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Bayreuther Festspiele: Den Nazi mit dem Meese-Bub austreiben
dapd

Nazi-Tattoo? War da was? Die Bayreuth-Chefinnen blickten zur Eröffnung der Festspiele entschlossen nach vorn. Jonathan Meese soll 2016 den "Parsifal" inszenieren, kündigten die Wagner-Urenkelinnen an. Ausgerechnet der Künstler also, der gern mal den rechten Arm zum Hitlergruß hebt.

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RealSatiriker 25.07.2012, 18:59
1. ...

Ich verstehe nicht, warum man den Hügel seit 1945 hoch subventioniert und sich dort die (Polit-) Prominenz die Klinke in die Hand gibt.

Winnifried Wagner hatte sich noch 1979 in einem Interview als 'bekennende Nationalsozialistin' bezeichnet.

Mir wurde und wird nicht nur von der 'Musik' übel.

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tschroed 25.07.2012, 21:48
2. stell Dir vor....

Warum um alles in der Welt geben wir diesen Festspielen eigentlich ein solches Gewicht? Aus meiner zugegebener Weise bescheidenen Sicht erlauben wir mit dieser Gewichtung einer perfekten Selbstdarstellung den Bühnenzutritt - schade - Es gibt bei weitem wichtigere und vor allem bessere kulturelle Highlights...

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Chlodwich 25.07.2012, 21:53
3. ...

Zitat von RealSatiriker
Ich verstehe nicht, warum man den Hügel seit 1945 hoch subventioniert und sich dort die (Polit-) Prominenz die Klinke in die Hand gibt. Winnifried Wagner hatte sich noch 1979 in einem Interview als 'bekennende Nationalsozialistin' bezeichnet. Mir wurde und wird nicht nur von der 'Musik' übel.
Jeder kann Verstantaltungen inszenieren wie er will,
solange er sich nicht strafbar macht.
Vielleicht haben sie aber auch nur einfach einen
einen anderen Musikgeschmack?

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Tuxeedo 25.07.2012, 22:45
4.

Ach Gott, kann man da nur seufzen - die Spielchen gehen munter weiter...

Herr Meese mag ja vielleicht ein bedeutender Künstler sein, ein Opernregisseur ist er nicht, von Musik wird er vermutlich wenig Ahnung haben, vom Gesang gar keine.
Macht ja alles nix, Hauptsache, die Zeitungen schreiben fleißig.

Bis die Musikkritiker und die Wagnerenkelinnen irgendwann allein im Festspielhaus sitzen.
Ich mußte an Berichte über die Saison 2011 denken - zur Bestürzung einiger "Fachleute" blieben die Sitze leer, dabei hatte doch die Chefin des Hauses persönlich das heikelste Werk ihres Urgroßvaters inszeniert, schon allein deshalb hätten alle hinrennen müssen.

Tja, daß Opernfans nicht wegen einer ach-so-tollen Inszenierung ins Theater gehen, scheinen manche einfach nicht zu begreifen. Die Wagnerschwestern auch nicht.

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tylerdurdenvolland 26.07.2012, 03:14
5. ...

Zitat von RealSatiriker
Ich verstehe nicht, warum man den Hügel seit 1945 hoch subventioniert und sich dort die (Polit-) Prominenz die Klinke in die Hand gibt. Winnifried Wagner hatte sich noch 1979 in einem Interview als 'bekennende Nationalsozialistin' bezeichnet. Mir wurde und wird nicht nur von der 'Musik' übel.
Dass sie von Musik nichts verstehen ist kein Verbrechen.

Mit den Subventionen haben sie aber völlig recht. Warum man ausgerechnet die privilegierten Besucher Bayreuths mit Steuergeldern unterstützt werden, das erklärt wohl einiges über die Politik in diesem Lande.

Zum Thema selber gibt es heute einen ausgezeichneten Artikel in der FAZ, den sollte sie (und alle anderen) mal lesen:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleto...-11830508.html

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rums.feld 26.07.2012, 06:12
6.

Zitat von RealSatiriker
Ich verstehe nicht, warum man den Hügel seit 1945 hoch subventioniert und sich dort die (Polit-) Prominenz die Klinke in die Hand gibt.
Vielleicht Gesinnungskontinuität ....?

Zitat von RealSatiriker
Winnifried Wagner hatte sich noch 1979 in einem Interview als 'bekennende Nationalsozialistin' bezeichnet.
Ach, da gibt es noch viele weitere ....

Zitat von RealSatiriker
Mir wurde und wird nicht nur von der 'Musik' übel.
Kunst ist immer auch Geschmackssache.
Übel werden muss einem von Wagners Musik aber nicht unbedingt.

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RealSatiriker 26.07.2012, 11:15
7. ...

Zitat von Wahrheit2011
Winifred Wagner hat aus ihrem Leben erzählt. Aber das ist nicht erwünscht, denn es soll halt alles schwarz-weiß und nicht differenziert gezeigt werden. .
Naja, auch eines Sichtweise.

Zitat aus dem Interview von 1979:

“Also, wenn heute Hitler hier zum Beispiel zur Tür hereinkäme, ich wäre genauso so so so fröhlich und so so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer.."

Wo sie da Grautöne suchen, bleibt mir allerdings ein Rätsel.

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niska 26.07.2012, 11:39
8.

Zitat von sysop
Nazi-Tattoo? War da was? Die Bayreuth-Chefinnen blickten zur Eröffnung der Festspiele entschlossen nach vorn. Jonathan Meese soll 2016 den "Parsifal" inszenieren, kündigten die Wagner-Urenkelinnen an. Ausgerechnet der Künstler also, der gern mal den rechten Arm zum Hitlergruß hebt.
Ich hätte ja bei SPON lieber etwas über das geglückte Don Giovanni-Premieren-Experiment in Stuttgart gelesen, als das ewiggleiche Nazigewäsch mit den unsympathischen Erben Wagners.

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Celestine Trueheart 26.07.2012, 14:12
9.

Zitat von tylerdurdenvolland
Interessenten an den Zusammenhang zwischen Bayreuth und Hakenkreuz, mal hier nachlesen:
Ein interessanter Artikel, doch frage ich mich, warum ausgerechnet ein Brite als Wagner-Fan eine Absolution für Wagners antisemitische Äußerungen einholen will.

Wagner lebte im 19. Jahrhundert, in welchem ganz Europa offene rassistische Ideologien hegte, vor allem die Briten, auf Basis welcher barbarische Verbrechen an den kolonialisierten Völkern verübt wurden. Zwischen 1870 und 1940 gab es überall in Europa und in den USA die „Völkerschauen“, als eine Art Menschenzoo, welche hier in Hamburg sogar im Zoo Carl Hagenbecks vorgeführt wurden. Auch war Antisemitismus weit verbreitet, nicht nur in Deutschland. Rassismus war also im 19. Jahrhundert salonfähig und gesellschaftlich akzeptiert, auch und besonders in the British Empire.

Man tut Wagner großes Unrecht, wenn man die damals allgemeingültige sozialdarwinistische bzw. wissenschaftlich begründete rassistische Denkart nun als etwas speziell Deutsches abstempelt und an ihn haftet. Noch grotesker ist es, in Wagner einen Wegbereiter der nationalsozialistischer Ideologie erkennen zu wollen. Solche Ideologien waren in der angelsächsischen Welt zuhauf vertreten: Sklaverei bzw. Rassendiskriminierung noch bis hin zu den 70er Jahren in den USA. Selbst wenn es dabei nicht explizit um Antisemitismus ging, so war es doch gesellschaftlich sanktionierter Rassismus übelster Art.

Als Finnin habe ich etwas dagegen, den in der ganzen westlichen Welt beheimateten offenen Rassismus zu negieren und statt dessen in den Deutschen die alleinige Quelle des „Bösen“ orten zu wollen. Damit will ich explizit darauf hinweisen, dass damit auf keinen Fall eine Verharmlosung der Gräueltaten der Nazis gemeint ist. Das wird in diesem Land der großen Schwarz-Weiß-Denker ja gerne in einen Topf geworfen. Nur sollte man tabulos erkennen, wie die Realität in Europa und in den USA im 19. Jahrhundert aussah, als Richard Wagner lebte, ihn aus dem Spiel lassen und seine wunderschöne Musik ohne Bedenken genießen.

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