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"Aufruhr in mittleren Jahren": Nur noch Angestellte der Kinder - eine Mutter bereut
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Der Sex: wird wöchentlich abgehakt. Die Söhne: wohnen im Hotel Mama. Die Ordnung: sorgsam gewahrt. Aber dann zerbricht alles in diesem bissigen Familienroman der Norwegerin Nina Lykke.

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KatharinaH13 01.03.2018, 17:59
20.

Von meinen ganzen Überlegungen nach der Buchbesprechungslektüre blieb also Stutenbissigkeit übrig. Danke Emma Woodhouse für die wohlwollende Interpretation. Nur noch mal ein kleiner Einblick: Affäre und danach zwei schwere depressive Phasen mit jeweils einem Jahr Arbeitsunfähigkeit und beruflichem Abstieg, nach dem Auszug vermuellt die Wohnung, so dass Freunde ihm ins Gewissen reden, Online-Frauensuche, zahlreiche Bekanntschaften, die letzte besteht 6 Wochen, die Kinder (10 und 12) haben sie natürlich kennengelernt. Und was schwer zu verstehen ist, ich war 20 Jahre mit einem stabilen Mann zs., der geschafft hat zu promovieren und eine Station zu leiten. Und ja, jetzt hoffe ich, dass die Krankenschwester ihn ordentlich bemuttert, damit er wieder auf die Reihe kommt.

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KatharinaH13 01.03.2018, 18:14
21. Überschrift

Und falls das noch eine Frage wäre: nein, ich habe ihm in der Trennung und jetzt nicht das Leben schwer gemacht und promoviert habe ich selbst auch.

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ventoux72 02.03.2018, 11:28
22. Seelenleben des Ex

Hallo Frau Katharina,
das hört sich für mich so an, als wäre es Ihrem Ex Jahre lang, bis heute andauernd, ebenfalls sehr schlecht ergangen. Daher ist Schadenfreude sicher nicht ganz passend, oder Sie verkneifen sich, diese zu zeigen. Am meisten Leid tragend an der jetzigen Situation dürften allerdings die Kids sein, das bitte nicht übersehen.
Die Mechanismen, die eine Familie in eine solche Situation des Auseinanderlebens bringt, und Massnahmen dagegen, die würde ich wirklich gerne verstehen. Ich sehe diese Gefahr auch für meine Familie (w40, m45 (ebenfalls promoviert), m2.5). Man muss einfach täglich(!) an der Beziehung arbeiten, tolerant sein, dem Partner Freiräume eingestehen, einander helfen - und trotzdem ist der Erfolg nicht garantiert.
Mit besten Grüßen, m45

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Angela0451 07.03.2018, 09:36
23. Opfer, wohin man schaut

...den Schlüssel jedoch hat in diesem Fall die Protagonistin. Hier kommt es soweit, dass man dem Mann letztlich dankbar für seine Affäre sein muss, weil er zu Veränderung zwingt. Hätte er das nicht gemacht, hätte es auch eine lebendsbedrohliche Krankheit als Ausweg sein können. Am "bloß-nichts-verändern" trägt die Ehefrau die - ihr aus frühen Kindertagen wohlbekannte - Verantwortung. Wer in einem solchen Kontext aufwächst, trägt deren Konsequenzen in Ehe und Kindererziehung (Wahl des Ehegattentypus etc.) "Monsterkinder" fallen nicht vom Himmel und haben zudem die Funktion, die eigene Position im Leben - hier als Opfer - zu bestätigen. Ja, es ist nicht einfach, sich aus solch selbstgemachten Schlingen zu befreien - und dennoch unerläßlich. Schwierig wird es zudem, weil die Gesellschaft solch scheinbar "selbstlose" Frauen mit Anerkennung und Dankbarkeit in ihrem Tun bestätigt. Mein Mitleid hält sich also in Grenzen. Eher bekomme ich Würgereflexe von all diesem falschen Verständnis, welches die Autorin für ihre Hauptfigur durchs Buch zu spülen scheint.

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