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Antwort auf Augstein: Der Doppelpass ist nur ein Zwischenschritt
DPA

War die doppelte Staatsbürgerschaft für Türken ein Fehler? Angesichts demonstrierender Erdogan-Anhänger in Köln meinte unser Kolumnist Jakob Augstein: Ja. Hier widerspricht ihm der Autor Imram Ayata.

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hemithea 08.08.2016, 15:38
160.

Zitat von DieterNeumaier
Der staatbürgerlich geteilte Mensch ist einer der üblichen faulen Politikerkompromisse und eine Lüge ansich. In den USA ist man Amerikaner, in Frankreich natürlich .....
Interessant ist aber auch, dass mir schon oft genug Menschen gesagt haben, dass - auch wenn ich die Deutsche Staatsbürgerschaft annehme - ich niemals für sie eine Deutsche sein werde.

Auch wenn ich hier perfekt integriert bin und mir die deutsche Gesellschaft, Politik und Kultur näher ist.

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politikus_ii 08.08.2016, 15:42
161.

Zitat von Thomas Schnitzer
Nö. In den USA ist die Anzahl der Staatsbürgerschaften irrelevant.
Stimmt. Allerdings erwarten die amerikanischen Behörden von jedem US-Amerikaner, dass jeder Cent Einkommen, unabhängig wo er verdient wurde, in den USA versteuert wird. Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) interessieren da wenig. Apple, Microsoft, Starbucks usw. sind selbstverständlich davon ausgenommen.

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hemithea 08.08.2016, 15:47
162.

Zitat von spiegelmup
Mit einem türkischen Pass kann man in der EU nicht reisen, weil für jedes Land ein Visum gebraucht wird. Das ist sehr mühevoll. Der deutsche (Doppel)Pass erleichtert die Reisefähigkeit. Nur dafür wird er gebraucht. Das wird auch offen zugegeben. Es ist auch auffällig, dass der Doppelpass in den Monaten vor der Urlaubszeit beantragt wird. Den deutschen Pass nutzen .....
Es hängt auch davon ab, unter welchen Aufenthaltbedingungen man hier lebt. Ich kann als in Deutschalnd unbefristet lebende Ausländerin, mich im Schengen - Raum frei bewegen und frei reisen. Unter der Bedingung, dass ich Deutschland nicht länger als 6 Monate dauerhaft verlasse, es sei denn, ich habe dafür einen besonderen Grund (z.B. ein Auslandssemester oder wegen der Arbeit). Das muss aber schriftlich vorliegen.

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Thomas Schnitzer 08.08.2016, 15:48
163.

Zitat von politikus_ii
Stimmt. Allerdings erwarten die amerikanischen Behörden von jedem US-Amerikaner, dass jeder Cent Einkommen, unabhängig wo er verdient wurde, in den USA versteuert wird. Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) interessieren da wenig. Apple, Microsoft, Starbucks usw. sind selbstverständlich davon ausgenommen.
Ja, und was bitte hat das mit Gründen für oder gegen eine doppelte Staatsbürgerschaft zu tun?

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Atomic 08.08.2016, 15:49
164. Beide Staatsbürgerschaften werden vererbt, ggf. bis Sankt Nimmerlein. Opportunität & EntscheidungsVERMEIDUNG

Ein explizites Problem sowohl der deutschen als auch der türkischen Staatsbürgerschaft ist doch, dass BEIDE aufgrund des 'Abstammungsprinzips' [ius sanguinis] VERERBT werden (können), sogar unabhängig vom Lebensmittelpunkt der nachfolgenden Generationen. Die Einführung der deutsch-türkischen Doppelstaatlichkeit hat dazu geführt, dass eine Entscheidung NIE mehr erfolgen muss, es wird [angeblich] immer mindestens beides "gehen"; auch noch bei den Urenkeln etc. Das führt sicher nicht zu Integration in Staat und Gesellschaft, sondern zu "bipolaren" Verhältnissen ["Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre ..."] … Die Demonstration von deutschtürkischen AKP-Anhängern ('Türkiye, Türkiye!'), die in D offenbar die Mehrheit der Deutschtürken bilden, ist dafür (Negativ-)Beispiel.
Was eine "demokratische Staatsbürgerschaft" ["in Zeiten der Globalisierung"] sein soll, erläutert der Autor leider nicht weiter. Für mich klingt das nach Opportunität und Entscheidungsvermeidung. Dahin gehen, wo die Konditionen für (m)ICH aktuell am besten sind, möglichst viele Rechte und Vorteile, möglichst wenig Verpflichtungen. Wohl 'Prinzip Globalisierung' - Gewinne privatisiert ("opportunisiert"), Verluste sozialisiert/globalisiert. "Survival of the most 'opportunious', the most unscrupulous (,and the cheaptest)". Globalisierung ("Primat der Ökonomisierung" von allem und jedem. Wobei 'Globalisierung' kein Naturgesetz ist, mit dem wir zwangsläufig leben 'müssen' und gegen das 'wir' nichts machen können, selbst keine Gestaltung. Im Übrigen wird man 'Weltbürger' nicht dadurch, dass man seine Identität(en) aufgibt.

Leider auch keine Erläuterung, weshalb nun die (stete) "Einwanderung […] zur deutschen DNA" gehöre. Wobei Genetik, wenn es denn so gemeint wäre, ja hier wirklich eine These mit mehr als "Geschmäckle" wäre. Es geht um Kultur/Werte (auch religiöse), Sozialisation! Und da gibt es Probleme, und "anything goes" kann nicht die Lösung sein. Nun, als Argument für das bereits lange bestehende "Einwanderungs(deutsch)land" wird ja in der Regel die Einwanderung von ('ethnischen') Polen/Schlesiern ins Ruhrgebiet genannt. Dabei wird gerne "übersehen", dass hier zumeist Menschen [römisch-katholischer Konfession] aus dem damals preußischen Schlesien ins damals preußische Ruhrgebiet übergesiedelt sind, einen Staat Polen gab es zwischen 1795 und 1918/19 bekanntlich nicht, und Schlesien war bereits zuvor längere Zeit Teil Preußens bzw. Habsburgs. (Diese) Geschichte als Argument für stete (und somit auch eher ungesteuerte - "liegt in der dt. DNA") Immigration zu nehmen, wäre schwach. Zeiten ändern sich zudem, so oder so. Interkontinentale Migration ist noch nie so leicht gewesen wie heute. Das bedeutet nicht, sich dem hinzugeben, seinen "Lauf" zu lassen, (sich) aufzugeben, auch seine Werte und Normen (h)ergeben.

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helgeharder 08.08.2016, 16:03
165.

Zitat von lemmy
Leider gibt es diese Meinungsvielfalt im System Erdogan nicht. Und genau deshalb ist es befremdlich zu sehen, dass da Leute auf die Straße gehen, denen die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen wurde, um dann für ein System zu protestieren, das quasi ein Gegenentwurf zum deutschen Grundgesetz darstellt. Und Sie, werter Autor, können nicht bestreiten, dass über 80 % ihrer in Deutschland lebenden türkischen Landsleute aus Erdogan Anhängern besteht.
Woher wissen Sie eigentlich, daß von den gerade mal 30.000 Türken, die demostriert haben, auch nur einer einen deutschen Paß hat? Und einige der Türken, die da kamen, wohnten gar nicht in Deutschland, sondern z.B. in Belgien und den Niederlanden, siehe entsprechende Interviews in den Massenmedien.

Und woher wissen Sie, daß 80% der hier lebenden Türken Erdogan klasse finden? Wegen der über 70% APK-Wählern der in Deutschland leben Türken?

Oft ignorierte Tatsache ist nunmal, daß die Wahlbeteiligung der in Deutschland lebenden Türken an den Wahlen in der Türkei bei lediglich 15% liegt. Bei 1,5 Millionen Türken in Deutschland gehen also nur maximal 225.000 Menschen überhaupt wählen- und das ist viel zu hoch gegriffen, sind doch nicht alle wahlberechtigt. Ziehen wir mal ein Drittel Kinder ab (dürften durchaus mehr sein), sind wir bei 150.000 Türken in Deutschland, die überhaupt gewählt haben.
Nehmen wir davon mal ihre 80%, dann sind 120.000 Türken in Deutschland definitiv für Erdogan. Und deswegen wollen Sie nun allen anderen die Staatsbürgerschaft aberkennen?

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Pride & Joy 08.08.2016, 16:08
166. Metapher

Zitat von Atomic
[..] Leider auch keine Erläuterung, weshalb nun die (stete) "Einwanderung […] zur deutschen DNA" gehöre. [..]
Kennzeichen einer jeden Nation ist die Migration! Insbesondere für Deutschland sind die Nachfahren der Migranten der 70er prägend.

https://de.wikipedia.org/wiki/Einwanderung#Geschichte

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helgeharder 08.08.2016, 16:10
167.

Zitat von ihawk
Die Pro-Erdogan Demonstration ist deshalb beachtenswert, zeigt sie doch ein gefährlich rechtslastiges und nationalistisches Potential mit deutscher .....
Ach, und Sie kennen die Staatsangehörigkeit der 30000 Türken, die demonstriert haben? Die zum Teil sogar aus dem Ausland (Belgien, Niederlande) kamen? Woher noch gleich?

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politikus_ii 08.08.2016, 16:11
168.

Zitat von Thomas Schnitzer
Ja, und was bitte hat das mit Gründen für oder gegen eine doppelte Staatsbürgerschaft zu tun?
Lacht.
Mit doppelter kommt es häufig vor,
dass Menschen, die in mehreren Ländern Einkommen haben, doppelt Steuer bezahlen müssen und das trotz bestehendem DBA.
Finanziell kann eine doppelte Staatsbürgerschaft erhebliche Nachteile haben.

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politikus_ii 08.08.2016, 16:22
169.

Zitat von helgeharder
Woher wissen Sie eigentlich, daß von den gerade mal 30.000 Türken, die demostriert haben, auch nur einer einen deutschen Paß hat? Und einige der Türken, die da kamen, wohnten gar nicht in Deutschland, sondern z.B. in Belgien und den Niederlanden, siehe entsprechende Interviews in den Massenmedien. Und woher wissen Sie, daß 80% der hier ......
Das ist nicht korrekt.
Die Wahlbeteiligung in Deutschland lag bei rund 41 Prozent. Laut der türkischen Wahlbehörde waren das rund 576.000 wahlberechtigte türkische Staatsbürger, die in Deutschland leben.

Davon stimmten fast 60% für Erdogans AKP.

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