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Aufruf gegen Barlach: Prominente Suhrkamp-Autoren drohen mit Abwanderung
DPA

Es wäre ein beispielloser Exodus - und wohl das Ende von Suhrkamp: Über 180 Autoren, darunter Größen wie Hans Magnus Enzensberger und Peter Sloterdijk, drohen, den Verlag zu verlassen. Sie fordern die Entmachtung des Gesellschafters Hans Barlach.

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sunhaq 26.09.2013, 19:42
20.

Zitat von Observer
Nun gelten in der meinungsbildenden Branche andere Gesetzmäßigkeiten, aber hier wird eindeutig zuviel verlangt. Wohin kämen wir, wenn ein paar Schriftsteller das HGB (bzw. AktG etc.) aushebeln könnten???
Wäre es besser gewesen, wenn die Schriftsteller einfach gegangen wären und der Verlag damit in der bekannten Form Geschichte gewesen wäre? Ist eine frühe Warnung nicht schlicht und einfach fair?

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wauz 26.09.2013, 19:47
21. Die gescheiterte Heuschrecke

Die ganze "Investition" Barlachs war Teil einer Intrige, die ein früherer, direkter Miteigentümer des Suhrkamp-Verlages angezettelt hat, um mit einem juristischen Kniff die Mehrheit am Verlag und damit die Kontrolle zu bekommen. Dazu hat herr Barlach eine AG erworben, die einen 29%-Anteil des Firmengeflechtes Suhrkamp besaß. Allerdings hat er vom Kaufpreis der AG nur die Hälfte bezahlt, weil ein anderer die andere Hälfte kaufen wollte und dann nicht zahlen konnte. Die AG wiederum hat dann auf Pump von jenem anderen Minderheits-Teilhaber den halben Anteil, d.h. 10% von Suhrkamp übernommen. So kommt es zustande, dass sowohl die AG selbst, als auch Herr Barlach persönlich verschuldet sind. Herr Barlach kann nur das verkaufen, was ihm gehört: die AG nämlich. Die will aber keiner haben, weil sie schweizer Recht unterliegt und nur für dort Ansässige als Steuersparmodell dienen kann. Wenn die AG wiederum ihre Suhrkamp-Anteile verkauft, bedeutet das aber noch lange nicht, dass deswegen bei Herrn Barlach Geld ankommt, mit dem er seine Schulden bezahlen könnte. Herr Barlach sitzt also ziemlich in der Tinte und deswegen führt er sich auch so auf.

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Lektorat Berlin 26.09.2013, 20:34
22. Oh.

Zitat von filder
Was Sie meinen schreibt sich Copy_right_
da haben Sie natürlich völlig recht -beim Schreiben kam es mir auch noch komisch vor, zumal "right"/"write" im Englischen nun nicht eben exotische oder eher selten verwandte Wörter sind... Shit happens.

Zitat von filder
und existiert in Deutschland gar nicht, sondern ist ein Rechtsbegriff aus dem anglo-amerikanischen Raum. Hier, ebenso wie in Österreich und der Schweiz gibt es Urheber- und Nutzungsrechte und die werden auch nicht 'verliehen'. Das Urheberrecht ist gar nicht übertragbar, ausser durch Tod und Erbe. Aber das ist wohl symptomatisch - viel zu viele Leute, die wenig wissen, reden lautstark mit....
Da könnten wir uns nun lange streiten, in vielerlei Beziehung. Geht es um Bücher, in denen (auch) Fotos enthalten sind, wird überwiegend vom Copy_right_ (statt von U-N-Rechten) gesprochen, aber auch generell setzt sich der, wie Sie ganz richtig anmerkten, aus dem anglo-amerikanische Raum stammende, Begriff Copyright mehr und mehr hier im Sprachgebrauch durch. Wenn Sie z.B. Ausstellungen mit (nicht selbst erstellten) Texten und Fotos bestücken, sprechen Sie generell vom Copyright, und zwar AUCH unabhängig davon, woher der Rechteinhaber stammt.
Und: Das Urheberrecht ist sehr wohl übertragbar. Ich publiziere selbst, und laut meinem Vertrag (und ganz sicher kein Luxusvertrag...) ist dies möglich. In den Verträgen mir befreundeter Autoren (bei unterschiedlichen Verlagen) ebenfalls.

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collapsar 27.09.2013, 08:43
23. Ein anderes Wort

Zitat von Observer
Nun gelten in der meinungsbildenden Branche andere Gesetzmäßigkeiten, aber hier wird eindeutig zuviel verlangt. Wohin kämen wir, wenn ein paar Schriftsteller das HGB (bzw. AktG etc.) aushebeln könnten???
Die 180 Schriftsteller sollen also gegen ihren ausdrücklichen Willen für barlach arbeiten?

das nennt man Sklaverei.

und ganz nebenbei: im Gegensatz zu barlach sind die 180 und ihre Kollegen nicht austauschbar - das gestehen Sie mit dem Begriff erpressung im Titel ihres Beitrags selbst ein.

MfG, Carsten

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volker_morales 27.09.2013, 09:08
24. Sprachgebrauch

Zitat von Lektorat Berlin
(...) Da könnten wir uns nun lange streiten, in vielerlei Beziehung. Geht es um Bücher, in denen (auch) Fotos enthalten sind, wird überwiegend vom Copy_right_ (statt von U-N-Rechten) gesprochen, aber auch generell setzt sich der, wie Sie ganz richtig anmerkten, aus dem anglo-amerikanische Raum stammende, Begriff Copyright mehr und mehr hier im Sprachgebrauch durch. Wenn Sie z.B. Ausstellungen mit (nicht selbst erstellten) Texten und Fotos bestücken, sprechen Sie generell vom Copyright, und zwar AUCH unabhängig davon, woher der Rechteinhaber stammt. Und: Das Urheberrecht ist sehr wohl übertragbar. Ich publiziere selbst, und laut meinem Vertrag (und ganz sicher kein Luxusvertrag...) ist dies möglich. In den Verträgen mir befreundeter Autoren (bei unterschiedlichen Verlagen) ebenfalls.
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird "copyright" nach meinem Verständnis als Synonym für das Urhebeberrecht und für das Nutzungsrecht verwendet. Daher die Verwirrung. Es ist jedoch nicht dasselbe. Die Nutzungsrecht eines Werkes können Sie als Autor bestimmten Verlagen, auch vorübergehend, auch exclusiv, übertragen. Das Urheberrecht bleibt jedoch bei Ihnen. Andernfalls wäre der Verlag berechtigt, den Text auch als eigenen Text oder als Text eines Dritten zu vermarkten. Besonders anschaulich wird die Sache im Bereich der der bildenden Künste. Was macht einen "van-Gogh" zu einem "van-Gogh"? Die Urheberschaft.

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face_65 27.09.2013, 09:16
25.

Lustig wie hier redaktionelle Ahnungslosigkeit und Leservorurteile sich gegenseitig beflügeln. Suhrkamp hat über Jahrzehnte eine grandiose aktive Backlist aufgebaut, deren kluge Verwertung das Haus erst groß und solide gemacht hat. Um es überspitzt zu sagen: Suhrkamp war lange Zeit der Reclam Verlag der Gegenwartsliteratur.
Es mag Branchenfremden nicht immer einleuchten, aber einen Bestseller aus Amerika einzukaufen, zu übersetzen, in die Bestsellerliste zu pushen und dort zu halten, ist so teuer und riskant, dass nicht zwingend ein gutes Geschäft draus wird. Dagegen ist ein "Homo Faber", eine "Mutter Courage" oder eben ein "Steppenwolf" zwar eine langweilige, aber sichere Bank. Nebenher hat Suhrkamp mit Don Winslow, Judith Schalansky und Clemens Setz durchaus in den letzten Jahren weitere Bestseller vorgelegt.
Die relevanten Fragen lauten eher: Warum hat das Haus in den letzten Jahren die Backlistpflege vernachlässigt und damit seine Verlags-DNA mutwillig beschädigt, warum erscheinen die erfolgsträchtigen Lateinamerikaner inzwischen bei S.Fischer und warum hat Hanser dem Haus mittlerwile den Schneid abgekauft? Und das sollte auch den AutorInnen zu denken geben

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tomatosoup 27.09.2013, 09:27
26. Überheblichkeit und Dummheit

Die Drohgebärde selbstverliebter Wichtigtuer ist lächerlich. Glauben diese Figuren ernsthaft, ihre "Drohung" könne Recht & Gerichte beeinflussen? Man weiß zwar, dass die Literaturschickeria dumm ist, aber dass sie so dumm ist, war nicht absehbar. Oder würden Sie etwa als Verleger mit solchen Typen Verlagsverträge schließen, die auf den Unternehmensträger Einfluss nehmen wollen?

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Butenkieler 27.09.2013, 11:51
27. Ob jemand solche aufmüpfigen Schriftsteller

überhaupt noch vermarkten will? Das würde ich mich mir aber sehr überlegen. Denn vielleicht würde ich dann morgen vor die gleiche Wahl gestellt, wenn nicht genügend Mittel in die Taschen der Schriftsteller fließen. Gegen Gesetze, aber für Profit.

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collapsar 27.09.2013, 12:39
28. erbsen zählen

Zitat von Lektorat Berlin
Und: Das Urheberrecht ist sehr wohl übertragbar. Ich publiziere selbst, und laut meinem Vertrag (und ganz sicher kein Luxusvertrag...) ist dies möglich. In den Verträgen mir befreundeter Autoren (bei unterschiedlichen Verlagen) ebenfalls.
es mag in der praxis eine juristische feinheit sein, aber das urheberrecht ist nicht übertragbar, im gegensatz zu verwertungsrechten.

typischerweise geht es im vertragsverhältnis zwischen autoren und verlagen um letztere, die urheberschaft des autors - der vielleicht bereits etabliert ist, ausgezeichnet wurde und dessen name in jedem fall einen markenwert besitzt - zu leugnen bzw. zu verbergen läge schließlich auch nicht im verlagsinteresse.

mfg, carsten

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feach 27.09.2013, 15:16
29.

Zitat von Lektorat Berlin
Und: Das Urheberrecht ist sehr wohl übertragbar. Ich publiziere selbst, und laut meinem Vertrag (und ganz sicher kein Luxusvertrag...) ist dies möglich. In den Verträgen mir befreundeter Autoren (bei unterschiedlichen Verlagen) ebenfalls.
Tut mir leid, das ist nicht korrekt.
Das Urheberrecht ist nicht übertragbar in Deutschland. Der Urheber kann nur Nutzungsrechte übertragen, die Urheberschaft kann er nicht - wie z.B. in den USA - weitergeben. Sollte das in einem deutschen Vertrag anders drinstehen, ist der Passus nicht gültig und damit - je nach Formulierung - der ganze Vertrag.

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