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Antisemitismus-Debatte um Böhmermann: Den Gag wird man ja wohl noch machen dürfen - e
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Jude von der Bühne, Hände desinfiziert: An einer Stand-Up-Einlage von Jan Böhmermann hat sich eine Debatte entzündet. Oliver Polak sieht die Szene als ein Symptom für Antisemitismus. Und das zurecht.

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Papazaca 27.10.2018, 08:30
60. Gibt es sowas wie eine Schere im Kopf, wenn...

es um Juden, Judentum und Israel geht? Ich vermute diese Schere bei einigen Personen wie auch Institutionen.
Und wenn es so ist: Wenn einige das Jude-Sein als "unique selling Point" benutzen sollten, kann man das nicht sagen?

Judenhass ist schlimm. Übereifrige "political correctnes", siehe die oft vorsichtige Kritik an Israel führt aber oft zum Gegenteil. Zudem muß man daran denken, das Juden einen ausgeprägten Humor haben. In NYC habe ich den "Joke" zum 11. September gehört: "wie kommt man am schnellstens zu seinem Arbeitsplatz? Mit American Airlines!" das ist jüdischer Witz, oft auch Galgenhumor.

So sehr ich viel Sympathie für Augstein und den Spiegel und SPON habe, vorausschauende Correctness vermute ich auch hier. Mich hat und macht der Hoolocaust immer noch traurig, aber nicht, weil es verordnet ist.
Aber diese Rummel von Polak erinnert mich wirklich an Küchenhandschuhe, unappetitlich und vor allem
"hinterfo**ig. Gerade diese indirekte Kritik erwarten Judenhasser von Juden. Insofern hat Polak für nicht wenige Stereotypen bedient. Und wie lange ist das ganze schon her?

Übrigens, als ich an einer bekannten Uni in NYC studiert habe, sahen mich (Blonde Haare, blaue Augen) ab und zu orthodoxe Juden´so an, wie wenn ich der Supernazi wäre. Ich meinte dann: "Wie hast Du sofort erkannt, das ich der Sohn von Adolf Hitler bin?" Alle lachten dann, später wurde David mein Kumpel. Will sagen, Humor kann einiges bewegen, zwanghaftes Verhalten, auch der Medien, bewirkt oft das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war.

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lrtnick 27.10.2018, 08:43
61. Naja...

der Sketch war in den (unvollständigen) Zustand, indem er hier gezeigt wurde wirklich nicht sehr lustig. Dennoch einen 8 Jahre alten Sketch jetzt herauszukramen und jetzt über vermeintlichen Antisemitismus der beteiligten zu debattieren?
Ich würde doch Mal stark behaupten, dass auch Satire von einem starken gesellschaftlichen Kontext abhängt, was heute als Satire humorvoll durch geht, könnte in 5-10 Jahren zu Unverständnis führen (wie im vorliegenden Fall).
Desweiteren sollte sich der Antisemitismus bei den beteiligten, innerhalb von 8 Jahren, bei tatsächlichem Vorhandensein, auch schonmal anders gezeigt haben können (wenn der Vorwurf den wirklich zutreffen sollte). Ansonsten bleibt es wohl eher was es wirklich war: ein für die heutige Zeit schlechter Sketch.....

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Papazaca 27.10.2018, 08:58
62. Ein Hauch von Sagrotan weht durchs Forum!

Das passiert automatisch, wenn selbsternannte Moralisten, die absolut humorfrei sind, Humor und Satire beurteilen. Was soll dabei rauskommen?

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TheFunk 27.10.2018, 09:24
63. Ob die ganze Scene vielleicht mit Polak abgesprochen war?

erzähl mir mal nix. Mit Sicherheit war es das. "kann man das kriegen?" worauf bezieht sich das? Auf Polaks seltsamen "Humor"? Der Mann macht sich über alles lustig, auch über Pädophilie. Lustig ist was anderes.
Nicht zu vergessen: seine Bipolare Persönlichkeit steht bei ihm Vordergrund, nicht sein jüdischsein.

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Europa! 27.10.2018, 09:46
64. Versteinert

Hat sich eigentlich schon mal jemand gefragt, warum "unser" öffentlich-rechtliches Fernsehen zu immer größeren Teilen aus vermeintlicher "Comedy" (also Pseudologie) besteht, die einen immer höheren Deutungs- und Bedeutungsanteil zu haben scheint? (Im Verhältnis zu ARD und ZDF sind die gedruckten Presseerzeugnisse grundseriös. Mehr als eine Karikatur pro Tag ist nicht drin.) Was bedeutet es, wenn unser Leitmedium mit soviel "Ironie" arbeitet, die den Nachrichtensendungen (auch zeitlich) unmittelbar folgt? Was macht das mit den Zuschauern? Und mit der Demokratie? Ich muss zugeben, das mich die "Comedy" schon seit Jahren kaum je zum befreiten Lachen gebracht hat. Und beim inszenierten Lachen und Klatschen der Zuschauerdarsteller läuft es mir oft eiskalt den Rücken herunter.

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Papazaca 27.10.2018, 10:34
65.

Zitat von vera gehlkiel
Natürlich muss die Satire auch Satire sein, sonst ist sie halt nur ein Nachweis der Spiessigkeit des Witzeerzählers. Und das gilt, ganz wie Polak richtig anmerkt, wenn er von der fehlenden Pointe dieses Gags spricht. Ist bei Jan Böhmermann, siehe das satirefreie sogenannte Schmähgedicht, offenkundig kein Wegrutscher, sondern Methode. Polak darf, was er darf, weil einem das Lachen ruhig im Halse stecken bleiben kann, und auf dem Niveau erst ist Satire dasjenige, was alles erlaubt. Böhmermann ist viel zu flach, deswegen ist es antisemitisch.
Und wer definiert Satire? Die liebe Vera Gehlkiel? Und warum war das Schmähgedicht keine Satire? Und im Gegensatz dazu darf Polak, was er darf? Muß man das jetzt verstehen? Und alles, was flach ist, (wie
zum Beispiel für Sie Böhmermann) ist antisemitisch. Ach so.

Dann wären ja so einige Kommentare im SPON antisemitisch. Liebe Vera Gehlkiel, ich liebe Ihren sprachlichen Barock, in Verbindung mit schwer verständlichen Schachtelsätzen. Bei Sympathie muß man ja nicht alles verstehen, oder? Nur diesmal, "Sorry to say", ist etwas, was auch immer, mit Ihnen durchgegangen. Der letzte Satz ihres Kommentars??

Aber trotzdem, Nobody ist perfekt. In tiefer Verbundenheit ...

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Strichnid 27.10.2018, 11:31
66.

Zitat von im_ernst_56
Ich teile Ihre Einschätzung, dass Jan Böhmermann viel zu flach ist, frage mich dann aber, warum er mit so vielen Preisen und Auszeichnungen überhäuft wird. Ist das vielleicht der Grund, weshalb Jan Böhmermann glaubt, sich jede Grenzüberschreitung leisten zu können?
Sie könnten aber auch auf die Idee kommen, dass diese Preisverleihungen zeigen, dass eine hinreichend große Masse an Zuschauern ihn eben nicht zu flach finden, sondern die Metaebenen wahrnehmen können - was nicht jeder kann.

Nur weil man einen Witz nicht versteht, heißt das nicht, dass er flach ist.

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Juanito 27.10.2018, 13:10
67. Wer im Glashaus sitzt...

Vor ein paar Tagen hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, Herrn Polak live auf der Bühne in Hamburg zu erleben. Ich schäme mich immer noch, dass ich meinen inneren Protest nicht durch laute Missfallenskundgebungen kungetan habe. Was Herr Polak nach acht Jahren den drei Moderatoren in Bezug auf Juden vorwirft, muss er sich sich in Bezug auf andere Bevölkerungsgruppen selbst vorwerfen.
Vielleicht dauert es nun keine acht Jahre bis sich Personen mit Down-Syndrom, Frauen und Schwule über Herrn Polak beschweren. Ich persönlich habe mich für ihn geschämt. Die vermeintlichen Gags sind mir Hals gestecken geblieben. Wobei sich bei Polak die Frage stellt, ob es Gags sein sollten oder seine Meinungsäußerung.
Nehmen wir es mal positiv und es sollten Gags sein. Dann war es sehr schlechtes Kabarett.

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tüttel 27.10.2018, 13:44
68. Starkes Stück

Leider ist der Videoausschnitt von der betreffenden Sache ziemlich kurz und so fehlt auch der von Böhmermann häufig überstrapazierte "Kontext" - aber das wenige, was man sehen kann, wirkt schon ziemlich übel und übelwollend und nicht mehr spaßig, satirisch. Inwieweit sich aus diesem Einzelereignis ein "großes Ding" machen lässt, bin ich mir, zumal mit dem geringen Informationsstand, etwas im Zweifel. Für mich passt es zumindest, wenn auch schon etliche Jahre her, in den derzeitigen künstlerischen Niedergang Böhmermanns, den ich mehr oder weniger sowieso schon immer für einen Schaumschläger gehalten habe.

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Papazaca 27.10.2018, 14:40
69. Antisemitismus, leicht gemacht!

Zitat von tüttel
Leider ist der Videoausschnitt von der betreffenden Sache ziemlich kurz und so fehlt auch der von Böhmermann häufig überstrapazierte "Kontext" - aber das wenige, was man sehen kann, wirkt schon ziemlich übel und übelwollend und nicht mehr spaßig, satirisch. Inwieweit sich aus diesem Einzelereignis ein "großes Ding" machen lässt, bin ich mir, zumal mit dem geringen Informationsstand, etwas im Zweifel. Für mich passt es zumindest, wenn auch schon etliche Jahre her, in den derzeitigen künstlerischen Niedergang Böhmermanns, den ich mehr oder weniger sowieso schon immer für einen Schaumschläger gehalten habe.
Ja, aber der Kontext ist maßgeblich. Und was ist mit Polak? War das nicht mit ihm abgesprochen? Die werfen ihn einfach so von der Bühne? Sehr merkwürdig.

Und jetzt wird Polak zum Aufklärer. Aber nur indirekt. Und schreibt deshalb ein Buch und macht weiter Cabaret oder was er dafür hält.

Und das ganze ist X Jahre her? Da hätte ich das Buch besser Weihnachten rausgegeben, Buch und Geschichte eignen sich optimal für den Gabentisch. Nennen wir das Ganze mal: Antisemitismus, leicht gemacht.

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