Forum: Kultur
Armstrong-Biopic "The Program": Der Uneinholbare
Studiocanal/ Larry Horricks

Mensch oder Monster? Ein Spielfilm über Lance Armstrong könnte sich viele Freiheiten leisten, spekulieren und interpretieren. Leider fällt Star-Regisseur Stephen Frears mit seinem Radprofi-Biopic "The Program" hinter eine zwei Jahre alte Doku zurück.

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rookie_haufic 09.10.2015, 08:58
1.

Ich persönlich kann mit einer solchen Darstellung, wie er sie bei Oprah in der Talkshow hatte, mehr anfangen (kühl etc.) als dieses völlig bescheuerte und geheuchelte Rumgeheule eines Erik Zabel damals..

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200MOTELS 09.10.2015, 09:04
2. Doping hin oder her,

treten musste Armstrong immer selber, diese Arbeit nimmt einem keine Spritze ab. Andere brauchen keine Spritze, die haben dafür genetische Vorteile, siehe Laufsport.

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suplesse 09.10.2015, 09:32
3.

Ich habe den Film noch nicht gesehen. Aber der Leistungssport ist durchsetzt mit fragwürdigen Persönlichkeiten. Der Begriff Leistungssport gibt das Ziel unbedingt der Top Leistung wegen Sport zu treiben ja vor. Das zieht natürlich Menschen magisch an, die das unabdingbar tun wollen. Manche ihres eigenen Egos wegen um jeden Preis. Man sollte mal mehr über die reden, die irgendwann aus Selbstschutz, trotz ihres überragenden Talentes aus dem Leistungssport aussteigen. Das sind nämlich nicht wenige. Als Konsequenz hinterlässt das System Leistungssport ganz viele kaputte Menschen. Körperlich kaputt und seelisch kaputt. Es ist Aufgabe der Medien, hier mehr zu berichten. Ein spannendes Thema.

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astarwasborn 09.10.2015, 09:41
4. ...es verhindert den Erkenntnisgewinn...

...den sich Andreas Borcholte wünscht, der aber vielleicht gar nicht geliefert werden kann? Das Fehlen der Privatsphäre Armstrongs lässt ihn weiterhin so unnahbar und suspekt erscheinen, wie er tatsächlich ist.

Jeder von uns wünscht sich eine abschließende Psychoanalyse, die endlich alles erklärt. Die kann aber ein Film Stand heute nicht realistisch geben. Vielleicht öffnet sich Armstrong irgendwann in einer noch anderen, umfassenderen und ehrlicheren Weise. Bis dahin müssen wir uns damit begnügen, dass eben sein wahres Ich und sein Privatleben für uns alle schleierhaft bleiben. Insofern macht der Film alles richtig, die Dinge aufzuzeigen, die tatsächlich belegbar sind.

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astarwasborn 09.10.2015, 09:42
5. ...es verhindert den Erkenntnisgewinn...

...den sich Andreas Borcholte wünscht, der aber vielleicht gar nicht geliefert werden kann? Das Fehlen der Privatsphäre Armstrongs lässt ihn weiterhin so unnahbar und suspekt erscheinen, wie er tatsächlich ist.

Jeder von uns wünscht sich eine abschließende Psychoanalyse, die endlich alles erklärt. Die kann aber ein Film Stand heute nicht realistisch geben. Vielleicht öffnet sich Armstrong irgendwann in einer noch anderen, umfassenderen und ehrlicheren Weise. Bis dahin müssen wir uns damit begnügen, dass eben sein wahres Ich und sein Privatleben für uns alle schleierhaft bleiben. Insofern macht der Film alles richtig, die Dinge aufzuzeigen, die tatsächlich belegbar sind.

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Celegorm 09.10.2015, 10:34
6.

Zitat von rookie_haufic
Ich persönlich kann mit einer solchen Darstellung, wie er sie bei Oprah in der Talkshow hatte, mehr anfangen (kühl etc.) als dieses völlig bescheuerte und geheuchelte Rumgeheule eines Erik Zabel damals..
Das hat effektiv etwas. So unsympathisch Armstrong wirken mag, dass er sich in der Situation nicht der gerade in den USA üblichen tränenreichen, religiös-emotionalen Entschuldigungs-und-Vergebungs-Dramaturgie hingegeben hat, rechne ich ihm durchaus positiv an. Besser ein "Unsympath", der sich selbst bleibt, als dazu noch ein schmieriger Heuchler.

Bei der Filmkritik selbst muss man sich auch etwas wundern. Natürlich ist das Bedürfnis nach tieferer Analyse und neuen Erkenntnissen verständlich. Aber woher nehmen, wenn es dafür keine Basis gibt? Wenn man nicht weiss, was in Armstrong genau vorging oder vorgeht, dann lässt sich diese Lücke schlecht füllen - ausser mit Fiktion. Ob aber letzteres zum Erkenntnisgewinn beiträgt, ist doch schwer zu bezweifeln. Vielmehr dienen solche fiktionalisierten Biopics, vorzugsweise mit irgendwelchen erfundenen Gewissenskonflikten oder Traumata, meist eher der Geschichtsverzerrung. Dann doch lieber bei den nüchternen Fakten bleiben..

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HäretikerX 09.10.2015, 11:16
7. Schon klar,

Zitat von 200MOTELS
.treten musste Armstrong immer selber, diese Arbeit nimmt einem keine Spritze ab. Andere brauchen keine Spritze, die haben dafür genetische Vorteile, siehe Laufsport.
..und deshalb isses "relativ" in Ordnung?
Klar, er war ja kein Einzeltäter und hat gemacht, was die meisten getan haben: Betrogen und gelogen!
Die Gefahr ist jetzt, dass die aktuelle Fokussierung auf ihn, den Druck auf andere Radsportler und Funktionäre,
relativiert. Motto: der böse Bube ist gestellt, jetzt geht es natürlich sauber weiter.. leider ist das System dahinter aber nicht "ausgetauscht" worden.
Liebhaber und Fans des Radsportes..,
schrauben für sich an der neuen Fassade, ohne den Kern entgiftet zu haben: Diejenigen, die damit Geld verdienen!

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Bueckstueck 09.10.2015, 12:19
8.

Zitat von rookie_haufic
Ich persönlich kann mit einer solchen Darstellung, wie er sie bei Oprah in der Talkshow hatte, mehr anfangen (kühl etc.) als dieses völlig bescheuerte und geheuchelte Rumgeheule eines Erik Zabel damals..
Ich dagegen mag Menschen lieber, die sich für solche Fehler schämen. Ich sah keine Heuchelei bei Zabel sondern Scham. Bei Armstrong sieht man nur Selbstgefälligkeit und kriminelle Energie.

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rookie_haufic 09.10.2015, 13:40
9.

Zitat von Bueckstueck
Ich dagegen mag Menschen lieber, die sich für solche Fehler schämen. Ich sah keine Heuchelei bei Zabel sondern Scham. Bei Armstrong sieht man nur Selbstgefälligkeit und kriminelle Energie.
Fehler???

Hätte er diese Scham ob seines Fehlers auch gezeigt, wenn man ihn nicht "erwischt" hätte? Da wollte jemand sein zerstörtes Bild in der Öffentlichkeit wieder herstellen, indem er dort Tränen vergießt.. Und bei Zabel sahen Sie trotz jahrelangem Dopings und trotz Leugnens in der Öffentlichkeit keine kriminelle Energie? Was war das denn sonst?!

Ich finde es krass, dass es in Deutschland in der Öffentlichkeit nur zwei wahre Doper gibt, Ullrich und Armstrong.. Wenn ich da noch an den Jaksche oder den Sinkewitz denke, dann wird mir schlecht.. Selbst jahrelang gedopt wie blöde, und dann andere an den Pranger gestellt, damit man "sauber" aus der Geschichte rauskommt.. Und ein Armstrong, dessen Dopingvergehen ich genauso wenig gutheiße, wird dafür kritisiert, dass er dieses Vergehen kühl und berechnend an den Mann/die Frau bringt.. Verstehe ich ehrlich gesagt nicht..

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