Forum: Kultur
"Anne Will" zu Organspenden: In die Pflicht nehmen
NDR/Wolfgang Borrs

Geht es nach Gesundheitsminister Jens Spahn, wird jeder zum Organspender, der nicht widerspricht. Anne Will diskutierte mit ihren Gästen über diese Idee - und brachte die Debatte tatsächlich voran.

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jujo 10.09.2018, 08:25
30. ...

Zitat von kai-ser210
Ich habe die Sendung nicht gesehen, finde aber in der Debatte wird immer wieder ein Punkt nicht diskutiert. Wenn sich im Falle der vorgeschlagenen Neuregelung jemand schriftlich weigert zu spenden, müsste er dann selbst nicht auch von einer Organspende ausgeschlossen werden? Das wäre jedenfalls fair und würde den einen oder anderen vielleicht doch zum Umdenken bewegen. Ich denke viele "Verweigerer" würden im Ernstfall nämlich keineswegs selbst auf ein Organ verzichten, wenn es ums eigene Leben geht. Das ist die Krux an der Geschichte. Aus ethischen Gründen ist das vermutlich wieder nicht mit der Medizin zu vereinbaren, aber gerecht wäre es. Dieses Messen mit zweierlei Maß nervt mich immer wieder bei Gegnern der Organspende.
Eine Regelung welche Spendenverweigerer an das Ende der Warteschlange, hinter ausgewiesenen Spendern, stellt, wäre nachvollziehbar.

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ruhuviko 10.09.2018, 08:26
31. Leser Ramon (6) schreibt:

"Die Illusion der unendlich gestaltbaren Zukunft ist tief verwurzelt in unserer Gesellschaft." Das macht den Tod so erschreckend, dabei konnte ihm noch keiner ausweichen und das ewige Leben bleibt eine Illusion. Das betrifft beide: Organ"spender" und Organempfänger. Wer sich ehrlich mit dem Thema auseinandersetzen will, der muss eben beides in den Blick nehmen: Was ist mir das Leben wert, um ein Organ zu bekommen, und was ist mir das Leben wert, einer Organentnahme zuzustimmen?

Zum anderen ist die geplante Umpolung von vorheriger Zustimmung zu künftiger ausdrücklicher Ablehnung zu kurz gesprungen. Warum gibt es nur dieses kleine Plastik-Kärtchen, wo ich doch eine "Gesundheitskarte" in der Tasche habe, auf der ich genau verzeichnen könnte, unter welchen Bedingungen ich zustimme oder ablehne? Da würde ich beispielsweise der Entnahme zustimmen, wenn damit ein konkretes anderes Leben weitergehen kann, ich aber ablehnen, wenn meine Knochen in der Pharmazie-Industrie landen. Oder ich würde Bedingungen stellen, z.B. dass nach der Entnahme eines lebensrettenden Organs die Klinik die Kosten für meine würdige Beerdigung übernimmt. All diese Fragen sind im Zusammenhang mit der "Spende" bisher noch nicht einmal angedacht, so empfinde ich.

Die Politik macht es sich derzeit einfach: Vogel friss oder stirb heißt die Devise in der derzeitigen Diskussion. Dabei könnte es auch heißen: Unter welchen Bedingungen kann ich mich einverstanden erklären und bin bereit oder eben nicht.

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Shantam 10.09.2018, 08:33
32. Leider geht es nur ums Geschäft!

In unserer Gesellschaft soll mir doch keiner irgendwas anderes Behaupten. Dies Scheinheiligkeit der Gutmenschen geht mir sowas von auf die Nerven. Jetzt werden wir all noch zur Ware gemacht,super!
Diese Scheinheiligkeit der Schulmedizin und Pharmaindustrie ist doch der Gipfel der Perversion. Sorry, aber es geht nicht um Menschlichkeit ! Die wurde schon lange abgeschafft.

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moonstruckannalist 10.09.2018, 08:36
33. Kein Problem damit

Zitat von kai-ser210
Ich habe die Sendung nicht gesehen, finde aber in der Debatte wird immer wieder ein Punkt nicht diskutiert. Wenn sich im Falle der vorgeschlagenen Neuregelung jemand schriftlich weigert zu spenden, müsste er dann selbst nicht auch von einer Organspende ausgeschlossen werden? Das wäre jedenfalls fair und würde den einen oder anderen vielleicht doch zum Umdenken bewegen. Ich denke viele "Verweigerer" würden im Ernstfall nämlich keineswegs selbst auf ein Organ verzichten, wenn es ums eigene Leben geht. Das ist die Krux an der Geschichte. Aus ethischen Gründen ist das vermutlich wieder nicht mit der Medizin zu vereinbaren, aber gerecht wäre es. Dieses Messen mit zweierlei Maß nervt mich immer wieder bei Gegnern der Organspende.
Zu Ende gedacht, habe ich damit kein Problem.
Ich habe nicht vor auf die Organe meiner Mitmenschen angewiesen zu sein und bevorzuge wissenschaftlichen Fortschritt - bis dahin lebe ich mit meinem Entschluss, Hand drauf.

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skeptikerin007 10.09.2018, 08:39
34. Ich kann Ihnen.....

Zitat von sven_schreiber
Ich halte die Wiederspruchslösung für Grundfalsch. Folgende Begründung: 1) Es ist eine klare Verletzung des Grundgesetzes. Die Würde des Menschen ist Unantastbar. Dies gilt auch und gerade für sterbende und deren Körper. 2) Das Konzept Hirntod steht unter Medizienern mittlerweile in hartem Diskurs und es ist nocht klar ob der Hirntod bestand haben wird. Vielmehr könnte es sein (meine Meinung) dass man zukünftig bei Spenden von „erlaubten Tötungen“ zur Organentnahme sprechen muss. Die Tötung könnte erlaubt werden, weil ein zurück ins würdige Leben ausgeschlossen werden kann. 3) Es ist nicht abschließend geklärt ob der Horntode schmerzen empfindet. In der Schweiz werden desswegen zur Sicherheit Vollnarkosen verabreicht. Deutschland verweigert sich diesem. Das ist für mich absoluter Grund zu wiedersprechen. Jeder der mal Hirntode und deren Reaktion auf Berührungen gesehen hat, dürfte die Bedenken teilen. 4) Auch über eine Gewebespende wird nicht ehrlich Informiert. Hier werden Teils Gabze Knochen und deutlich mehr vom Körper entnommen als man gemeinhin meint. Es wird auch nicht für dierekt Kranke gespendet, sondern man wird vielmehr zu einem Medikament verarbeitet, mit dem Pharmafirmen dann Gewinne erwirtschaften! So ich glaube das war es. Noch ein paar Links zu dem Thema: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/todeszeitpunkt-und-organspende-wie-tot-sind-hirntote-1.1299076-2 https://www.deutschlandfunk.de/wie-tot-darf-ein-organspender-sein.1148.de.html?dram:article_id=263202 https://www.nzz.ch/wann_sind_wir_tot-1.8204978 http://m.fr.de/politik/interview-organspende-regelung-wer-noch-warm-ist-ist-nicht-tot-a-843826 https://www.aerzteblatt.de/archiv/46799/Organspende-Organentnahme-nur-unter-Vollnarkose https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/organspende/article/879725/organentnahme-hirntod-nicht-gleich-tod.html https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2018/09/05/ist_tot_wer_hirntot_ist_gespraech_mit_der_dlf_2018 0905_0945_08c47204.mp3 https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/organspende-tabuthema-gewebespende-1.1370332 https://www.zeit.de/2007/08/Leichenteile/komplettansicht
....vollkommen zustimmen

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Pirminia 10.09.2018, 08:45
35. Verpflichtende Organabgabe versus Sterbehilfe

Herr Spahn steht einer Abgabe von tödlichen Betäubungsmitteln an todkranke Schmerzpatienten kritisch gegenüber, schließlich sei Selbsttötung ja keine Therapie. Dem halte ich entgegen, dass eine erzwungene Organspende keine "Spende" mehr ist. Und wenn Herr Spahn die verpflichtende Organspende mit Widerspruchsmöglichkeit als "Pflicht zum aktiven Freiheitsgebrauch" umetikettieren will (hat er neulich in der FAZ....), dann ist das meines Erachtens an Zynismus schon nicht mehr zu überbieten. Im Fall der Sterbehilfe ist aktiver Freiheitsgebrauch dann nicht mehr so gern gesehen, gell?

Eine freie Entscheidung, die die Unversehrtheit des eigenen Körpers betrifft, ist nur dann "frei", wenn der Betroffene seine Meinung jederzeit noch ändern kann. Auch dann, wenn er nach dem Motorradunfall im Dreck liegt und den Rettungswagen kommen hört, aber keinen Widerspruch mehr äußern kann.

Bleibt zu hoffen, dass das Bundesverfassungsgericht der "Widerspruchslösung", so sie denn kommt, ganz schnell Einhalt gebietet.

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jujo 10.09.2018, 08:46
36. ...

Zitat von Irene56
bedeutet schlicht und einfach: Wer nicht rechtzeitig oder aus anderen Gründen nein gesagt hat, ist für den Staat zum Ausschlachten freigegeben. Das nenne ich eine wahrhaft linke Politik. Die Linken, Grünen oder Sozialisten, egal welchen Namen sie bevorzugen, verteilen gerne das Eigentum anderer. Schon jetzt hat sich gezeigt, dass es bei der Zuteilung gravierende Unregelmäßigkeiten gab, auch bleibt es jetzt den Medizinern überlassen, wann sie einen Menschen für tot erklären. Nicht die Dringlichkeit sondern am Ende wird entscheidend sein, wer das Geld hat für eine nette kleine Bestechung in Form einer Spende für eine Klinik oder den Chefarzt, wie prominent der Empfänger ist. Also es wird auf alle Fälle ein lukratives Geschäft. Als Beispiel fällt mir da Niki Lauda ein. Schwerkrank in ein Krankenhaus eingeliefert und schon wenige Stunden danach erhält er eine Nierentransplantation. Welche Chancen haben dann in Deutchland ganz normale Bürger? Ich meine, sehr wenig. In einem Land, in dem Beziehungen, Parteizugehörigkeit, Promi-Status und Geld so wichtige Rollen spielen wie bei uns, bleibt für den "kleinen" Bürger nur die obligatorische Spende und das auch noch völlig unentgeltlich, oder werden den Hinterbliebenen wenigstens die Bestattungskosten ersetzt?
Jetzt setzen Sie doch mal Ihre Schnappatmung gegen Linke Politik aus. Zur Information, Der Gesundheitsminister, der das neue Gesetz anleiert, heißt Jens Spahn, ist von der CDU und dem rechten Pflügel zuzuordnen.

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murksdoc 10.09.2018, 08:50
37. @sven_schreiber

1. "Hirntod" ist im "Diskurs" unter Esoterikern, nicht unter Medizinern. 2. "Deutschland" "verweigert" sich nicht, im Gegensatz zur Schweiz, bei Organspendern Vollnarkosen durchzuführen. Zumindest ich selbst habe um die 20 Vollnarkosen bei Organspendern durchgeführt. Wollen Sie das bezweifeln, oder wie kommen Sie zu dieser neuen Verschwörungstheorie? 3. Der sogenannte "Organspendeskandal" war hauptsächlich ein Skandal der unzureichenden medizinischen Therapie von Kassenpatienten. Weil die auf den Wartelisten der Organempfänger im Gegensatz zu den Privatpatieten starben (und sterben), wie die Flie...(das will ich nicht sagen, Sie wissen, was ich meine), rückten die Privatpatienten schneller nach vorne und bekamen, weil sie eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit hatten, verhältnismässig mehr Spenderorgane. Begangen hat diesen Rechenfehler, der zum "Skandal" aufgeblasen wurde: Gesundheitsexperte Lauterbach.

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watch15 10.09.2018, 08:57
38. Eigentliches Problem

Wie steht es denn mit der Transparenz bei der Organspende. Ist bei der Organspende wirklich jeder gleich oder entscheidet die Privatversicherung und der Geldbeutel wer die Niere bekommt? In der Vergangenheit wurde leider viel Schindluder betrieben. Hier gilt es aufzuklären und für Organspender zu werben! Ich trage einen Spenderausweis seit über 20 Jahren bei mir. Ich kann final nur darauf vertrauen, dass die Ärzteschaft den Stecker nicht zu früh zieht, nur weil zufälligerweise meine Organe gerade zu einem Spender passen. Aber auch hier muss die Vorgehensweise transparent kommuniziert werden um mögliche Ängste in der Bevölkerung abzubauen und die Spendenbereitschaft zu erhöhen.

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r-bolter 10.09.2018, 09:01
39. Journalistisches Versagen

Die Sendung war gut und hat - in sachlicher Atmosphäre - die verschiedenen Aspekte nachvollziehbar
diskutiert. Highlight war Frau Wolf mit konkreten Verbesserungsvorschlägen ...
Leider wie so oft liegt die Journaille daneben:
Schon die Überschrift hier "... wird jeder zum Organspender ..."ist schlicht falsch: Korrekt wäre, dass bei der Widerspruchslösung jeder ein "Kandidat" würde mit einer Chance von 1 Promille, tatsächlich als Organspender Leben retten zu können ... warum wird das so falsch formuliert???
Auch bei ihrer Hauptaufgabe, der Recherche, haben die Journalisten versagt: In praktisch keinem Medium werden die Erfahrungen aus den 17 eurpäischen Ländern mit z.T. langjähriger Widerspruchslösung vorgestellt. Ein schlimmes Versagen, denn wir könnten daraus viel lernen - aber leider interessieren sich keine Journalisten (auch nicht vom SPIEGEL) für solche konkreten Fakten und Erfahrungen... und deswegen hinkt Deutschland, auch bei diesem Thema, Jahrzehnte hinterher. So bewegte sich die Sendung, von wenigen Aspekten aus "Studien" abgesehen, auf sehr vagem Niveau.

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