Forum: Kultur
Antimuslimischer Rassismus: Es passiert einfach nichts
Matthias Hiekel/ DPA

Die Neuen Rechten richten ihren Hass vor allem auf Muslime - und finden Zuspruch in der Mitte der Gesellschaft. Jeder Zweite fühlt sich "überfremdet" wegen der Minderheit. Warum wird dagegen nichts getan?

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nobody_incognito 12.07.2019, 20:56
340.

Zitat von Fehlerfortpflanzung
Nein, es brauchte keine jahrelange Propaganda. Der Antisemitismus war allgegenwärtig, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit und er hatte eine lange Geschichte, die bis zur Reconquista zurückreicht und noch weiter zurück bis zu den syrischen Kirchenvätern..
Der sog. Antisemitismus der Nazis war einer darwinistisch-pseudowissenschaftlichen Rassenkampf-Ideologie geschuldet. D.h. man ging von zwei Rassen aus, der Arischen und Semitischen, die um irgendeinen Endsieg bzw. den Weltmeister-Titel der Herrenrasse kämpfen. Der islamische Antisemitismus ist hingegen ein Anti-Rassismus, weil der Islam im Kern ein egalitäres Menschenbild hat, wobei es zum weiblichen Teil der Menschheit diesbezüglich ein eher ambivalentes Verhältnis gibt. Der christliche Antisemitismus unterscheidet sich nicht viel vom islamischen, bzw. die Christenheit war eher noch intoleranter und von irrationalem Aberglauben getrieben. Vieles von diesem Aberglauben und Vorurteilen haben auch die Nazis gern übernommen. Mittlerweile hat sich der Nazi-Rassenwahn in einen Wahn verkehrt, wonach die sog. Semiten Artenschutz zu genießen hätten. Aber es gibt gar keine semitische Rasse, sondern nur eine jüdische Kultur, also kann es nur darum gehen uns vom Wahnsinn zu befreien, bzw. der Islam hat eigentlich noch die "gesündeste" Sicht auf den ganzen Rassen-Krampf.

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Robert_Rostock 12.07.2019, 21:03
341.

Zitat von pabloberlin
Sehr geehrte Frau Ataman, wie sehr Ihr Artikel ins Volle trifft, sieht man an den weit überwiegend negativen/kritischen Rektionen. Nur die wenigsten Kommentare beziehen sich inhaltlich auf Ihren Artikel, sondern es wird mit aller Verve die eigene Islamophobie bzw. Vorurteilswelt zu begründen versucht. Es wird alles in einen Topf geworfen und fleißig mit einer intellektuellen Herrenmenschenattitüde die fremdenfeindliche Brühe gerührt. Es ist erschreckend, wie weit die "Ich habe ja nichts gegen Muslime, aber ..." Argumentation schon Mainstream geworden ist. Sämtliche Klischees werden irrrational aufgeblasen, selbst die Belagerung auf Wien und die Mauren müssen noch herhalten. Das von Deutschen, deren Vorfahren ganz Europa überfallen und verwüstet haben, Slawen als Untermenschen ansahen, Juden, Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle und Andersdenkende massenweise umbrachten. Jene Deutschen, in dessen Land bis vor 30 Jahren an der Grenze Deutsche andere Deutsche erschossen. Menschen aus einem Land, in welchem Muslime in ihren Häusern verbrannt werden (z.b. Solingen) oder durch Neofaschisten in Ruhe und mit vermutlicher verdeckter Unterstützung staatlicher Organe über Jahre ermordet werden konnten (NSU). Wen wundert es, das in letzt genannten Fall die Mörder ihre blutige Spur durchs Land ziehen konnten, während die muslimischen Opfer und deren Familien zu Tätern gemacht wurden. All das ist die Folge von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Und genau das war Ihr Thema. Danke für Ihren Artikel, Sie haben in ein Wespennetz gestochen. Leider.
Zitat: *Sämtliche Klischees werden irrrational aufgeblasen, selbst die Belagerung auf Wien und die Mauren müssen noch herhalten. Das von Deutschen, deren Vorfahren ganz Europa überfallen und verwüstet haben, Slawen als Untermenschen ansahen, Juden, Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle und Andersdenkende massenweise umbrachten. Jene Deutschen, in dessen Land bis vor 30 Jahren an der Grenze Deutsche andere Deutsche erschossen. *

Nochmal zur Sicherheit:
Wenn Deutsche von *DEN Muslimen* sprechen, auf Taten von Muslimen in der Vergangenheit verweisen, dann ist das finsterster antimuslimischer Rassismus.

Dagegen ist es völlig korrekt und fortschrittlich und richtig, wenn Sie von *DEN Deutschen* sprechen und ihre generelle Ablehnung dieser mit den Taten von Deutschen in der Vergangenheit begründen?

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spon_4_me 12.07.2019, 21:05
342. @ zweifelturm (# 317):

Ich frage das, weil ich viele Ihrer Beiträge in anderen SPON-Foren schätze, auch wenn und gerade weil wir vermutlich politisch nur eine sehr kleine Schnittmenge miteinander haben: Sie sind davon überzeugt, dass kritische Stimmen (wie z.B. meine), die große Sorgen vor einer importierten Intoleranz, Homophobie, Geringschätzung von Frauen und Erhebung einer 1400 Jahre alten Schrift über die Rechtsnormen unseres Landes haben und wenn keine Kausalität, so doch eine hohe Korrelation zwischen diesen Phänomenen und dem Islam sehen, dass diese Stimmen in einem moderierten Forum eines links-liberalen Verlages überwiegend gekaufte Trolle sind? Dass z.B. ich hier nicht for better for worse meine Meinung kund tue, sondern im Auftrag irgendeiner rechtsextremen Organisation handle? Und dass weder die Moderation noch die anderen Foristen in der Lage sind, legitime Äußerungen (mit denen sie nicht übereinstimmen mögen) von manipulativer Propaganda zu unterscheiden?

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steffen.wasmund 12.07.2019, 21:07
343. Kritik am Islam ist pauschal Rassismus?

Der Islam als Werteordnung enthält fundamentale Widersprüche zum Menschenrecht. Siehe Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam als Negation des Menschenwürdeprinzips. Das zu Benennen ist kein "Toxischer Umgang mit "dem Islam"". Demnach kann also die menschenrechtskonforme Kritik am Islam (Vorwurf) durch Menschenrechtler im heutigen demokratischen Deutschland nicht dasselbe sein wie der damalige menschenrechtswidrige Vorwurf der Verjudung durch Faschisten? Das setzt Menschenrechtler und Faschisten gleich. Offensichtlich ist zwischen menschenrechtskonformer und menschenrechtswidriger Kritik am Islam zu unterscheiden. Genau diese Unterscheidung lässt die Autorin aber unter den Tisch fallen, um Islamkritik pauschal als Rassismus zu diffamieren.

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vera gehlkiel 12.07.2019, 21:07
344. @im_ernst_56

Zitat von im_ernst_56
Sie sagen "Was wir niemals genug gebrauchen können, ist Diversifizierung. Und diese muß sich letztendlich auch in Kleidungsstil und Haltung ausdrücken können/dürfen." Das klingt gut und vernünftig, wenn man ausblendet, dass die Bekleidungsvorschriften des Islam eben nur für Frauen gelten und mit der Benachteiligung der Frauen im islamische Recht (Familien- und Erbrecht, Prozessrecht) einhergehen. Es geht m.E. nicht (nur) um eine Art Modeerscheinung. Ich will damit nicht sagen, dass hier irgendwas verboten werden sollte, wobei ich für die Forderung nach einem Kopftuchverbot für religionsunmündige Grundschülerinnen ein gewisses Verständnis aufbringen kann, zumal islamische Rechtsgelehrte der Meinung sind, dass der Koran das für Mädchen im Kindesalter nicht vorschreibt. Es geht letztlich bei der Bewertung des Kleidungsstils auch um die Frage, ob Lehrerinnen in der Schule und Richterinnen und Staatsanwältinnen im Gerichtssaal das islamische Kopftuch tragen dürfen. Man muss Diversifizierung differenziert betrachten.
Genau darum geht es. Allzu schnell wird "Stärke" mit "Durchgreifen" gleichgesetzt, exemplarisch beim Kopftuchverbot. Und notfalls die saekularisierte Atatuerk- Tuerkei aus dem Musterkasten geholt, um nachzuweisen, wie man sowas ruckzuck und ohne "schwaechliche Kompromisse" gewuppt kriegt. Jetzt hat sich leider rausgestellt dass es mit der mittelfristigen Wirkmaechtigkeit der Kopftuchverbote dort hapert, nur redet jetzt keiner darüber, ob eben das Verbot nicht zur aktuellen Restauration unter Erdogan schon ab dem Moment seines Erlasses beigetragen haben könnte. Was geschieht dem Mädchen, dem die Teilhabe am Schwimmunterricht im Burkini verwehrt wird, tatsächlich?! Es wird isoliert und stigmatisiert, nicht der verbietende Vater. Und weil Kinder ihre Eltern innerlich verteidigen müssen, als Ueberlebensstrategie einer kleinen Persönlichkeit in einer riesigen und gewalttätigen Welt, zwingen solche Verbote die arme Kleine in eine Solidarisierung mit den Ansichten eines potentiell engstirnigen Mannes. Erreicht wurde definitiv keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung. Der Engstirnige wird sich gegenüber einer Kultur, die ihm nichts erklärt, aber scheinbar willkürlich etwas für ihn ganz Normales verbietet, sicher kaum deshalb öffnen, weil er jetzt vor seinem Mädchen wie ein Engstirniger aussieht. Was folgt, ist eben das pünktliche Attest zu jedem Schwimmunterricht. Stärke richtig betrachtet, nämlich unter dem Aspekt "Souveränität", würde ein System ausstrahlen, dass solche Kreisläufe an Disfunktionalitaet erkennt und verhindert, Machtdemonstrationen gar nicht nötig hat.

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newhardy 12.07.2019, 21:31
345.

Ich bekomme langsam Hoffnung. Wenn ich die Vielzahl guter, differenzierter Kommentare lese, die offensichtlich nicht von den Nazijägern und denen die Rassismus in jedem Halbsatz wittern möchten, verfasst wurden, wie wir sie sonst in den Foren der Berg- und Stokowski-Kolumne finden, dann wird mir warm ums Herz.
Ataman sei das Interview ihrer Kollegin Timm (Spiegel 28/2019) ans Herz gelegt, bei der es um die Befürchtungen junger Muslima geht, in den anstehenden Schulferien zwangsverheiratet zu werden. Eine Befremdung gegenüber dieser Minderheiten ist wohl eine natürliche Reaktion.
Selbst habe ich allerdings keinerlei negative Erfahrung mit Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis gemacht. Berufsbedingt habe ich intensiven Kontakt zu vielen verschiedenen Menschen, mein "Habitat" ist aber kleinstädtisch, teilweise dörflich. Ich treffe erfolgreiche, gut ausgebildete und vorbildlich integrierte Muslime. Der Kontakt ist offen und respektvoll. Nicht ein einziges Mal hatte ich das Gefühl, dass es zu Abschottungen und Parallelstrukturen gekommen ist. Das Geheimnis ist meiner Meinung nach der unmittelbare Kontakt zueinander, welcher die dörfliche Siedlungskultur erzwingt.
Die etwas konservative, dem Fremden etwas reserviert gegenübertretende, norddeutsch-dörfliche Art der hiesigen Bio-Deutschen führt nicht zu Applaus am Bahnhof, aber auf Dauer zu guter Gemeinschaft.
Für die im 20 Semester "Studierenden" der Soziologie, Gender- und Politikwissenschaften die sich besonders vehement für eine multikulturelle Gesellschaft einsetzen, und selbst wahrscheinlich viel weniger Kontakt zu eben diesen Kulturen haben, empfinden viele meiner immigrierten Freunde und Bekannten eine gewisse Verachtung.

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vera gehlkiel 12.07.2019, 21:33
346. @Robert_Rostock

Zitat von Robert_Rostock
Möglicherweise, dass die Angehörigen, Freunde der Opfer so etwas wie Solidarität erfahren? Dass Sie zeigen, dass die Terroristen eben nicht im Namen des Islam, der von den Ungläubigen unterdrückten Muslime handeln, wie die es immer behaupten? War es wirklich für Sie völlig wumpe, dass zigtausende gegen rechte Gewalt auf die Straße gegangen sind?
Terror durch islamistische Attentäter ist rechte Gewalt. Die Berufung auf Religion erschafft nicht automatisch einen religiösen Kontext. Der Patriotismus der Rechtsradikalen um einen Hoecke in Chemnitz war ja auch nur ein billigstes "als ob". Muss ich, als wahrhaftige linksliberale Patriotin seit Kinderschuhen, mich deswegen im Bezug auf Hoecke erklären?! Wenn Sie glauben, es könnte überhaupt im Namen "des Islam" gesprochen werden, hat man Sie offenkundig schon ins Bockshorn gejagt. Würde ich updaten lassen, wo immer Sie es herhaben. Der Islam hat weder Glaubenskongreation noch einen Oberhirten, es gibt einen "wahren Islam" folglich überhaupt nicht.

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ghp2 12.07.2019, 21:57
347.

Zitat von vera gehlkiel
Terror durch islamistische Attentäter ist rechte Gewalt. Die Berufung auf Religion erschafft nicht automatisch einen religiösen Kontext. Der Patriotismus der Rechtsradikalen um einen Hoecke in Chemnitz war ja auch nur ein billigstes "als ob". Muss ich, als wahrhaftige linksliberale Patriotin seit Kinderschuhen, mich deswegen im Bezug auf Hoecke erklären?! Wenn Sie glauben, es könnte überhaupt im Namen "des Islam" gesprochen werden, hat man Sie offenkundig schon ins Bockshorn gejagt. Würde ich updaten lassen, wo immer Sie es herhaben. Der Islam hat weder Glaubenskongreation noch einen Oberhirten, es gibt einen "wahren Islam" folglich überhaupt nicht.
Wie sagte einer meiner Onkel mal, weder Jesus noch Mohammed haben jemals an einen Gott geglaubt, sie wollten die Welt einfach nur besser machen. (Heute würden sie vermutlich sagen "Hey, Leute....")

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nor.sch 12.07.2019, 22:02
348. Keine Ueberschrift

Diese Tat ist mit nichts zu rechtfertigen. Aber Sie machen es sich zu einfach die Angst der Bevoelkerung vor dem Islam pauschal zu verurteilen. Sie sollten sich mal in der Mediathek von ZDF Info die Sendung von heute 20:15 anschauen. Saemtlche Religionen haben faschischtoide Tendenzen. Der Unterschied ist nur, wie gut aufgeklaerte Gesellschaften sie im Griff haben. Das ist leider beim Islam bisher am Schlechtesten gelungen. Aufgrund Ihrer anderen Kommentare hier im Spiegel habe ich nicht den Eindruck, das Sie von Ihrer selbstgerechten Haltung runter kommen werden.

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nobody_incognito 12.07.2019, 22:04
349.

Zitat von vera gehlkiel
...es gibt einen "wahren Islam" folglich überhaupt nicht.
Es gibt jeweils etwas das was der jeweilige Verstand als Wahrheit annimmt. Aber die Wahrheit ist vielschichtig und der Verstand fehlbar und Gott hat sich in Rätseln offenbart. Die Leistung kann nur in einer Lernfähigkeit liegen und insbesondere kritischer Selbstreflexion, welche Eigenverantwortung vor Gott meint. Von Dämonen wird man besessen, wenn man für dämonisch-geistiges empfänglich ist, aber auch wenn man die Neigung hat religiöse Dinge in eigenem "Sinne" fehlzudeuten.

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