Forum: Kultur
Ai Weiwei will Berlin verlassen: "Deutschland ist keine offene Gesellschaft"
Edgard Garrido/ REUTERS

Der chinesische Star-Künstler Ai Weiwei lebt seit 2015 im Berliner Exil. Nun rechnet er mit Deutschland ab - und wirft dem Land vor, ihm mangele es an Respekt vor abweichenden Stimmen.

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MatthiasPetersbach 09.08.2019, 19:03
330.

Zitat von kakophoniephobie
Wenn Ai Weiwei sich als "Flüchtling" sieht, dann ist das metaphorisch gemeint: Nicht in diesem und auch nicht in jenem Land fühle ich mich zu Hause, weil ich das Gefühl habe, von niemandem verstanden zu werden.
Das Gefühl haben doch irgendwo alle. Mal von eher merkwürdigen Gestalten in merkwürdigen Ländern abgesehen.

ist DAS "mein" Deutschland? Im Leben nicht. Wars nie, wirds nie sein. Ab und an in kleinen Teilbereichen - in Bereichen, die ich steuern kann, die sich gefunden und entwickelt habe, die vielleicht eher mit der Region als dem Land gleichzusetzen ist. Mehr kann man nicht verlangen.

Aber schon der Nachbar denkt völlig anders - auch in massiven Belangen. Was uns nicht hindert, eine gute helfende Nachbarschaft zu pflegen.

Das Stichwort ist da Toleranz.

NICHT VERSTANDEN wird auch des Nachbars 13jährige Tochter - voin niemand. Und genauso kommt mir das auch vor: kindisch.

"Niemand" impliziert natürlich auch, daß er da so einiges - eher alles - ausprobiert hat. Da müsste der Herr aber 5 Leben absolvieren - in nem Land wie Deutschland, wo es alles von 0 bis 100 gibt und das genaue Gegenteil auch noch.

Vielleicht sollte der Herr einfach in die Pfalz ziehen :)

Ein Unverstandensein, das man aber in sich führt, kriegt man in keiner Ecke dieser Welt los.

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marianne1020 09.08.2019, 19:04
331. Passiert mir auch öfter,

Zitat von Rio connection
Ich finde es interessant die Kommentare meiner Vorredner zu lesen die scheinbar alle schon eine Meinung haben. Ich lebe seit geraumer Zeit ausserhalb Deutschlands und komme jedes Jahr mindestens einmal zu Besuch. Dabei faellt mir jedes mal wieder auf wie beschissen selbstverliebt die Gesellschaft inmeiner Heimat ist. SChlimmer noch, man versteckt die Arroganz hinter falschem Interesse fuer andere Kulturen und dabei spuert man immer heraus: Natuerlich gibt es kein besseres Land als uns freie und effiziente und nuechterne und wirklich durch und durch vernuenftige Deutsche - aber interessant wie ihr das so macht. Natuerlich ist das eine Momentaufnahme und ganz bestimmt sind nicht alle so - aber so empfinde ich es nunmal, mein altes Heimatland. Ich glaube uebrigens das darin auch die Ursache von vielen Depressionen, viel Einsamkeit und viel Wut steckt. Leider ist SPON tatsaechlich ein Spiegel dieser Mentalitaet: Immer kritisch aber wehe man wendet sich mit kritischen Leserbriefen an Euch. Bis heute habe ich nie eine Antwort oder Stellungnahme erhalten - denn im Grunde seid ihr ja die Einaeugigen unter den Blinden. Ueber die Beweggruende von Weiwei kann ich nichts sagen, denn ich kenne weder ihn noch war ich in den Situationen dabei, die er beschreibt, aber ich kann Vieles aus eigener Betrachtung nachvollziehen.
wenn ich als Österreicher mit deutschem Migrationshintergrund meine früheren deutschen Landsleute ordentlich kritisiere und ihnen den Spiegel (nein nicht den, sondern den) vorhalte, erscheint keines meiner Posts.

Kritik aus dem Ausland an den Deutschen? Das geht nicht.

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cyananeo 09.08.2019, 19:04
332. Mehr Offenheit, Respekt und Debatten

@MatthiasPetersbach#310. [Zitat]: "Nun, eine 'unbequeme Ansicht' kann schlicht auch einfach: falsch sein". Richtig. Doch auch dieses wird durch Debatten festzustellen sein und nicht druch Vorurteile. Deshalb fordert der Künstler mehr Offenheit, Respekt und Debatten.

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vera gehlkiel 09.08.2019, 19:10
333. @MatthiasPetersbach

Herr Weiwei kann kaum mit einem "Fluechtlingsstatus" hausieren gehen, da man dazu ja Stempel und Gebrauchsanweisung des Bundesinnenministeriums benötigt. Er verwendet die Zuordnung "Fluechtling" ganz eindeutig in der Tradition Vilem Flussers als die Kategorie eines zwangsweise aus der Konvention Befreiten, der mit oder auch gegen seinen Willen "das Salz dieser Erde" bildet, mit all den weltweit derzeit auf der Flucht befindlichen ungezählten Menschen gemeinsam, und dies sowohl in rein intellektueller wie auch in soziooekonomischer und moralisch-emotionaler Art und Weise. Der flüchtende Mensch markiert erst den Kategorischen Imperativ gegenüber dem sesshaften Menschen. Er verweist auf die Schiefstaende von Systemen, die an sich schon erledigt sind und solchen, die sich nicht trauen, über sich hinaus zu wachsen. Aus dem flüchtenden Menschen wird irgendwann der sesshafte Mensch, so wie die fließende Lava erkaltet und verkarstet, allerdings wird die Prosperitaet des biologischen Lebens dadurch bestimmt, dass Plattentektonik immer wieder frische Magma (lies "kreative Glut") nach oben befördert. Herrn Biermann würde ich mittlerweile als ziemlich verkarstet ansehen, aber zuweilen nervt er halt schon noch, wie sie es sehr richtig schreiben, und genau das machte mal seinen unschätzbaren Wert aus. Ai Weiwei hingegen ist mit seiner Poetik zu Groesse und Grausamkeit der postmodernen Fluechtlingswelten und der Subthese, dass irgendwann die Welt mehr eine der Fluechtlinge als wie eine der Sesshaften sein wird, brandaktuell. Ich freue mich, dass seine künstlerische Ueberzeugungskraft sogar den Tiny Shiny Little Spiegel -Blog erreicht, und hier User*innen wirklich aufstoert.

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carbonracer 09.08.2019, 19:11
334.

Wenn man in einem Land herzlich aufgenommen wird, muss man nicht noch Nachtreten, wenn es mal nicht so läuft wie man es gerne hätte......bye bye Weiwei

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makromizer 09.08.2019, 19:16
335.

Ich muss zugeben, ich hätte mir ein etwas aussagekräftigeres Beispiel als die Geschichte mit dem Taxifahrer gewünscht. Obwohl ich sein Bedürfnis nach frischer Luft sehr gut nachvollziehen kann, fällt es mir auch als Nicht-Deutscher schwer hier eine Form von Selbstzentriertheit zu erkennen, wenn dieser Rauswurf nicht als Diskriminierung verfolgt wird.
Die andere Frage, inwiefern Deutschland sich aus wirtschaftlichen Interessen zu sehr an China anbiedert, ist sicherlich legitim, der Vorwurf der Doppelmoral steht hier deutlich im Raum. Meine Wahrnehmung ist allerdings, dass man sich in Deutschland dieser Widersprüche durchaus bewusst ist und es dazu auch kontroverse Ansichten gibt.

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Jenz P. Eter 09.08.2019, 19:16
336. Taxifahrer in Berlin...

Zitat von DerAndereZauberer
Nun muss man aber auch sagen, dass gerade Berliner Taxifahrer schon sehr ... "speziell" sind. Aber wenn man eine Weile da lebt, müsste man eigentlich realisiert haben, dass der durchschnittliche Berliner Taxifahrer gegen jeden diskriminiert, der den Hintergrund "Kunde" hat.
die meisten haben einen Migrationshintergrund.
Und sind aus ihrer Primärkultiúr vermutlich so sozialisiert, dass Fensteröffnen im Auto eher von sekundärer Bedeutung ist und nix mit Diskriminierung tun hat.


Reisende soll man nicht aufhalten: wie behalten die berliner Taxifahrer und sagen good bye zu Herrn Weiwei

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Jenz P. Eter 09.08.2019, 19:23
337. poppers

Zitat von ruhrpottsonne
Manchmal mag die Wahrheit schmerzen. Vielleicht schmoekern Sie noch einmal in Karl Poppers Lebenswerk zum Thema offene Gesellschaft, insbesondere im zweiten Band. Da steht recht viel ueber Irrationalisten und kritischer Rationalismus und Sie werden erkennen, dass Herr Ai nicht unrecht hat. Das faszinierende nach der Lektuere, Sie erkennen die Feinde der offenen Gesellschaft dort, wo Sie gar nicht vermuten wuerden.:-)
yo, grade noch mal nachgelesen.

Habe jetzt alles von Poppers über Parfümgeruch, der Taxigäste evtl stören könnten wieder im Kopf.

Echt mieses Ding, das dem Weiwei da widerfahren ist, auch nach Poppers.


Gute und konsequente Reaktion von dem Weiwei. Vor allem weil sein nächstes Gastland Poppers in allen Taxen zwingend vorschreibt

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smart75 09.08.2019, 19:25
338. Kommentare sprechen für sich

Die Kommentare sprechen für sich. Ein offenes Land ist Deutschland wirklich nicht.

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kakophoniephobie 09.08.2019, 19:26
339. Der Mensch will betrogen werden

Zitat von tpro
Dazu sag ich nur: "Fettstuhl" oder "Badewanne mit Heftpflastern" von Beuys. Nach einer Ausstellung hatte eine eifrige Putzkraft die Badewanne gereinigt und die Heftpflaster entfernt. Dem "Künstler" wurden darauf hin 200.000,-DM zugesprochen. Ich nehme an, der lacht sich heute noch im Grab ins Fäustchen, ob der Dummheit mancher Leute.
Zum Beitrag Nr. 312: Joseph Beuys hat vieles in Frage gestellt, und es war ihm ein Anliegen, die unkritische, verblödete, leicht zu manipulierende Masse zum Denken anzuregen, indem er es künstlerisch arg bunt trieb, ja total übertrieb - jedoch ohne Erfolg, zumal selbst in seinen "Fett"-Werken große Kunst gesehen wurde (leider nicht von der Putzfrau!). Mal ganz abgesehen von dem Kunsttheoretiker und Kunstprofessor Joseph Beuys, der seine Spuren hinterlassen hat, hat mich persönlich in den vergangenen Jahrzehnten nur ein Künstler überzeugen können: Wolfgang Beltracchi, der geniale Meister- bzw. Jahrhundertfälscher, der die Kunstwelt blamiert hat und dessen Werke im Stile von Heinrich Campendonk, Max Ernst, Max Pechstein, Fernand Léger, André Derain und anderen bedeutenden Malern als einzigartig angesehen werden und noch heute als scheinbare Originale die Kunstliebhaber in aller Welt erfreuen.

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