Forum: Kultur
Alltagshektik: Früher war alles weniger anstrengend
Corbis

Eigentlich wollen wir am liebsten so daliegen und den Himmel betrachten. Jedenfalls unsere Körper wollen das, diese ineffizienten Maschinen. Ständig müssen sie uns Grenzen setzen - wo doch das Leben nach immer höheren Umdrehungszahlen verlangt.

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no-panic 14.09.2013, 21:41
20.

Jaja, das Hamsterrad. Hab letztens irgendwo gelesen, manche hielten die Sprossen für die der Karriereleiter. Schönes Bild.
War selber auch mal so, nur noch arbeiten, nicht um des Geldes, sondern der Anerkennung willen. Naja, Spass hatte ich auch dabei. Als mir dann eine Entwicklung im privaten Bereich den Boden (und einen Teil meiner täglichen Arbeit) wegzog, bin ich verdammt hart aufgeschlagen. Knabbere da immer noch dran rum, vor lauter Arbeit und Tollsein keine sozialen Kontakte mehr, die Kohle, die nie üppig, aber ausreichend da war, war auch weg, man lernt mit wenig auszukommen. Hamsterrad? Nö, nicht mit mir, nicht mehr. Karriere ist was für Andere. Ich sitze lieber am Bach, gucke in den Himmel und freue mich, wenn ich am Wochenende mit ein paar Leuten auf der Terrasse bei nem Glas Wein und einem frischen Brot mit Kräuterbutter eine Unterhaltung führen kann. Mein Wohnraum ist mir wichtig, der ist mir, ich richte ihn ein, gestalte ihn. Das ist mein Rückzugsraum von der Hektik da draussen. Der ist so, wie ich ihn mag, nicht so, wie ihn andere vielleicht mögen wollen könnten. Meine Klamotten, ebenso. Nicht für Euch, für mich lebe ich jetzt und ich lebe besser so!

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WBöhme 14.09.2013, 22:22
21. "Effizienz": mehr, neuer und schneller

Zitat von sysop
Eigentlich wollen wir am liebsten so daliegen und den Himmel betrachten. Jedenfalls unsere Körper wollen das, diese ineffizienten Maschinen. Ständig müssen sie uns Grenzen setzen - wo doch das Leben nach immer höheren Umdrehungszahlen verlangt.
Das sind die großen Trostlosigkeit der Moderne, die allem Dauerhaften, allem wirklich Schönen, jedem Verweilen, jeder anhaltenden Bindung den Kampf angesagt hat
Denn das Alte, Ewigschöne, Immergute, das Gemütliche und Dauerhafte bringen keinen Umsatz, kein Wirtschaftswachstum. Zu diesem Wirtschaftswachstum muss man die Leute in unserem parasitär konzipierten verzinsten Schuldgeldsystem anstacheln, sonst fallen die Kredite aus... brechen die Banken zusammen. Wir leben in einer raffiniert modernisierten Variante der Sklaverei, in der die Menschen nicht von peitschenschwingenden Aufsehern angetrieben werden, sondern die Peitsche verinnerlicht haben, sich in einer Fiktion des Freiseins selbst "motivieren", um ihre Schulden und Kredite abzuarbeiten.

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agua 14.09.2013, 23:02
22. An#20 forist no-panic

Was Sie in Ihrem Beitrag ansprechen,der Gedanke ging mir zu dem Thema auch noch durch den Kopf:Für Andere.Einige Besucher aus Deutschland diesen Sommer machten mir das wieder einmal deutlich.Die Selbstdarstellung,die mehr mit Darstellung,als dem Selbst zu tun hat,eben genau für die Anderen.Status,Image,Markenklamotten,Automarke,Hau s,Einrichtung,Geschirr...Bis hin zum Handtuch und Kosmetik.Da bin ich dann oft sehr erstaunt und wirklich froh,weil frei von solchen Zwängen.Dafür machen andere dann Urlaub,um sich von all dem, mit den vergehenden Urlaubstagen sichtbar und fühlbar zu befreien und langsam wieder sich selbst zu entdecken und eben auch den Spaß am Leben.

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spielerisch 14.09.2013, 23:50
23. Die Falle

Zitat von WBöhme
Das sind die großen Trostlosigkeit der Moderne, die allem Dauerhaften, allem wirklich Schönen, jedem Verweilen, jeder anhaltenden Bindung den Kampf angesagt hat Denn das Alte, Ewigschöne, Immergute, das Gemütliche und Dauerhafte bringen keinen Umsatz, kein Wirtschaftswachstum. Zu diesem Wirtschaftswachstum muss man die Leute in unserem parasitär konzipierten verzinsten Schuldgeldsystem anstacheln, sonst fallen die Kredite aus... brechen die Banken zusammen. Wir leben in einer raffiniert modernisierten Variante der Sklaverei, in der die Menschen nicht von peitschenschwingenden Aufsehern angetrieben werden, sondern die Peitsche verinnerlicht haben, sich in einer Fiktion des Freiseins selbst "motivieren", um ihre Schulden und Kredite abzuarbeiten.
WBöhme, Sie sagen: (...)„Wir leben in einer raffiniert modernisierten Variante der Sklaverei, in der die Menschen nicht von peitschenschwingenden Aufsehern angetrieben werden, sondern die Peitsche verinnerlicht haben, sich in einer Fiktion des Freiseins selbst "motivieren", um ihre Schulden und Kredite abzuarbeiten.“

Besser kann man es nicht formulieren.
Und diese „Motivation“ wird zwangsläufig zu einer realen und gar nicht fiktiven Falle werden, solange der Mensch das Freiseinwollen mit materiellem Besitzen verwechselt.

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fadenscheinig 15.09.2013, 00:11
24. Früher war alles weniger anstrengend...

... weil wir da noch jünger waren. Und die Welt war vor 10 Jahren halb so schnell wie heute weil wir heute doppelt so langsam geworden sind. Und es wird noch anstrengender und noch schneller werden...

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Superbeowulf 15.09.2013, 00:23
25. Gratulation Frau Berg, ...

Zitat von sysop
Eigentlich wollen wir am liebsten so daliegen und den Himmel betrachten. Jedenfalls unsere Körper wollen das, diese ineffizienten Maschinen. Ständig müssen sie uns Grenzen setzen - wo doch das Leben nach immer höheren Umdrehungszahlen verlangt.
... Sie haben eine gesellschaftskritische Kolummne geschrieben, die nicht zu einem antikapitalistischen Pampleth mutierte. Nein, endlich mal keine ständigen linken Schmähungen gegen das böse Kapital und die Märkte, welche die armen Menschen quälen, ausbeuten, umbringen usw.

Sie haben anscheinend - so hoffe ich doch auch - endlich erkannt, dass sämtliche Ausbeutung und der finstere Leistungsterror von Menschen kommt für Menschen geschaffen ist. Der Kapitlismus ist lediglich ein Endprodukt menschlicher Bedürfnisse und Verhaltensweisen, und nicht irgendwelcher abstrakter Systeme. Nein, es sind Menschen, die sich selbst und andere entweder zu Höchstleistungen treiben, und wie im Falle des jungen Mannes, im schlimmsten Fall in den Tod treiben.

Es ist auch vollkommen wurscht in welchem Wirtschaftssystem Menschen leben. Die menschliche Natur bleibt davon unberührt. Habgier, Neid, Faulheit und dergleich sind viel älter als der moderne Kapitalismus. Er ist so alt wie die Menschheit selbst.

Für die sog. Alltagshektik, sofern sie heute wirklich schimmer ist als früher, ist jeder Mensch selbst verantwortlich. Wollen wir weniger Hektik, sollten wir auch weniger von uns und von anderen verlangen. Das wollen aber die meisten Menschen nicht. Sie wollen, und auch das ist sehr menschlich, möglichst viel bekommen und möglichst wenig dafür tun. Aber wir haben einen, mehr oder weniger, freien Willen. Jeder von uns kann für sich die Entscheidung treffen sich diesen Leistungsdruck bzw. -terror anzutun oder einfacher und bescheidener zu leben. Diese Entscheidung muss jeder für sich treffen.

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xulano 15.09.2013, 00:55
26. Ja, denn ...

wer in Gedanken um sich selbst kreist, ist tatsächlich allein.

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Buehly 15.09.2013, 02:26
27. Hab ich jetzt wirklich richtig gelesen????

"Es kann nicht sein, dass eine Welt, die sich ständig beschleunigt, irrsinnig gut mit den Alten umgeht, die wirklich nichts mehr leisten, ....."

Wow, sowas menschenverachtendes hab ich ja schon lange nicht mehr gelesen.....
Einerseits wird immer längere Arbeitsjahre von den Menschen verlangt und dann werden diese hier verächtlich gemacht weil diese nicht mehr so buckeln können wie die jungen......
Arme Welt, armes Deutschland..... Ich werd mich dann in 20 Jahren wohl erschiessen..... :-(

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dankewirsindzufrieden.com 15.09.2013, 02:30
28. prä sens endab sens

ja so kann man das alles sehen und schreiben frau berg vielen dank dafür - entschleunigung rettet die zeit. macht aus der vergänglichkeit einen moment. bleibt präsent.

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dantheman77 15.09.2013, 03:18
29. @homerjay81

zitat:"... Selbst wenn ich damit voll gegen die Wand fahre ist mir das egal. Wenn der Aufprall kommt werde ich lachen."
nein, wirst du nicht... aber das siehst du dann...

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