Forum: Kultur
"Anne Will" zu Hartz IV: Multiple Vermittlungsverhängnisse
NDR/ Wolfgang Borrs

Reformieren oder abschaffen? Anne Will ließ über Hartz IV diskutieren - und Arbeitsminister Heil kündigte an, sein Ziel sei, "dass es in fünf Jahren den Begriff nicht mehr gibt".

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hevopi 09.04.2018, 10:58
40. Manchmal habe ich das Gefühl,

unsere Politiker sind so weit von der Realität des Arbeitsmarktes entfernt, dass unsere Zukunft wirklich sehr problematisch aussieht. Jeder Mensch muss gefordert werden und Anerkennung bekommen. Das ist aber nur durch aktive Tätigkeit und dann auch "Belohnung" möglich. Das Problem "Schwarzarbeit" wurde sicherheitshalber nicht diskutiert, denn dieser Zuverdienst ist steuerfrei und Sozialabgabenfrei, wird von diesen Arbeitgebern (besser: Kriminellen) gefördert und "Kohle" in der Hand ist immer noch besser als "Kohle" auf dem Dach. Die "normalen" Arbeitgeber sind sehr froh, wenn sie zuverlässige, engagierte Mitarbeiter haben, die auch bereit sind, etwas zu lernen (learning by doing) und nicht Penner, die oft krank sind und sich möglichst vor der Arbeit drücken. Sie sind bereit, die Mitarbeiter zu fördern und auch anzuerkennen, wenn diese sich ernsthaft einsetzen. Die "Penner" und "Säufer", faulen Säcke, die wollen lieber ein wenig wurschteln und vom Steuerzahler finanziert werden. Warum werden nicht regelmäßig in allen Bundesländern konstruktive Diskussionen mit den Führungskräften der Unternehmen geführt und endlich mal die Praxis durchleuchtet. Wie schwach Politiker auf der Brust sind, wie unerfahren und naiv haben wir nun genug erlebt, laßt doch endlich mal die Praktiker zu Wort kommen.

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black_dave 09.04.2018, 11:00
41. Teil 1

Was mich wirklich nervt, ist die Tatsache, dass permanent pauschalisierst und ein Schwarz/Weiß Denken statt findet. Die Realität ist allerdings komplexer als viele wahr haben möchten. Hartz IV gehört meiner Meinung nach abgeschafft und durch ein Grundeinkokommen ersetzt. Ferner müssen bessere Anreize für Arbeitslose her und verdammt nochmal langfristige Arbeitsmöglichkeiten. Da versagt die Politik auf ganzer Linie!! Gibt den Leuten ihre Würde wieder. Natürlich gehört dazu auch die Mitarbeit des einzelnen, also fördern und fordern. Aber die Willkür im Jobcenter, vieler Sacharbeiter (ich sage bewusst viele) muss ein Ende haben. Die Aussage von Rainer Hank ist einfach dumm und unreflektiert. Da wird irgendwas als Meinung verkauft. Aber die Ahnung fehlt komplett.

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trader_07 09.04.2018, 11:07
42.

Zitat von black_dave
Hartz IV gehört meiner Meinung nach abgeschafft und durch ein Grundeinkokommen ersetzt.
Hartz-IV ist ein Grundeinkommen.

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black_dave 09.04.2018, 11:29
43. @ trader 07

Stimmt, habe mich undeutlich ausgedrückt. Meinte ein anderes Modell zur Grundsicherung

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tobyr 09.04.2018, 12:09
44. In Japan...

Zitat von varphi
In Japan ist es ganz normal dass ältere Männer im Seniorenalter parkplätze, Baustellen oder Schulwege bewachen. Sie bleiben Teil der Gesellschaft und verdienen nebenher Geld dazu. Sie sind sich allerdings auch nicht zu fein, diesen Job zu machen was ich sehr beeindruckend finde.
... ist es allerdings auch so, dass solche Jobs ganz regulär auf dem ersten Arbeitsmarkt verfügbar sind, genau so wie andere, die hierzulande schon längst wegrationalisiert wurden oder die es gar nicht erst gegeben hat. Es gibt in Japan auch Fahrstuhlführerinnen, Verkehrseinweiser bei Baustellen, Empfangsdamen und andere ähnliche Tätigkeiten, weil dies von der Gesellschaft erwartet und akzeptiert wird.

Wenn Sie hingegen in Deutschland jemand in so einen Job bringen wollten, müsste das a.) vom Staat finanziert werden, da keine Firma eine solch "überflüssige" Tätigkeit bezahlen würde und es hätte b.) das Ansehen einer Ersatztätigkeit für Leute, die keinen "richtigen Job finden".
Kurz gesagt, in unserer ruchlosen Rationalisierungswirtschaft, in der Service eher kleingeschrieben wird, würde das nicht funktionieren.

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charlybird 09.04.2018, 12:28
45. Beim Durchsehen der Kommentare

habe ich nicht gelesen, dass auch nur einmal auf Frau Hannemann, die einfach nichts Spektakuläres sagte, sondern aus ihrer Erfahrung sprach, auch nur entfernt eingegangen wurde.
Nach meiner Meinung nach war sie die einzig ernstzunehmende Diskutantin in dieser Anhäufung von ''Spezialisten''.
Allgemein ist dann nicht mehr sehr viel gekommen, was man nicht als ''alten Wein in neuen Schläuchen'' bezeichnen würde.
Der Wille H4 abzuschaffen ist eigentlich auch weder ernsthaft vorhanden, noch gegenüber der Wirtschaft durchsetzbar.
Dafür gibt es 1. zu viele allwissende, soziale Schönfärber vom Stile eines Rainer Hank innerhalb der Medien und 2. leider zu viele zögerliche und auch ahnungslose Politiker.
Habe einen Bekannten, Inhaber einer Zeitarbeitsfirma und einer Weiterbildungsinstitution, der quatscht übrigens genauso wie die gestrige Zeitarbeitstante.
Als wenn man da nicht selbst drauf kommen würde.
Letztlich muss man dabei einsehen, dass Firmen dieser Art, die Arbeit eines Jobcenters machen, welches früher mal Arbeitsamt hieß und wo man sich dran wenden konnte, wenn man arbeitslos war und eine Job brauchte.
Durch Zeitarbeitsfirmen verdienen an einem Lohn jetzt schon einmal mindestens zwei, wenn nicht drei Partizipanten. Kann man zunächst einmal auch Fortschritt nennen.

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observerlbg 09.04.2018, 12:34
46. Oh, es ist noch schlimmer.....

Zitat von tobyr
... ist es allerdings auch so, dass solche Jobs ganz regulär auf dem ersten Arbeitsmarkt verfügbar sind, genau so wie andere, die hierzulande schon längst wegrationalisiert wurden oder die es gar nicht erst gegeben hat. Es gibt in Japan auch Fahrstuhlführerinnen, Verkehrseinweiser bei Baustellen, Empfangsdamen und andere ähnliche Tätigkeiten, weil dies von der.....
In den USA, kein sozialistisches Land, gibt es Wareneinpacker: an den Kassen der großen Supermärkte packen Ihnen diese Dienstleistungskräfte Ihre gekaufte Ware ordentlich ein. Hier in Deutschland sollen zukünftig die Kunden sogar selbst abrechnen (per Scanner), vollständig ohne Kassierer. Obwohl wir uns faktisch immer mehr in eine Dienstleistungsgesellschaft verwandeln, gilt Dienstleistung per se fast schon als Schande:" Sie habens wohl nicht zu mehr gebracht". Ich bin unsere dummschwätzenden Politiker des Neoliberalismus satt: Müntefähring, Westerwelle, Clement, Schröder... alles Persönlichkeiten, von denen man eigentlich mehr differenzierte Aussagen zum Thema Arbeitslosenversorgung erwartet hat. Leider kommt auch unsere neue Bundesregierung mit ähnlichen Charakteren daher, z.B. Jens Spahn. Zu Hubertus Heil kann man dann später sagen: "ja, er hats wenigstens versucht".

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SuperWeidi 09.04.2018, 12:37
47. Mehr freie Stellen als Langzeitarbeitslose

ist eine klare Ansage. Wieviele freie Stellen müssten geschaffen werden, damit wir keine Langzeitarbeitslosen mehr hätten?
Eine bessere Unterstützung von alleinerziehenden Müttern oder Vätern müsste nicht unbedingt über Hartz IV geregelt werden; dies ginge sicher auch über ein "Kindergeld für Alleinerziehende". Ich finde es bedauerlich, dass nicht wenigstens Teile der Steuerüberschüsse in einen Fond einfliessen und direkt an Bedürftige ausbezahlt werden.
Hartz IV als solches könnte dann ohne weiteres so bestehen bleiben. Wer nicht für den Arbeitsmarkt zu alt ist, oder eben alleinerziehend, der dürfte meines Erachtens weiterhin Hartz IV mit all seinen Auflagen beziehen.

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Little_Nemo 09.04.2018, 12:40
48. Vermittlungshemmnisse -bekämpfen durch Vermittlungshemmnisse?

Zitat von jhea
...Zu den 1 Euro Jobs bleibt zu sagen: Die sind für genau die oben beschriebenen Leute da. Viele leute sind gar nicht mehr in der Lage aufzustehen wenn der Wecker klingelt. Die sollen so langsam wieder an Jobs herangeführt werden. Das ist keine Sklavenarbeit. Genau das selbe mit diversen Maßnahmen. Es gibt einfach Menschen die sind nicht mehr in der Lage wie ein normale Mensch zu leben und brauchen Betreuer und jemanden der ihnen die einfachsten Dinge abnimmt...
Naja, so habe ich mir das auch mal vorgestellt, so wird es ja auch nach außen versucht darzustellen und so stellt man es sich halt vor solange man mit diesen Dingen, wie insbesondere den sogenannten "Maßnahmen zur Qualifizierung am Arbeitsmarkt", nicht selbst Erfahrungen machen musste. Der Punkt ist halt, dass es nicht genügt da irgend sowas aufzumachen und es so zu nennen, sondern man muss es auch so gestalten, dass es die daran offiziell gestellten Erwartungen erfüllen kann und auch Perspektiven für den regulären Arbeitsmarkt eröffnet. Und da hapert es halt gewaltig. Das fängt schon damit an, dass man, solange man in so einer Maßnahme sitzt (und das ist in den bei weitem meisten Fällen über die gesamte Dauer der Maßnahme, also meist ein halbes Jahr) nicht als beschäftigungssuchend geführt wird, obwohl die Teilnehmer die meiste Zeit vor dem Computer sitzen müssen und, wenn sie sich beschweren, dass da nichts weiter passiere, gesagt bekommen, sie sollten sich im Internet Stellenangebote (also Beschäftigung) suchen und sich darauf bewerben (nicht selten 7, 5 Stunden pro Tag, ein halbes Jahr lang). Wenn sie dann ein Stellenangebot gefunden haben, muss die Bewerbung über eine/n oder mehrere Betreuer/in/nen des Maßnahmeträgers laufen, der/die den ganzen Vorgang nicht selten endlos hinauszögert, mit oft fragwürdigen Ratschlägen verkompliziert und den Bewerber dabei völlig demotiviert, dass am Ende in der Regel nichts dabei herauskommt. Aber Maßnahmeträger können das so machen, weil es viele der (noch) Beschäftigten in Deutschland gar nicht interessiert was da geschieht - solange sie selbst noch Arbeit haben und ihren Lebensstandard einigermaßen halten können. Und natürlich weil es die Statistiken der Bundesagentur gut aussehen lässt. Und die Arbeitslosen, als Staatsfeinde Nr. 1 und Ausgeburten des Antichrist, können ja ohnehin gar nicht hart genug gestraft werden, völlig unabhängig davon ob es irgendeinen Sinn macht oder nicht, denn die sind ja so schön wehr- und machtlos. Als Résumé drängt sich mir da die Frage auf ob das wirkliche Vermittlungshemmnis nicht ganz woanders liegt, als da wo es so viele der Bequemlichkeit halber lokalisieren wollen. Aber solch kritische Fragen stellen sich "normale" Menschen wie Sie wohl eher nicht.

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lachina 09.04.2018, 12:54
49.

Zitat von ohjeee
Aha. Dann hat Ihr Bekannter aber entweder ein paar Details unter den Tisch fallen lassen, oder Sie geben das hier falsch wieder. Unter 3 Stunden Arbeitsleistung am Tag fällt er bei der Arge raus und erhält Erwerbsunfähigkeitsrente. Zwischen 3-6 Stunden am Tag erhält er zumindest eine Erwerbsminderungsrente.
Nein, die Posterin hat Recht: Laut Definition kann Hartz IV beziehen, wer noch mindestens vier Stunden täglich auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein kann. Für viele gilt: " Zu krank für einen regulären Arbeitsplatz, zu gesund für die Rente." Seit die Berufsunfähigkeit abgeschafft und die Erwerbsminderung eingeführt wurde, wird man auch nicht einfach so berentet, denn "vier Stunden Pförtner" geht ja fast immer.....nur so viele Pförtnerstellen gibt es gar nicht!

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