Forum: Kultur
Antimuslimischer Rassismus: Es passiert einfach nichts
Matthias Hiekel/ DPA

Die Neuen Rechten richten ihren Hass vor allem auf Muslime - und finden Zuspruch in der Mitte der Gesellschaft. Jeder Zweite fühlt sich "überfremdet" wegen der Minderheit. Warum wird dagegen nichts getan?

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oalos 12.07.2019, 18:43
310. Was ist eine saubere Analyse ?

Zitat von Pascal Meister
Eine saubere Analyse fehlt. Und geht es um Rassismus oder die Religion? Religion ist per Definition keine Rasse, es ist auch kein unveränderliches Merkmal ab Geburt, sondern in unserem Rechtsraum frei wählbar und also auch änderbar. Ja, die Einwanderer triggern die Abwehr verschiedener Menschen aus verschiedenen Gründen. Deshalb ist eine Analyse unabdingbar. Es gibt Rassisten, natürlich, welche die deutsche Kultur als überlegen halten und Menschen aus Nordafrika oder dem Nahen Osten für unterlegen, unabhängig der Religion. Es gibt aber auch aufgeklärte moderne Menschen, die eine zu starke Religiosität für rückständig und nicht vereinbar mit der aktuellen deutschen Gesellschaft halten. Dazu gehöre ich auch. Dabei ist es egal, um welche Religion es geht. Ich mag weder Freikirchler noch Evangelikale noch fromme Muslime oder Juden oder Sikhs oder was auch immer. Religion soll Privatsache werden. Ich will nicht (mehr) mit religiösen Symbolen im Alltag zwangsbeglückt werden, will keine Kopftücher mehr sehen, welche eine Religion demonstrativ zeigen. Und über solcherlei in Schulen und am Arbeitsplatz müsste man aus meiner Sicht überhaupt nicht diskutieren müssen. Aber leider gibt es zu viele, die aus falsch verstandener Toleranz alles durchlassen, was irgendwie zu einer fremden Religion gehört. Damit ist niemandem geholfen.
"Es gibt aber auch aufgeklärte moderne Menschen, die eine zu starke Religiosität für rückständig und nicht vereinbar mit der aktuellen deutschen Gesellschaft halten. Dazu gehöre ich auch." Ich auch. In den 60ern wurde in meiner Schule (evangelisch - die Katholen hatte eine eigene) noch morgens gemeinsam gebetet. Meine Mutter ist u.a. an ihrer Angst vor der höllischen Verdammnis psychisch erkrankt. Im Zivildienst beim Diakonischen Werk schaute - trotz aller Fortschrittlichkeit - irgendwann dann doch noch der liebe Gott um die Ecke, an den ich ja längst nicht mehr glaubte. Trotzdem -- wer's braucht, sollte glauben dürfen. Und das mit dem Öffentlichen und dem Privaten ist schwimmend. Bei einem Kirchenbesuch werde ich die Mütze abnehmen, in einer Synagoge mir eine aufsetzen, in einer Moschee mir die Schuhe ausziehen. In der Schule, Uni, in Behörden möchte ich kein Kreuz sehen. Andererseits ist mir immer noch ein Bild vor Augen von einem London-Besuch 1970, wo ein Polizist in Uniform, aber mit Turban ( : ein Sikh) den Verkehr auf der Kreuzung regelte. So what ?

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d.de_mont_tonnerre 12.07.2019, 18:47
311. Wer könnte was dagegen tun?

Die Muslime selbst könnten am meisten dafür tun, dass die Stimmung in der Bevölkerung besser wird. Schlechte Nachrichten vermeiden. Keiner hat bspw. ein Problem mit Chinesen warum auch ? Es gibt keinen Grund. Die Liste an schlechten Nachrichten von der anderen Gruppe ist leider sehr lang, die schlechte Stimmung sollte daher niemand überraschen. Das gehört leider auch zur Wahrheit. Immer nur Rassismus zu schreien hilft nicht weiter. Im Gegenteil, echter Rassismus wird dann nicht mehr wahrgenommen, weil der Begriff abgenutzt ist.

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vera gehlkiel 12.07.2019, 18:49
312. @From7000islands

Ich beziehe mich überhaupt nicht auf irgend etwas Schwammiges wie "Mentalität". Die Stärke aufgeklärter offener Gesellschaften ist ja gerade, von "Mentalitäten" abstrahieren zu können. Und daher, wie ich ausführte, das wissenschaftliche Prinzip "Differenzierung" gegen das unwissenschaftliche der "Komplizierung" einzutauschen. Unser Leben ist viel einfacher als das im islamischen Staat, weil es auf wissenschaftlichen statt auf atavistischen Maximen beruht. Eine Maxime der ersten Kategorie besagt etwa, dass man "Integration" weder lernen kann noch lernen muss, da uns allen das Streben nach Integration angeboren ist. Historizistisch betrachtet ist ihr Argument ebenfalls schlechthin falsch, sofern es um religiöse Motivsetzungen im Kontrast zu den politischen geht. Christentum und Islam sind Geschwister im Geiste, die europäische Kultur als eine "Spätfolge" des Panhellenismus (Alexander der Große, bitte selbst googeln) hat gewissermassen zwei Marias, eine islamische und eine christliche, als Doppelspitze ihrer Stammmutterschaft. Zwischen Alexandria und Byzanz (heute Istanbul), Rom und Madrid, Stockholm und London unsichtbare Palisadenzaeune aufzurichten, ist kulturell gesprochen Humbug. Seitdem wir vermittels eines unendlichen Blutzolls erlernt haben, Keulenhiebe und Kriegswerk durch Argumente und Diplomatie zu ersetzen, spricht auch rein machttechnisch einfach alles dagegen.

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a-cause-de 12.07.2019, 19:10
313. Wirklich verwunderlich.

Zitat von rheinufer9365
immer wieder diese Zahlen und dann frage ich mich, wie man an diese gelangt? Finden diese "Befragungungen" nur in Berlin-Prenzlauer-Berg oder auf Parteitagen der Grünen statt? In der alltäglichen Realität in meinem Freundes- und Bekanntenkreises , eher sozialdemokratisch einzuordnen, kämen sehr viel negativere Zahlen heraus.
Ich schließe mich Ihren Zweifeln bezüglich der genannten Befragungsergebnisse an. Man braucht doch nur die Tendenz der hier veröffentlichten Meinungen zu sehen. Und die Leserschaft des Spiegels ist wohl eher nicht dem völkisch gesinnten, stramm-rechten Bürgertum zuzurechnen; vielmehr wird beim SPON - so hat man mitunter den Eindruck - Islamkritik gerne schon mal in der Vorzensur aussortiert.

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zweifelturm 12.07.2019, 19:11
314. @ #307 Spon4me + #310 wallabi

Ich leide keineswegs an Verfolgungswahn noch an paranoidem. Es existieren etliche Studien zu diesem Thema. Hier kleine Auszüge dazu:
So hat das Londoner „Institute for Strategic Dialogue“ (ISD) die Studie „Hass auf Knopfdruck“ veröffentlicht, die rechtsextreme Hasskampagnen im Netz untersucht. 1,6 Millionen Beiträge wurden dafür auf Facebook und Twitter Deutschland zwischen Februar 2017 und Februar 2018 analysiert. Die Auswertungen zeigen, wie klein die Troll-Armee ist – und wie viel Macht sie trotzdem über uns hat.
„Viele fanden die ‚Identitäre Bewegung‘ und die AfD gut“. AfD-Sympathisanten verteilten insgesamt so viele Likes für hetzerische Kommentare wie alle Anhänger der anderen Parteien zusammen. Anhänger der „Identitären Bewegung“ haben insgesamt das größte Netz, auch auf Twitter. Wie genau die beteiligten Personen im Hintergrund agieren, kann Philip den Daten nicht entnehmen. Er kann nur mutmaßen. Außer Frage steht für ihn aber, dass die Trolle Sympathisanten der neuen Rechten sind. Und, dass es ein Netz gibt, das sie verbindet. Für dieses Netz gibt es online sogar eine gemeinsame Leitlinien: Das sogenannten „Handbuch für Medienguerillas“. Es erklärt Schritt für Schritt, wie man „Opfer im Internet“ effektiv „verarscht“. Auch das rechtextreme Netzwerk „Reconquista Germanica“ soll danach gearbeitet haben.
https://www.jetzt.de/digital/studie-warnt-vor-troll-armee-im-netz
Oder siehe taz: Studien zu rechter Diskursmacht. Wir blicken in einen Zerrspiegel. Rechte Trolle haben das Internet verstanden und treiben mit koordinierten Kampagnen Medien und Politik vor sich her. Der IT-Spezialist Philip Kreißel hat analysiert, wie Hasspostings in den Kommentarspalten der großen deutschen Medien zustande kommen. Konkret, wie viele Accounts es braucht, um gewaltige Mengen an Hasspostings zu generieren. Das Ergebnis: Eine winzige Minderheit – ein Prozent der Profile – sorgt auf beliebten Nachrichtenseiten wie bild.de, focus.de oder tagesschau.de für ein Viertel aller Likes auf Hasspostings. Die Experten glauben nicht daran, dass hier zufällig ein paar Neurechte viel Zeit und Lust zum Hass haben – sondern dass sie strategisch vorgehen. Das „Handbuch für Medienguerilla“ ist eine Anleitung zum neurechten Netzaktivismus, das seit etwa einem Jahr in entsprechenden Kreisen die Runde macht, auch bei „Reconquista Germanica“. Das Dokument fasst auf unter zehn Seiten den Werkzeugkasten der Onlinebewegung zusammen: Hilfestellung zur Zielauswahl, Tipps zu Zweit- und Drittaccounts und zum Angriff – auf Menschen, die dagegenhalten. „Du willst bei Diskussionen im Internet nicht Deinen Gegner überzeugen“, heißt es da. „Und es geht hier nicht darum, wer Recht hat, sondern wer vom Publikum Recht erhält.“
https://taz.de/Studien-zu-rechter-Diskursmacht/!5486641/
Bilden Sie sich damit weiter, erweitern Sie Ihren Horizont, lernen Sie dazu.

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vera gehlkiel 12.07.2019, 19:24
315. @remedias.cortes

Ich persönlich stelle den verabsolutierten Atheismus genauso unter Fundamentalismusverdacht, wie z.B. das verabsolutierte Christ- oder Moslemsein, tut mir leid. Wissenschaftliche Methodik ist etwas völlig anderes als radikaler Atheismus, etwa im Sinn eines Mister Dawkins. Rationalismus mit "Alleinvertretungsanspruch" kann, das hat uns die Unbarmherzigkeit einer Viehzuechtergesinnung, welche unmittelbare Begleiterscheinung und bis heute anhängige Folge der Epoche der vielgeruehmten europäischen Aufklärung gewesen ist, leider allzu schlagkräftig bewiesen, ebenso schnell zu totalitären Auswüchsen führen, wie die betriebsblinde Einrede der Religion in Permanenz. Was wir niemals genug gebrauchen können, ist Diversifizierung. Und diese muß sich letztendlich auch in Kleidungsstil und Haltung ausdrücken können/dürfen. Die reine Rationalität von Staats wegen ohne jedes Mitgefühl hat keine der Gräuel der Kolonialzeit verhindert, sie im Gegenteil sogar mit legitimiert. Gehört leider auch zu den Fakten.

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a-cause-de 12.07.2019, 19:36
316.

Zitat von zweifelturm
Es sind von AfD und Co beauftragte Trollhorden, die in den verschiedenen Foren aktiv sind. ..... Tatsächlich ist dies braune Bande aber allenfalls so bei 10 % oder darunter.
Also nur 10 %.
Dann kann ich nicht verstehen, warum die überwiegende Anzahl der Zuschriften hier die Vorbehalte gegen den Islam und jene Muslime, die dieser Religion kritiklos folgen, bestätigen. Und nur so nebenbei: ich bin kein Troll. Geben Sie sich nicht der Illusion hin, dass alle islamkritischen Beiträge von Trolle seien.

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daftlove185 12.07.2019, 19:39
317.

Zitat von robin.g
Daftlove185; Die Taliban terrorisieren Afghanistan. Der Irak Husseins hat Iran überfallen und kurdische Dörfer mit Gas bekämpft. Der Iran unterstützt Terrororganisationen. Muslime sollen schuldig sein? Welche Muslime meinen Sie? Ich kenne viele Menschen, Familie, Freunde, Bekannte oder Nachbarn muslimischen Glaubens. 9/11 wurde benutzt um Muslime zu verunglimpfen? Und die TOTEN?!? Ein durchgeknallter jugendlicher Täter ist vergleichbar mit der Barbarie des DAESH?!? NEIN, ich teile Ihre Ansichten gewiss nicht, aber ich glaube Ihre Sorgen zu verstehen. Sachen packen wäre vielleicht eine Lösung, aber wohin nur? Von den Problemen weglaufen? Nein, bitte, bleiben Sie hier und kämpfen Sie weiterhin für unsere demokratische Gesellschaft. Sie als Muslim gehören hier her, so auch ich als Nichtmuslim,... auch wenn wir nicht einer Meinung sein können..., stets respektvoll.
Sie haben meinen Beitrag leider nicht verstanden. Ich habe die Taten des DAESH nicht mit denen eines durchgeknallten Einzeltäters verglichen. Ich habe lediglich geschrieben, dass wenn ein vermeintlicher "Muslim" oder im Fall von DAESH eine barbarische Taten vollbringen, unsere gesamte Religion in den Dreck gezogen von Unwissenden in den Dreck gezogen wird. Sie hören etwas und folgen blind einem Wahn als ob es die Wahrheit wäre. Die meisten scheren sich nicht mal darum mal einen Muslimen zu fragen oder selbst mal den Koran aufzuschlagen. Wenn eine Moschee im Osten gebaut wird z.B., stehen 100 Moschee-Gegner den Muslimen gegenüber. Geben Parolen von sich, da fragt man sich haben wir es hier mit der Spezie Mensch zu tun oder sind da Affen aus dem Zoo ausgebrochen? Es findet kein Dialog statt. Es wird nur Hass gegen Islam und Muslime verbreitet. Auf Twitter, Facebook und vielen anderen dubiosen Seiten die ich hier nicht nennen möchte, weil ich davon Hirnkrebs bekomme.

Wollen Sie ernsthaft Irak erwähnen? Saddam wurde doch von den USA unterstützt? Taliban? Die werden auch von den USA unterstützt! Saudi-Arabien exportiert Terror in die Welt, aber nein wir greifen mal lieber den Iran an. In Saudi-Arabien finden schlimmste Menschenrechtsverletzungen statt. Aber Nee, Irak platt bomben, Iran, Afghanistan. Das ist die Heuchelei von der ich rede. Ich habe fertig.

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daftlove185 12.07.2019, 19:47
318.

Zitat von esquilaxesquilax2
Muslimische Gemeinden gibt es in Europa seit über über 100 Jahren. In Wien, Budapest und Paris habe ich uralte Moscheen besichtigt. Insofern ist der Islam schon lange in Europa angekommen. In seinem Nischendasein ist der Islam in Europa auch nie wirklich problematisch gewesen. Mit der wachsenden Bevölkerung in der arabischen Welt und dem Aufstreben des Wahabismus sowie dem Auftritt der Muslimbruderschaft auf der Weltbühne radikalisiert sich diese Religion leider extrem von Innen heraus. Salafismus ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Im übrigen sind meisten Opfern von Muslimen (Salafisten) selbst Muslime. Fluchtursache Nr. 1 ist also der Koran... Das Problem wird in Zukunft gigantisch. Da kann Mann schon mal skeptisch werden... Fassungslos auf der anderen Seite sind Vorkommnisse wie in Solingen u. a. Ich als Deutscher darf das nie vergessen und schäme mich dafür. Auch hier ist Bewältigungsarbeit angesagt. Ein jeder kehre also vor seiner Haustür.
Ich bitte Sie, Fluchtursache ist nicht der Koran.

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daftlove185 12.07.2019, 19:48
319.

Zitat von bstendig
Viele der Dinge, die Sie ansprechen, sind sicher richtig. Einiges sicher falsch. Was ich mir wünschen würde, ist, dass die Muslime dann aber auch auf die Straße gehen, wenn wieder mal ein durch einen Muslim gelenkter LKW von der Straße abkommt und in einen Weihnachtsmarkt fährt. Zeigen Sie dann doch bitteschön öffentlich, dass das nicht durch den Islam gedeckt ist und protestieren auf's Schärfste. Zeigen Sie uns dies, wenn wieder mal tausende in Ländern mit übrwiegend muslimischer Bevölkerung in Jubelarien ausbrechen, wenn ein erfolgreicher Anschlag irgendwo auf dieser Welt stattgefunden hat. Gehen Sei dann auf die Straße und protestieren dagegen. Sie leben anscheinend in Deutschland. Das ist hier - im Gegensatz zu einigen arabischen Ländern - problemlos möglich. Wenn Sie das tun, zeigen Sie Ihre Menschlichkeit - und sind mir übrigens herzlich willkommen - wir teilen nämlich dieselben Werte.
Was ist das denn für ein grotesker Wunsch? Auf die Straße gehen? Und dann? Was genau passiert dann?

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