Forum: Kultur
Altenbetreuung: Diese verdammte Lieblosigkeit

Wir sind unglücklicher über einen kaputten Computer als über eine kaputte Großmutter, und wir lassen Roboter-Robben auf Demenzkranke los: Was für eine erschütternde Entwicklung.

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fuffel 03.05.2015, 11:29
120. ich finde die

persönlichen Berichte hier zwar durchaus interessant, aber daraus gleich ein durchgängiges Bild der gesamten Gesellschaft zu konstruieren...ist vielleicht n bisserl übertrieben.
Wir werden unverschämt alt. Die Kopierfehler, die Proteinfaltungserkrankungen nehmen zu. Diesem Risiko können wir uns nicht länger mit den Mitteln der Vergangenheit erwehren - dem Humanismus sei Dank.

Ich finde es unfair, diese ungleiche Last denen aufzubürden, die schicksalsbedingt davon betroffen sind.
Lauter grinsende Rentner, die ihre wohlverdienten Pensionen unter kalifornischer Sonne geniessen, lauter Gewinner der Globalisierung, die ihre Steuerlast auf 0,0% herunterrechnen können. Solidarität ist nun nicht gerade en vogue. Wachstum ist nichts für diejenigen, die gerade am schrumpfen sind.

Dabei gab es noch nie eine Gesellschaft, die mehr für die Leistungsunfähigen ausgab. Zynisch muß man wohl sagen: Mehr als 50% sind nicht drin!

Aber eigentlich müssen wir uns fragen, welche Prioritäten wir setzen wollen.
So richtig ne Ahnung, wozu das Ganze hier so gut ist hat ja keiner. Krampfhaft am Leben festhalten, weil sämtliche wissenschaftliche Beweise für eine "zweite Spielzeit" fehlen? Woran aber scheinbar alle glauben ist: Möglichst große Haufen von ALLEM zu sammeln und aufzutürmen wäre sinnstiftend - dolle neue Religion :)

Meine Eltern sind knapp über 8zig, machen jedes Jahr 2-3 Fahrradtouren, mit Freunden. Sind telefonisch schlecht zu erreichen, da immer unterwegs und haben mir vorletzte Weihnachten sämtliche Unterlagen präsentiert, die ihr Ableben einfacher regeln sollten. meine Mutter hat ihre Mutter über 12 Jahre gepflegt. Eine Wohnung in der Nachbarschaft gekauft, damit sie zumindest den Anschein von selbstbestimmten Leben aufrecht erhalten konnte. Sind allerdings auch christlich, gut vernetzt (also kümmern sich schon seit dem ich denken kann um andere Menschen) und es funktioniert.
Ist vielleicht etwas zu spät, sich erst in Momenten der Not an Andere zu wenden? Uns kümmert es doch nicht - warum erwarten wir das es Andere kümmert?

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fuffel 03.05.2015, 11:30
121. ich finde die

persönlichen Berichte hier zwar durchaus interessant, aber daraus gleich ein durchgängiges Bild der gesamten Gesellschaft zu konstruieren...ist vielleicht n bisserl übertrieben.
Wir werden unverschämt alt. Die Kopierfehler, die Proteinfaltungserkrankungen nehmen zu. Diesem Risiko können wir uns nicht länger mit den Mitteln der Vergangenheit erwehren - dem Humanismus sei Dank.

Ich finde es unfair, diese ungleiche Last denen aufzubürden, die schicksalsbedingt davon betroffen sind.
Lauter grinsende Rentner, die ihre wohlverdienten Pensionen unter kalifornischer Sonne geniessen, lauter Gewinner der Globalisierung, die ihre Steuerlast auf 0,0% herunterrechnen können. Solidarität ist nun nicht gerade en vogue. Wachstum ist nichts für diejenigen, die gerade am schrumpfen sind.

Dabei gab es noch nie eine Gesellschaft, die mehr für die Leistungsunfähigen ausgab. Zynisch muß man wohl sagen: Mehr als 50% sind nicht drin!

Aber eigentlich müssen wir uns fragen, welche Prioritäten wir setzen wollen.
So richtig ne Ahnung, wozu das Ganze hier so gut ist hat ja keiner. Krampfhaft am Leben festhalten, weil sämtliche wissenschaftliche Beweise für eine "zweite Spielzeit" fehlen? Woran aber scheinbar alle glauben ist: Möglichst große Haufen von ALLEM zu sammeln und aufzutürmen wäre sinnstiftend - dolle neue Religion :)

Meine Eltern sind knapp über 8zig, machen jedes Jahr 2-3 Fahrradtouren, mit Freunden. Sind telefonisch schlecht zu erreichen, da immer unterwegs und haben mir vorletzte Weihnachten sämtliche Unterlagen präsentiert, die ihr Ableben einfacher regeln sollten. meine Mutter hat ihre Mutter über 12 Jahre gepflegt. Eine Wohnung in der Nachbarschaft gekauft, damit sie zumindest den Anschein von selbstbestimmten Leben aufrecht erhalten konnte. Sind allerdings auch christlich, gut vernetzt (also kümmern sich schon seit dem ich denken kann um andere Menschen) und es funktioniert.
Ist vielleicht etwas zu spät, sich erst in Momenten der Not an Andere zu wenden? Uns kümmert es doch nicht - warum erwarten wir das es Andere kümmert?

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Ingmar E. 03.05.2015, 11:36
122.

Zitat von egghead7
Das ist wirklich eine Illusion, ich stimme voll zu. Im Dorf meiner Schwiegereltern haben sie früher ihre Kinder, mangels Kinderbetreuung und anderweitiger Unterstützung, so bald und so früh es ging, mit den 'älteren' Kindern (7-jährigen!) alleine im Haus gelassen, um auf dem Feld zu arbeiten. Mit oft völlig überforderten, gestressten und 'vereinsamten' Kindern und verschmierter Kacke überall in der Küche, wenn sie total kaputt abends zurückkamen.
Alte Menschen wurden vor den Ofen gesetzt und hin und wieder gewaschen, das wars aber auch schon mit der Betreuung. Alte Menschen die weder arbeiten konnten noch Kinder betreuen wurden auch damals als Belastung empfunden. Etliche alte Menschen gingen an Winterabenden vor die Tür um sich absichtlich eine Lungenentzündung einzufangen.

Da ist die Situation selbst im schlechtesten Pflegeheim heutzutage besser als vor 100Jahren in den Großfamilien.

Die meisten Angehörigen sind schon überfordert mit einer dementen Person im Haushalt, und es kommt sogar häufig zu Gewalt. Im Pflegeheim hat man pro Pflegekraft ein dutzend demente Personen, und es kommt eher selten zu Gewalt (zumindest von Seiten des Pflegepersonals). Aber dann regen sich Angehörige über ruppigen Tonfall auf.

Menschen die zuhause gepflegt werden kommen regelmäßig extrem verwahrlost im Krankenhaus an. Die Familien streichen das Pflegegeld selbst ein und versuchen auf Hilfe zu verzichten, denken Pflegen könnte jeder, ohne jegliche Ausbildung. Entsprechend sind dann die Ergebnisse.

Frau Berg ist sehr einseitig in diesem Artikel.

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egghead7 03.05.2015, 11:44
123. danke für ihren beitrag

Kann Ihnen aus vollstem Herzen zustimmen.

Mein Bruder und ich haben die Pflege unserer dementen und psychisch sehr schwierigen Mutter diskutiert. Wir haben beide Kinder zu versorgen, müssen arbeiten, und haben keinen Platz. Aber darüberhinaus war uns beiden ziemlich klar - wenn wir unsere Mutter 'aufnehmen' würden, würde sie uns (92, körperlich sehr zäh) vermutlich überleben. Unsere Familien würden zerstört werden.

Ihr geht es jetzt im AWO-Heim viel besser als vorher, als sie noch alleine lebte und das zunehmend zur Belastung für alle, nicht zuletzt sie selbst, wurde. Die Pfleger/innen im Heim machen einen tollen Job, und sind bei aller Geschäftigkeit durchaus herzlich und freundlich! Sie ist dort gut aufgehoben. Und wir besuchen sie so oft wir können.

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pecos 03.05.2015, 12:03
124. ich wünsche mir ....

.... die Entwickler von solchen Robotern liegen einmal Siech im Bett und werden dann bloss noch von Maschinen umsorgt. Das wäre die gerechte Strafe

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Jahiro1 03.05.2015, 12:19
125. Ihr werdet ernten, was ihr sät .... !

Liebevolle Eltern, die ihren Kindern im Besonderen, den Menschen in ihrer Umgebung im Allgemeinen Nächstenliebe und den Wert der Familie beigebracht bzw. vorgelebt (!) haben, werden auch im Alter nicht alleine sein.

Der Rest .... Karma.

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becky57 03.05.2015, 12:38
126. Dummheit vernichtet schneller als Lieblosigkeit

In Deutschland braucht man keine Familie.Falls man in Not gerät geht man "aufs Amt".Dort wird einem geholfen - jedenfalls solange es noch genug Steuer-und Beitragszahler gibt .In den meisten Ländern dieser Erde wird Familie nicht so sozialromantisch-ideologisch verklärt gesehen wie hier in Deutschland. In den meisten Ländern dieser Erde gibt es keine oder nur sehr geringe staatliche Hilfen ,wenn man alt,krank oder arbeitslos wird .Dort gibt es als Sozialsystem nur die Familie.Aber hier in Deutschland braucht man das ja nicht - noch nicht .
Noch ist die Generation der Baby-Boomer nicht in Rente ,aber genau das wird wohl in den nächsten Jahren passieren. Damit werden wohl Steuern und Sozialbeiträge in erheblichem Umfang wegfallen.Für die meisten dieser Neu-Rentner bedeutet dies Einkünfte (Rente -umlage/beitragsfinanziert ,d.h.die Höhe hängt von der Anzahl der Beitragszahler und deren Einkommenshöhe ab ) in Höhe Existenzminimum (Grundsicherung -die ist steuerfinanziert ,hängt also von den Steuereinnahmen ab , wer keine oder nur geringe Sozialbeiträge bezahlt ,zahlt meist auch keine Steuern ).Aber nicht nur für die Neu-Rentner wird es eng ,die Generation U40(unter 40 ) sollte sich Gedanken machen ,womit sie die in den kommenden Jahren wegbrechenden staatlichen Sozialleistungen kompensieren will .Betreuung (egal ob Altenbetreuung ,Flüchtlingsbetreuung oder Kinderbetreuung )kostet Geld . Aus gutem Grund wurde gerade im Bereich Pflegegeld beschlossen ,die ambulante Pflege auszubauen (Heimunterbringung wird in wenigen Jahren nur noch für "gut Betuchte" möglich sein ). Wer die Familie zum Auslaufmodell erklärt ,der sollte sich sehr sicher sein ,dass er zeitlebens genug materielle Resourcen hat um allen Widrigkeiten des Lebens begegnen zu können. Ich kenne die Lebensverhältnisse dieser Frau Sybille nicht.Aber ich vermute mal ,jung und derzeit mit gutbezahltem Job. Vielleicht hat ihr Vater auch eine gute Rente und Vermögen . Sie hätte sagen sollen was die Heimunterbringung kostet und wer das zahlt.Dann hätten die Normalverdiener ohne vermögende Eltern (das ist die Mehrheit der Bürger )die Chance sich auszurechnen (sofern die Grundrechenarten noch beherrscht werden )was da unweigerlich einfach mit Zeitablauf auf sie zu kommt (einfach mal das derzeit geltende Unterhaltsrecht lesen- wird bestimmt nicht besser ). Ich hoffe ich erschrecke da niemanden mit meinen Ausführungen. Jeder hat schließlich das Recht sich seine Lebenswirklichkeit zurecht zu träumen bis er von der Realität unsanft auf den Boden der Tatsachen geholt wird.

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Ingmar E. 03.05.2015, 12:40
127.

Zitat von pecos
.... die Entwickler von solchen Robotern liegen einmal Siech im Bett und werden dann bloss noch von Maschinen umsorgt. Das wäre die gerechte Strafe
Die Menschen werden im Alter erst sehr spät siech. Vorher werden sie dement, verwüsten dir die Wohnung, verschmieren Kot an deinen Wänden, verstecken Essen überall, dass du dann wenn es schimmelt mit Geruchserkennung suchen kannst, werden aggressiv dir gegenüber, beschimpfen dich auf üble und verletzende Weise und das dann unter Umständen über ein Jahrzehnt oder mehr bis sie wirklich siech werden.

Und Angehörige sind keine Engel, die können nicht trennen zwischen Krankheit und wahrer Person, die Krankheit kommt ja schleichend, und sie nehmen das dann persönlich und reagieren entsprechend.

Es gibt soviele Dramen hinter verschlossenen Türen in den Privathaushalten. Da gibts keine Anzeigen bei der Polizei, es gibt keine großartige Berichterstattung. Ein Roboter würde einen Dementen niemals Gewalt antun, nur weil er selbst überfordert ist.

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hornisse.04 03.05.2015, 12:41
128. Ich sage:

Zitat von Ingmar E.
Frau Berg ist sehr einseitig in diesem Artikel.
Frau Berg ist immer einseitig in ihren Artikeln, denn eine Betrachtung, die auch andere Sichtweisen als die Bergsche zulassen würde ist ihr völlig fremd.
Das ist sozusagen ihr Markenzeichen: Sybille Selbstgerecht Berg sozusagen.

Kann aber auch daran liegen, dass sie es versäumt hat, ihre Familienbeziehungen zu pflegen und nun ein wenig neidvoll auf andere schielt - das muss man dann schleunigst kaputtreden, damit es einem selber wieder besser geht.
Traurig sowas.

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mmpuck 03.05.2015, 12:47
129. Wär alles kein Problem,

wenn man uns Alten nur die menschenwürdige Verabschiedung aus dem Leben erlauben würde. Warum zum Teufel darf mir ein Arzt nicht helfen diese Erde zu verlassen wenn ich ihn darum bitte?

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