Forum: Kultur
ARD-Sonntagskrimi: Der Magdeburger "Polizeiruf" im Schnellcheck
MDR/ Stefan Erhard

Jagdszenen auf der Autobahn, Punkrock als Rauschbeschleuniger: Der früher so schleppende Magdeburger "Polizeiruf" zeigt sich neuerdings von seiner rasanten Seite.

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Dramaturgen-Frau 23.09.2018, 18:35
1. Qualen des Castings

Wieder müssen wir die immer gleichen Gesichter sehen. Als gäbe es für das deutsche öffentlich-rechtliche TV nur einen begrenzten Pool von vielleicht 50 Darstellern, die in allen Krimis von ARD und ZDF einzusetzen sind. Woher kommt das? Resultiert das aus der Unerfahrenheit der zuständigen Redakteurinnen und Casterinnen? Wieder ist Herr Zint der Böse. Wieder sehen (und hören) wir Herrn Becker seine Stimme ölen. Usw. Die Republik ist voll mit talentierten Schauspielern, aber die ARD will den quotenträchtigen Wiedererkennungseffekt. Und dann geht also Herr Matschke, weil er Probleme am Set mit Frau Michelsen hat. Das ist nachvollziehbar und folgerichtig: Herr Matschke ist ein Comedian. Frau Michelsen ist eine Schauspielerin. Herr Matschke chargiert seine Rollen, so, wie er es aus dem Comedyfach kennt. So jemanden möchte man nicht dauernd neben sich "spielen" haben. So dient also der von mir über alles Maßen goutierte Abgang von Herrn Matschke hoffentlich der Entwicklung der Figur Brasch, die von Claudia Michelsen interpretiert wird.

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debahn 23.09.2018, 21:00
2. Gute Nacht

abgesehen von der dürftigen Handlung mit lächerlicher Darstellung der "Szene" verstehe ich von Frau Michelsens Gehauche weniger als die Hälfte. Der erwartete Reinfall.

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Dramaturgen-Frau 23.09.2018, 22:15
3. Dichtung und Wahrheit in fiktionalen TV-Krimis der ARD der Gegenwart

An einer Stelle spricht es der Kommissar an, indem er eine ganze Reihe von Mordraser-Urteilen aufführt, die wie das Hornberger Schießen ausgegangen sind, heißt, mit Bewährung für einen Mord endeten. Alle diese Beispiele, von Berlin bis Köln, hatten "Migranten" (Türken, Araber und Co.) als Täter. Was aber sehen wir in diesem P110: Deutsche "Jungs" (wie Buß das seinem Milieu gemäß nennt), sogar mal wieder einen Upperclassgelangweilten, der dann natürlich auch der "Mörder" ist. So bleibt wieder einmal die Vermutung oder Frage: Sind das unabdingbare Vorgaben der Guidelines für Drehbuchautoren, dass nicht an den tatsächlichen Fällen entlang recherchiert wird? - Rhetorische Frage.

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vulcan 23.09.2018, 22:17
4. Unfug

Woher nehmen die Ermittler die Sicherheit, dass der Täter ausschließlich in dieser albernen Renntruppe zu suchen ist?
Hab ich was verpasst oder ist das einfach der von mir befürchtete Unfug.
Außerdem glaube ich nicht, dass die Polizei seelenruhig zusieht, wie das Tauschgeschäft Drogen gegen gestohlenes Auto abgewickelt wird und noch dazu dieses Auto einfach wegfahren lassen.
Auch ansonsten ein ziemliches Geschwurbele mit peinlichen Klischees wie dem arroganten Jungschnösel und eine Auflösung, wie sie langweiliger und unglaubwürdiger gar nicht sein kann.

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Aberlour A ' Bunadh 23.09.2018, 22:20
5. Bemüht langweilig

Ein Spannungsbogen war nicht wirklich erkennbar. Die Charaktere alle "over-the-top". So dass man an den "tiefenpsychologischen Ergüssen" nicht wirklich interessiert war. Ein Krimi im illegale Autorennen-Milieu - oder was man dafür hält - der auch noch beständig die Soundmassage vor sich her trug, dass 540 PS unter der Haube besser sind als 250. 4 von 10 Punkten.

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Ekkehard Grube 23.09.2018, 22:34
6. Logik-Fehler an entscheidender Stelle?

Vielleicht kann mir einer der anderen Foristen ja helfen – ich meine nämlich, dass den Autoren bei der Auflösung des Falles ein geradezu haarsträubender Logik-Fehler unterlaufen ist:

Zunächst halten sie dem Täter vor, dass er das Grab für das Opfer bestellt habe, noch bevor er diese überfuhr, und unterstellen ihm Tötungsabsicht, da er nicht Vater eines unehelichen Kindes hätte sein wollen.

Daraufhin entgegnet der Täter, er und sein Opfer hätten am nächsten Tag bekannt geben wollen, dass sie zusammen sind, und hätten auch zu ihrem Kind stehen wollen. Überfahren habe er sie, weil sie von einer anderen Seite gekommen sei als erwartet und er sie schlicht nicht gesehen habe.

Diese Version nehmen die Kommissare ihm ab.

Damit aber ist die Version der Kommissare hinfällig – und damit auch ihr doch unbezweifelbares Ermittlungsergebnis, dass der Täter das Grab am 3. November, einen Tag vor dem Tode des Opfers am 4. November, gekauft habe – und zwar durch exorbitante Bestechungsgelder an die Friedhofsverwaltung.

Die Schluss-"Pointe", dass der Vater des Opfers einen anderen Mann überfährt, den er fälschlicherweise für den Täter hält, ist dann zwar als Tragödie in der Tragödie immer noch wirksam.

Den oben genannten logischen Bruch bei der Ermittlung des eigentlichen Täters beseitigt das aber nicht.

Habe ich hier etwas falsch verstanden? Kann mir jemand weiterhelfen?

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Achim83 23.09.2018, 22:59
7. Soweit...

Zitat von Ekkehard Grube
Damit aber ist die Version der Kommissare hinfällig – und damit auch ihr doch unbezweifelbares Ermittlungsergebnis, dass der Täter das Grab am 3. November, einen Tag vor dem Tode des Opfers am 4. November, gekauft habe – und zwar durch exorbitante Bestechungsgelder an die Friedhofsverwaltung.
... wie ich es verstanden habe, hat der Täter das Grab am 03.11. organisiert, obwohl er nach eigenen Angaben erst am 04.11. vom Vater der Getöteten über deren Tod informiert wurde. Zuvor konnte er also nicht wissen, dass genau sie ums Leben gekommen ist, es sei denn, er hat "Täterwissen". Tot war sie schon bevor das Grab organisiert wurde.

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Lassehoffe 23.09.2018, 23:08
8.

Zitat von Ekkehard Grube
Vielleicht kann mir einer der anderen Foristen ja helfen – ich meine nämlich, dass den Autoren bei der Auflösung des Falles ein geradezu haarsträubender Logik-Fehler unterlaufen ist: Zunächst halten sie dem Täter vor, dass er das Grab für das Opfer bestellt habe, noch bevor er diese überfuhr, und unterstellen ihm Tötungsabsicht, da er nicht Vater eines unehelichen Kindes hätte sein wollen. Daraufhin entgegnet der Täter, er und sein Opfer hätten am nächsten Tag bekannt geben wollen, dass sie zusammen sind, und hätten auch zu ihrem Kind stehen wollen. Überfahren habe er sie, weil sie von einer anderen Seite gekommen sei als erwartet und er sie schlicht nicht gesehen habe. Diese Version nehmen die Kommissare ihm ab. Damit aber ist die Version der Kommissare hinfällig – und damit auch ihr doch unbezweifelbares Ermittlungsergebnis, dass der Täter das Grab am 3. November, einen Tag vor dem Tode des Opfers am 4. November, gekauft habe – und zwar durch exorbitante Bestechungsgelder an die Friedhofsverwaltung. Die Schluss-"Pointe", dass der Vater des Opfers einen anderen Mann überfährt, den er fälschlicherweise für den Täter hält, ist dann zwar als Tragödie in der Tragödie immer noch wirksam. Den oben genannten logischen Bruch bei der Ermittlung des eigentlichen Täters beseitigt das aber nicht. Habe ich hier etwas falsch verstanden? Kann mir jemand weiterhelfen?
Nein, das sehen Sie richtig. Genau das war auch mein Problem... Völlig unlogisch. Man sollte ja denken, dass sich das jemand anschaut, bevor es on air geht...

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straightly 23.09.2018, 23:15
9. @6 Logik-Fehler

Er hat das Grab nicht vor dem Tod des Mädchens bestellt, lediglich bevor er - gemäß der Einschätzung der Kriminalbeamten - von ihrem Tod erfahren hätte haben können. Ich dachte auch kurz, dass es in der Rückblende mit der Friedhofsverwaltung darum gänge, dass er das noch vor ihrem Ableben klar gemacht hätte, das wäre nur ziemlich dämlich von ihm gewesen. Genauso wäre es ein geradezu grotesker Fehler gewesen, hätte es sich so zugetragen, wie sie es verstanden haben...

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