Forum: Kultur
Besteuerung von Periodenprodukten: Rote Flut im Bundestag
Federico Gambarini / DPA

Warum werden Tampons, Binden und Menstruationstassen wie Luxuswaren besteuert? Das wird demnächst Thema im Bundestag sein. Unsere Kolumnistin Margarete Stokowski ahnt schon, was Nahles, Lindner und Gauland sagen werden.

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Hans-Dampf 29.05.2019, 11:21
130.

Zitat von Pless1
Dass sich der Handel bei einer Steuerermäßigung die Differenz einfach einsteckt ist vor dem Hintergrund eines funktionierenden, im Konsumgütermarkt äußerst hart geführten Wettbewerbs sehr unwahrscheinlich.
Als die Mehrwertsteuer von 16% auf 19% angehoben wurde, wurden die Produkte auch nicht um 3 Prozentpunkte teurer, sondern so viel, dass wieder eine runde Summe draus wurde. Und da wude eher auf- statt abgerundet.
Falls nun besagte Produkte mit 7% besteuert würden, nehme ich an, dass die Produkte auch nicht um 12 Prozentpunkte preiswerter würden, sondern eben gleich bleiben oder wieder aufgerundet.

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MioMioMimi 29.05.2019, 11:26
131.

Zitat von kumi-ori
Das ist Quatsch. Fast alles wird mit 19% besteuert, nicht nur Monatshygiene, sondern wirklich fast alles außer Lebensmitteln. Daneben gibt es noch skurile Ausnahmen wie Schnittblumen, Taxifahren und Pferde (Esel hingegen kosten 19%). Man könnte jetzt im Einzelnen für jedes Lebensmittel diskutieren, ob es sich nicht vielleicht doch um Luxusprodukte handelt. Aber wo fängt man an, wo hört man auf? Ist es wirklich sinnvoll, Wachtel- und Hühnereier unterschiedlich zu besteuern? Und wenn man den Serranoschinken mit 19% besteuern möchte, muss man dann nicht auch den Aldi-Press-Kochschinken genauso behandeln? Wenn man Produkte der Monatshygiene mit 7% besteuern will, dann muss das auch für Rasierapparate und Rasierschaum oder beispielsweise für Kondome gelten.
Der Vergleich hinkt für mich.
Ob ich mich rasiere (was überigens für Männder wie Frauen gilt) bleibt mir selbst überlassen. Ob ich Sex habe kann ich auch frei entscheiden. Geht im Überigen auch ohne Kondom, wenn mir meine Sicherheit das Geld nicht wert ist. Auf meine Menstruation habe ich leider keinen Einfluss.

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widower+2 29.05.2019, 11:29
132. Aha!

Zitat von mwroer
Kondome. 19%. Für Frauen nicht geeignet.
Erstens dienen Kondome dem Nutzen beider Geschlechter und werden zweitens sowohl von Männern als auch von Frauen gekauft. Zumindest hatten meine Bekanntschaften früher IMMER Kondome dabei.

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YoRequerrosATorres 29.05.2019, 11:37
133. Was?????

Die zahlen Steuer iHv 19% auf Tampons? Der Logik gehorchend muss dieses Zelluloseprodukt weiter bei 19% bleiben. Nur die vollgeblutete Variante sollte m. E. zu 7% umsatzbesteuert werden. In den neuen Tampons ist schließlich kein Leben drin....

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Unteroffizier_Haase 29.05.2019, 11:54
134. Stimme zu, aber..

Normalerweise mag ich M.S Kolumnen nicht, diesmal jedoch fand ich sie sehr erfrischend und stimme ihr (fast) vollkommen zu. Komplett zustimmen würde ich nur, wenn sie für eine allgemeine Steuersenkung bei Produkten wie Rasierklingen und Tampons wäre.

Schöne Grüße, Haase

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lauterbachheiner 29.05.2019, 11:57
135. Das wird interessant

Diese Debatte wird hoffentlich hier im Spiegel in echt thematisiert und als Video verlinkt. Das will ich sehen.
Ich hoffe vor allem dass die Debatte auch zu etwas führt und der Satz der MwSt am Ende auch wirklich für diese Produkte gesenkt wird. Es wäre an der Zeit. Im Gegenzug können ruhig Luxusprodukte höher besteuert werden. Denn wenn dies am Ende kostenneutral für den Finanzminister wird kann sogar einen SPD zustimmen.

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marenghi 29.05.2019, 12:01
136.

Zitat von mucschwabe
Wo ist das Problem? Wenn Sie in diesem Punkt eine Benachteiligung der Männer sehen, dann starten Sie doch einfach eine Petition und bringen es in den Bundestag. Auch Ihnen steht dieser Weg frei.
Nein, tue ich nicht. Obwohl natürlich mein Beispiel die Forderung widerlegt - in fünffach so großer Benachteiligung der Männer. Da Männer und Frauen in dieser Beziehung keine Schnittmenge haben, und das verfügbare Geld ein Nullsummenspiel ist.

Nein, ich tue es trotzdem deswegen nicht, weil diese Identitätspolitik grundsätzlich der falsche Weg ist. Jeder von uns hat in hunderten verschiedenen Bereichen des Lebens durch unveränderbare oder veränderbare Dinge Vor- und Nachteile, gehört in zig Punkten einer irgendeiner benachteiligten Minderheit an. Wenn wir eine Matrix aufmachen mit allen Benachteiligungen, kommen wir bei nur zehn Benachteiligungskategorien (z.B Hautfarbe, Religion, Geschlecht usw) (und nehmen wir an, sie hätten jeweils nur ein paar Ausprägungen binär) auf Tausende verschiedener Benachteiligungsmöglichkeiten. Es ist unmöglich, diese gerecht auszugleichen. Deshalb geht unsere Gesellschaft davon aus, den Bedarf INDIVIDUELL an konkreter Bedürftigkeit auszurichten: Sie bekommen kein bestimmtes Pflegegeld, weil sie ein gewisses Alter, Ethnie, Bildung, und Geschlecht haben - obwohl diese Faktoren 100%ig sicher die Wahrscheinlichekit der Pflegebedürftigkeit beeinflussen ! - sondern konkret, was Sie individuell OHNE BERÜCKSICHTIGUNG DIESER FAKTOREN brauchen.
Identitätspolitik ist ein Schritt in eine aufgesplittete, gruppenkonkurrierende Gesellschaft. Wir brauchen und wollen das Gegenteil.

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kylling19 29.05.2019, 12:05
137. Framing ...

Richtig ist allein, dass die Vergabe des reduzierten MwSt-Satzes (7%) nicht mehr nachvollziehbar ist und auf den Prüfstand gehört.

Falsch ist, dass es sich bei der Besteuerung von (frauenspezifischen) Hygieneartikeln um einen Luxusmehrwertsteuersatz handelt. Den gibt es nicht.

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marenghi 29.05.2019, 12:12
138. Zu Hause bleiben vs Verhungern

Zitat von fördeanwohner
Sie können also auch einmal im Monat ohne bestimmte Dinge einige Tage das Haus nicht verlassen? Wie notwendig diese Hygieneartikel für Frauen sind, kann man noch in einigen rückständigen Regionen dieser Welt sehen, wo Frauen während ihrer Menstruation das Haus nicht verlassen dürfen! Nur mal zum Nachdenken.
Mein Beispiel ist noch "leicht" schlimmer, als nur nicht das Haus verlassen zu können: Im Artikel wurde ja besonders mit den Ärmsten in Deutschland argumentiert - Sie ziehen sogar rückständige Regionen der Welt heran.
Nun, wenn es an dieses Existenzminimum geht, was passiert dann, wenn man statt blutet bei fehlendem Hygieneartikel weil Frau ...sich in meinem Beispiel zu wenig zu essen kaufen kann weil Mann?
Nur mal zum Nachdenken. :)

Das übergeordnete Argument, warum sowohl die Forderung für die Hygienartikel bei Frauen als auch mein Beispiel für Nahrungsmittel bei Männern ein grundsätzlich falscher Ansatz ist, is aber ein ganz anderes. Und das habe ich in einem Beitrag (je nach Freischaltung der Redaktion) irgendwo über diesem erklärt, Stichwort Sackgasse Identitätspolitik.

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keery 29.05.2019, 13:19
139. Was die Debatte vor allem zeigt,

ist mit welcher Willkür der verringerte Mehrwertsteuersatz zugrunde gelegt wird. Die Verteilung sollte grundsätzlich auf den Prüfstand vor dem Hintergrund der ursprünglichen Absicht, aber auch eventueller neuer Aspekte, wie z.B. Tier- und Umweltschutz. Bei Luxusgütern, die reine Wegwerf-Artikel sind, sollte nicht nur der Mehrwert, sondern auch der Mehrschaden besteuert werden.

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