorin hat mit ihrem Bezug zur Esoterik da einen guten Griff getan. Kleines Beispiel aus meinem sozialen Umfeld: Esoterik (Astrologie, I-Ging, Tarot, etc) selbst sehe ich als harmloses Hobby, aber wenn man diesen Kram zu sehr in seine Weltsicht einbindet, kann es gefährlich werden. In meinem Bekanntenkreis gibt es eine Familie mit starkem Hang zur Esoterik. Als die Tochter an einer Psychose erkrankte ging sie zu ihrem "Schamanen". Der sagte ihr, es gebe keine psychischen Krankheiten, sondern nur spirituelle Entwicklungsschritte. Sie solle die Psychopharmaka weglassen und stattdessen viel spazieren gehen, Wasser trinken und meditieren. Ende vom Lied: Sie sprang im psychotischen Wahn aus dem Fenster. Der Vater erkrankte an Krebs. Er und die Familie glaubten, es gäbe keinen Krebs, sondern nur Vergiftungen durch die Umweltgifte unserer Zeit. Also keine OP oder Chemotherapie, sondern Entgiftung unter Anleitung einer Heilpraktikerin. Ergebnis: Er starb.
Um jetzt den Kreis zu schließen: Ahnenkunde ist sicherlich ein harmloses Hobby, aber wenn man mit unwissenschaftlichem Unfug gefüttert wird kann man sich daraus ein merkwürdiges Weltbild zusammen bauen. Und dass das im Bezug auf die Abstammung gefährliche Konsequenzen haben kann ("völkisches Denken") haben wir ja nun in der Vergangenheit schon oft genug erlebt.

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Barath 21.02.2018, 12:23
112. ...

Zitat von cobaea
Natürlich "darf" man auch auf etwas stolz sein, für das man nichts getan hat. Aber eben: Warum ist man es dann? Es mag ja an Ihrem Sprachgebrauch "vorbei gehen", Stolz eine gewisse Berechtigung zu Grunde legen zu wollen. An meinem Sprachgebrauch - und noch weniger an meinem Verständnis von "Stolz" - geht das nicht vorbei. Und auch an der üblichen Definition (z.B. in Wikipedia): "Der Stolz ist die Freude, die der Gewissheit entspringt, etwas Besonderes, Anerkennenswertes oder Zukunftsträchtiges geleistet zu haben". Stolz auf etwas zu sein, in dessen Genuss man nur zufällig kam, nennt man üblicherweise "Hochmut" oder "Einbildung".
Ich erlebe es immer wieder, dass Leute "stolz" auf ihre Freunde, ihre Geschwister, Eltern, ihren Heimatort, ihre Universität, ihre Fussballmanschaft, etc sind. So reden die Leute halt. Ist das unsinnig? Ich denke schon. Fühlen und reden sie trotzdem so? Allerdings! Ich wurde in einer Denkrichtung geschult, in der "die Bedeutung eines Wortes... sein Gebrauch in der Sprache" ist (späte Wittgenstein). Ich finde das Argument daher nicht sehr überzeugend, aber will hier auch nicht übermässig Erbsen zählen.

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dr.w 21.02.2018, 12:24
113. nunja...

Zitat von mwroer
Man könnte versuchen besagte Höhle im Harz als Eigentum durch Gewohnheitsrecht deklarieren zu lassen und dort einziehen :) Davon ab haben Sie und die Autorin Recht - es ist kompletter Unfug und ich habe wirklich nicht die geringste Idee warum es Menschen gibt die interessiert woher irgendwelche Vorfahren kommen. Angenommen meine Vorfahren kämen aus der Gegend die heute Frankreich ist ... macht mich das zu einem besseren Koch (extrem unwahrscheinlich), zu einem besseren Liebhaber (kaum möglich) oder zu jemandem der auf einmal irgendeine Form von Modegeschmack entwickelt (kann man auch ausschließen)? Nein, macht es nicht. Es führt auch nicht dazu dass ich plötzlich Menschen mag die ich vorher nicht mochte und vice versa. Kann mir jemand, der das gemacht hat, bitte versuchen zu erklären was Ihn dazu bewogen hat? Es mag ja wirklich gute Gründe geben - mir fallen nur keine ein. Auch nicht bei intensivstem Nachdenken.
auch wenn Sie Recht habe, daß Sie wohl nicht zu einem besseren Koch oder Liebhaber werden, wenn Ihre Vorfahren aus Frankreich kommen (fällt Ihnen auf: wieder Vorurteile!), so ist es für mich doch sehr wohl nachvollziehbar, daß man Interesse an seiner Geschichte hat und Kenntnis über seine Herkunft habe möchte. Ich hingegen kann nicht nachvollziehen, warum jemand Fußball mag... Was ich damit sagen will, nur weil wir unterschiedlich Interesse haben, sind die Interessen des einen doch nicht weniger wert als die es anderen. Genauso wie mich keiner zwingt, mir Fußball anzuschauen, werden Sie nicht gezwungen, den Test zu machen (und ich zum Glück auch nicht!). Aber deswegen sind die, die ihn für sich machen wollen, noch keine Rassisten, so wie der Fußballfan per se nicht zum Holligan wird.

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Barath 21.02.2018, 12:26
114. Ich antworte einfach auch mal

Zitat von dr.w
darüber böse sein? Jedem seine Meinung, auch wenn Sie meiner Meinung nach einem Denkfehler (oder vielleicht einem Mißverständnis) unterliegen - oder ich verstehe Sie einfach nicht. Wie liegt das gleiche Denkschema zu Grunde, wenn man darauf hinweist, daß eine Entwicklung Vermischung voraussetzt? Ich habe mit keinem Wort gesagt, daß Vermischung erzwungen werden muß, vielmehr ergibt sie sich von allein zum Wohle der Entwicklung des Ganzen. Nicht umsonst sind in der Regel z.B. die Gerüche so angelegt, daß sie die Menschen mit den unterschiedlichsten Gene paaren und nicht die, die am engsten miteinander verwandt sind. Ebensowenig habe ich allerdings gesagt, daß jeder unbedingt einen Partner aus dem entferntesten Winkel der Welt suchen sollte. Ich bin für jede weitere Aufklärung dankbar - und das meine ich ohne jede Ironie!
Da habe auch ich sie evtl missverstanden, aber sie Sprachen davon, dass "Vermischung" wichtig ist, damit die Welt vorankommt (oder so). Das klang für mich schon sehr normativ. Sie haben recht, dass wir das instinktiv meistens von selbst tun, aber die meisten Menschen fühlen sich unwohl, wenn man ihnen in der Partnerwahl ein "sollen" vorsetzt (und so hatte ich das verstanden). Der Schritt zur Eugenik ist da imho sehr kurz.

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lobivia 21.02.2018, 12:26
115. @91 @egooist: Mädelchondrium?

Diesen Fehler machen Laien gerne, gerade vor einem feministischen Hintergrund. Die mitochondriale DNA ist nicht weiblich, auch wenn sie matrilinear vererbt wird. Mitochondrien sind gem der Endosymbiontentheorie Nachfahren von in die Zelle inkorporierten Prokaryoten. Diese entziehen sich der Einteilung gem Geschlecht vollständig.

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passionsblume 21.02.2018, 12:40
116. Früher ging man zur Kartenlegerin

Heute macht man das mit der DNA. Ich finde, sowas würde auch gut auf jedem Jahrmarkt gehen. Zwar Esoterik - aber immerhin mit dem Etikett hoher Wissenschaft.

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heinzgünther 21.02.2018, 12:40
117.

Zitat von Olaf
Das ist sicherlich legitim, aber sinnlos. Wenn man sich für ein Hobby begeistert, dann ist das eben so. Man begeistert sich für Fußball, Modellbau oder Kampfsport oder auch nicht. Viel zu erklären gibt es da eigentlich nicht. Warum auch? Ich muss mich doch bei niemanden für meine Interessen rechtfertigen.
Wieso sinnlos? Ich verstehe was Menschen an Fußball oder anderen Sportarten begeistert, auch das schauen dieses. Ich Teile die Begeisterung nicht zwingend, verstehe sie aber. Ich empfinde es als sehr spannend zu sehen/hören wie andere die Welt sehen und was sie bewegt und motiviert, zudem öffnet es die Welt für neue perspektiven. Letztlich ist ja auch das der Grund diese Kolumne und die Kommentare darunter zu lesen.

Ich weiß auch nicht, warum sie das Interesse eines anderen als "rechtfertigen müssen" empfinden!?

Wenn sie der Meinung sind, dass ihre Meinung ihre Meinung ist, die keinen etwas angeht und über die sie auch nicht sprechen wollen, sind sie dann nicht vielleicht falsch in den Kommentaren eines Artikels? Niemand hätte sie gefragt, wenn sie hier nicht posten! Das Posten an sich suggeriert ja einen gewissen Willen zur Diskussion! Was machen sie also hier? Natürlich müssen die sich auch dafür nicht rechtfertigen, gott bewahre, es interessiert mich nur.

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konservativer1987 21.02.2018, 12:45
118.

Zitat von cobaea
Wieso sind Sie stolz auf etwas, für das Sie nicht das Geringste können? Für das Sie nichts geleistet haben? Stolz auf den Zufall als Mitglied einer Familien geboren zu sein, deren Stammbaum man über mehrere Jahrhunderte zirückverfolgen kann? Kann ich bei meiner Familie auch - aber wieso sollte ich darauf stolz sein?
Also sind Sie auch nicht Stolz auf Leistungen Ihrer Kinder?
Sie sind nicht stolz, wenn Ihre Eltern etwas erreichen?
Sie sind nicht stolz, wenn Ihre Partnerin etwas erreicht?
Sie sind nicht stolz, wenn es bei Ihrer Firma so richtig gut läuft und Sie ja ein Teil davon sind?.
Nur um einige Beispiele zu nennen.

Wir haben mittels Ahnenforschung (sehr entfernte) Verwandte von uns in Frankreich gefunden und unterhalten seitdem gute Beziehungen zu diesen, denn auch die gehen nach dem Grundsatz "Blut ist dicker als Wasser".

Natürlich bin ich Stolz auf meine Ahnenreihe und dass ich sie fortsetze.

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Claes Elfszoon 21.02.2018, 12:48
119. Es ist aber ...

Zitat von felix_zet
Nur weil Sie, Frau Stokowski, offensichtlich kein Interesse an der Herkunft und der Geschichte ihrer Vorfahren haben, heißt das noch lange nicht, dass Tests dieser Art keinen Sinn haben. Sie schließen hier wieder einmal von sich selbst auf andere - aber gut, von Feministinnen erwarte ich mittlerweile nichts anderes mehr. Ich jedenfalls bin froh, die Geschichte keiner Familie nahtlos bis ins 15. Jahrhundert nachvollziehen zu können. Und darauf, dass bis zu dieser vor 500 Jahren lebender Generation ausschließlich gebürtige Ost - und Mitteleuropäer meine Vorfahren sind, darauf hin ich ebenfalls verdammt stolz!
... wirklich so, dass Gentests für die individuelle Ahnenliste überhaupt keine Aussagekraft besitzen. Man kann damit 1. doch nur feststellen - und auch das nur mit sehr unterschiedlicher Präzision - dass aus dem eigenen Vorfahrenkonglomerat ein statistisch möglicherweise relevanter Teil aus bestimmten geografischen Bereichen stammt und 2. Mit welcher getesteten Person der Gegenwart eine nach Graden gestaffelte Verwandtschaft besteht. Je mehr Generationen man auf konventionelle Art zurückverfolgen kann, desto weniger Aussagekraft haben Begriffe wie Verwandtschaft und Abstammung, weil die Veknüpfungen mit jeder Generation beträchtlich zunehmen.
Jemand, der Vorfahren hat, die in einigen Familien Jütlands vor etwa 1000 Jahren lebten, ist z.B. "verwandt mit der erzkonservativen Politikerin Sarah Palin aus Alaska" . Mal abgesehen davon, dass das durchaus zu einem eher entsetztem Erstaunen führen kann, ist so etwas aus rein privatpersönlichem oder historischem Interesse nicht zu beanstanden. Alle darüber hinausgehenden Interpretationen sind doch sowieso sehr zweifelhaft, wenn sie auf mangelnde historische und kulturelle Kenntnisse treffen. Es gibt vielleicht biographische Informationen, die Lebenswege und Leistungen zeigen, auf die man als Nachfahre "stolz" sein kann, obwohl man ja keinerlei Anteil daran hat, oder bei denen man "froh" sein kann, dass die Leute langlebig, nicht kriminell oder was auch immer waren. Aber eigentlich ist der Erkenntnisgewinn für die meisten wohl eher im Bereich "geistige Onanie" oder "Renommiersterben" zu finden - durchaus legitim, wenn man sonst nichts anderes zu tun hat.

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