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Berliner Staatssekretär Andrej Holm: Ein Traum für Gentrifizierungskritiker
DPA

Als Berliner Stadtentwicklungs-Staatssekretär kämpft Andrej Holm gegen steigende Mieten. Nun muss er seinem bisherigen Arbeitgeber, der Humboldt-Universität, eine Stellungnahme über seine Stasi-Vergangenheit abgeben - heikel für sein politisches Amt.

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manicmecanic 12.01.2017, 11:09
1. der seine Stasivergangenheit SCHON 2007 bekannt machte ?

Da sieht man ja wohl wie voreingenommen der Artikel über ihn berichtet,wenn er in dem Zusammenhang das Wort schon benutzt.Nach fast 20 Jahren ist also für den Autor schon.

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frieda1975 12.01.2017, 11:12
2.

In dem unten verlinkten Artikel klingt das alles weniger harmlos. Unter "als Staatssekretär geeignet" verstehe ich etwas anderes.Und wieso wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Wenn ich richtig erinnere, wurden sehr viele Lehrer und andere Mitarbeiter desöffentlichen Dienstes entlassen, als herauskam, dass sie - höflich formuliert - Teile ihrer Biografie zu erwähnen vergessen hatten... Wenn der Bundesgerichtshof diesem Menschen eine "linksextremistische Einstellung" attestiert, dann muss man sich ernsthaft fragen, was der dort in Regierungsverantwortung zu suchen hat. Wobei es passt insgesamt zu der Regierung und ihrem Programm - wenigstens konsequent. Armes Berlin.

"Holm hatte sich jahrelang in der linksmilitanten Szene bewegt und Beiträge für die illegale Postille „Radikal“ verfasst. Der Bundesgerichtshof bescheinigte ihm vor zehn Jahren eine „linksextremistische Einstellung“. Wohnungspolitisch sympathisiert der Staatssekretär mit Hausbesetzern und spricht sich gegen Gentrifizierung aus. (...). Auf einem sogenannten Zusatzfragebogen zum Personalfragebogen behauptete Holm, nie für die Stasi tätig gewesen zu sein, keine Verpflichtungserklärung unterschrieben und auch keine finanziellen Zuwendungen erhalten zu haben."
Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article161089016/Holms-Stasi-Luege-spaltet-die-Berliner-SPD.html

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Afrojüdischer_Sozi-Sinti 12.01.2017, 11:18
3. Nur weiter so...

Diese Art vernünftige und humane Sozialpolitik zu diskreditieren hat mit Sicherheit einen großen Anteil daran, dass Rassisten und Nationalisten wieder politisch an Bedeutung gewinnen. Diese lächerlichen Stasigeschichten sind häufig nichts weiter als eine öde Neuauflage der alten Märchen vom kinderfressenden, gottlosen Bolschewik die über Leute wurden die sich für Frieden und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Bei den derzeitigen politischen Entwicklungen ist es nicht die Rückkehr der Stasi die man befürchten muss, sondern eher der Gestapo. Und nein: das ist nicht das gleiche. Denn ersteres war ein Ausdruck des scheiterns einer humanistischen Ideologie die damit für tot erklärt wurde, zweiteres war die erfolgreiche Zuspitzung und Umsetzung einer anti-humanistischen die bis heute als alternativloser Sieger gewertet wird und erneut vor einer Zuspitzung steht.

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kenterziege 12.01.2017, 11:24
4. Das Gedankengut von Herrn Holm....

...war in der DDR ja ein System zur Verwahrlosung der Bausubstanz. Die Abkürzung "VEB" wurde schon von meinen Eltern in den 50er Jahren mit "Vorsicht es bröckelt!" übersetzt. Im ganzen Ostblock nur Tristesse und notdürftig geflickte Dächer (wenn überhaupt) und mit Grubenholz abgestützte Balkone.
Man kann das wieder haben. Eine Mietpreisbermse ist auch immer eine Investitions- oder Instandhaltungsbremse. Das zum Grundsatz!
Der "Aktivist" Holm hat möglicherweise unrichtige Angaben gemacht, weil er sich seiner Jugendsünden schämt. Dann raus aus dem Staatsdient und rein in den Tagebau. Das währe für mich "Bewährung". Er darf sich dann auch jede Woche den Film "Das Leben der Anderen" anschauen, um sich noch mal zu vergegenwärtigen, was das für eine Bande war, der er sich freiwillig noch kurz vor Toresschluss angeschlossen hatte.

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rennflosse 12.01.2017, 11:24
5. Ungleichbehandlung

An bezahlbaren Mieten dürften die meisten Menschen ein vitales Interesse haben und so geht es hier um eine Abwägung. Aber auch um die Gleichbehandlung. Man muss sich nur fragen, ob ein Beamter auf einem der Öffentlichkeit nicht bekannten Arbeitsplatz so behandelt würde wie Herr Holm. Und man muss sich fragen, ob das Ziel eines gerechteren Wohnungsmarktes nur dann erreicht wird, wenn Herr Holm Staatssekretär ist und bleibt.
Genau wie es durchsichtige Interessen einiger Politiker gibt, ihn loszuwerden, so gibt es auch strategische Interessen der Linken, ihn zu halten.
Selbst gebürtiger West-Berliner bin ich unschlüssig, weil ich selbst keine Stasi-Schicksale oder Stasi-Leidtragende kenne.

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Leibdschor 12.01.2017, 11:29
6. Soso...

Als 18-jahriger ein halbes Jahr bei der Stasi vor fast 30 Jahren, welche er danach wohl seinem neuen Staat wohlgesonnen gedient hat. Und jetzt zieht man das Ganze aus der Schublade? Da will wohl jemand seinen Posten oder seinen politischen Tod? In unserer schönen bunten und ach so tolleranten Republik sollte man langsam mal das Thema zu den Akten legen. NSDAP-, SS- und Wehrmachtsmitglieder selbst im höherem Rang waren auch jahrelang unbehelligt in dieser Republik aktiv, ohne dass das einen wirklich interessiert hätte, waren selbst Minister und Bundeskanzler. Einzig, dass er das halbe Jahr nicht angeben hat, kann man ihm moralisch vorwerfen. Und dann kommt es auch immer noch darauf an, was er in dem halben Jahr da überhaupt getan hat. Aber wo man jemanden kriegen kann, da wird das natürlich schön ausgenutzt. Wie gesagt: die tollerante Republik...

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rennfuchs 12.01.2017, 11:40
7. Wenn der Ehrliche, der Dumme ist ...

dann erodiert das System. Hunderte standen nach der Wende vor dem gleichen Problem, gebe ich meine Stasi-Tätigkeit zu, mit der Gefahr, meinen Job zu verlieren oder nicht? Herr Holm hat sich durchlaviert und kommt damit durch und kann sogar Staatssekretär sein. Was wäre das Signal? Die Kleinen hängt man und die großen läßt man laufen?
Und dabei geht es nicht nur um die Stasi-Tätigkeit von Herrn Holm in jungen Jahren. Nein, der Herr freut sich mehr über einen reuigen Sünder, als über tausend Gerechte, aber diese "Reue" ist -entgegen der Behauptung des Autors- nicht erkennbar. Herr Holms Vorgehen kann man auch wie folgt zuspitzen: Ein Hoch dem Opportunismus.

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peter.stein 12.01.2017, 12:01
8. Die Geister, die ich rief

Ich bin nun wahrlich niemand, der große Sympathie für Herrn Holm hegt, auch nicht für die von ihm vertretene Politik. Aber ehrlicherweise muss man sagen, dass es irgendwie ein bißchen albern ist, jemanden wegen einer 6-monatigen Tätigkeit für die Stasi als 18-jähriger jetzt noch abzustrafen. Eigentlich. Allerdings würde ich es aus 2 Gründen dann letztendlich doch befürworten. Zum einen aus Gleichbehandlungsgründen: es gibt genug andere Menschen, die aus dem öffentlichen Dienst wegen verschwiegener Stasi-Vergangenheit (zuletzt ein Rechtsmediziner an der UNI Potsdam) entfernt wurden. Und zweitens (sorry, das kann ich mir jetzt nicht verkneifen): gerade die politisch linken Parteien haben ja mit Genuß und in Vollendung voran getrieben, dass vorzugsweise liberale oder konservative Politiker von ihren Posten zurücktreten mussten, sobald herauskam, dass diese vor 20 oder noch mehr Jahren in Dissertationen oder sonstigen wissenschaftlichen Arbeiten abgepinselt oder kopiert haben. Zieht man hier den Vergleich: Schummeln in einer Doktorarbeit und Tätigkeit in der Stasi und anschließendes Verschweigen bei einer Bewerbung, kann man sehr gut vertretbar zu dem Ergebnis kommen, dass Herr Holm seinen Hut zu nehmen hat.

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scxy 12.01.2017, 12:03
9. Ein schier unlösbares Problem?

"Die Wahrheit sagen und den Job nicht bekommen, oder den Job bekommen und dafür lügen." Hä? Das war doch für Herrn Holm ganz gut zu lösen. Er hat es gelöst, wie es mit Sicherheit die stark überwiegende Mehrheit gelöst hätte. Von Unlösbarkeit keine Spur.

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