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Auschwitz-Überlebende bei Jauch: Erinnerung als Waffe
DPA

Zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz hatte Günther Jauch zwei Holocaust-Überlebende geladen. Eine gelungene Veranstaltung über das Sprechen als Widerstand gegen das Vergessen.

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E.Z.Rider 26.01.2015, 11:38
20. Nicht Schuld, sondern Erinnerung

Eine großartige Sendung, in der die beiden alten Damen gezeigt haben, dass es nicht um Schuld sondern Erinnerung ging. Was die Erinnerung angeht, darf es nie einen "Schlussstrich" geben, damit nie mehr Menschen eine solche Schuld auf sich nehmen und derartige Verbrechen begehen.

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Bruder Theodor 26.01.2015, 11:41
21.

Im Jüdischen Museum in Berlin gibt es eine Graphik, die sagt/zeigt, dass aus dem damaligen Deutschland 200.000 Juden deportiert worden waren/sind. Man kann den Holocaust von zwei Seiten aus aufrollen, die eine ist über eine Trauer und Betroffenheit, die andere ist technisch-wissenschaftlich und abstrakt. Für 98% der Menschen ist die technische Aufarbeitung zu abstrakt und zu emotionslos. Holocaust und Krieg und Kriegsvorbereitung sind nicht voneinander zu trennen, denn es ging bei der Enteignung der Juden, die mit den Pogromen 1938 anfingen, die zentral und von oben gesteuert waren, um Geld. Im Hintergrund der Pogrome standen die sogenannten MEFO-Wechsel, die fällig wurden. Es ging um Geld für die Kriegskasse, die Annexion Österreichs (oder Österreichs Beitritt zum Großdeutschen Reich) brachte mit der Enteignung der Juden, die in Österreich erst richtig professionell vonstatten ging, gleichwohl - primär - Geld. Die Enteignung der Juden in Österreich erst macht klar, wie sehr eine Struktur den Holocaust betrieb, wie sehr der Holocaust von einer und durch eine Struktur betrieben wurde. Man spricht an anderer Stelle (und heute immer noch) von "Justizmühle", und es ist ein und dieselbe Art, wie sie mit der Justizmühle vorliegt, wie sie mit dem Holocaust vorlag; der Holocaust war eine Maschine; die stetig verbessert wurde, das heißt, sie wurde effizienter und reibungsärmer gestaltet.

Theodor Adorno sagte: ""Ich fürchte nicht die Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern die Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten."

Night Will Fall | Alfred Hitchcock's Holocaust Documentary (HBO) | ~1 h 15 min
http://youtu.be/QC7oABOeOxk

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jenoc 26.01.2015, 11:43
22. Bunt ist besser

Je vielfältiger eine Region kulturell belebt ist, desto weniger kann sich die dortige Gesellschaft in eine bestimmte, extreme Richtung begeben, in welcher sie sich dann wie ein gesellschaftliches Krebsgeschwür verhalten könnte – so wie es hier vor 70-80 Jahren passiert ist.
Insofern ist das ach so gerne und ach wie billig gescholtene Multikulti in Wirklichkeit ein Segen für Deutschland, die rein wirtschaftlichen Aspekte, die den Zuzug Fremder ebenso dringend erscheinen lassen, noch nicht mal ins Kalkül gezogen.

Wenn jemand wie eine der beiden Damen in der Sendung nun freiwillig dorthin zurückkehrt, wo dieses Nazi-Krebsgeschwür früher ein entsetzliche Schicksal für sie und ihre Familie bereitet hat, ist dies ein gutes Zeichen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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gustav77 26.01.2015, 11:44
23. gelungen

eine gelungene Talkrunde war das. Eine wichtige Zeugenaussage, um die Erinnerung wach zu halten. Und wenn wir in historischen Epochen denken, dann liegt der NS-Horror gar nicht weit in der Vergangenheit zurück. Umso unverständlicher ist, wie sich eine Bewegung wie Pegida überhaupt formieren kann.

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fürkül 26.01.2015, 12:49
24. Nicht nur uns

Unvorstellbare Grausamkeit.
In der Tat. Nein, das darf nie vergessen werden. Aber egal, ob Konzentrationslager oder Krieg.
Massenweise die Vernichtung von Menschenleben zu planen und auszuführen, das können alle Völker. Auch wenn ein Volk sonst gar nix kann. Aber auf dem Gebiet hat jedes seine Spezialisten. Jede Regierung hat ihre Einheiten, die im "Ernstfall" dazu fähig wären. Deshalb ist diese Grausamkeit an sich, so schockierend das ist, in Wirklichkeit nichts Ungewöhnliches. Die Dreckschweine auf Gottes Erdboden sind gleichverteilt. Wer Atombomben auf ein eigentlich militärisch vollkommen besiegtes Volk wirft, wer wie die Russen oder Chinesen, zig Millionen politisch "ungehorsame" Angehörige des eigenen Volkes abschlachtet...der ist moralisch kein Haar besser als ein Judenvernichter.
Von daher würde ich sagen, die gesamte Menscheit muss sich von Zeit zu Zeit dringendst fragen, wo sie steht.
Gerade, wenn man bedenkt, dass der Abwurf der Atombombe als heroische Tat gefeiert wird von unseren Befreiern, dann sollte einem bewußt sein, dass die Menschheit nicht viel gelernt hat. Und ein Nachdenken eigentlich tagtäglich notwendig wäre.

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rantzau 26.01.2015, 13:21
25. Britische und Amerikanische

Kameraleute, auch Hitchcock brachen in Tränen aus. und wir? Wir senden Night Will Fall zu einer Sendezeit, die einfach nur unmöglich ist (23.00h). Was sind wir bloss für ein Volk? Israel wird immer unbeliebter, Muslime mit kruden Ideen dominieren den Alltag. Ich scäme mich fremd. Mal wieder!

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vali.cp 26.01.2015, 13:25
26.

Zitat von outsider-realist
Der Vergleich mit den Anhängern einer Glaubensrichtung hinkt gewaltig und ist gerade in dem Zusammenhang recht unpassend, scheinbar aber bewusst gewählt. Bei "positiven" Ereignissen der Vergangenheit ist .....
Der positive-Ereignis-Vergleich hinkt eher gewaltig. Hier Parallelen zu ziehen erschließt sich mir nun tatsächlich gar nicht.

Der Vergleich mit den Muslimen ist hingegen durchaus passend. Denn es ist ein Unterschied ob ich mich zu etwas wie einer Mannschaft bekenne und diese zu Ereignissen wie WM & EM unterstütze und der Zugehörigkeit zu einer Nation oder Glaubensgemeinschaft.
Ich bin kein gebürtiger Deutscher, vermutlich fehlt mir daher das Verständnis wie in Deutschland mit dem Thema umgegangen wird.
Ich muss jedenfalls nicht permanent an die NS Zeit erinnert werden. Mir ist durchaus bewusst welches Ausmaß und welche Tragweite alles hatte und hat.

Allerdings sehen junge Generationen das zum Glück etwas differenzierter. Hier von Schuld zu sprechen ist sinnlos. Verantwortung sehe ich nur bedingt. Denn Die Verantwortung dass Massenmord verhindert wird, ist unabhängig der Nationalität und Glaubensrichtung

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sitiwati 26.01.2015, 13:38
27. Vergleiche sollten

hier unterbleiben, noch kein Volk, das sich als Kulturell hochstehend empfindet hat es geschafft, Menschen sozusagen maschinell zu töten, ob Stalin Mao Pol Pot Millionen hingeschlachtet haben, verblasst, wenn man ein bischen nachdenkt, an diesem Massenmord waren Beamte beteiligt, die akribische Fahrpläne zusammen stellen, Versorgungslisten führten ; Strichlisten über Menschen, Industrielle, die mit der Sklavenarbeit Vermögen verdienten und die , nach dem Krieg, nicht mal den Anstand hatten/haben die Sozialabgaben nach zu zahlen, sondern eine mickrigen Fond auflegten, Wissenschaftler , die neue Mittel zur Vernichtung ersannen, Ärzte, die Experimente durchführten und nach dem Krieg wieder in hohe Stellungen an Unis und Kliniken bekamen, Orden und Auszeichnungen, hier einen vergleich mit der A Bombe usw zu machen, ist einfach Schmaarn!

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spon-facebook-10000283853 26.01.2015, 13:45
28.

Es sollte allen eine Mahnung sein, die glauben, dass "mehr Staat" eine gute Sache ist.
Ein Gewaltmonopol ist immer gefährlich und alle Genozide sind aus zentralistisch/sozialistischen Systemen entstanden, die als Rechtfertigung kollektivistische Ideale angeführt haben.

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speedygonzalesontour 26.01.2015, 13:55
29. Eliten

Zitat von polltroll
Schade, dass hier nicht auf den Staatsanwalt des Auschwitz Prozesses Anfang der 60er Jahre eingegangen wird und die immer noch spürbare Fassungslosigkeit der Opfer, dass es ganz normale bürgerliche Deutsche waren, die sie zur Schlachtbank führten. Es waren ca. 500.000 Deutsche direkt oder indirekt an den Morden beteiligt. Die Unfähigkeit Deutschlands die Täter zur Rechenschaft zu ziehen! Ganz normale Deutsche: Lehrer, Beamte, Akademiker etc. Aus der Mitte der Gesellschaft! Das sollte gerade aktuell eine Mahnung sein!
Ich habe zu Ihrer Kritik eine gegensätzliche Meinung:
Die Eliten - auch die bürlichen und technokratischen - waren in autoritären Regimen immer mit dem Staat verbandelt. Das war in der DDR und bei den Nazis so.

Weil sie für eine neue Staatsform jedoch unabdinglich sind und gebraucht werden, spielt es in meinen Augen eine untergeordnete Rolle, weche Funktion sie davor einnahmen. Außerdem waren die meisten davon lediglich Mitläufer und Karrieristen, die beruflich vorankommen wollten.

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