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ARD-Film "Auslandseinsatz": Talk, Talk, Talk am Hindukusch
WDR/ Relevant Film

Diskutieren ist besser als Massakrieren, klar. Aber warum reden die Soldaten in dem ARD-Film "Auslandseinsatz" so staatstragend, als säßen sie bei Anne Will? So wirkt der Film über den deutschen Afghanistan-Einsatz wie eine Art Action-Talkshow, in der ab und zu eine Bombe explodiert.

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zefir62 16.10.2012, 17:11
1. Ein Ergebnis der situativen Konditionierung

Personen, die häufiger mal den Mund halten müssen (egal ob der Druck von oben, unten oder von der Seite kommt) entwickeln häufig eine Tendenz zu zeremonieller, verschwurbelter Rede. Ein Teil davon ist ein Artefact, ein Ergebnis des kommunikativen Vakuums.
Ohne Zweifel ist die Sinnlosigkeit vieler Risiken im Einsatz befohlen worden, zB das Partnering. Ohne Zweifel ist die asymmetrische Kriegsführung eine Art Tellerminenspielpädagogik gewesen, bei der nur unsere Soldten verlieren konnten. Dabei kann es dann auch zu zeremoniellen Gedanken kommen. So erkläre ich mir das.

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nicolo1782 16.10.2012, 17:15
2. Die Soldaten wissen natürlich,

dass ihr Einsatz in Afghanistan keine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hat und manch einer wird selbst zu dieser ablehnenden Mehrheit gehören. Da man aber den Einsatz nicht verweigern kann, sondert man halt die ganzen staatstragenden Floskeln ab, die auch die wichtigen Frontbesucher wie Königshaus, Merkel, de Maiziere , Gauck (war der eigentlich schon da ?) etc pp von sich geben. Außerdem: ein bei der Bundeswehr nicht zitierfähiger Mensch sagt mal 'Das Sein bestimmt das Bewußtsein'.

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damtschweli 16.10.2012, 17:38
3.

Zitat von nicolo1782
dass ihr Einsatz in Afghanistan keine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hat und manch einer wird selbst zu dieser ablehnenden Mehrheit gehören. Da man aber den Einsatz nicht verweigern kann, sondert man halt die ganzen staatstragenden Floskeln ab, die auch die wichtigen Frontbesucher wie Königshaus, Merkel, de Maiziere , Gauck (war der eigentlich schon da ?) etc pp von sich geben. Außerdem: ein bei der Bundeswehr nicht zitierfähiger Mensch sagt mal 'Das Sein bestimmt das Bewußtsein'.
Die haben alle unterschrieben, daß sie das freiwillig mitmachen. Gibt auch 'ne Menge Knete dafür.
Das Geschwurbel kommt entweder daher, daß sie den Unsinn, den sie dort treiben, erkennen und vor sich selbst rechtfertigen. Oder daß sie den Schwachsinn, den die Politik ihnen einimpft, selbst wirklich glauben. In beiden Fällen: schlimm genug...

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kdshp 16.10.2012, 17:40
4.

Zitat von sysop
Diskutieren ist besser als Massakrieren, klar. Aber warum reden die Soldaten in dem ARD-Film "Auslandseinsatz" so staatstragend, als säßen sie bei Anne Will? So wirkt der Film über den deutschen Afghanistan-Einsatz wie eine Art Action-Talkshow, in der ab und zu eine Bombe explodiert.
Hallo,

äh weil die so reden müssen! Was würde denn mit soldat XYZ passieren wenn er ganz klar das sagt was er denkt? DAS ist bei der BW nicht erwünscht und wird hart gehandet das weiß man aber auch oder nicht? UND wer will schon seinen job verlieren?

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tom_duly 16.10.2012, 17:52
5. humanistischer Einsatz?

Netter Verschreiber in der Bildunterschrift von Bild 6. Lesen die dann den Afghanen Hegel, Kant & Co. vor? Humanitärer Einsatz hätte es auch getan...
Tom

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e-cdg 16.10.2012, 18:12
6. Chausseestrasse

Zitat von sysop
Diskutieren ist besser als Massakrieren, klar. Aber warum reden die Soldaten in dem ARD-Film "Auslandseinsatz" so staatstragend, als säßen sie bei Anne Will? So wirkt der Film über den deutschen Afghanistan-Einsatz wie eine Art Action-Talkshow, in der ab und zu eine Bombe explodiert.

Soldaten seh'n sich alle gleich - lebendig und als Leich'

(W.Biermann)

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Peter.Lublewski 16.10.2012, 18:14
7. Tagesschau

"Vor drastischen Konsequenzen schreckt die Geschichte also nicht zurück. Allein: Ein Fernsehfilm ist kein "Tagesschau"-Bericht...."

Wenn einem oder mehreren Soldaten auf dieser Geröllhalde irgendetwas passiert, würde man das in der "Tagesschau" doch sowieso niemals zu sehen bekommen. Schon mit Rücksicht auf die Politik :-(

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ediart 16.10.2012, 18:22
8. So ein Unsinn

Was soll das? Am eigentlichen Thema vorbei!

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weghorn1 16.10.2012, 18:25
9. Kriegführung soll wieder deutsche Staatsräson werden

Zitat von damtschweli
Die haben alle unterschrieben, daß sie das freiwillig mitmachen. Gibt auch 'ne Menge Knete dafür. Das Geschwurbel kommt entweder daher, daß sie den Unsinn, den sie dort treiben, erkennen und vor sich selbst rechtfertigen. Oder daß sie den Schwachsinn, den die Politik ihnen einimpft, selbst wirklich glauben. In beiden Fällen: schlimm genug...
Wenn man wirklich - und nicht geschäftstüchtig oder illusionär - denken kann, dann braucht man auch diesen Film nicht gesehen zu haben, um prognostizieren zu können, dass auch mit diesem Medium - also per Unterhaltungsfilm - "Krieg" als Mittel (auch) der deutschen Außenpolitik wieder salonfähig - sprich: als "Staatsräson" akzeptiert - machen soll!

Man muss auch keine Verschwörungstheorie bemühen, wenn man als Zielsetzung eines solchen Streifens die Delegitimation / Zersetzung des pazifistischen Grundverständnisses der Verfassungsgeber von 1949, wie er seinen Niederschlag gefunden hat in Art. 24, Art. 26 und 87 a), die ja den - im Afghanistankrieg gegebenen - "Angriffskrieg" unter Strafe stellen und auch generell das Grundgesetz brechen, in dem es unmissverständlich - eigentlich auch für die Rabulistiker vom II. Senat des BVerfG - heißt: "Außer zur Verteidigung dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdrücklich (!) zulässt." (Art. 87a)

Die Zersetzung des pazifistischen Grundverständnisses deutscher Außenpolitik ist ein Unternehmen, das von Rot-Grün in 1999 angefangen und das von der staatstragenden Mehrheit des Deutschen Bundestags mit der Verlängerung der einschlägigen "Mandate" jedes Jahr erneuert und damit befestigt wird. So entsteht qua Tolerierung und Bekräftigung eines Bruchs des Grundgesetzes ein Gewohnheitsrecht, das ja inzwischen die Mächtigen und ihre publizistischen Helfer ungeniert vom "Krieg" sprechen lässt, der selbstverständlich kein - grundgesetzmäßig tolerierter - Verteidigungskrieg ist.

Die Bemühungen zur Zersetzung des pazifistischen Grundverständnisses der Verfassungsgeber durch den Deutschen Bundestag und durch den publizistischen Mainstream dürfen auch nach 13 Jahren nicht in ihrer Intensität zurückgefahren werden, weil noch immer das Gros der Deutschen pazifistisch gesinnt ist, wobei es diesem Gros allerdings an pazifistischer Haltung gebricht, was aber bei diesem propagandistischen Trommelfeuer nicht verwunderlich ist.

Dieser Film ist ein weiterer Versuch der Zersetzung der pazifistischen Grundgesinnung in Deutschland, diesmal auf der Ebene eines Brechtschen Lehrstücks, jedoch ohne die pazifistische Grundhaltung von BB, der uns leider sehr fehlt in diesem Kampf aller drei staatlichen Gewalten zum Zwecke einer "Neuausrichtung der Bundeswehr" als Fremdenlegion des Imperiums out of area: weltweit!

Man sollte ihn sich unter diesem Aspekt zu Gemüte führen.

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