Forum: Kultur
Autor Jan Brandt über Wohnnöte: "Diese schrecklichen Neubaugebiete überall"
Anika Büssemeier/ Dumont

Eigenbedarfskündigung - fast ein Jahr lang war Jan Brandt wohnungslos. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe schrieb der Bestsellerautor zwei Bücher in einem: über das Wohnen in der Stadt und auf dem Land.

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tomquixote 26.05.2019, 17:46
1. Lieber Herr Brandt -

so ganz verstehe ich nicht, was Sie eigentlich wollen. Einerseits brauchen Sie als Schriftsteller doch eine gewisse Ruhe, um an Ihren Büchern zu arbeiten - also warum nicht Opas Haus in Ostfriesland? Andererseits suchen Sie zwischenmenschliche Erlebnisse und die können sie besser in der Stadt finden. Also warum beschaffen Sie sich nicht einen festen Punkt in Form von Opas Haus und mieten in Berlin ein Studio, von dem aus Sie den Zauber der Spreemetropole erkunden können.

Oder lassen Sie beides beiseite und ziehen nach Erkner; von da aus sind Sie in einer halben Stunde am Alex und können morgens im Flakensee baden. Oder, was ganz anderes: nehmen Sie sich einen Monat frei und gehen Sie den Jakobsweg, aber nicht den von Hape, sondern die Ruta de la Plata von Sevilla aus nach Norden - nach drei Wochen Marsch sagt Ihnen der Weg, was Sie eigentlich wollen. Falls Sie mehr über den Weg wissen wollen, fragen Sie mich (thomas.dunskus@gmx.de). Ansonsten alles Gute.

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Ossibär 26.05.2019, 17:46
2. "Diese schrecklichen Neubaugebiete überall."

Wo früher Felder und Wiesen waren,stehen heute auch in Thüringen die Ökohäuser der üblichen Verdächtigen. Natürlich mit bestens ausgebauten Straßen. Man will sich ja nicht den SUV kaputt machen. Mit dem fährt man dann zur Arbeit , zum Einkaufen und die Kinder zur Schule und zur Klima Demo. Und fährt dabei natürlich durch die Straßen und Wohngebiete mit Mehrfamilienhäusern oder Plattenbau derer ,die sich das nicht leisten können und bringt den Lärm und Staub mit, gegen den man dann eifrig demonstriert. Man selbst wohnt in Einbahnstraßen oder Sackgassen, die für Fremde fast tabu sind. Einfach mal durchfahren ist schwierig und fast unmöglich. Die Parteifreunde auf dem Amt haben da schon geholfen und aufgepasst. Z.B. am Steigerwald im Süden von Erfurt. Dort wurde die Straßenführung an die Bedürfnisse der Leistungsträger angepasst. Dort kamen auch keine Flüchtlinge unter. Die wurden auf die Neubaugebiete,die sozialen Brennpunkte und Problemviertel, verteilt. Ein Schelm...

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sven2016 26.05.2019, 17:50
3. Klingt spannend.

Und alles Gute dem Autor für seine weitere Zeit!

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salomohn 26.05.2019, 17:59
4. Au weia

Andere Leute beurteilen, ohne die Situation zu kennen, ist gewagt (oder unprofessionell?). "Ich und mein Garten. Und nicht mehr: Ich und die Welt" ist natürlich Unsinn. Praktisch alle wirklichen Macher in allen Lebensbereichen leben auf dem Land. Sie genießen die Abende und das Wochenende ohne Lärm, schlechter Luft und zigmal aufbereitetem Wasser. In den Innenstädten leben die Leute mit Bart, die noch strampeln müssen. Keine Chefs.

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euro-paradies 26.05.2019, 18:15
5. Er sollte mal überlegen, ob es nicht besser wäre selbständiger

zu leben und sich eine Wohnimmobilie kaufen. Als Journalist mit einem guten, sicheren Einkommen dürfte das kein Problem sein und man kann sich dann besser auf seine Arbeit konzentrieren. Oder auf´s Land ziehen, da gibt es noch genügend billigen, guten Wohnraum zu mieten.

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MarkusW77 26.05.2019, 18:24
6.

diese moralische Überlegenheit nervt unendlich, so stark, das einem solche Leute und Einstellungen schon wieder egal sind. In neubaugebieten Leben und wohnen genauso unterschiedliche Menschen wie in jedem x-beliebigen Stadtviertel. Kann er sich aber nicht leisten, und deshalb ist das doof. Die Weintrauben schmecken eh nicht sagte der Fuchs.

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Theophanus 26.05.2019, 18:38
7. Ja, ganz schrecklich...

...Diese schrecklichen Neubaugebiete überall. Und dann sitzt man in diesen uniformen Vorstadtsiedlungen und alle führen das gleiche Leben.....

Es ist mein Haus und mein Leben. Ich gestalte es so, wie ich will. Das mag dem Autor nicht passen, der anscheinend nur seine Art zu leben als richtig empfindet. Ist mir allerdings wirklich völlig egal was ein irgendsojemand darüber denkt...

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Oberleerer 26.05.2019, 18:40
8.

Nicht jeder Hipster ist ein Künstler, auch wenn er eine Weile in Berlin wohnt.

Die meisten Menschen werden nunmal gezwungen, täglich an einem Arbeitsplatz zu erscheinen, was der Name Arbeitsplatz schon in sich trägt. Dies ist der allergewichtigste Grund für den Run auf die Städte.

Würden die großen Städte auf Gewerbesteuereinnahmen verzichten und Gewerbe auch in kleinere Gemeinden ziehen lassen, wäre das Sterben der kleinen Gemeinden auch gestoppt.

Das sind einfach nur die Auswirkungen eines ungeregelten Marktes, bei dem es um die Attraktivität der Städte geht, im Kampf um Steuereinnahmen.

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AttaTroll 26.05.2019, 18:46
9.

"Politik [...] hat die Wohnungsmisere auf vielen Ebenen mit verursacht - vom Bankenskandal über den Verkauf der städtischen Wohnungsgesellschaften bis zur Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus - und ist unfähig und nicht willens, gegenzusteuern. "
Das ist fein beobachtet, aber nur ein Teilaspekt der aktuellen Misere: Politik hat sich längst zu sehr abhängig gemacht von Interessengruppen aus Wirtschaft und Industrie und darüber ihre eigentliche Aufgabe, die Einflussnahme, Gestaltung und Durchsetzung von Forderungen und Zielen in privaten oder öffentlichen Bereichen zum Wohle und Gedeihen eines Gemeinwesens, abgegeben an die üblichen Verdächtigen aus Finanzwelt und Wirtschaft. Unsere Welt ist mittlerweile in allen Bereichen globalisiert, was Vorteile für die Einen, aber Nachteile für die Anderen mit sich bringt. Und dann investieren eben ausländische Zocker bei deutschen Wohnungsgesellschaften, und jenen ist es herzlich egal, auf welchem Wege die Performance einer Aktie zustande kommt. Entscheidend ist, welche Rendite zu erwarten ist. Auch und gerade mit Wohnungen.

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