Forum: Kultur
Altenbetreuung: Diese verdammte Lieblosigkeit

Wir sind unglücklicher über einen kaputten Computer als über eine kaputte Großmutter, und wir lassen Roboter-Robben auf Demenzkranke los: Was für eine erschütternde Entwicklung.

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birgerhemkendreis 03.05.2015, 08:17
100. Seltsam...

finde ich es ja, dass es hier so viele Leute gibt, die diese Autorin ständig niedermachen und für dämlci erklären, aber all ihre Artikel lesen. Werdet ihr mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen???
Kritik ist ok, aber wenn man diese Artikel nicht sehen will,lest sie doch nicht...
Und ansonsten liegt sie doch oft in großen Teilen nicht soooo falsch.
Es regt zumindest zum Nachdenken an, wenn ich auch nicht in allen Punkten zustimme.

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galaschnikow 03.05.2015, 08:24
101. Wer dies Jahr stirbt ...

... ist für das nächste quitt.

Frau Berg vergisst bei ihrem Technik-Bashing zu erwähnen, dass es eben diese Technik ist, die das immer häufiger vorkommende lange Siechtum im Alter erst ermöglicht. Früher gab's keine Notwendigkeit zu langer Pflege.

Es war evolutionär nie vorgesehen, dass Kinder ihre Ressourcen zur Versorgung der Alten aufbrauchen. Oder hat man je ein Tier die alten Eltern versorgen sehn? Was aber nicht heißt, dass der Mensch sich nicht über sein genetisches Programm erheben könnte und sollte. Aber ich zweifle, dass moralisierende Aufforderungen zur Selbstaufopferung dabei sehr hilfreich sind.

Maschinen sind Werkzeuge. Ist es Lieblosigkeit, wenn man die alte Frau mit dem Elektorollstuhl durch die Gegend düsen lässt, statt sie zu schieben? Warum ist die Kuschelrobbe für Demente bäh, der Kuschelteddy fürs Kleinkind aber nicht? Delegieren Eltern damit auch die Liebe, die sie ihrem Kind selbst geben sollten, nur an eine gestopfte Stoffhülle?

Na ja, allgemein kann ich Frau Bergs Genervtheit über die moderne Gesellschaft ja schon verstehen. Und dass man in einer Kolumne nicht allen Verästelungen eines komplexen Themas folgen kann, ist auch klar. Aber dafür gibt's ja dann das Forum ;)

Ach ja, zum Thema Alter und moderne Technik fällt mir da gerade noch ein kürzlich erschienener SPON-Artikel ein: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/psychologie-internet-macht-75-jaehrige-gluecklich-a-1025018.html

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jojack 03.05.2015, 08:30
102. Den kinderlosen Selbstverwirklichern zur Warnung

Die wahren einsamen (und womöglich zukünftig von Robotern umsorgten) Alten sind die heute kinderlosen Selberverwirklicher, die rücksichtslosen Genießer ihres mittleren Alters, wo Kinderstimmen nur stören. Wer schon heute lieber mit dem iPad als mit eigenen Kindern spielt, der muss eben auch zukünftig mit dem Charm eines Pflegeroboters vorlieb nehmen. Mitleid ist da unangebracht. Wer in jungen Jahren nicht die Lasten und Kosten der Elternschaft auf sich nimmt, der darf im Alter auch nicht mehr als auf eine Grundversorgung hoffen.

Aber davon abgesehen: dass die "meisten" heute auf die Nestwärme einer Familie verzichten würden, halte ich für stark übertrieben. Zumindest hoffe ich, dass es so ist.

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jojack 03.05.2015, 08:36
103.

Eine persönliche Lebensgeschichte macht noch keine Charakterstudie einer ganzen Nation aus. Und ich sehe heute eher, dass Eltern ihre Kinder liebevoll fördern, als bedingungslose Leistung zu fordern. Drill oder Lieblosigkeit in deutschen Familien sind mir jedenfalls bisher nicht aufgefallen. Was auffällt, ist die Einstellung gegenüber Kindern außerhalb der Familien, etwa unter Kinderlosen und, ja, oft genug auch alten Leuten. Das grenzt manchmal an blanken Hass, Intoleranz gegenüber den Bedürfnissen der Kleinen, usw.

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Scheidungskind 03.05.2015, 08:39
104. ...

Vielen Dank für Ihren ehrlichen Bericht - die Erkenntnis, dass einfache Menschen meist bessere Beziehungen zu ihren Eltern und Familien haben, gilt unter Akademikern und Aufsteigern als äußerst unchic. Das Schicksal einer autoritären Erziehung dürften heute nicht mehr so viele Kinder ereilen, wie da bis in die 70er Jahre hinein der Fall gewesen ist. Realistischer Weise muss man jedoch auch sagen, dass unsere Wirtschaft auf Schaffenskraft, Durchsetzungsvermögen und Statusstreben der solchermaßen Traumasierten absolut angewiesen ist.

Seien Sie mit Ihren Eltern nicht zu streng. Heute gilt es als gesichert, dass man seinen Kindern meist das mit auf den Weg gibt, was man selber als Kind empfangen hat - vorausgesetzt, eine Gesellschaft durchläuft vorher nicht einen allgemeinen Wertewandel, wie er bei uns ab Mitte der 70er Jahre einsetzte und wie er sich dank der Globalisierung seit einigen Jahren auch schon wieder auf dem Rückzug befindet.

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Spiegelleserin57 03.05.2015, 09:17
105. Kinder ...Fehlanzeige!

Zitat von jojack
Die wahren einsamen (und womöglich zukünftig von Robotern umsorgten) Alten sind die heute kinderlosen Selberverwirklicher, die rücksichtslosen Genießer ihres mittleren Alters, wo Kinderstimmen nur stören. Wer schon heute lieber mit dem iPad als mit eigenen Kindern spielt, der muss eben auch zukünftig mit dem Charm eines Pflegeroboters vorlieb nehmen. Mitleid ist da unangebracht. Wer in jungen Jahren nicht die Lasten und Kosten der Elternschaft auf sich nimmt, der darf im Alter auch nicht mehr als auf eine Grundversorgung hoffen. Aber davon abgesehen: dass die "meisten" heute auf die Nestwärme einer Familie verzichten würden, halte ich für stark übertrieben. Zumindest hoffe ich, dass es so ist.
ob die jetzt heranwachsenden Kinder überhaupt Interess e an einem Familienbezug haben steht in Zweifel, der kommt nur dann auf wenn's mal wieder ums Geld geht oder ein Notfall wie Krankheit oder andere Hilfeleistungen erforderlich sind.Man kann von Kinder nicht automatisch erwarten dass sie für ihre Eltern da sind, das ist eine Illusion!
Das Generationenmodell hat ausgesorgt und somit ist es mehr wie verständlich dass die mittlere Generation eben
nur dann Kinder in die Welt setzt wenn sie sie wirklich haben möchte und sich auch voll darüber im Klaren ist dass diese Kinder später nicht für sie da sein werden.
Mitleid mit den den alten Hilfsbedürftigen : ja weil sie eben hilflos sind.
Was sich jeder überlegen sollte: wir kommen ALLE in diese Situation und da stellt sich die Frage inwieweit wir von Maschinen versorgt werden wollen die eben keine Zuwendung spenden.
Wäre es nicht sinnvoller die Leute die diese Arbeit machen besser zu bezahlen und endlich deren Leistung auch anzuerkennen anstatt Maschinen an zu schaffen und die jetzt schon hohe Arbeitslosigkeit in unserer Gesellschaft noch weiter zu fördern.

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quak_quak 03.05.2015, 10:19
106. Ganz im Gegenteil

Zitat von freeo
Anno XXV nach dem Sieg des Kapitals über das was als Sozialismus ausgegeben wurde. Jetzt zeigt der Kapitalismus was er kann. Auf Einzelschicksale kann leider nicht immer Rücksicht genommen werden.(eigentlich nie wenn man kein Geld hat)
Der Kapitalismus war so erfolgreich, dass hierzulange niemand in der Situation ist, pflegebedürftige Verwandte selber pflegen zu müssen. Früher gab es die sozialen Systeme nicht, außerdem waren gerade Handwerker- und Bauernfamilien existenziell vom erwarteten Erbe abhängig - deshalb wurden die Alten ´respektiert`, auch wenn sie halstarrig, tyrannisch und rücksichtslos waren (auch den heutigen Alten wird der Kasernenhofton nicht ganz fremd sein aus den Tagen, in denen sie noch etwas zu sagen hatten). Leute mussten allenthalben der Arbeit hinterherziehen - es gab keine Sozialamt, das sie aufgefangen hat, die Alternative war Hunger und Elend.

Menschen verändern sich und damit ändern sich auch die Beziehungen. Es steht niemandem zu, einem anderen vorzuschreiben, in welcher Beziehung er zu älteren Verwandten steht. Zumal, wie schon geschrieben wurde, der Aufbau einer ernsthaften Beziehung zu den eigenen Kindern oft keinen besonderen Stellenwert hatte. Es wurde versorgt und erzogen, aber das ist keine Basis für eine dauerhafte Beziehung zwischen Erwachsenen.

Ich brauche meine Kraft für meine Kinder, meine Ehe und mich selber und kann mir auch nicht vorstellen, dass es meinen Kindern später einmal anders geht. Gemeinsames Leben der Generationen, so lange es alle freut, auch mit einer gewissen Unterstützung - gerne. Ein ganzes Erwachsenenleben gut alleine klargekommen, von gelegentlichen Besuchen abgesehen - und plötzlich soll man sein Leben umschmeißen, weil ein Elternteil im Schlafanzug auf der Autobahn stand und seine Exkremente in der Wohnung verteilt? Nimmermehr. Satt, sauber und etwas von Ratiopharm für Ausgeglichenheit - passt doch.

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egghead7 03.05.2015, 10:48
107.

Zitat von schwabenstreich
zerbröseln. Und jetzt wieder maulen. Meine Großmutter wurde nicht ins Altersheim abgeschoben, sondern von Ihren Kindern (7) und Enkeln (17) zuhause gepflegt. Man muss dazu sagen, das auch ihre Kinder nicht in KITAs entsorgt wurden. Also entweder die Familien zerstören zwecks kurzfristiger Produktivitätssteigerung und nachher mtl. Tausende in in Pflege-Altersheime stecken (minusgeschäft) oder es wie die Südländer gestalten, Frau daheim (Hausherrin, Mutter, Grßelternbetreuung) "dr Vater goat schaffa" (dann gibt es nun man nicht jedes Jahr für jedes ein Familienmitglied ein neues Smartphone)
Soso, die Frau daheim soll also nicht nur Kinder- sondern auch Eltern/Großelternbetreuung übernehmen - sorry, aber das ist definitiv zu viel für einen Menschen! Das hört sich vielleicht ganz nett an, aber die Frauen früher (und das bestätigt mir mein 82-jähriger Vater, der erzählt wie kaputt und abgeschafft die Frauen früher schon mit 40, 50 aussahen) waren oft leider nicht die Haus'herrin' sondern die Haus'sklavin'. Im Gegensatz zum - in gewissem zeitlichen Rahmen sicherlich auch hart arbeitenden Mann - konnten sie ja nie zu Feierabend die Füße hochlegen. Wünschen Sie diese Situation den Frauen zurück?

Welche Südländer meinen Sie, denn wenn es um Jobs und auch um Karriere geht, haben einige südländischen Frauen mit den deutschen gleichgezogen (und in bestimmten, nicht wenigen, Bereichen überholt).

Großfamilien halte ich jetzt aber in der heutigen Zeit der Überbevölkerung und Ressourcenknappheit nicht gerade für die optimale Lösung aller Probleme.

Eine Lösung wäre und sind Gemeinschaften, nicht zu groß (dann wird es wieder unübersichtlich und unpersönlich), aber auch nicht zu klein. Diese alternativen Lebensmodelle werden bereits gelebt, und gerade auch in Deutschland schon in vielfältiger Form. Die Modelle scheinen sich inzwischen, nach viel Lernerfahrungen, zu bewähren. Da können sich die die Betreuer/innen von Kindern und Alten jedenfalls besser organisieren und gegenseitig unterstützen, und vereinsamen auch nicht bei dieser harten Pflegearbeit, wie das sonst in der klassischen Familie meist der Fall ist. Damit das klappt, muss aber das herkömmliche Kleinfamilienmodell aufgebrochen werden.

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egghead7 03.05.2015, 10:52
108. diese ewigen Vorwürfe und Schuldzuweisungen nerven

Zitat von jojack
Die wahren einsamen (und womöglich zukünftig von Robotern umsorgten) Alten sind die heute kinderlosen Selberverwirklicher, die rücksichtslosen Genießer ihres mittleren Alters, wo Kinderstimmen nur stören. Wer schon heute lieber mit dem iPad als mit eigenen Kindern spielt, der muss eben auch zukünftig mit dem Charm eines Pflegeroboters vorlieb nehmen. Mitleid ist da unangebracht. Wer in jungen Jahren nicht die Lasten und Kosten der Elternschaft auf sich nimmt, der darf im Alter auch nicht mehr als auf eine Grundversorgung hoffen. Aber davon abgesehen: dass die "meisten" heute auf die Nestwärme einer Familie verzichten würden, halte ich für stark übertrieben. Zumindest hoffe ich, dass es so ist.
Jaja, die bösen Kinderlosen und die bösen Eltern, die lieber mit dem ipad spielen - irgendwann ereilt sie dann die gerechte Strafe - sorry aber diese Art von Schuldzuweisungen sind wirklich unerträglich, unwahr, undifferenziert, führen zu nichts (außer vielleicht schlechter Laune, wenn man nicht darüber reflektiert).

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egghead7 03.05.2015, 10:58
109. stimmt, früher war nicht alles besser

Zitat von leseoma
ich stimme Ihnen voll zu. Eine demente Oma kann eine Familie zerstören, ohne es zu wollen. Früher war nicht alles besser, das ist eine Illusion. Die Frauen hatten viel Arbeit, und in der Erntezeit war krank sein keine gute Idee! Ausserdem waren die Wohnräume für die Alten schon mitgebaut, oft in einem kleinen Häuschen. Wie soll das in einer Etagenwohnung gehen, wenn alle Erwachsenen ausser Haus arbeiten? Ich besuche oft alte Leute im Heim. Es kommt immer auf die Einstellung an, manche Leute meckern eben grundsätzlich, andere sind dankbar für gute Pflege. Ich möchte einmal zu den letzteren gehören.
Das ist wirklich eine Illusion, ich stimme voll zu. Im Dorf meiner Schwiegereltern haben sie früher ihre Kinder, mangels Kinderbetreuung und anderweitiger Unterstützung, so bald und so früh es ging, mit den 'älteren' Kindern (7-jährigen!) alleine im Haus gelassen, um auf dem Feld zu arbeiten. Mit oft völlig überforderten, gestressten und 'vereinsamten' Kindern und verschmierter Kacke überall in der Küche, wenn sie total kaputt abends zurückkamen.

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