Forum: Kultur
"Anne Will" zu Altersarmut: Reality-Check für Politiker
NDR/Wolfgang Borrs

Anne Will diskutierte mit ihren Gästen über schlechte Renten und hohe Mieten. Während SPD, CDU und Grüne ihre Konzepte diskutierten, bestach Reinigungskraft Petra Vogel mit ihrer "Street Credibility".

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sarandanon 04.03.2019, 10:14
80.

Zitat von DougStamper
So sehr ich ihre Wünsche nachvollziehen kann, ich unterstütze die Pläne der spd, aber irgendwann ist dann halt auch mal Schluss. Ich kann als Reinigungskraft nicht erwarten eine Rente von 1.500 zu bekommen.
Ich wundere mich immer wieder ob solcher undifferenzierten Meinungsäußerungen. Der Frau Vogel - und auch anderen Betroffenen - geht es in erster Linie darum, mit ihrer Arbeitsentlohnung ein würdiges Leben führen zu können. Dass das gem. der ausgeführten Tätigkeit nicht unbedingt in Saus und Braus möglich ist, ist diesen Menschen bewusst. Darüber sollten Sie sich nicht sorgen.

Was Ihnen allerdings nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass es in keinem Gesetz der Welt - auch nicht in Naturgesetzen - festgeschrieben ist, dass sich dieses Leben in Würde allein an den Kräften der (imaginären) "Märkte" messen lassen muss. Das ist eher ein hausgemachtes Problem unserer modernen Gesellschaftsordnung, in der "Wirtschaftswachstum" die neue Religion und Messias zugleich geworden ist. Und die Gehirnwäsche ist soweit gediehen, dass das als alternativlos gilt.

Wenn man denn, so wie nicht nur Sie, sagt, dass Geringverdiener (egal aus welchem Grund sie dies sind), gefälligst mit den noch herunter rieselnden Krümeln klar kommen sollen, muss man dem gegenüber auch mal festhalten, dass steigende Lebenshaltungskosten sich um die Kleinhaltung von Einkommen keinen Deut scheren. Denn auch hier verlangen die "Märkte" in erster Linie mehr Profit und Wachstum. Und das möglichst schnell.

Der Schluss des Ganzen ist doch, dass Menschenwürde durch die "Märkte" bestimmt wird: Wer viel bekommt, ist würdig, wer wenig bekommt, weniger würdig. Und Letzterer soll gefälligst die Klappe halten, hätte ja was besseres lernen können.

Rhetorische Frage: Wollen Sie das wirklich? Ich denke, solange Sie noch Profiteur sind, ist es Ihnen vmtl. recht.

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wjb27 04.03.2019, 10:18
81. Bildung

Zitat von danielc.
Altersarmut entsteht nicht aus dem Nichts, sie ist eine direkte Folge von armem Leben. Da ist die Bildung gefragt. Besonders Kinder, die nicht von einem starken Elternhaus gefördert werden, müssen zu Lernen und Bildung motiviert werden. Ich höre in der Praxis zu oft Worte wie "dazu bin ich zu dumm" oder "das kann ich nicht". Wohlgemerkt, es handelt sich um normale intelligente Jugendliche, nicht um Menschen mit Handicap. Bei den Anforderungen ist es ähnlich, ich erwarte keine Leistungen, die eine notwendige Bildung voraussetzen. An dieser Stelle muss angesetzt werden, dann ist Altersarmut in Zukunft kein Thema mehr. Wir müssen als Gesellschaft nicht billige Arbeitskräfte vorhalten. Wenn Tätigkeiten einen ordentlichen Lohn nicht erbringen, lassen sie sich wahrscheinlich auch technisch lösen. Können wir es uns als Gesellschaft leisten, die latent vorhandenen Fähigkeiten brach liegen zu lassen? Ich glaube nicht!
Trotz Bildung muß es immer noch Menschen geben die für die Gebildeten den Dreck wegmachen, die ihnen die Zeitung wenn sie noch pennen in den Briefkasten stecken, die die Straße fegen, die auch nachts parat stehen wenn der Wasserhahn sich nicht mehr schließen läßt.


Mit dem Wort Bildung wird Schindluder getrieben. Das begann unter Schröder der für die Bildung zwei Rentenerhöhungen einkassierte. Ja wo ist es geblieben? Eine Gemeinschaftsarbeit von Rot/Grün die jetzt das Paradies versprechen.

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tatsache2011 04.03.2019, 10:19
82. Niedrige Zinsen und hohe Mieten ?

Zitat von Wütender_Bürger?
Warum kommt im Kontext der explodierenden Mietpreise eigentlich nie die Wirkung der EZB-Politik zur Sprache? Erst die Geldflut unserer zentralen Notenbank hat dazu geführt, dass das Kapital sein Augenmerk in diesem Maße auf Immobilien gerichtet hat. Dies in Verbindung mit der jahrelangen Lohnzurückhaltung hat die Miete relativ zum Einkommen aus dem Ruder laufen lassen. Warum erwähnen das Politiker und Journalisten nicht? Weil sich die EZB nicht als Feindbild eignet? Oder schlicht, weil beide Gruppen setzt langem nicht mehr eigenen Einsichten folgen, sondern bloß den aktuellen Hype-Parolen.
Sie übersehen, dass die jetzigen Hypothekenzinsen sehr niedrig sind und damit diese Kosten eigentlich zu niedrigeren Mieten führen könnten in der angeblich "freien Marktwirtschaft".

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reverend.speaks 04.03.2019, 10:23
83. Zu kurz gedacht

Zitat von gwidor
Das Problem ist nicht die Höhe des Mindestlohn, sondern das auf niedrige Löhne Lohnsteuer gezahlt werden muss. Es ist nicht so, dass Leferdienste und Gastronomie keine höheren Löhne zahlen wollen Sie können es nicht. Des weiteren werden mit dem Fortschritt des Internet viele Jobs nicht mehr existieren. Dies geschieht durch autonomes Fahren, Supermärkte ohne Kassen. Der Grund dafür ist, dass die Arbeitskraft vom Staat mit einer Steuer belegt wird, die zudem für Bruttoeinkommen unter 2.000€ mit 20% viel zu hoch ist. Langfristig müssen Steuern auf Arbeit abgeschafft werden und nur der Konsum durch die Mehrwertsteuer versteuert werden. Wenn keine Lohnsteuer mehr gezahlt werden muss, kann auch eine Mehrwertsteuer von 25% gezahlt werden. Eine Versteuerung des Konsums hat auch den Vorteil, dass derjenige der wenig konsumiert belohnt wird und derjenige der viel konsumiert mehr zahlen muss. Zum Wohle der Umwelt. Leider ist der Einfluss der Industrie so groß , dass die Politik nicht die Weichen stellt Raus aus dem Wachstumswahn
Den Konsum mehr besteuern und auf Einkommensteuer zu verzichten bedeutet, dass die unteren Lohngruppen, die zwangsweise alles für die Daseinsvorsorge ausgeben müssen, prozenzual mehr Steuern zahlen, als Reiche, die nur einen kleinen Teil ihres Einkommens verkonsumieren. Eine Konsumzurückhaltung schwächt auch den Binnenmarkt, was wiederum Arbeitsplätze gefährdet.

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oldman2016 04.03.2019, 10:24
84. Gelbwesten

Sind die Löhne zu niedrig? Oder die Abgaben zu hoch? Oder sind die Lebenshaltungskosten insbesondere die Kosten für Strom, Wohnen, Mobilität für Niedrigverdiener zu hoch? Ich persönlich definiere Armut nicht nach der Höhe des Lohnes oder der Rente, sondern einzig und allein nach dem was ich im Monat zur freien Verfügung haben. Und hier stehen die Niedriglöhner in der Tat alleine schon wegen der Befreiung von den Rundfunkgebühren für Empfänger von Grundsicherung oder Hartz IV wesentlich schlechter da, als die Empfänger der staatlichen Transferleistungen. Selbst Arbeitnehmer mit Löhnen über Mindeslohn stehen doch in Wahrheit wegen der Sozialabgaben und Steuern kaum besser da. Deutschland braucht dringendst eine Gelbwestenbewegung. Und die Talksendungen brauchen mehr normale Menschen anstatt ideologisch verblendeter Politiker.

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anboes 04.03.2019, 10:29
85. Sie liegen falsch!

Wo haben Gewerkschaften den Mindestlohn verhindert?
Die ausgehandelten Tarifverträge hatten einen versicherungspflichtigen Ecklohn und dieser war der Mindestlohn, der nach oben selbstverständlich offen war, aber mit der gesetzlichen Pflichtversicherung. Für vertraglose Arbeitsverhältnisse sind die Gewerkschaften nicht verantwortlich.

Was die Agenda 2010 verursachte, unter dem Druck der Wirtschaft der Arbeitsplatzvernichtung, sind die Möglichkeiten der AG, das Arbeitsrecht mit versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen zu umgehen.
Beispiel "Haustarife", Leihfirmen, prekäre Arbeitsverhältnisse etc.

Wer weiß heute noch, wie lange sein Arbeitsplatz gesichert ist? Welcher Student, welche Studentin weiß, wann er/sie einen festen Arbeitsplatz hat? Unsere Wirtschaft profitiert vom Export. Bei Billiglöhnen kann nur billig konsumiert werden. Im Einzelhandel unterbieten sich die Händler und wollen dennoch ihre Profite steigern: Personalabbau und Lohndrücker.

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MTBer 04.03.2019, 10:30
86. 20%?

Zitat von gwidor
Das Problem ist nicht die Höhe des Mindestlohn, sondern das auf niedrige Löhne Lohnsteuer gezahlt werden muss. Es ist nicht so, dass Leferdienste und Gastronomie keine höheren Löhne zahlen wollen Sie können es nicht. Des weiteren werden mit dem Fortschritt des Internet viele Jobs nicht mehr existieren. Dies geschieht durch autonomes Fahren, Supermärkte ohne Kassen. Der Grund dafür ist, dass die Arbeitskraft vom Staat mit einer Steuer belegt wird, die zudem für Bruttoeinkommen unter 2.000€ mit 20% viel zu hoch ist. Langfristig müssen Steuern auf Arbeit abgeschafft werden und nur der Konsum durch die Mehrwertsteuer versteuert werden. Wenn keine Lohnsteuer mehr gezahlt werden muss, kann auch eine Mehrwertsteuer von 25% gezahlt werden. Eine Versteuerung des Konsums hat auch den Vorteil, dass derjenige der wenig konsumiert belohnt wird und derjenige der viel konsumiert mehr zahlen muss. Zum Wohle der Umwelt. Leider ist der Einfluss der Industrie so groß , dass die Politik nicht die Weichen stellt Raus aus dem Wachstumswahn
Ein Blick in die Einkommensteuertabelle 2019, Grundtabelle, unverheiratet, keine Kinder, EURO 24.000 Jahreseinkommen: Lohnsteuer EURO 3.507, zusammen mit Soli und Kirchensteuer EURO 4.015.

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sporadischer 04.03.2019, 10:32
87. Das Heilmittel (kein Wortspiel)

soll die Mitgliedschaft von Beamten und Selbständigen in der Rentenversicherung sein. Gut, kann man machen. Dann aber bitte auch berücksichtigen, dass die Lehrer, Polizisten, Ingenieure und Verwaltungleute etc. daraus auch Rente beziehen werden. Also so einfach geht es doch nicht. Übrigens, die Arbeitgeberbeiträge müssen natürlich aus den Haushalten des Bundes, der Länder und Kommunen bezahlt werden.

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Olli Ökonom 04.03.2019, 10:34
88.

Zitat von fx33
Und Sie vergessen, dass diese Unternehmer sich dumm und dusselig verdienen, ihre Arbeiter und Angestellten aber lohnsteigerungsmäßig am extrem kurzen Zügel führen. Wären diese "Familienunternehmen" fair (hahaha, ich fall' fast vom Stuhl vor Lachen bei der Vorstellung!), wären die Löhne und Gehälter im gleichen Maß gestiegen wie die Einkommen dieser "Familienunternehmer". Sind sie aber nicht ansatzweise. Im Gegenteil, diese "fürsorglichen Familienunternehmer" betreiben Lohndumping, wo es nur geht.
Wo verdienen sich Unternehmer dumm und dusselig. Nicht einmal einen Hauch von Ahnung bezüglich Buchhaltung und geschweige von Jahresabschlüssen, aber dümmliche sozialistische Volksverdummung betreiben.
Unternehmer haben auch ein Anrecht auf Entlohnung, denn die tragen das Risiko. Wenn Sie sich auch "dumm und dusselig" verdienen wollen, werden SIe doch selbst zum Unternehmer.

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tatsache2011 04.03.2019, 10:34
89. Ist das so schwer zu verstehen ?

Zitat von gvcom
ist das so schwer zu verstehen ? wenn man aus einem Topf regelmäßig mehr heraus nimmt als man einbezahlt hat, ist der Topf einfach schneller leer und dann kann niemand mehr etwas herausnehmen.
Ist das so schwer zu verstehen, dass es keinen Rententopf gibt, in dem Ihre Beiträge liegen, bis Sie in Rente gehen?
Wie kann "der Topf einfach schneller leer" werden, wenn er bereits leer ist?
Die Rente wird durch die Kinder gesichert.

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