Forum: Kultur
ARD-Thriller über Clans: Die großen Unbekannten
Stephan Rabold/ ARD

Banden-Kriminalität, die Zweite: Nach dem ZDF zeigt jetzt auch die ARD mit "Der Auftrag" einen Film, in dem kriminelle Großfamilien eine Rolle spielen. Spannend, aber atemberaubend ignorant.

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peterregen 30.03.2019, 19:00
1.

"Man könnte sich beide hintereinander ansehen ("Gegen die Angst" steht noch bis zum 21.6. in der ZDF-Mediathek) und hätte doch nichts gelernt über Familien, die vor Jahrzehnten nach Deutschland einwanderten und hier kleine Reiche errichteten, in denen nicht der deutsche Staat das Recht durchsetzt, sondern kriminelle Großväter, Väter, Onkel, Cousins. Das Desinteresse an diesen Menschen und ihrer Geschichte, das ihre Machenschaften erst begünstigte, es setzt sich fort in diesen beiden Filmen."

Wir sind also selber schuld. Danke, keine weiteren Fragen...

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skylarkin 30.03.2019, 19:15
2.

Möglicherweise korrekte Kritik, aber würde man disese Differenzierung auch fordern wenn es um andere Kriminalität, Bedrohung oder Gewalt ginge? Beispielsweise von rechts, aus dem Rocker- oder Hooliganmillieu? Oder würde das wiederum als falsche weil möglicherweise entschuldigende Differenzierung kritisiert? Bin mir da nicht sicher.

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Gweg 30.03.2019, 19:33
3. Falsche Überschrift

Guten Abend, Herr Kaever, da hat sich ein Fehler in Ihre Überschrift eingeschlichen "ARD Thriller über Clans". In meinem Drehbuch geht es um Mordzeugen und ihre Zeugenschützer. Hätte ich den Fokus auf den Clan gelegt, hätte ich nicht nur 5% Erzählzeit auf ihn verwendet.
Sie analysieren doch selbst ganz richtig, dass so ein Clan auslösendes Moment ist und Damoklesschwert. Genau dazu dient er in dramaturgischer Hinsicht und zu nicht mehr.
Sie dichten Buch und Film ein Manko an, weil beide nicht den Fokus dorthin legen, wo Sie ihn gerne hätten. So funktioniert sinnvolle Filmkritik nicht.
Wir haben uns entschieden, den Fokus auf die Familie und die Zeugenschützer zu legen.
Dann könnten Sie "Der unsichtbare Dritte" ja auch ankreiden, es sei ein Film über Staatsgeheimnisse, über die man leider nie was erfährt. Was völlig am Film vorbeiginge.
Holger Karsten Schmidt

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Franz Medardus 30.03.2019, 20:14
4. Danke für diese Einsichten in die Innenansicht verschaffende...

...Antwort, lieber Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt. Berufskritiker schreiben nie von innen nach außen, sondern immer von außen nach...außen...denn weiter kommen sie nicht, sonst wären sie ja keine Kritiker. Daher lesen sich Kritiken, selbst wenn sie „fachfremd“ sind, von Innenstehenden wie G. B. Shaw, R. Schumann, N. A. Herbst soviel gewinnbringender als die derer, denen ihre Rezensionen ausschließliches Mittel zum Broterwerb sind...

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stefan.martens.75 30.03.2019, 21:08
5. Ich rieche Doppelmoral

Klar kann man die Kritik so stehen lassen.
Stereotype Araber funktionieren halt komischer Weise immer noch. Obwohl sie sich nach zig Staffeln 24 eigentlich längst überholt haben müssten.
Dennoch.
Wie hier schon erwähnt stellt sich doch die Frage warum man sich mit Gängstern soziologisch in Filmen beschäftigen sollen muss? Klar kann man das mit allen Subkulturen des Hasses und der rohen Männlichkeit. American History, American Gangster, Sopranos oder The Shield haben das auch bestens hingekommen.

Man muss das aber nicht! Auch nicht bei Ausländern!
Man kann Verbrecher, Gewalttäter und Asoziale auch einfach ablehnen und den Kampf gegen sie zeigen ohne irgendein Verständnis oder Relativierung zu bemühen.
Wenn ich den Kampf gegen Nazis thematisiere und nicht den Weg zum Molotowwerfer analysiere, dürfte mir jedenfalls keine Kritik begegnen.
Wo ist der Unterschied?

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Doppeler 30.03.2019, 22:21
6. Geschichte der Clan-Kriminalität?

Warum sollte das Drehbuch kriminellen Clans eine eigene Geschichte zugestehen? Und damit vielleicht noch um Verständnis für deren Machenschaften werben?

Kriminalität ist zu bekämpfen - Punkt.

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luthor 30.03.2019, 22:38
7. Oje oje

mag sein, dass Sie Oliver Kaevers Kritik mit der Intention Ihres Films nicht in Einklang bringen können, Herr Schmidt. Einzig Herrn Kaevers Kritik erfasst noch nicht einmal einen Bruchteil dessen, was an diesem Trauerspiel kritisierenswert wäre: ein Zeugenschutzprogramm, bei dem die Zeugen in einer Luxusvilla in der Nähe von Rom untergebracht werden? Von den Beamten vergisst eine ihre Dienstwaffe - etwa zu Hause auf dem Klo? Einer der beteiligten Beamten ist offen praktizierender Alkoholiker? Die Beamten sind über private Händys von ihren Angehörigen erreichbar? Ein italienischer Polizist, der machismo-italiano-mäßig sich beim Joggen an eine der deutschen Kolleginnen ranmacht und diese dann im mitgebrachten Wohnmobil pimpert? Der BKA-Chef ist vom libanesichen Clan gekauft? Der Zeuge klettert so mir nichts dir nichts über ein Tor und spaziert dann gemütlich durchs nahe gelegene Dorf? Italienische Polizei brettert spektakulär mit Geländewagen am Strand entlang, um das überlebende aufgeflogene Häuflein Beschützter und Beschützender einzusammeln? Zurück in Deutschland hat das BKA diesmal eine ganze Hoteletage für die Protagonisten angemietet? Und von dort macht sich der Belastungszeuge zu einem Tête-à-Tête mit seiner Freundin auf? Wieviel zahlt die ARD eigentlich für ein solches Sammesurium an Absurditäten? Und hat es Ihnen beim Schreiben dieses eineinhalbstündigen filmischen Mißgeschicks gelegentlich vor Lachen das Gedärm zerrissen? Fragen über Fragen... Antworten werden wohl immer im unergründlichen Dunkel Ihrer rudimentär realitätsorientierten Phantasie verborgen bleiben. Künstlerische Freiheit hin oder her - zum Krimi oder Thriller fehlt Ihrem Film / Drehbuch mangels plausibler Handlungsstränge die Spannung, zur Kommödie der Humor... Am ehesten kommt wolh die Bezeichnung: "Dinge, die die Welt nicht baraucht." Dirk Schluckebier

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rainer82 30.03.2019, 23:10
8. Wie bei James Bond!

Klar: ein unterhaltsamer, spannender und handwerklich gut gemachter Thriller. Wie z.B. auch die James Bond-Filme. Beiden gemeinsam ist die Verallgemeinerung und Simplifizierung: hier die Guten, dort die Bösen. Und diese Bösen müssen natürlich auch richtig übel aussehen, damit auch jeder merkt, wie böse sie sind. Eine gefährliche Spielart von Rassismus, vor der sich der Autor hätte hüten müssen. Böse Absicht? Glaube ich eher nicht? Gedankenlosigkeit? Schon eher.

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Ranus 30.03.2019, 23:36
9. Wieder mal künstliche Aufregung

bei Spon über zwei Filmchen in ZDF und ARD. Entscheidend ist doch vielmehr die Realität. Nämlich dass unser Staat, also wir alle, Parallelwelten haben entstehen lassen, von denen wir uns wohl kaum noch befreien werden können. Es gibt bestenfalls die leise Hoffnung, dass einzelne Politiker wie zum Beispiel Herr Reul in NRW den Kampf gegen die Clans aufgenommen haben. Ob es was bringen wird ist zweifelhaft.

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